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Wie Google das gesamte Internet revolutionieren will

Googles AMP-Technologie soll dem Internet Beine machen.
Googles AMP-Technologie soll dem Internet Beine machen. (©picture alliance/Geisler-Fotopress 2017)

Google möchte einen neuen Standard für die Entwicklung von Websites etablieren. Damit sollen Seiten vor allem auf Smartphones viel schneller werden. Zum Einsatz kommen sollen dabei Open-Source-Technologien aus dem eigens entwickelten AMP-Projekt.

Die Revolution des Internets begann vor etwa zwei Jahren, fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit: Mit der Einführung der sogenannten Accelerated Mobile Pages (AMP) hat Google seither ein neues Open-Source-Format für Websites etabliert, das dafür sorgt, das diese vor allem auf Smartphones viel schneller laden als zuvor. Wo Nutzer über Mobilfunkverbindungen häufig warten müssen, bis sich eine Internetseite langsam aufbaut, ist diese als AMP-Seite nahezu sofort in voller Pracht vorhanden, weil die wichtigen Inhalte direkt von einem Google-Server gestreamt werden.

Schon über 1,5 Milliarden Websites nutzen das AMP-Format

Seither haben sich Websites im AMP-Format rasend schnell verbreitet. Laut der Info-Seite AMP Project wurden bislang mehr als 1,5 Milliarden Websites als AMP-Version veröffentlicht und auch wir bei TURN ON setzen bereits in hohem Maße auf AMP, um unsere Inhalte im mobilen Internet zu präsentieren. Zu erkennen sind AMP-Seiten etwa in der Google-Suche anhand eines kleinen Blitz-Symbols, das in der linken oberen Ecke eingeblendet wird.

Der kleine Blitz zeigt an, dass sich hinter dem Link eine AMP-Website verbirgt. (© 2018 Screenshot Google/TURN ON)

Die Technik hinter AMP soll der neue Web-Standard werden

Nun möchte Google jedoch noch einen Schritt weiter gehen und die Technologie, die hinter AMP steckt, zum neuen Standard für die Webentwicklung machen. Dies teilte Malte Ubl, der Verantwortliche für das AMP-Projekt bei Google, am Donnerstag in einem Blog-Post mit. Insgesamt 14 verschiedene Technologien, die für die Erstellung von AMP-Websites verwendet werden, habe Google demnach bereits eingereicht, um sie zu umfassenden Web-Standards erklären zu lassen. Jeder Web-Entwickler könnte somit in Zukunft ohne Verpflichtungen gegenüber Google auf diese Technologien zurückgreifen, um seine Websites zu optimieren.

Das Ziel ist klar: Das Internet insgesamt soll schneller werden und vor allem auf mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets sollen Websites in Zukunft deutlich schneller laden als bisher. Google selbst legt in seiner Erklärung großen Wert auf die Tatsache, dass nur einige der grundlegenden Technologien, nicht aber die AMP-Websites selbst zum Standard erklärt werden sollen. Auch wenn man natürlich anderes vermuten könnte, geht es Google also nicht darum, noch mehr Kontrolle über das Netz zu erhalten.

Google möchte anderen Konzernen die Kontrolle über das Web verweigern

Kontrolle dürfte dennoch ein wichtiger Punkt hinter den Überlegungen sein, die Google mit der Freigabe der AMP-Technologien verfolgt. Anstatt selbst mehr Macht über das Netz zu erlangen, könnte es dem Suchmaschinenriesen nämlich darum gehen, anderen Konzernen ihrerseits die Kontrolle über Websites und Inhalte zu verweigern. Vor allem Facebook und Apple bieten mit Instant Articles und Apple News nämlich bereits eine Art Mobil-optimierter Websites an. Nur handelt es sich dabei um proprietäre Formate, deren Kontrolle einzig und allein bei den jeweiligen Anbietern liegt.

Google kämpft mit seiner Initiative also um das offene Web – nicht ganz uneigennützig natürlich. Denn das offene Web hat Google groß gemacht und dem Konzern die Macht beschert, die er heute besitzt.

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