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Warum Windows 7 bis heute so beliebt ist

Windows 7 ist aus gutem Grund so beliebt.
Windows 7 ist aus gutem Grund so beliebt.

Microsoft beendet den Support für Windows 7. Dabei ist das Betriebssystem bei vielen Nutzern immer noch unheimlich beliebt. Aber was begeistert die Leute im Jahr 2020 an einem Betriebssystem von 2009?

Die letzte Stunde des beliebten Betriebssystems hat geschlagen: Mit dem heutigen 14. Januar beendet Microsoft offiziell den Support von Windows 7. Nach mehr als zehn Jahren wird es somit keine weiteren Updates für das Betriebssystem mehr geben, mit denen Sicherheitslücken gestopft werden. Doch einen harten Cut bedeutet das für viele Nutzer dennoch nicht.

Denn obwohl das Datum für das Support-Ende bereits vor Jahren von Microsoft bekanntgegeben wurde und obwohl ein Upgrade auf Windows 10 theoretisch kostenlos möglich ist, hatte Windows 7 im Dezember 2019 immer noch einen weltweiten Marktanteil von 26,64 Prozent. Doch worin liegen eigentlich die Gründe für diese anhaltende Popularität von Windows 7?

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Windows 7 war auch Ende 2019 noch das zweitbeliebteste Computer-Betriebssystem.

Windows 7: It just works

Es ist nicht überliefert, ob Microsoft die mittlerweile zum Meme gewordene Phrase "It just works" jemals im Hinblick auf Windows 7 genutzt hat. Fakt ist jedoch, dass Windows 7 bei seinem Release im Oktober 2009 die Herzen der PC-Nutzer im Sturm erobern konnte. Das hatte vor allem einen Grund: Es funktionierte einfach von Anfang an gut und vermittelte den User das Gefühl, dass diese ihre Rechner endlich so nutzen konnten, wie es immer vorgesehen war.

Verglichen mit dem desaströsen Vorgänger Windows Vista und dem ungeliebten Nachfolger Windows 8 hatte Microsoft beim Launch von Windows 7 gar nicht erst den Versuch unternommen, das Betriebssystem als besonders cool oder hipp zu vermarkten. Im Gegenteil: Nach dem Betriebsunfall Windows Vista war das neue OS vor allem auf Funktionalität und Effizienz getrimmt worden. Das Interface wirkte unspektakulär, aber aufgeräumt und Sicherheitslücken sowie Bugs, die Windows-Nutzer jahrelang verfolgt hatten, waren plötzlich verschwunden.

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Das Interface von Windows 7 funktioniert auch heute noch bestens.

Hatten sämtliche Windows-Versionen bis dahin ab einem gewissen Punkt immer wie Bremsklötze für die Ambitionen ihrer Nutzer gewirkt, so war Windows 7 im besten Sinne ein Allzweckwerkzeug.

Bis heute das sich am schnellsten verkaufende Betriebssystem

Als Windows 7 erschien, war es noch vollkommen normal, für Computer-Betriebssysteme zu bezahlen. Obwohl Kunden damals etwa 100 Euro für die Software blechen mussten und es Dinge wie Key-Stores oder Gratis-Updates nicht gab, verbreitete sich Windows 7 schneller als jede Version davor oder danach.

Bereits nach zwei Wochen hatte Microsoft 100 Millionen Lizenzen abgesetzt. Im Juli 2012, also zirka zweieinhalb Jahre nach Release, lief die Software bereits auf 650 Millionen PCs. Selbst Windows 10 kam trotz Gratis-Update im gleichen Zeitraum auf lediglich 600 Millionen Installationen.

Der Nachfolger, den niemand wollte

Zur Erfolgsstory von Windows 7 gehört auch der Misserfolg des Nachfolgers Windows 8. Statt auf dem starken Fundament von Windows 7 aufzubauen, wollte Microsoft beim Nachfolger alles anders machen und vor allem die Generation Smartphone mit einem neuen Interface für sich begeistern.

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Bei Windows 8 wollte Microsoft alles anders machen.

Bei den PC-Nutzern kam dieser Schritt allerdings gar nicht gut an. Windows 8 entwickelte sich für Microsofts Ansprüche zum Flop und konnte den Triumphzug von Windows 7 allenfalls kurz bremsen. Insgesamt bleib der Vorgänger weiterhin das beliebtere Betriebssystem und konnte sich nach kurzer Zeit sogar wieder besser verkaufen als der Nachfolger.

Auch Windows 10 hatte es schwer

Angesichts des Flops von Windows 8 ist es mittlerweile legitim, Windows 10 als den eigentlichen Nachfolger von Windows 7 zu bezeichnen. Tatsächlich machte Microsoft bei der zehnten Version in vielen Bereichen eine Rolle rückwärts und glich das Interface wieder weitgehend dem an, was Nutzer bereits von Windows 7 kannten. Anders als Windows 7, das bis zum Release von Windows 10 erstaunlich gut gealtert war, sollte die neue Version jedoch jederzeit Update-fähig und permanent mit neuen Funktionen erweiterbar sein.

Dank der Option, kostenlos auf die neue Version updaten zu können, ging man bei Microsoft zudem davon aus, dass Windows 10 seinen Vor-Vorgänger relativ schnell verdrängen würde. Doch das Gegenteil war der Fall. Während Windows-8-Nutzer tatsächlich relativ schnell auf Windows 10 wechselten, blieben viele Windows-7-Fans ihrem Betriebssystem auch weiterhin treu.

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Auch Windows 10 konnte Windows 7 nicht im Sturm verdrängen.

Der Hauptgrund dafür dürfte der gleiche gewesen sein, der das Betriebssystem von Anfang an so erfolgreich gemacht hatte: Es funktionierte weiterhin einfach. Selbst heute im Jahr 2020 gibt es nur wenige Dinge, die mit Windows 7 nicht mehr reibungslos klappen. Die meisten davon, wie etwa die Grafikschnittstelle DirectX 12, werden von Microsoft bewusst nicht mehr für das alte System unterstützt.

Ansonsten sind es vor allem Komfort-Funktionen wie Benachrichtigungen, der App-Store und die Möglichkeiten zur mobilen Nutzung, die Windows 10 von Windows 7 unterscheiden – also größtenteils Funktionen, die einige Nutzer immer noch als unnötigen Schnickschnack empfinden. Tatsächlich stammt Windows 7 noch aus einer Zeit, in der uns Entwickler nicht jedes Jahr irgendwelche neuen Features als großen Durchbruch verkaufen wollten.

2020: It still works

Die grundlegenden Stärken, die Windows 7 seit über zehn Jahren auszeichnen, sind jedoch noch immer vorhanden. Neben Behörden und Unternehmen, denen man eine gewisse Trägheit bei der Umstellung ihrer IT-Infrastruktur nachsagt, dürfte das auch der Hauptgrund für Otto Normalverbraucher sein, immer noch Windows 7 zu nutzen. It still works!

Trotzdem wird es spätestens jetzt Zeit, sich über den Umstieg Gedanken zu machen. Natürlich wird Windows 7 nicht von einem Tag auf den anderen ein völlig unsicheres System, nur weil Microsoft keine Patches mehr ausliefert. Mit jedem Monat und jedem Jahr steigt aber ab sofort die Wahrscheinlichkeit, dass es Hackern irgendwann gelingt, eine ungepatchte Sicherheitslücke zu finden, die sich für einen Angriff nutzen lässt. So toll es also war: Wir sollten Windows 7 langsam ziehen lassen.

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