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Windows 10-Gratisphase endet: Ein Jahr Update-Wahnsinn

Die Gratisphase für Windows 10 geht zu Ende.
Die Gratisphase für Windows 10 geht zu Ende. (©Microsoft 2015)

Die Gratisphase von Windows 10 neigt sich dem Ende zu. Damit dürften auch die nervigen Update-Aufforderungen von Microsoft der Vergangenheit anhören. Manche überzeugte Windows 7-Nutzer dürften sich jetzt als Sieger sehen, aber ihr Betriebssystem wird in den kommenden Jahren einen langsamen Tod sterben.

Ein Kommentar von Patrick Schulze

Herzlichen Glückwunsch an alle Update-Verweigerer, ihr habt es fast geschafft! Nach dem heutigen 29. Juli ist der Spuk mit dem Gratis-Update von Windows 7 und Windows 8.1 auf Windows 10 vorbei. Dann wird es zwar weiterhin die Möglichkeit geben, ältere Windows-Versionen auf das aktuelle System zu aktualisieren – aber nur noch kostenpflichtig, wobei satte 135 Euro für die Home-Version fällig werden.

Ein Jahr voller Update-Aufforderungen

Ein Jahr lang hat Microsoft für das Gratis-Upgrade geworben und dabei einen sanften, aber doch merklichen Druck auf die PC-Besitzer mit Windows 7 und 8.1 ausgeübt, um diese zu einem Umstieg auf Windows 10 zu bewegen. Das ist natürlich legitim und generell auch zu verkraften. Zwischenzeitlich hatte das Ganze jedoch auch leicht zwanghafte Züge angenommen und für große Kritik bei vielen PC-Nutzern gesorgt. Der allgemeine Update-Wahnsinn war in den vergangenen Monaten jedenfalls allgegenwärtig.

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Im Februar verärgerte Microsoft viele User mit einem vermeintlichen Zwangsupdate. (©TURN ON 2016)

Drei Gründe, das Update zu verweigern

Mehr als 350 Millionen PC-Besitzer ließen sich auf diese Weise zu einem Umstieg auf Windows 10 bewegen, viele Hundert Millionen jedoch auch nicht. Es war, wie es so oft ist: Einem geschenkten Gaul schaut man besonders tief in Maul – und wer nur lang genug schaut, findet irgendwann auch etwas. Dabei gab und gibt es für mich durchaus ein paar nachvollziehbare Gründe, auf das Gratis-Update zu verzichten. Nur sind das eigentlich nicht zu viele:

  • Grund Nummer eins: Es ist ohnehin geplant, den PC in den kommenden Monaten zu ersetzen und in diesem Zuge auf Windows 10 zu wechseln.
  • Grund Nummer zwei: Das Gratis-Update wurde bereits probiert. Dabei wurde festgestellt, dass der Rechner damit nicht mehr richtig funktioniert und folglich wieder einen Downgrade durchgeführt.
  • Grund Nummer drei: Der User benötigt eine spezielle Software, die bislang unter Windows 10 nicht korrekt läuft.

Übertriebene Hysterie um die Datenkrake

Weitere wirklich gute Gründe, auf das Gratis-Upgrade zu verzichten, fallen mir eigentlich nicht ein. Das Thema Datenschutz lasse ich nur bedingt gelten. Hier wurde eindeutig zu viel Hysterie verbreitet, denn bereits bei der Ersteinrichtung von Windows 10 hat jeder User die Möglichkeit, die meisten Schnüffel-Aktionen des Betriebssystems zu unterbinden. Selbst Nutzer, die das verpassen, können dem System später in den Einstellungen viele Berechtigungen wieder entziehen. Problematisch bleiben lediglich die Telemetrie-Daten, die Windows 10 über die Nutzung des PCs sammelt und an Microsoft sendet – aber die sammeln beispielsweise Windows 7 oder OS X auch.

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Die Datenschutzeinstellungen lassen sich auch nachträglich anpassen. (©Microsoft/TURN ON 2015)

Gute Gründe für das Update

Dem entgegen gab es jedoch eine ganze Reihe von guten Gründen, das Gratis-Update durchzuführen – auch und vor allem, wenn auf dem Rechner bislang Windows 7 lief:

  • Grund Nummer eins: Es gibt kostenlos ein nagelneues Betriebssystem.
  • Grund Nummer zwei: Das Betriebssystem ist derzeit eines der sichersten überhaupt, wird dank monatlicher Patches stets automatisch auf einem aktuellen Sicherheitsstand gehalten und enthält mit dem Windows Defender einen integrierten Virenschutz, der ständig ausgebaut wird.
  • Grund Nummer drei: Daneben gibt es regelmäßig kostenlose Updates, die das System um neue Funktionen erweitern, ähnlich wie bei iOS auf dem iPhone. Ein großes Update mit vielen Funktionen ist zum Beispiel für Anfang August geplant.
  • Grund Nummer vier: Windwos 10 unterstützt viele neue Apps und Programme, die von älteren Windows-Versionen nicht unterstützt werden.
  • Grund Nummer fünf: Auch Funktionen wie das biometrische Anmelden über den Fingerabdruck beziehungsweise Augenscan mit Windows Hello oder die Sprachassistentin Cortana funktionieren nur mit Windows 10.
  • Grund Nummer sechs: Über ein Microsoft-Konto lässt sich das Arbeiten auf mehreren PCs so gut synchronisieren wie nie zuvor.
  • Grund Nummer sieben: Gamer profitieren von der neuen Grafikschnittstelle DirectX 12, die in der Lage ist, noch mehr Leistung aus Prozessor und Grafikkarte raus zu quetschen.

Und das sind nicht mal unbedingt alle Gründe, die für Windows 10 sprechen, vielleicht sind es noch nicht mal die besten. Es sind aber die sieben Dinge, die ich selbst in den letzten zwölf Monaten erlebt habe und die ich in Zukunft nicht mehr missen möchte. Beruflich und privat habe ich im vergangenen Jahr mindestens zehn Rechner beim Umstieg von Windows 7 oder Windows 8.1 auf Windows 10 begleitet und bin dabei nur einmal auf ein Problem gestoßen, das jedoch nach dem Update eines Grafikkartentreibers auch schon wieder gelöst war.

Ja, Microsoft hat einen Hintergedanken

Wer jetzt mit dem Argument kommt, dass Microsoft Windows 10 ja garantiert nicht ohne Hintergedanken verschenkt, hat trotzdem recht. Natürlich hat Microsoft einen Hintergedanken und der äußert sich im radikalen Wechsel seines Geschäftsmodells. Genau wie Google oder Apple möchte Redmond in Zukunft nicht mehr primär am Betriebssystem selbst, sondern an den Services drumherum verdienen. Das sind zum Beispiel Cloud-Dienste oder Apps, die Nutzer nach Bedarf und Wunsch zusätzlich kaufen können – oder eben nicht.

Für Microsoft ist das eine große Chance und eine Strategie, die sich mit Blick auf die aktuellen Geschäftsberichte des Unternehmens bereits auszuzahlen scheint. Sie bedeutet aber auch, dass der Konzern seine User immer wieder neu von der Qualität seiner Dienste überzeugen muss. Genau hier könnte ein weiterer Vorteil von Windows 10 liegen – vielleicht sogar der größte: Einfach nur Betriebssystem verkaufen, ist nicht mehr drin. Microsoft muss sich in Zukunft tatsächlich wieder mehr um den dauerhaften Service am Nutzer selbst bemühen, wenn das Unternehmen Geld verdienen möchte.

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Microsoft möchte Geld mit Apps und Diensten verdienen. (©Microsoft/TURN ON 2015)

Windows 7 wird einen langsamen Tod sterben

Die Freude der Windows 7-Nutzer, die den zahlreichen Update-Aufforderungen widerstanden und jetzt wieder Ruhe haben, könnte also von kurzer Dauer sein. Denn eines ist klar: Auch wenn es noch viele User hat, wird dieses Betriebssystem in den nächsten Jahren einen langsamen aber sicheren Tod sterben. Die erste Absetzungsbewegung von seinen Vorgängern wird Windows 10 wie schon erwähnt Anfang August vornehmen, wenn mit dem großen Anniversary-Update zahlreiche neue Features hinzukommen, die Windows 7 und 8.1 nicht mehr erreichen.

Wer sich übrigens doch noch kurz entschlossen für ein Update auf Windows 10 entscheiden möchte, findet hier eine Anleitung dazu. Wie Du eine neue Windows 10-Version auf dem Rechner aktivierst, erfährst Du an dieser Stelle.

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