Ratgeber

Facebook-AGB widersprechen: Was bringt das überhaupt?

Distanzierungen von Facebook-AGBs gehen im sozialen Netzwerk einfach unter.
Distanzierungen von Facebook-AGBs gehen im sozialen Netzwerk einfach unter. (©CC: Flickr/mkhmarketing 2015)

Auf Facebook kursieren immer wieder Bilder, mit denen Nutzer den Facebook-AGBs widersprechen möchten. Mit dem Widerspruch betonen die User, dass ihre Urheberrechte bei ihnen liegen. Facebook soll ihre Bilder und Texte nicht für kommerzielle Zwecke verwenden dürfen. Aber was bringt der Widerspruch?

Aufgrund angeblich neuer AGBs widersprechen viele Facebook-Nutzer immer wieder mit geteilten Bildern insbesondere dem Recht von Facebook, ihre Bilder und Texte ohne Zustimmung zu verwenden. Ein solcher Widerspruch bringt allerdings nichts, meinen Experten. Erstens ist das sogenannte einfache Nutzungsrecht von Facebook für Bilder und Texte der Facebook-Anwender keineswegs neu, zweitens ist die Form des Widerspruchs rechtlich unwirksam und drittens kann Facebook einfach Dein Konto sperren, wenn Du den AGBs widersprichst.

Widerstand ist zwecklos

Davon abgesehen nimmt Facebook den Widerspruch wahrscheinlich gar nicht wahr, denn "man kann nicht erwarten, dass der zuständige Facebook-Mitarbeiter die entsprechenden Profile liest", so Julian Graf von der Verbraucherzentrale NRW gegenüber Der Westen. Laut deutschem Recht kann man seine Urheberrechte sowieso nicht an andere abtreten, was beispielsweise nach US-amerikanischem Recht möglich ist. Lediglich die Nutzungsrechte kann man ganz oder teils an andere übertragen.

Um Facebook verwenden zu können, muss man den AGBs zustimmen und mit diesen stimmt man auch dem Recht zu, dass Facebook die eigenen Texte und Bilder nicht-exklusiv verwenden darf (Du darfst sie selbst also auch noch anderswo veröffentlichen). Laut Julian Graf kann man höchstens einen Brief per Einschreiben an Facebook schicken, in dem man darum bittet, dass Facebook die eigenen Materialien nicht verwendet. In diesem Fall wird Facebook aber nicht unbedingt auf die Bitte reagieren und falls das Unternehmen reagiert, kann es einfach den Account des Beschwerdeführers sperren, statt sich die Mühe zu machen, seinen Wünschen zu entsprechen.

 Man kann Facebook nur nutzen oder nicht – an den AGBs lässt sich nichts ändern. fullscreen
Man kann Facebook nur nutzen oder nicht – an den AGBs lässt sich nichts ändern. (©CC: Flickr/Bhupinder Nayyar 2014)

Wozu sammelt Facebook Deine Daten?

Facebook ist also eine Art "Package Deal" – entweder man nimmt das ganze Paket an oder man bekommt gar nichts und man hat keinen Anspruch auf die Befriedigung seiner (Sonder-)Wünsche. Bei einer Änderung der AGBs erhält man eine Benachrichtigung von Facebook und wer das soziale Netzwerk weiterhin nutzt, stimmt den AGBs automatisch zu. Wer das nicht möchte, kann nur seinen Facebook-Account löschen.

Aber ist das ein Grund, in Panik auszubrechen? Facebook sammelt Daten des Nutzers, um ein Interessensprofil von ihm anzulegen. Dieses Profil kann Facebook auch an andere Unternehmen verkaufen. Der Sinn der Übung besteht darin, dass verschiedene Unternehmen den Facebook-Nutzern passende Produkte anbieten möchten, in der Hoffnung, dass sie diese kaufen. Natürlich muss sie aber niemand kaufen.

 Mark Zuckerberg will zwar Deine Daten haben. fullscreen
Mark Zuckerberg will zwar Deine Daten haben. (©Facebook/Mark Zuckerberg 2016)

Die Datensammelei hat also nichts mit finsterer Regierungsüberwachung zu tun, wie man sie aus Stasi-Zeiten kennt. Niemand muss befürchten, dass Facebook irgendwann die Stasi oder die Gestapo vorbeischickt und man abgeholt wird, weil man ein verdächtiges Profil hat. Facebook ist ein Privatunternehmen, das nicht über eine eigene Polizei, über Gerichte oder eine Armee verfügt. Es geht einzig und allein darum, Geld zu machen. Statt vor der Stasi muss man sich allenfalls vor störenden Werbeanzeigen für das neue Beyoncé-Album fürchten. Eine andere Frage ist natürlich, ob finstere Regierungen einst auf das eigene Profil zugreifen werden, weil man "verbotene" Dinge gesagt haben soll.

Wie Du bei Facebook Deine Daten schützen kannst

Trotz allem hat man einige Möglichkeiten, seine Daten bei Facebook durch bestimmte Einstellungen zu schützen. Zwar nur bedingt gegenüber Facebook, aber recht umfassend gegenüber dem Rest der Welt. Zum Beispiel muss man nicht immer Beweisbilder mit der ganzen Welt teilen, wenn man nach einer Party betrunken im Straßengraben liegt. Insbesondere sollte man keine Fotos der eigenen Kinder teilen, die es einem später nicht unbedingt danken werden. Facebook stellt ein soziales Netzwerk bereit – ob man es verantwortungsvoll nutzt, ist vor allem die eigene Entscheidung.

Um Facebook das Sammeln von Daten und die Erstellung eines Nutzerprofils zu erschweren, kann man einen anderen Browser für Facebook als für seine anderen Internet-Aktivitäten nutzen. Dann kann Facebook nämlich nicht mit der Hilfe von Cookies ausspionieren, was man sonst noch im Internet anstellt. In unserem Ratgeber mit den wichtigsten Tipps für mehr Privatsphäre bei Facebook erfährst Du mehr darüber.

 Es gibt einige gute Tricks, um seine Daten auf und vor Facebook zu schützen. fullscreen
Es gibt einige gute Tricks, um seine Daten auf und vor Facebook zu schützen. (©Facebook 2015)

Generell empfiehlt es sich, keine Facebook-Beiträge öffentlich zu posten, die man nicht öffentlich posten möchte. Sicher: Man muss es auch nicht übertreiben damit. In einer freien Gesellschaft dürfen wir offen kommunizieren und unsere Meinungen und Geschmäcker äußern und zur Diskussion stellen. Aber gerade Bilder, die vielleicht der Arbeitgeber nicht sehen sollte oder die einfach nichts in der Öffentlichkeit zu suchen haben, die sollte man nicht in Facebook reinstellen. Und wenn, dann sollte man sie zumindest nur mit Freunden teilen. Die entsprechende Einstellung findest Du auf "Privatsphäre Einstellungen > Wer kann meine Inhalte sehen" und "Wer kann mich kontaktieren". In "Chronik und Markierungseinstellungen" entscheidest Du, wer die Inhalte Deiner Chronik sehen darf.

Zusammenfassung:

  1. Bilder auf Facebook zu teilen, mit denen man sich von den Facebook-AGBs distanziert, bringt gar nichts – es ist rechtlich unwirksam
  2. Wer Facebook nutzt, muss die AGBs des sozialen Netzwerks anerkennen. Wer sie nicht anerkennt, kann nur Facebook verlassen
  3. Facebook sammelt Deine Daten, um ein Nutzerprofil von Dir zu erstellen
  4. Facebook verkauft das Profil an andere Unternehmen und diese nutzen es, um personalisierte Werbung anzuzeigen
  5. Du kannst einige Deiner Daten vor Facebook schützen, indem Du Facebook in einem anderen Browser nutzt
  6. Du solltest außerdem genau überlegen, welche Inhalte Du auf Facebook hochladen, veröffentlichen und teilen möchtest. Zu persönliche Inhalte haben dort nichts zu suchen

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