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Wer braucht eigentlich ein faltbares Smartphone? Ein Streitgespräch

Erste faltbare Smartphones sollen 2019 auf den Markt kommen.
Erste faltbare Smartphones sollen 2019 auf den Markt kommen.

Samsung hat vor ein paar Wochen einen ersten Blick auf sein faltbares Smartphone gestattet. Die TURN ON-Redaktion ist sich jedoch uneins, ob solche flexiblen Handys wirklich die Zukunft sind. Im Zwiegespräch schlägt sich Andreas auf die Seite von Galaxy X und Co., während Patrick keine Chance für die faltbaren Smartphones sieht.

  1. Besseres Multitasking dank großem Display?
  2. Wird das Design zu empfindlich?
  3. Werden die faltbaren Handys zu teuer?

Andreas: Ich habe mein Smartphone durch ein Tablet ersetzt, das Galaxy Tab S4 LTE. Für die Produktivität ist es viel praktischer, aber für die Hosentasche ist es zu groß. Ein faltbares Smartphone könnte das 2-in-1-Gerät sein, das die Vorteile von Smartphone und Tablet vereint.

Patrick: Es gibt sicher viele Nutzer, die sich wünschen, sie könnten Smartphone und Tablet in einem Gerät vereinen. Ein faltbares Smartphone, das sowohl Handy als auch Tablet sein will, wäre jedoch mutmaßlich kein guter Ersatz für beide Geräte, sondern würde den Nutzern viele Kompromisse aufzwingen.

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In Science-Fiction-Serien wie "Westworld" gibt es die faltbaren Smartphones schon länger.

Andreas: Wieso denn?

Patrick: Im zusammengefalteten Zustand muss so ein Gerät zwangsläufig viel dicker werden als ein herkömmliches Smartphone und wird dabei vermutlich trotzdem nicht so handschmeichelnd ausfallen. Gleichzeitig dürfte es den meisten Nutzern als Tablet immer noch zu klein sein.

Auch beim Versuch der Hersteller, Hybriden aus Tablet und Laptop zu bauen, hat bislang kein Gerät in beiderlei Hinsicht voll überzeugen können. Während ein iPad Pro beispielsweise immer noch kein echter PC-Ersatz ist, leistet sich ein Surface Pro weiterhin Schwächen als Tablet. Solche Kompromisslösungen sind nie ganz befriedigend, wie ja auch Dein Tablet mit LTE-Modem.

Besseres Multitasking dank großem Display?

Andreas: Ach, in meine Riesenhände passt auch ein dickes Smartphone und im Gegensatz zu meinem Tablet passt es auch in die Hosentasche. Davon abgesehen werden sich die faltbaren Smartphones mit der Zeit sicher dünner bauen lassen. Ich kann mir aber vorstellen, dass ein solches Gerät ausgefaltet noch zu klein ist, wie Du vermutest, das müsste ich ausprobieren.

Immerhin sollen diese faltbaren Handys bessere Multitasking-Features bieten. Am PC arbeite ich immer am liebsten mit zwei Monitoren und mehreren Fenstern und Tabs, vielleicht lassen faltbare Smartphones so etwas im Kleinformat zu. Bislang waren die Multitasking-Features bei Smartphones doch eher unbrauchbar.

Klapp-Smartphones wie das ZTE Axon M haben das Multitasking für faltbare Handys vorweggenommen.

Patrick: Das Multitasking könnte zumindest besser werden als bei herkömmlichen Smartphones, aber die Software-Entwickler müssen mitspielen und die Apps und Services extra an das faltbare Gerät anpassen. Das wird jedoch vermutlich nur dann passieren, wenn die Entwickler einen ausreichend großen Markt sehen. Dieser dürfte jedoch zumindest am Anfang nicht existieren, sodass die User mit wenigen angepassten Apps auskommen müssen. Ähnlich ist es ja bei anderen grundsätzlich tollen Innovationen wie Samsung DeX oder 3D Touch. Das Nutzererlebnis könnte darunter zumindest am Anfang erheblich leiden.

Andreas: Ich schätze, dass sich selbst nicht angepasste Apps gut nutzen lassen, je eine auf jeder Hälfte des faltbaren Displays. Das eröffnet auch die Möglichkeit für Dual-Screen-Games wie beim Nintendo 3DS, wo Dir zwei Bildschirme für Spiele zur Verfügung stehen, oder nun eben zwei Bildschirmhälften.

Wird das Design zu empfindlich?

Patrick: So schön die Spiele und das Multitasking werden könnten: Beim faltbaren Smartphone muss sich nicht nur das Display falten, sondern das ganze Gerät. In der Praxis bedeutet dies, dass mitten im Gehäuse ein Faltgelenk verbaut werden muss, das automatisch Platz beansprucht, der ansonsten für andere Bauteile wie etwa den Akku vorgesehen gewesen wäre.

Allein schon das zwingt die Hersteller zu Kompromissen, die bei anderen Smartphones nicht gemacht werden müssen. Die Alternative wäre, auch interne Bauteile so zu gestalten, dass diese sich mitfalten lassen. Das ist in einigen Fällen sogar schon möglich, macht die Geräte jedoch anfälliger für mechanische Defekte.

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Faltbare Smartphones könnten Stabilitätsprobleme bekommen.

Andreas: Das kann ich mir vorstellen, aber ich halte das für ein lösbares Problem. Auch Laptops haben schließlich einen Mechanismus, mit dem wir immer wieder den Bildschirm aufklappen, und trotzdem gehen sie nicht so leicht kaputt. Als weiteren Vorzug sehe ich, dass die Hersteller nur noch eine Kamera verbauen müssten. Die wird dann nach hinten oder nach vorne geklappt. Sie wäre wahrscheinlich viel besser als die Selfie-Kamera bei aktuellen Handys, die Hersteller müssten nur noch eine Hauptkamera verbauen.

Werden die faltbaren Handys zu teuer?

Patrick: Die Frage ist doch auch, was Dir all diese kleinen möglichen Vorzüge wert sind. Da die Hersteller neben dem Display auch andere Bauteile flexibel gestalten müssen, werden in einem faltbaren Smartphone ganz neue Komponenten zum Einsatz kommen, die nicht von der Stange sind.

Das kostet deutlich mehr Geld und wird den Preis für die Hardware und damit auch das Endgerät deutlich in die Höhe treiben. Angesichts der Tatsache, dass sehr gute Tablets schon zwischen 300 und 400 Euro zu haben sind, dürfte so ein kleines Gerät nur für wenige Nutzer den erhofften Mehrwert bringen.

Andreas: Ja, innovative Technik ist am Anfang teuer. Wir erleben es jedoch immer wieder, dass sie mit der Zeit erschwinglicher wird. Nach ein paar Jahren werden faltbare Smartphones sicher auch für Durchschnittskonsumenten bezahlbar sein.

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Ob Samsung die Herausforderungen von faltbaren Smartphones lösen kann?

Patrick: Nun, dann warten wir mal ab, ob die Hersteller wirklich all diese Probleme werden lösen können. Vielleicht, aber ich bleibe skeptisch.

Andreas: Falls die Geräte herkömmliche Smartphones nicht ersetzen können, könnten sie zumindest eine Alternative für bestimmte Nutzer darstellen. Wir werden es sehen.

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