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Warum Animojis, AR-Emojis und Co. vor allem etwas für Kinder sind

Animojis sind vor allem für Kinder geeignet.
Animojis sind vor allem für Kinder geeignet. (©picture alliance / AP Photo 2017)

Auf der WWDC 2018 stellte Apple die neuen Memojis vor. Damit kann der Nutzer in die Rolle von Cartoon-Avataren schlüpfen und so mit seinen Freunden chatten. Die Animojis und Samsungs AR-Emojis beruhen auf demselben Prinzip. Das ist eigentlich ein tolles Feature – vor allem für Kinder. Ausgerechnet diese sprechen die Hersteller jedoch nicht an.

Memojis, AR-Emojis und Co. sind ein neuer Smartphone-Trend. Die Gesichtsausdrücke des Nutzers werden dabei von der Selfie-Kamera eingefangen und von Cartoon-Avataren auf dem Display nachgeahmt. Ich selbst konnte die Animojis auf einem iPhone X und die AR-Emojis auf dem Galaxy S9 testen. Und ich denke, dass sie, wie die neuen Memojis, vor allem etwas für Kinder sind. Im Gegensatz zu manch anderen Kommentatoren meine ich das aber nicht abwertend – ich hätte als Heranwachsender viel Freude an einem Cartoon-Abbild von mir gehabt, das mich nachahmt. Ich finde es vielmehr schade, dass Apple und Samsung Kinder in ihrer Werbung nicht beachten. Stattdessen glauben die Unternehmen offenbar, dass vor allem Erwachsene in Form von Cartoon-Gesichtern mit anderen Menschen chatten möchten.

Samsung und Apple bewerben Animojis und Co. für Erwachsene

Auf Samsungs Website zu den AR-Emojis werden die 3D-Avatare von Frauen genutzt und, weniger prominent, von Männern. Ich finde es noch befremdlicher, dass selbst AR-Emojis in Form von Disney-Figuren wie Micky Maus und Minnie Maus in einem Samsung-Werbeclip eine Frau vorstellt. Auf der Website schreibt Samsung dazu: "Die bekannten Gesichter folgen Ihren Gesichtsausdrücken und liefern Ihnen eine Extra-Portion Spaß beim Schreiben ihrer Nachrichten." Das Unternehmen ist demnach der Überzeugung, dass Erwachsene als Micky oder Minnie Maus mit ihren Kollegen und Freunden chatten werden.

Samsung spricht mit seiner AR-Emoji-Werbung vor allem Frauen an. (© 2018 Samsung)

Apple überließ die Animoji-Präsentation auf der Keynote 2017 ebenfalls keineswegs Kindern. Vielmehr schnitt Apple-Software-Chef Craig Federighi höchstpersönlich Grimassen, die von den Animojis wie einem Hund und einem Hühnchen nachgeahmt wurden. Für die Präsentation wurde er zwar im Internet veralbert, aber das hielt Apple nicht davon ab, die neuen Memojis auf der WWDC 2018 schon wieder von einem Erwachsenen vorstellen zu lassen, diesmal von einer Frau, namentlich Apples Messages-Team-Managerin Kelsey Peterson.

Warum werden Kinder-Features nicht mehr von Kindern präsentiert?

Im Jahr 2010 ließ Microsoft sein Kinectimals-Spiel für die Xbox Kinect noch von einem Kind vorführen, also ist es wohl nicht tabu, dass Kinder Features und Anwendungen zeigen dürfen, die für sie gedacht sind. Genau daran bekam ich bei den Apple- und Samsung-Präsentationen schon meine Zweifel. Gehen wir kurz davon aus, dass die Unternehmen ernsthaft glauben, Erwachsene würden gerne in Form von Cartoon-Figuren miteinander chatten oder Videokonferenzen führen.

Das Xbox-Kinect-Spiel "Kinectimals" ließ Microsoft passenderweise von einem Kind präsentieren. (© 2018 Microsoft via YouTube / Gamespot)

Warum tritt Tim Cook dann nicht auf der jährlichen Aktionärsversammlung von Apple als gackerndes Animoji-Hühnchen auf? Warum zeigt Samsung keine leitenden Mitarbeiter, die sich mithilfe der AR-Emojis zu einem Blind-Date verabreden wie in einem Samsung-Werbeclip für das Feature? Ich zumindest habe keine Freunde, Kollegen, Familienmitglieder oder Bekannte, mit denen ich gerne als Micky Maus kommunizieren möchte.

Animojis und Co. machen Kindern wohl mehr Spaß

Für Erwachsene stellen Animojis, Memojis und AR-Emojis aus meiner Sicht witzige Gimmicks dar, die sie einmal ausprobieren und dann nicht mehr beachten. Kinder hingegen könnten durchaus Spaß daran haben, als Fuchs, Außerirdischer, T-Rex oder als Cartoon-Avatar miteinander zu chatten. Schließlich mögen vor allem Kinder Rollenspiele und verkleiden sich etwa gerne als Superhelden. Ich finde es jedenfalls schade, dass Samsung und Apple ausgerechnet Kinder vergessen, die sicher mehr Spaß mit Animojis und Co. hätten als Erwachsene.

Ob wirklich vor allem erwachsene Frauen mit Animojis spielen, wie in der Apple-Werbung? (© 2018 YouTube / Apple)
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