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Wie der US-Boykott den Launch des Honor 20 Pro verhagelte

Das Honor 20 Pro wurde vorgestellt, aber seine Zukunft ist ungewiss.
Das Honor 20 Pro wurde vorgestellt, aber seine Zukunft ist ungewiss.

Eigentlich wollten wir Dir heute ein Hands-On zum Honor 20 Pro bieten, aber Donald Trump und der Handelsstreit der US-Regierung mit China haben uns einen fetten Strich durch die Rechnung gemacht. Noch viel komplizierter ist die Situation allerdings für Honor selbst.

"Keine Testgeräte! Keine Interviews!" – Wenige Stunden vor dem Launch-Event der neuen Honor-20-Serie am 21. Mai schickte der Hersteller eine Mail an die eingeladenen Journalisten und Tech-Blogger, und zog seine Zusage der Bereitstellung von Testgeräten zurück. Auch Interviews mit den Verantwortlichen von Honor sollte es in London nicht geben.

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Das Launch-Event des Honor 20 Pro wurde von den Sanktionen gegen Huawei überschattet.

Trumps Wirtschaftskrieg überschattet das Launch-Event

Der Grund für diese eher ungewöhnliche Entscheidung des Herstellers war natürlich der nationale Notstand in der Telekommunikation, den US-Präsident Donald Trump am 17. Mai per Dekret ausgerufen hat. Er verbietet es US-amerikanischen Unternehmen, weiterhin Geschäfte mit dem chinesischen Konzern Huawei zu machen.  Eine der direkten Folgen war der Entzug der Android-Lizenz durch Google, die natürlich auch die Huawei-Tochterfirma Honor betrifft, und möglicherweise sogar bereits die neuen Geräte Honor 20, Honor 20 Pro und Honor 20 Lite. So genau schien man das aber auch beim Hersteller selbst nicht zu wissen.

Die US-Sanktionen gegen Huawei

Alle Infos, die wir aktuell zu den Sanktionen der US-Regierung und deren potenzielle Folgen haben, kannst Du hier nachlesen. Sobald es neue Entwicklungen dazu gibt, werden wir den Artikel aktualisieren:

Viel Hardware-Power – aber kein Wort zur Software

Und so war das Launch-Event zu den neuen Honor-Geräten eine etwas seltsame Veranstaltung. Es wurde zwar viel über die technischen Fähigkeiten der neuen Geräte gesprochen, aber kein Wort zur Software und auch nicht zu den dringenden Fragen, die sich nun wohl die ganze Tech-Branche in Bezug auf die Zukunft des Unternehmens stellt.

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Die technische Ausstattung des Smartphones ist vielversprechend.

Rein auf dem Papier lesen sich vor allem die Daten des Honor 20 Pro hervorragend:

  • 6,26-Zoll-Display
  • Kirin-980-Octacore-Prozessor
  • 8 GB RAM
  • 256 GB interner Speicher
  • 4.000-mAh-Akku
  • Quad-Kamera inklusive 48-Megapixel-Hauptsensor, 16-Megapixel-Weitwinkelobjektiv, 8-Megapixel-Teleobjektiv und 2-Megapixel-Makrolinse

Das Honor 20 Pro soll für eine UVP von 599 Euro über die Ladentische wandern, was angesichts der üppigen Ausstattung nach einem sehr guten Deal und einem würdigen Konkurrenten für das eben erst erschienene OnePlus 7 Pro klingt.

Wenn Du ein gutes Blatt hast, es aber nicht spielen kannst

Eigentlich hätte der chinesische Hersteller also guten Grund, mit stolzer Brust in die Zukunft zu blicken, denn rein aus der Erfahrung der letzten Jahre hätte dieses Gerät alle Voraussetzungen, um ein echter Verkaufshit zu werden. Immerhin verspricht das Telefon so etwas, wie ein günstigeres Huawei P30 Pro zu sein, und das gilt bekanntlich als eines der spannendsten Smartphones der letzten Jahre.

Doch die Ungewissheit, die im Moment mitschwingt, macht jede Prognose ziemlich schwierig, und dürfte auch den Verantwortlichen im Unternehmen die Laune ordentlich vermiest haben. Und ja, auch das hat man beim Launch-Event in London irgendwie gemerkt. So ausgelassen, wie sich Honor in den letzten Jahren stets präsentiert hat, ging es nicht zu.

Wahrscheinlich ist dabei sogar, dass sich Trump und die Chinesen in den kommenden Wochen auf eine Art von Deal einigen, der dafür sorgt, dass die Sanktionen gegen Huawei zurückgenommen werden. Eine denkbare Alternative wäre, dass Huawei ein eigenes Betriebssystem ausrollt, das volle Kompatibilität zu Android besitzt. Dann bliebe aber trotzdem noch die Frage, ob bekannte Apps von Google, Facebook und Co. für dieses System angeboten werden. Denkbar, wenn im Moment auch recht unwahrscheinlich, ist sogar, dass sich Huawei und damit auch Honor ganz vom internationalen Smartphone-Markt zurückziehen müssen.

All diese Szenarien sind im Moment aber reine Spekulation. Gewissheit über die Zukunft von Huawei- und Honor-Smartphones haben momentan vermutlich nicht einmal die Verantwortlichen beim Hersteller selbst. Honor macht dabei den Eindruck eines Pokerspielers, der ein richtig starkes Blatt auf der Hand hat, aber plötzlich nicht mehr am Tisch mitspielen darf.

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Das Honor 20 Pro und das Honor 20 wurden offiziell enthüllt.

Was aus dem Honor 20 Pro wird, wissen wir erstmal nicht

Was das für den angedachten Launch von Honor 20 und Honor 20 Pro bedeutet, ob die Geräte überhaupt auf den Markt kommen können und wenn ja, in welcher Form, wissen wir momentan einfach nicht. Momentan wissen wir noch nicht mal, ob und wann wir das Honor 20 Pro testen dürfen. Und selbst wenn, dann würde sich nach aktuellem Stand die Frage stellen, ob wir es unseren Lesern angesichts der unsicheren Zukunft empfehlen können.

Momentan können wir nicht viel mehr machen, als die nächsten Schritte von Huawei, der US-Regierung und der chinesischen Regierung abzuwarten. Das ist für uns als Tech-Blogger mindestens so frustrierend wie für Dich als Leser, leider aber nicht zu ändern.

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