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Faltbare und rollbare Displays: Was bringt das eigentlich?

Samsung Galaxy Fold
Das Galaxy Fold lässt aufgrund von technischen Problemen noch auf sich warten.

Samsung präsentierte das Galaxy Fold, LG den aufrollbaren Fernseher Signature OLED R und Lenovo den faltbaren Laptop ThinkPad X1 Foldable. Bislang ist keines dieser Geräte mit faltbarem oder rollbarem Display zum Kaufen erhältlich. Hier erfährst Du alles über die Herausforderungen, aber auch über die Vorteile und die Zukunft der flexiblen Displays.

Setzen zukünftige Geräte verschiedener Art auf flexible Displays? Jedenfalls wurde nun in jeder mobilen Geräteklasse zumindest ein Gadget mit biegsamem Display vorgestellt. Zu den bekanntesten faltbaren Smartphones zählen das Samsung Galaxy Fold, das Huawei Mate X und das Motorola Razr V4. Die beiden erstgenannten dienen ausgefaltet auch als Tablets, das Razr ist ein futuristisches Klapphandy. Das Lenovo ThinkPad X1 Foldable möchte derweil als erstes faltbares Notebook überzeugen.

Fernseher gehen einen anderen Weg. Ironischerweise spart der TV-Ansatz sogar noch mehr Platz, obwohl dies bei mobilen Geräten wichtiger wäre. Die Rede ist von einrollbaren Displays, wie sie LG mit dem Signature OLED R eingeführt hat. Grundlegend bedienen sich alle Geräte mit flexiblem Display bei derselben Technik – und die hat ihre Herausforderungen.

Der Fernseher Signature OLED R lässt sich aus einer Box mit Soundbar ausrollen.

Wie rollt oder faltet man einen Bildschirm?

Die rollbaren und faltbaren Displays sind tatsächlich nicht zwei verschiedene Arten von Bildschirmen, sondern dieselbe: Ein sogenanntes "POLED"-Display alias OLED-Display aus Plastik. OLED-Displays sind bei Smartphones und Fernsehern schon lange etabliert, tatsächlich gab es sogar bereits vor Jahren einige Smartphones mit POLED-Bildschirmen wie das LG G Flex und dessen Nachfolger. Dabei wurde das Display aber nur leicht gekrümmt und nicht gefaltet oder gerollt.

Eigentlich werden die POLED-Displays bei Geräten wie dem Galaxy Fold auch nicht richtig gefaltet, wie man es etwa mit Papier tut, wenn man einen Papierflieger bastelt. Es entsteht beim Falten nämlich kein Knick, sondern die Displays bleiben stets leicht gewölbt. Würde man sie tatsächlich falten, würden die Bildschirme kaputtgehen.

Der Grund, warum bei der Herstellung der Displays Plastik und nicht Glas zum Einsatz kommt, lautet schlicht, dass man Glas nicht wölben oder rollen kann. Es würde beim Versuch zerbrechen. Da OLED-Panels selbst leuchten und keine zusätzliche Schicht mit LEDs im Hintergrund benötigen wie LCD-Bildschirme, können sie dünn genug für das Falten und Rollen gebaut werden.

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Faltbare Geräte wie das Galaxy Fold setzen auf einem Plastik-OLED-Bildschirm.

Der erste rollbare Fernseher LG Signature OLED R soll noch 2019 zu einem unbestimmten Zeitpunkt auf den Markt kommen. Für die meisten Kunden wird der einrollbare OLED-TV nicht erschwinglich sein, aber das dürfte sich mit zukünftigen Modellen ändern. Das OLED-Display wird bei Nichtgebrauch nach unten in einen Kasten gerollt, der außerdem die Lautsprecher enthält und so als Soundbar dient.

Beim Einsatz wird das TV-Display ausgerollt und von ausklappbaren Metallhalterungen in Position gehalten. Das entspricht ungefähr dem Prinzip von Mobilleinwänden, die von unten nach oben ausgerollt und von sogenannten "Scherengelenken" in unterschiedlichen Höhen befestigt werden können. Quasi eine Leinwand – mit der Bildqualität eines sehr guten Fernsehers.

Vorteile: Mehr Screen und trotzdem Platz sparen

Falt- und rollbare Displays wirken zur Zeit noch futuristisch und erregen mit ihrer Ästhetik viel Aufmerksamkeit. Was die rein praktischen Vorzüge angeht, lassen sich vor allem zwei Faktoren nennen: Flexible Displays sparen Platz und sie können neue Formen annehmen. Das gilt auch für das Gerät, in dem sie unterkommen.

Smartphones wie das Galaxy Fold und das Huawei Mate X lassen sich auf die Hälfte ihrer ausgefalteten Größe zusammenklappen. So kommen sie gut in der Hosentasche unter, während sie ausgefaltet ein Display in der Größe eines kleinen Tablets bieten. Beim faltbaren Notebook Lenovo ThinkPad X1 Fold ist dieser Vorteil weniger ausgeprägt, aber immerhin schrumpft der 13,3 Zoll große Laptop auf eine Tablet-Größe von 9,6 Zoll.

Bleibt der LG Signature OLED R. Hier verschwindet die gesamte Mattscheibe in der Soundbar. Das sorgt für ein aufgeräumtes Zuhause ohne störende schwarze Fläche. Der TV ist auch ein gutes Beispiel für die alternativen Formen, die Geräte dank der POLED-Technik annehmen können.

Ein anderes sind Fitness-Tracker wie das Samsung Gear Fit 2 Pro, die auf einen gewölbten POLED-Bildschirm setzen, der um den Arm herum anliegt. Das Motrola Razer V4 wird derweil ähnlich wie ein Klapphandy in der Mitte gefaltet und passt so besser in die Hosentasche. Unter "Was bringt die Zukunft" erfährst Du weitere originelle Einsatzmöglichkeiten des flexiblen POLED-Displays.

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Im Fitness-Tracker Gear Fit 2 Pro steckt die grundlegend selbe Displaytechnik wie im Galaxy Fold.

Nachteile: Empfindlich und teuer

Das Galaxy Fold wurde nun schon mehrmals verschoben und es bleibt aktuell noch offen, wann es auf den Markt kommen wird. Die Ursache der Verschiebungen sind Probleme mit dem faltbaren Display, die Journalisten bei ersten Testgeräten aufgefallen waren. Manche entfernten die Schutzfolie, wodurch Schmutzpartikel auf das Display gerieten und es zerstörten. Offenbar kann der Schmutz aber auch an manchen Stellen unter die angelegte Folie geraten. Samsung will das Problem eigentlich gelöst haben, aber das Release-Datum bleibt dennoch offen.

Die hauptsächliche Herausforderung mit den faltbaren Smartphones ist also nicht das Scharnier, sondern das Plastik-Display. Dieses ist empfindlich gegenüber Kratzern und wie die ersten Galaxy-Fold-Testmuster zeigten, kann es im Einsatz leicht kaputtgehen. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass die faltbaren Smartphones mehr Strom verbrauchen, da ihre Displays größer sind. So müssen größere Akkus verbaut werden oder mehrere davon.

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Ist ein faltbares Notebook wie das Lenovo ThinkPad X1 Foldable ohne physische Tastatur überhaupt ein echter Laptop?

Bei faltbaren Laptops gibt es ein noch größeres Problem: Wohin mit der physischen Tastatur? Ist ein Gerät ohne Tastatur wirklich überhaupt ein echtes Notebook oder eher ein Tablet? Die aufrollbaren Fernseher lassen sich derweil nur mit OLED-Displays realisieren und nicht mit LCD-TVs wie Samsungs QLED-Geräte. Aufgrund ihrer praktischen Vorzüge könnten die aufrollbaren TVs aber durchaus weitere Verbreitung finden. Jedenfalls, sobald sie bezahlbar werden. LGs Modell gehört schließlich zur Premium-Marke Signature.

Was bringt die Zukunft?

In naher Zukunft werden hoffentlich die bereits angekündigten Geräte mit falt- und rollbaren Displays veröffentlicht. So sollte das Galaxy Fold eigentlich ab dem 26. April verfügbar sein und das Huawei Mate X war für einen Release im Sommer vorgesehen. Nun könnte es im Herbst erscheinen, was aber wohl auch vom Ausgang des Konflikts zwischen der US-Regierung und Huawei abhängt. Der TV mit aufrollbarem POLED-Display namens LG Signature OLED R kommt laut Hersteller irgendwann 2019 heraus. Der faltbare Laptop Lenovo ThinkPad X1 Foldable soll gar erst im Jahr 2020 marktreif sein.

Wahrscheinlich werden die Hersteller die Herausforderungen mit den faltbare POLED-Screens lösen können. Schließlich haben die Prototypen bereits grundsätzlich funktioniert. Was die fernere Zukunft bringen könnte, darauf geben einige Patente der Hersteller einen Ausblick.

Bereits im Jahr 2014 reichte Apple ein Patent für ein faltbares iPhone ein. Mit späteren Patenten hat Apple die Technik weiterentwickelt, etwa durch eine spezielle OLED-Beschichtung. Derweil hat auch Samsung verschiedene Konzepte für ein faltbares Smartphone patentieren lassen. Eines davon ähnelt eher einem auffaltbaren Tablet, ein anderes einem aufklappbaren Gaming-Smartphone mit eingebautem Gamepad. Wahrscheinlicher ist ein Galaxy Fold 2 mit einem an das Mate X angelehnten Design.

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Apple werkelt mindestens schon seit 2014 an einem faltbaren Handy.

Derweil geht Lenovo seinen Weg weiter, ein Klapphandy-ähnliches faltbares Smartphone zu entwickeln, vielleicht einen Nachfolger des noch nicht erhältlichen Razr V4. Auch Sony bereitet ein faltbares Smartphone vor, darunter eine Version mit einem flexiblen und obendrein durchsichtigen Display. Im Laptop-Bereich werden derweil Geräte mit zwei Displays immer beliebter, darunter etwa der Asus ZenBook Pro Duo. Sie könnten schließlich den Weg des ThinkPad X1 Fold nehmen, aber da eine physische Tastatur für Notebooks doch recht wichtig ist, lässt sich das noch nicht absehen.

Das nächste große Ding nach den faltbaren Displays könnten Bildschirme sein, die obendrein transparent sind. Aber jetzt dürften die ersten faltbaren Geräte zunächst einmal wirklich auf den Markt kommen.

Das sagt Andreas:
Allmählich wird es peinlich für die Hersteller. Schon seit vielen Jahren reichen sie Patente für faltbare Smartphones ein, zeigen Prototypen auf Messen und nun wurden die ersten "Faltbaren" offiziell vorgestellt – aber nicht veröffentlicht. Das Release-Datum des Galaxy Fold und des Mate X ließen Samsung und Huawei einfach verstreichen.

Bei Huawei kann man noch Verständnis aufbringen, da das Unternehmen gerade mit der US-Regierung und einigen weiteren Nationen herumstreiten muss. Aber welche Ausrede hat eigentlich Samsung für all die Verschiebungen des Galaxy Fold? Leider lassen auch andere Geräte mit faltbaren Displays noch auf sich warten. Irgendwann werden die Konsumenten glauben, dass sie mit einer unfertigen oder gar grundsätzlich unbrauchbaren Technologie vorgeführt wurden.

Das glaube ich persönlich nicht. Aber die Hersteller sollten möglichst bald ein finales Produkt mit flexiblem Display wirklich anbieten, um das Vertrauen der Kundschaft nicht zu verspielen.
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