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Faltbares Glas beim Galaxy Z Flip: Das steckt wirklich dahinter

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Das faltbare Glas des Galaxy Z Flip ist keine Magie.

Das "ultradünne Glas" des Samsung Galaxy Z Flip ist unter Beschuss geraten. Es soll kaum besser sein als der Plastik-Bildschirm des Galaxy Fold, heißt es. Hier erfährst Du, was über das "Ultra Thin Glass" des faltbaren Handys bekannt ist.

Laut einem Samsung-Werbeclip folgt das Galaxy Z Flip nicht den Regeln. "Es bricht sie, angefangen mit den Regeln der Physik", so das Video. Gemeint ist der Umstand, dass im Handy faltbares Glas zum Einsatz kommen soll – und Glas ist gemeinhin nicht dafür bekannt, faltbar zu sein. Man denke etwa an ein Wasserglas, das auf den Küchenboden fällt und zerbricht. Dabei biegt sich das Glas nicht, sondern zerspringt vielmehr in kleine Glassplitter.

Im Kern sagt Samsung jedoch die Wahrheit: Im Galaxy Z Flip steckt eine Schicht aus flexiblem Glas. Es lässt sich aber nicht wortwörtlich "falten" wie ein Blatt Papier – dann würde es tatsächlich zerbrechen –, sondern es kann gebogen werden. Der Grund: Wenn als solide bekannte Materialien wie Holz, Glas und sogar Stahl dünn genug gebaut sind, lassen sie sich alle biegen. Genau genommen werden also keine physikalischen Gesetze gebrochen, wohl aber an ihre Grenzen geführt.

Darum lässt sich das Glas biegen

Der Stamm eines Mammutbaums lässt sich nicht biegen, wohl aber ein Ast. Eine Tresorwand aus Stahl biegt sich ebenfalls nicht, ein Degen aus Stahl, wie er beim Fechten zum Einsatz kommt, hingegen schon. Dasselbe Prinzip gilt für Glas. Es ist biegsam, wenn es nur dünn genug gebaut wird. Der Unterschied zu Produkten aus Holz und Stahl besteht lediglich darin, dass so dünnes Glas bislang nicht in Geräten für den normalen Konsumenten zum Einsatz kam.

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Dünnes Glas kann aus denselben Gründen gebogen werden wie dünner Stahl (hier YouTuber Skallagrim beim Biegen eines Stahldegens)

Vom Glas-Display erhoffen sich die Käufer des faltbaren Smartphones Galaxy Z Flip, dass es gegen Kratzer widerstandsfähiger ist als der Kunststoff, aus dem das Display des Galaxy Fold gefertigt wurde. Genau das ist laut dem berüchtigten Kratztest des bekannten YouTubers Jack Nelson alias JerryRigEverything aber nicht der Fall. Er zeigte auf, dass das Display genauso empfindlich für Kratzer ist wie jenes des Galaxy Fold.

Das liegt daran, dass die äußere Schicht des Bildschirms tatsächlich aus Plastik besteht – es handelt sich um eine fest angebrachte Folie, die das Glasdisplay darunter schützt. Allerdings zeigte Nelson auf, dass er problemlos Löcher in das Display stechen konnte. Dabei wurden nach der Plastikfolie auch die Glasschicht durchtrennt und die OLED-Schicht darunter beschädigt.

Darum ist das Glas so empfindlich

Laut Samsung ist die Glasschicht des Galaxy Z Flip gerade einmal 30 Mikrometer dünn. Das ist ungefähr so dünn wie ein menschliches Haar. Darum lässt sich das Glas biegen und leicht beschädigen.

Das Ausgangsmaterial für die Glasschicht im Samsung-Handy wurde vom deutschen Unternehmen Schott hergestellt. The Verge zitiert Dr. Mathias Mydlak, einen Chemiker, der die Geschäftsentwicklung des ultradünnen Glases bei Schott verantwortet, mit den Worten: "Wenn man (das Glas) mit etwas zerkratzt (...) dann ist das ein anfänglicher Defekt, der später Probleme verursachen kann."

Sofern ein Stück Glas mit einem hinreichend großen Kratzer darin gebogen wird, breitet sich der Kratzer rasend schnell aus und geht durch das gesamte Material. Die Plastikschicht auf dem Glas ist auch dazu da, die Gefahr verhängnisvoller Kratzer zu reduzieren. Allerdings hat Samsung die Glasschicht nicht unverändert von Schott übernommen, sondern sie mit einem "speziellen Material" injiziert, um eine "konsistente Härte" zu erreichen, wie Samsung in einer Pressemitteilung erklärte.

Dabei kommt offenbar ein Prozess des südkoreanischen Displayherstellers Dowoo Insys zum Einsatz, bei dem Samsung der größte Anteilseigner ist. Was genau Samsung also mit dem ultradünnen Glas von Schott macht, bevor es im Galaxy Z Flip verbaut wird, ist ein Betriebsgeheimnis.

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Samsung fügt ein unbekanntes Material in das biegsame Glas von Schott (im Bild) ein.

Schönere Farben und bessere Haptik

Das Problem bleibt bestehen, dass Samsungs Ultra Thin Glass recht empfindlich ist. Aber warum hat Samsung dann überhaupt eine Glasschicht verbaut und nicht wieder das Plastik-OLED-Display des Galaxy Fold? Das Glas hat andere Vorteile als die Stabilität: Inhalte wirken klarer und die Bedienung fühlt sich besser an, selbst mit dem durchsichtigen Kunststoff darüber. Die Tech-YouTuberin Lisa Gade erklärt diese Vorzüge in einem Video. "Das Schwarz wirkt tiefer, die Farben intensiver und es fühlt sich nicht so sehr nach Plastik an."

Trotzdem ist die mangelhafte Stabilität ein Problem für Samsung. Schließlich assoziieren die Kunden "Glas" mit einer geringeren Empfindlichkeit für Kratzer im Vergleich zu Plastik. Neuerdings bewirbt das Unternehmen das ultradünne Glas daher mit dem Slogan: "Hart, aber zart" ("Tough, yet Tender"). Sozusagen die zarteste Versuchung, seit es Glas gibt.

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Inhalte sehen auf dem Glasdisplay des Galaxy Z Flip brillanter aus als auf dem Plastik-Screen des Galaxy Fold.

Die Zukunft bringt wohl stabileres Glas

Doch es gibt keinen Grund zu verzagen. Jedenfalls noch nicht. Neben Schott arbeitet auch Qualcomm an neuen Arten von flexiblem Glas. Qualcomm verspricht laut The Verge, dass das eigene biegsame Glas "Stabilität, Kratzresistenz und optische Klarheit" miteinander verbinden soll. Schon in einem Jahr, spätestens jedoch in 18 Monaten sollen die ersten Geräte mit dem Qualcomm-Glas verfügbar sein. Die Zukunft könnte also doch noch dem ultradünnen Glas gehören – und mit ihm den faltbaren Smartphones.

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