Kolumne

Facebook Lite & Co.: Warum abgespeckte Apps voll im Trend sind

Lite-Apps wie der Facebook Messenger Lite sind im Trend.
Lite-Apps wie der Facebook Messenger Lite sind im Trend. (©Adobe Stock/ra2 studio 2018)

Ob Facebook Lite, Instagram Lite oder andere Lite-Apps: Die abgespeckten Anwendunge für Android-Smartphones liegen voll im Trend. Hier erfährst Du, welche Lite-Apps es gibt, was ihre Vor- und Nachteile sind und warum immer mehr davon erscheinen.

Was sind Lite-Apps?

Lite-Apps sind abgespeckte Versionen bekannter Apps wie Facebook oder Twitter. Sie sind kleiner, verbrauchen weniger mobile Daten und verzichten auf einige Features. Ihr Design fällt zudem altmodischer und weniger opulent aus, als das der Standard-Versionen. Lite-Apps sind nur für Android-Smartphones erhältlich und nicht für iPhones.

Warum machen Entwickler zunehmend Lite-Apps?

Facebook Lite verbraucht weniger mobile Daten. (© 2018 Google Play Store / Facebook)

Die Lite-Apps sind vor allem für Entwicklungsländer und -regionen wie Indien, Indonesien und Südostasien vorgesehen. In den letzten Jahren haben sich dort Smartphones und die dafür benötigten mobilen Netzwerke immer mehr verbreitet. Bekannte Firmen versuchen nun, ihre Apps auch für die Nutzer in wirtschaftlich schwächeren Teilen der Welt bereitzustellen, denn so können Unternehmen wie Facebook und Twitter ihren Werbekunden eine größere Zielgruppe anbieten.

Das Nutzerpotenzial in Entwicklungsländern ist inzwischen riesig. In Südafrika hatten laut Daten des Pew Research Center im Jahr 2015 37 Prozent der erwachsenen Bevölkerung ein Smartphone, 2017 waren es bereits 51 Prozent. In Indonesien stieg der Anteil von 21 Prozent im selben Zeitraum auf 27 Prozent. Der Trend wird auch von der noch geringen Konkurrenz in den strukturschwachen Regionen beflügelt –wer schnell eine passende Lite-App bereitstellt, hat gute Chancen, die Menschen dort zu erreichen. Einige Lite-Apps werden bereits offiziell auch in Deutschland angeboten.

In Entwicklungsländern nimmt die Zahl von Smartphone-Besitzern (Grafik in der Mitte) drastisch zu. (© 2018 Pew Research Center)

Die Lite-Apps sind hierzulande nicht nur für Nutzer mit Einsteiger-Handys interessant, sondern zum Beispiel auch für jene User, die ihren mobilen Datenverbrauch reduzieren möchten. Schließlich ist mobiles Internet in Deutschland im Vergleich zu anderen Industrieländern noch recht kostspielig – in diesem Sinne könnte man auch Deutschland als "Entwicklungsland" bezeichnen, wie Kollege Alex auch schon 2016 in einer Kolumne anmerkte.

Welche Vor- und Nachteile haben Lite-Apps?

Woran Facebook Lite nicht spart, sind benötigte Berechtigungen. fullscreen
Woran Facebook Lite nicht spart, sind benötigte Berechtigungen. (©Facebook / Screenshot: TURN ON 2018)
Der Facebook Messenger lädt schneller als die normale App. fullscreen
Der Facebook Messenger lädt schneller als die normale App. (©Facebook / Screenshot: TURN ON 2018)
Alle wichtigen Features sind im Messenger enthalten. fullscreen
Alle wichtigen Features sind im Messenger enthalten. (©Facebook / Screenshot: TURN ON 2018)
Twitter Lite erlaubt nur die Anmeldung mit einem Konto. fullscreen
Twitter Lite erlaubt nur die Anmeldung mit einem Konto. (©Twitter / Screenshot: TURN ON 2018)
Auch bei Twitter musst Du nicht auf die Kernfeatures verzichten. fullscreen
Auch bei Twitter musst Du nicht auf die Kernfeatures verzichten. (©Twitter / Screenshot: TURN ON 2018)

Lite-Apps benötigen weniger Speicherplatz. Facebook Lite gönnt sich zum Beispiel bescheidene 12 MB auf meinem Smartphone, während die normale Facebook-App 263 MB verschlingt. Derweil begnügt sich Twitter Lite mit 33 MB, während Twitter 60 MB einnimmt. Um weniger Daten zu verbrauchen, ist die visuelle Darstellung der Apps vereinfacht worden und sie komprimieren Medien wie Bilder und Videos, bevor sie Dein Smartphone erreichen.

Der Facebook Messenger Lite ist ein gutes Beispiel dafür, auf welche Art von Features Nutzer von Lite-Apps in der Regel verzichten müssen. So gibt es hier keine Videoanrufe, kein Teilen des eigenen Standorts in Konversationen und keine Spiele – die wichtigen Messaging-Features sind jedoch alle an Bord. Dabei lädt die App schneller und beansprucht weniger Platz.

Der Facebook Messenger Lite enthält alle wichtigen Features. (© 2018 Google Play Store / Facebook)

Skype Lite bietet weiterhin Audio- und Videoanrufe sowie Text-Messaging, aber Du kannst weder Deinen Standort noch GIFs teilen. Bei Instagram Lite fehlen Direktnachrichten und das Veröffentlichen von Videos, wobei diese noch folgen sollen. Bereits jetzt kannst Du Bilder in Feed und Stories posten.

Twitter Lite verzichtet auf Wischgesten und den Support für mehrere Accounts, aber alle Kernfeatures sind an Bord. Bei Spotify Lite fallen die Kompromisse hingegen ungewöhnlich groß aus. Hier können nicht einmal Premium-Nutzer einzelne Songs abspielen, sondern nur ganze Playlists und das zudem ohne Shuffle-Funktion.

Außerdem erlaubt Spotify Lite keine Offline-Wiedergabe und das Streaming funktioniert nur in geringer Qualität. Normalerweise müssen die Nutzer der Lite-Apps bei der Funktionalität also nur kleine Abstriche machen – aber Spotify Lite ist zumindest in der aktuellen Beta-Version im Vergleich zur normalen App wenig brauchbar.

Auch Skype Lite ermöglicht Anrufe und Video-Calls. fullscreen
Auch Skype Lite ermöglicht Anrufe und Video-Calls. (©Microsoft / Screenshot: TURN ON 2018)
Bei Spotify Lite musst Du große Kompromisse eingehen. fullscreen
Bei Spotify Lite musst Du große Kompromisse eingehen. (©Spotify / Screenshot: TURN ON 2018)

Wie bekommst Du die Lite-Apps?

Facebook bietet offiziell zwei Lite-Apps im deutschen Play Store an: Facebook Lite und Messenger Lite. Die anderen Lite-Apps kannst Du ebenso in Deutschland installieren und nutzen, aber nur über einen Umweg: Du musst Dir die APK-Dateien besorgen. Um diese installieren zu können, gehst Du auf Deinem Smartphone auf "Einstellungen > Sicherheit > Unbekannte Quellen > An" oder ähnlich. Ab Android 8.0 Oreo gibt es diese Option nicht mehr, hier musst Du die APK-Datei öffnen und dann die Installation in jedem Fall einzeln erlauben.

Ein Nachteil der Installation von APK-Dateien besteht darin, dass die Apps keine automatischen Updates erhalten. Du musst Dir jeweils manuell die neuen Versionen herunterladen. Alternativ kannst Du auch den APKUpdater nutzen. Eine gute Quelle für APK-Dateien ist apkmirror.com.

Fazit: Nicht nur für Einsteiger-Handys geeignet

Lite-Apps sind kleiner, verbrauchen weniger Daten, laden schneller und bieten trotzdem die wichtigsten Features der großen Apps. Nur bei Spotify Lite sind die Kompromisse zu groß, wobei die App noch in der Beta-Phase steckt. Wer ein halbwegs aktuelles Smartphone besitzt, benötigt die Lite-Apps trotz ihrer Vorzüge in Hinblick auf Speicherplatz und Leistung zwar nicht unbedingt, kann aber mit ihnen sein Datenvolumen schonen. So sind die Lite-Apps auch für deutsche Nutzer eine Bereicherung. Es bleibt zu hoffen, dass mehr von ihnen offiziell im Google Play Store landen.

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