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Apple Pay vs. Google Pay: Welcher Mobile-Payment-Dienst ist besser?

Patrick und Meru nutzen Mobile Payment bereits fleißig im Alltag.
Patrick und Meru nutzen Mobile Payment bereits fleißig im Alltag.

Apple Pay und Google Pay sind in Deutschland angekommen und funktionieren besser als gedacht. In einem Streitgespräch vergleichen die TURN-ON-Redakteure Meru und Patrick die Dienste für iOS und Android und sprechen über ihre Erfahrungen mit Mobile Payment im Allgemeinen.

Hätte vor einem Jahr jemand gesagt, dass es noch 2018 möglich sein wird, in Deutschland mit dem Smartphone an der Ladenkasse zu zahlen – ich hätte es wohl nicht geglaubt. Und doch ist es so gekommen. Mittlerweile sind nicht nur Apple Pay und Google Pay in Deutschland gestartet, sondern auch diverse andere Zahlungsdienste wie das mobile Bezahlen der Sparkasse und Garmin Pay.

Aber bleiben wir bei Apple Pay und Google Pay. Diese beiden Dienste sind nämlich auch deshalb interessant, weil sie die Gretchenfrage "iPhone oder Android" gewissermaßen in die Finanzwelt verlagern. iPhone-Nutzer können von vorn­he­r­ein nur Apple Pay nutzen und für viele Android-User dürfte Google Pay wohl die erste Wahl sein. Aber wer hat an der Supermarkt-Kasse eigentlich die besseren Karten?

Apple Pay oder Google Pay?

Ich selbst nutze Google Pay im Prinzip seit der Einführung des Dienstes im Juni 2018 und quasi monatlich immer häufiger. Mein Kollege Meru, ein bekennender iPhone-User, war in den ersten Monaten nur Zaungast beim Thema Mobile Payment, kann nun jedoch auch endlich Apple Pay verwenden. Selbstredend, dass wir voneinander wissen wollten, welche Erfahrungen der jeweils andere bereits sammeln konnte.

Patrick: Der erste große Vorteil, der mir für Google Pay einfällt: Google war schlicht und ergreifend früher dran und hat das Thema Mobile Payment in Deutschland gewissermaßen in diesem Jahr zum ersten Mal so richtig ins Rollen gebracht.

Meru: Das ist ja ein übliches Pro-Android-Argument: Die Innovation geht oft von anderen aus, Apple macht es dann nur nach. Mir als Konsument kann das aber schließlich nur recht sein. Mit seiner "einzigartigen" Stellung kann Apple Themen wie Mobile Payment eben auf dem Massenmarkt besser durchsetzen. Den Effekt erhoffe ich mir bei Apple Pay ganz besonders. Denn sind wir ehrlich: Wie groß war das mediale Interesse im Vergleich beim Deutschlandstart von Google Pay?

Patrick: Das Argument mit der größeren medialen Aufmerksamkeit kann ich sogar nachvollziehen. Aber hier muss man auch ganz klar sagen, dass sich Apple den Luxus, ein bereits bestelltes Feld zu beackern, auch nur deshalb leisten kann, weil andere eben die Vorarbeit leisten. Und du musst ja schon zugeben, dass du ein wenig neidisch warst, dass ich Mobile Payment bereits Monate vor dir nutzen konnte.

Meru: Das stimmt und als Apple-User musste man nun wirklich lange genug auf den Deutschland-Start warten. Aber ein früherer Start macht das Endprodukt ja nun auch nicht zwangsweise besser – im Gegenteil.

Ein anderes Argument ist natürlich die Sicherheit. Was sagst du dazu, dass Apple die Kreditkartendaten nicht wirklich auf dem Gerät speichert? Neidisch?

Apple-Pay-Meru fullscreen
Meru ist mit Apple Pay bisher sehr zufrieden.

Über Sicherheit und Praxistauglichkeit von Mobile Payment

Patrick: Netter Versuch, haha! Ganz ehrlich? Um die Sicherheit mache ich mir beim Thema Mobile Payment tatsächlich die wenigsten Sorgen. Erstens arbeiten Apple Pay und Google Pay nach dem gleichen Prinzip und nutzen statt der echten Kreditkartendaten sogenannte Tokens, und zweitens halte ich die Mobile-Payment-Verfahren für viel sicherer als eine Kreditkarte. Immerhin kann ich mein Smartphone durch PIN und biometrische Daten recht gut vor dem Zugriff durch fremde Personen schützen. Bei einer echten Kredit- oder Girocard geht das nicht.

Aber lass uns doch mal über die Praxistauglichkeit sprechen. Welche Erfahrungen konntest du denn in den letzten Wochen mit Apple Pay im Alltag sammeln?

Meru: Im Grunde steht es ja in meinem Erfahrungsbericht: Bei mir funktioniert es bisher fehlerfrei, wenn überhaupt, macht Visa jetzt deutlich mehr Umsatz mit mir und das Geld sitzt etwas lockerer. Aber das ist ja an sich nicht deren Fehler, sondern meiner. Ich habe vor allem den Eindruck, dass ich im Gegensatz zur Kartenzahlung viel Zeit durch das Entsperren per Face ID spare.

Patrick: Die Erfahrung hab ich auch gemacht – und ich achte, seit ich Google Pay verwende, stärker darauf, welche Zahlungsmethoden in einem Geschäft unterstützt werden.

Man muss ja auch einfach sagen, dass wir beide das Glück hatten, Kunde einer Bank zu sein, die Mobile Payment von Anfang an unterstützt. Die Liste der Kreditinstitute, die Apple Pay oder Google Pay unterstützen, ist ja noch recht überschaubar – was vielleicht die viel größere Hürde ist. In dem Punkt sehe ich übrigens Google Pay momentan klar im Vorteil, weil sie neben den klassischen Bankkonten auch die Nutzung von PayPal-Konten erlauben.

Meru: Na klar, am anderen Ende dieses Services mag es ganz andere Für-und-wider-Argumente geben. Ich kann mir gut vorstellen, dass Apple da mit harten Bandagen verhandelt. Aber für mich, der zufällig bei einer passenden Bank war, ist das zum Glück kein Thema.

Andersherum "erkaufen" sich die jeweiligen Banken so auch eine gewisse Attraktivität – was laut ersten Berichten offenbar ganz gut funktioniert. Ich habe auch einen nicht besonders technikaffinen Freund, der für die Nutzung von Apple Pay extra ein neues Konto bei einer Bank eröffnet hat – dass andere Unternehmen von der Marke profitieren, will sich Apple natürlich auch bezahlen lassen. Am Ende gewinnt, wie fast immer, der Komfort für den Kunden.

Google-Pay-Patrick fullscreen
Patrick nutzt Google Pay bereits seit dem Launch.

Was ist mit den Alternativen zu Apple Pay und Google Pay?

Patrick: Stimmt. Aber apropos Komfort: Was hältst du von alternativen Mobile-Payment-Diensten, wie sie Sparkassen und Volksbanken gerade ausrollen? Die richten sich ja grundsätzlich nicht nur an Kreditkartenkunden, sind aber wegen der System-Offenheit bisher nur für Android und nicht auf dem iPhone verfügbar. Fehlt dir die Auswahlmöglichkeit bei iOS?

Meru: Ich hätte es natürlich auch in diesem Punkt gerne, dass alle Zahlungen zentral über eine Anwendung laufen, in meinem Fall Apple Pay. Klar, ich verstehe, wieso es Insellösungen gibt, aber einfacher wird es dadurch für den Nutzer nicht. Unterschiedliche NFC-Zahlungsdienste auf einem Gerät zu verwenden könnte ich mir zwar vorstellen, aber nur, wenn die Nutzung dadurch nicht unnötig kompliziert wird. Aber ich kann auch da nachvollziehen, warum Apple hinsichtlich der eigenen Plattform restriktiv vorgeht.

Ich bin auch nicht ganz sicher, ob es am Ende des Tages im Sinne der Kunden wäre, wenn die Schnittstelle wirklich von jedem App-Anbieter genutzt werden dürfte – ich bekomme Pickel, wenn ich den Google Play Store nach Apps durchsuche und hoffe, dass Apple weiterhin den Gatekeeper spielt, um den Spam in Grenzen zu halten. Auch im Sinne der Sicherheit.

Patrick: Hier habe ich eine klar andere Meinung. Ich finde, Banken, Sparkassen und andere Anbieter haben ein ebenso gutes Recht, den Kunden einen Service anzubieten, wie Apple oder Google das tun. Es gibt ja schließlich kein Naturgesetz, das besagt, dass nur diese Unternehmen einen Mobile-Payment-Dienst haben dürfen. Und ich finde es sogar gut, wenn einheimische Anbieter hier nicht von vornherein die Segel streichen, sondern die Herausforderung annehmen und den Kunden ein eigenes Angebot machen. Letztlich bin ich gerne mein eigener Gatekeeper.

Ich glaube, du merkst schon: Das Thema lässt sich weitaus vielschichtiger diskutieren, als nur durch Gegenüberstellung von Apple Pay und Google Pay. Ich bin vor allem gespannt, wie sich Mobile Payment insgesamt in Deutschland entwickeln wird. Immerhin gibt es nicht wenige Menschen, die immer noch alles mit Bargeld bezahlen und auf Karten jeder Art komplett verzichten.

Meru: Nun ja, die Plattformen stehen nun einmal nicht im Dienste der Öffentlichkeit. Insofern können Apple und Google sehr wohl selbst entscheiden, was für Regeln dort gelten. Aber da hast du recht, das ist eine andere Frage, die viel tiefer geht. Ich hoffe sehr, dass sich Mobile Payment durchsetzt. Und wir sind da ja beide einer Meinung – an mangelnder Sicherheit liegt es nicht, sondern eher an der Nachfrage. Die EC-Karte hat sich schließlich auch nicht über Nacht durchgesetzt.

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