Biohacking: So funktionieren die Chips unter der Haut

Franziska Peix Kann die Frage "Welcher Fitness-Tracker ist der beste?" nicht mehr hören.

Body- oder Biohacking ist vielleicht gar nicht so abgefahren, wie Du denkst. Vom Trinken einer Tasse Kaffee über medizinische Implantate bis hin zum experimentellen Chip im Körper – es gibt viele Dinge, die unter diesen Begriff fallen. Wir blicken hier vor allem auf den aktuellen Trend, mit RFID-Chips unter der Haut den Alltag zu erleichtern.

Body- oder Biohacking: Das steckt dahinter

Von Lifehacks hast Du sicher schon einmal gehört. Und auch der Gedanke hinter Biohacking ist eigentlich ganz simpel – einige gehen sogar so weit zu behaupten, dass jegliche Beeinflussung der Umgebung mit der Veränderung des körperlichen Zustands als Ziel bereits Biohacking sei. Der Kaffee am Morgen, der Dich pusht: Biohacking. Das Hören des Lieblingssongs, der die Laune verbessert: Biohacking. Eine allgemeingültige Definition gibt es allerdings nicht und die häufig als Do-it-yourself-Biologie bezeichnete Bewegung kann auch noch ganz andere Formen annehmen.

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Wir verstehen unter Biohacking vor allem den Trend, sich solche RFID-Chip einsetzen zu lassen.

Oft ist im Zusammenhang mit Bio- oder Bodyhacking von Cyborgs die Rede. Damit werden durch Technik erweiterte Lebewesen bezeichnet – und das ist heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr. Zum Beispiel in der Medizin: Man denke hier zum Beispiel an Herzschrittmacher oder Cochlea-Implantate. Allerdings gibt es auch Menschen, die ihren Körper ohne medizinischen Anlass "hacken" wollen. Sie erhoffen sich körperliche Vorteile von dem Einsatz moderner Technik. Zu den verbreiteteren und harmloseren Varianten eines solchen Bodyhackings zählen zum Beispiel RFID-Chips, die unter die Haut gesetzt werden und eine begrenzte Menge an Daten speichern können.

Anwendungsbeispiele für RFID-Implantate

Mittlerweile gibt es viele verschiedene Arten von RFID-Implantaten oder auch "Tags". Da die meist reiskorngroßen Mikrochips Funktechnik nutzen, lassen sie sich etwa anhand ihrer Frequenz in niedrig- und hochfrequente Tags unterscheiden. Gängige Chips für Haustiere funken etwa im Niederfrequenzbereich, in den Hochfrequenzbereich fallen etwa NFC-Implantate. Einen solchen passiven NFC-Chip, der keine eigene Energiequelle besitzt, hat sich TURN-ON-Moderator Jens einsetzen lassen.

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Jens hat sich ein hochfrequentes NFC-Tag in die Hand einsetzen lassen.

Wofür Du ein RFID-Implantat im Alltag nutzen kannst, ist immer von dem verwendeten Chip abhängig. Gerade im Hochfrequenzbereich gibt es sehr viele unterschiedliche Standards. Und da passive Tags von sich aus keine Funkverbindung aufbauen können, brauchst Du ein zum Tag passendes Lesegerät. Bei NFC-Tags kannst Du zum Beispiel NFC-fähige Smartphones nutzen, um Daten auf das Implantat zu übertragen und vom Chip zu lesen. Aber auch für andere Implantate gibt es beispielsweise passende Türsysteme, die sich durch den Tag in der Hand öffnen lassen.

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Mit Implantaten lassen sich zum Beispiel passende Türsysteme öffnen.

Ansonsten dienen die unterschiedlichen Implantate zum Beispiel zur Identifikation – etwa als Ersatz für die Mitgliedskarte in Fitnessstudios oder als Mitarbeiterausweis, zum Speichern oder Teilen von Inhalten – etwa medizinischen Notfallinformationen, einfachen Texten, Hyperlinks oder Kontaktdaten, zur Steuerung des Smartphones – etwa mit hinterlegten Einstellungen für Befehlsketten im Sinne von IFTTT. Auch zum Messen der Körpertemperatur (zum Beispiel für die Empfängnisverhütung oder Familienplanung) gibt es bereits Biohacking-Lösungen, nur das kontaktlose Zahlen – das sich viele Kunden wünschen – ist per Biohacking in Deutschland noch nicht möglich. Die Technik ist dabei weniger das Problem, sondern vor allem die Übertragungsprozesse dahinter. Das ist natürlich auch ein großes Sicherheitsthema.

Mit dem Fortschritt wachsen die Sicherheitsbedenken

Schon heute ist das Thema Bio- oder Bodyhacking sehr umstritten – auch wenn die Gefahren aufgrund der recht beschränkten Technik noch relativ gering sind. Da es bei den Implantaten keine einheitlichen Standards gibt, existieren auch keine einheitlichen Sicherheitsstandards. Diese werden aber spätestens dann wichtig, wenn neben passiven Implantaten auch aktive Tags mit eigener Energieversorgung eingesetzt werden können.

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Daten von Implantaten, die medizinische Werte erfassen, müssen besonders geschützt werden.

Wenn Chips zum Online-Banking, zum Bezahlen, zur Identitätsfeststellung, zum Orten von Personen oder zum Ermitteln und Übertragen von medizinischen Daten genutzt werden sollen, muss gewährleistet sein, dass diese Chips nicht hackbar sind oder von Malware wie Computerviren befallen werden können. Gerade wenn es um Datenschutz und Persönlichkeitsrechte geht, kommen nicht nur sicherheitsrelevante, sondern auch moralische/ethische Fragen auf.

Cyborgs & Grinders: So abgefahrene Bodyhacks gibt es schon

Early Adopter gibt es auch im Bereich des Biohackings – und damit meinen wir nicht TURN-ON-Moderater Jens, der sich vor vielen anderen Menschen, ein NFC-Implantat hat einsetzen lassen. Es gibt nämlich einige Menschen, die das Bio- oder Bodyhacking etwas extremer umsetzen. Viele davon bezeichnen sich selbst als Cyborgs oder Grinders und setzen auf eher ungewöhnliche Implantate zur (mitunter fragwürdigen) Optimierung ihres Körpers.

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Das ist rotes Licht. Und was macht es? Es leuchtet rot.

Einige Menschen lassen sich etwa Magnete implantieren, um mit magnetischen Gegenständen interagieren oder mit kleinen Zaubertricks angeben zu können. Nachteil: Interferenzen mit elektronischen Geräten. Das "North Sense"-Implantat von Cyborg Nest ist hingegen gar kein richtiges Implantat. Der kleine Kompass wird äußerlich mit der Haut verbunden und gibt immer eine kleine Vibration ab, wenn sich der Träger dem magnetischen Nordpol gegenübersieht. Bei einem Projekt von Grindhouse Wetware wiederum hat sich eine Gruppe von Biohackern ein Modul mit LEDs unter die Haut setzen lassen. Das kann nicht viel, aber es leuchtet blau – äh, rot...

Zusammenfassung

  1. Eine einheitliche Definition von Biohacking oder Bodyhacking gibt es nicht
  2. In der Regel meint Biohacking das Nutzen von Wissenschaft, Natur und Technologie, um den eigenen Körper oder den Geist zu verbessern
  3. Aktuell bekommen RFID-Tags viel Aufmerksamkeit, die als Implantat unter die Haut gesetzt werden
  4. Man unterscheidet zwischen aktiven und passiven Implantaten sowie Tags, die im nieder- und im hochfrequenten Bereich funken
  5. Passive Implantate brauchen ein passendes Lesegerät, um genutzt werden zu können, bei NFC-Tags kann das zum Beispiel ein Smartphone sein
  6. Implantate können zur Identifikation, zum Öffnen von Türen, zum Hinterlegen medizinischer Notfalldaten, zum Speichern von Kontaktdaten, als Mitgliedsausweis oder zum Messen der Körpertemperature genutzt werden
  7. Einheitliche Sicherheitsstandards gibt es noch nicht
  8. Für künftige Einsatzzwecke müssen die Daten und die Privatsphäre geschützt sowie Malware-Angriffe verhindert werden
  9. Menschen, die extremere oder experimentellere Formen des Bodyhackings betreiben, nennen sich selbst Cyborgs oder Grinders
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