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Android-Geräte rooten: Das sind die Nutzen und Risiken

Per Root lässt sich die Android-Oberfläche verändern – allerdings können fehlerhafte Roots großen Schaden anrichten.
Per Root lässt sich die Android-Oberfläche verändern – allerdings können fehlerhafte Roots großen Schaden anrichten. (©YouTube/Samsung Mobile 2015)

Ob als Mittel gegen Bloatware oder zum Anpassen der Systemeinstellungen – wer tiefgreifende Änderungen an Android-Geräten vornehmen will, muss das Smartphone oder Tablet rooten. Doch was bedeutet das eigentlich? Wir geben einen Überblick über die Vor- und Nachteile und erläutern die Gefahren des Rootens.

Dein Smartphone oder Tablet läuft nicht mehr so flott wie kurz nach dem Kauf? Oder Du möchtest vom Hersteller mitgelieferte Apps loswerden? In diesem Zusammenhang wirst Du häufig den Tipp finden, einen Root an Deinem Mobilgerät durchzuführen. Bevor Du aber loslegst, solltest Du Dich kurz mit dem Thema auseinandersetzen. Denn ein Root birgt auch gewisse Risiken. Daher gilt: Ein Root geschieht immer auf eigene Gefahr!

Woher kommt der Begriff "Root"?

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Der Begriff "Root" kommt aus unixoiden Systemen wie Linux. (©CC: Flickr/Sean Barry 2015)

Mit dem Begriff "Root" werden in Unix-basierten Betriebssystemen – etwa Linux – Benutzer mit uneingeschränktem Zugriff auf das System und dessen Ressourcen bezeichnet. Dieser Nutzer steht an oberster Stelle in der Hierarchie. Deshalb ist häufig auch vom "Superuser" die Rede. Da es sich bei Android um ein Open-Source-System handelt, das auf einem Linux-Kernel basiert, kommt der Begriff auch hier zum Einsatz. Will sich jemand umfassende Zugriffsrechte auf Googles mobiles Betriebssystem verschaffen, muss er das Gerät also "rooten". In gewisser Weise ist das mit den Administratorrechten in Windows vergleichbar.

Vorteile: Warum sollte ich mein Android-Gerät rooten?

Wer sich ein Android-Smartphone oder -Tablet kauft, hat zunächst keine Superuser-Rechte. Zwar kann der Endkunde bestimmte Einstellungen am Gerät vornehmen. Tiefgreifende Änderungen an der Benutzeroberfläche sind jedoch nicht möglich. So können Nutzer etwa keine vorinstallierten Apps, die häufig auch als Bloatware bezeichnet werden, ohne Weiteres löschen.

Je nach Hersteller finden sich verschiedene und unterschiedlich viele Anwendungen bereits bei der Auslieferung auf den Geräten. Diese kommen mit der herstellereigenen Benutzeroberfläche, die Samsung, HTC, Sony und Co. zusätzlich zu Android installieren. Solche Apps bieten gerade fortgeschrittenen Nutzern häufig nur einen begrenzten Mehrzweck, belasten aber das System. Um auf die Systempartition zugreifen und Bloatware entfernen zu können, ist ein Root des Geräts nötig.

Das Rooten bringt aber noch weitere Vorteile mit sich. So können Nutzer dank umfassender Admin-Rechte Systemeinstellungen ändern. Wer will, kann den Prozessor übertakten, um mehr Leistung auch aus älteren Smartphones und Tablets herauszuholen. Der Arbeitsspeicher wird dann nicht mehr allein von Android verwaltet. Aber auch das Gegenteil, nämlich das Untertakten des Prozessors, ist mithilfe eines Roots möglich. Dadurch lässt sich die Akkulaufzeit verlängern, was insbesondere bei älteren Mobilgeräten mit fest eingebautem Akku hilfreich sein kann.

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Per Root lässt sich die Android-Oberfläche verändern oder die CPU übertakten. (©CC: Flickr/TechStage 2015)

Einmal im Besitz von allen Zugriffsrechten kann natürlich auch die Android-Oberfläche individuellen Wünschen entsprechend angepasst werden. Dafür gibt es sogenannte Custom-ROMs, die je nach Entwicklerabsicht unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Der bekannteste Vertreter dieser ROMs ist sicherlich CyanogenMod. Für die Installation solcher Systeme ist zwar nicht zwangsweise ein Rooten nötig. Wer aber schon Superuser ist, kann noch weitere Funktionen nachrüsten, die vom Hersteller so nicht vorgesehen sind – und etwa die Maximallautstärke des Geräts heraufsetzen.

So viele negative Auswirkungen das Rooten auch haben kann – auf der anderen Seite dient er mitunter auch der Sicherheit. Denn mit den entsprechenden Rechten lassen sich Internet- und App-Reglementierungen treffen. Als Root-Rechteinhaber kannst Du Werbeblocker installieren, die Werbung in Apps ausschalten oder aus Datenschutzsicht kritische App-Rechte blockieren, zum Beispiel eine Lokalisierungsfunktion.

Nachteile: Welche Risiken birgt ein Root-Vorgang?

Auch wenn diese Vorteile verlockend klingen, solltest Du nicht gleich loslegen und Dein Android-Smartphone oder -Tablet rooten. Denn es gibt auch einige Nachteile, die ein solcher Eingriff mit sich bringen kann. Zudem kann bei dem Vorgang an sich einiges schiefgehen, sodass Dein Mobilgerät im schlimmsten Fall unbrauchbar wird. Die Rede ist in diesem Fall von einem Brick.

Dabei wird noch zwischen Soft-Brick und Hard-Brick unterschieden. Ersterer beschreibt einen Software-Fehler, der durch das Aufspielen einer neuen Firmware immerhin noch reparabel ist. Kommt es im Verlauf des Rootens hingegen zu einem Hard-Brick, dann ist das Mobilgerät im Anschluss nicht mehr zu retten. In einem solchen Fall ist die in die Hardware integrierte Onboard-Software durch eine Fehlkonfiguration so stark beschädigt wurden, dass kein Zugriff auf das Gerät mehr möglich ist.

Ein weiteres Risiko beim Rooten ist die Möglichkeit, sich Malware aufs Smartphone oder Tablet zu laden. Diese kann sich etwa hinter einer vermeintlich harmlosen Root-App verbergen. Ist die Schadsoftware im Besitz von Root-Rechten, kann sie weitaus höheren Schaden anrichten als auf Geräten mit regulärem Android-Betriebssystem plus herstellereigener Benutzeroberfläche. Das Rooten will also immer gut überlegt sein.

Wie sehen Gerätehersteller das Rooten?

Bei relativ neuen Smartphones ist es aber vor allem ein Grund, der viele vom Rooten abhält: das Erlischen der Garantie. Das ist zwar nicht bei jedem Hersteller der Fall – das Thema wird durchaus unterschiedlich gehandhabt. Untersagen die Bestimmungen des Herstellers ein derartiges Modifizieren des Gerätes, entfällt die Garantie. Das gilt dann auch für Defekte, die gar nicht durch den Root-Vorgang entstanden sind.

Nicht davon betroffen ist allerdings die Gewährleistung beziehungsweise Sachmängelhaftung. Im Gegensatz zur freiwilligen Garantie handelt es sich hierbei um eine gesetzliche Pflicht des Herstellers. Bestehen Sachmängel schon zum Zeitpunkt des Kaufes, hat der Kunde über einen gesetzlich geregelten Zeitraum das Recht auf Nacherfüllung, also etwa eine Reparatur oder den Austausch.

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Bedenke: Bei vielen neuen Geräten entfällt durchs Rooten die Garantie. (©CC: Flickr/Aaron Yoo 2015)

Diese Umstände solltest Du bedenken, bevor Du Dein Gerät rootest. Insbesondere bei neueren Smartphones und Tablets zählt der mögliche Wegfall von Garantieleistungen zu den Kehrseiten. Ist der Garantiezeitraum ohnehin abgelaufen, fällt dieser Nachteil natürlich nicht mehr ins Gewicht.

Zusammenfassung

  • "Root" wird in unixoiden Systemen wie Linux ein Nutzer mit uneingeschränkten Zugriffsrechten genannt
  • Durch das Rooten eines Android-Smartphones erhältst Du Superuser-Rechte
  • Damit kannst Du tiefgreifende Änderungen am System vornehmen, vom Hersteller installierte Apps löschen, den Prozessor über- oder untertakten, die Benutzeroberfläche anpassen, App-Berechtigungen begrenzen oder etwa Werbeblocker installieren
  • Ein offenes System ist aber extrem angreifbar, Malware mit Root-Rechten kann größeren Schaden anrichten als gewöhnlich
  • Beim Rooten können auch reparable Software-Fehler (Soft-Bricks) oder irreparable Defekte (Hard-Bricks) auftreten
  • Bei einigen Herstellern verfällt durch das Rooten die Garantie, die gesetzliche Sachmängelhaftung bleibt davon aber unberührt
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