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Gorilla Glass: Alles Wissenswerte über die verschiedenen Versionen

Gorilla Glass macht Smartphones, Laptops und Co. unanfälliger für Kratzer.
Gorilla Glass macht Smartphones, Laptops und Co. unanfälliger für Kratzer. (©Adobe Stock/hakinmhan 2018)

Das Smartphone rutscht aus der Hand – und das Herz in die Hose. Kaputt oder nicht? Wird das Display von Gorilla Glass geschützt, sollten leichte Stürze theoretisch kein Problem sein. Wir verraten Dir, welche Versionen des Schutzglases es gibt und wie Du herausfindest, welche bei Deinem Handy zum Einsatz kommt.

Dem Display eines Smartphones wird viel Aufmerksamkeit geschenkt: Die Technologie (LCD oder OLED), die Auflösung, das Seitenverhältnis usw. sind für manch einen kaufentscheidend. Doch die Freude an einem guten Display währt nur so lange, wie es heil bleibt. Damit Smartphones nicht so leicht zerkratzen und auch leichtere Stürze überstehen, hat der US-Hersteller Corning das sogenannte Gorilla Glass entwickelt. Dabei handelt es sich um chemisch behandeltes Alumosilikatglas, das nicht nur besonders dünn und leicht, sondern auch sehr widerstandsfähig sein soll.

Gorilla Glass: Das Ergebnis eines schiefgelaufenen Experiments

 Glas entsteht durch Schmelzen von Siliziumdioxid, also Sand. fullscreen
Glas entsteht durch Schmelzen von Siliziumdioxid, also Sand. (©Adobe Stock/tech_studio 2018)

Aber von vorne: Das Material, das heute nicht nur Smartphone-Touchscreens, sondern auch Laptops, TVs, Wearables und andere Geräte schützt, hat seine Ursprünge in einem schiefgelaufenen Experiment. Als ein Wissenschaftler von Corning 1952 mit einem fotosensitiven Glas experimentierte, die Temperatur des Schmelzofens, in dem sich das Glas befand, aber plötzlich von 600 auf 900 Grad Celsius anstieg, erwartete er nur noch einen geschmolzenen Klumpen. Stattdessen fand er eine trübe Lage Glas vor, die nicht zersprang, als sie ihm auf den Boden fiel. Unwissentlich hatte der Wissenschaftler ein Glas-Keramik-Hybrid geschaffen, das leichter als Aluminium und stärker als übliches Glas war.

Von Chemcor zu Gorilla Glass

Bis zum kommerziellen Erfolg von Corning Gorilla Glass war es jedoch noch ein weiter Weg. Zunächst entwickelte Corning Methoden, um das Glas weiter zu stärken. Dafür setzte das Unternehmen auf einen Ionenaustauschprozess. Wird das Glas in eine Kaliumsalzschmelze mit einer Temperatur von 400 Grad Celsius gegeben, verlassen kleinere Natriumionen das Glas und größere Kaliumionen nehmen ihren Platz ein. Dadurch entsteht beim Auskühlen eine oberflächliche Druckspannung, die das Entstehen von Rissen erschwert. Dieses Material nannte Corning in den 1960er-Jahren noch Chemcor.

Am Markt durchsetzen konnte sich der Stoff allerdings noch nicht. Autoherstellern, die von der Unempfindlichkeit des Glases begeistert waren, war der Einsatz in ihren Fahrzeugen schlicht zu teuer.

Gorilla Glass 1 für das erste iPhone

 Gorilla Glass wurde für das erste iPhone 2007 entwickelt. fullscreen
Gorilla Glass wurde für das erste iPhone 2007 entwickelt. (©YouTube/CNET 2018)

Laut Android Authority war es Steve Jobs, der Corning zum Durchbruch verhalf. Der Apple-Gründer war 2006 auf der Suche nach einem Material, das den Screen des ersten iPhones besser vor Kratzern durch Schlüssel, Münzen usw. schützen würde als Plastik. Mit diesem Anliegen trat er an Corning heran, das für das beliebte Motorola RAZR V3 zwar schon mit entsprechend dünnen Gläsern experimentiert hatte, aber noch keine marktreife, ausreichend dünne Lösung für die Serienproduktion gefunden hatte.

Das Projekt mit dem Ziel, ein 1,3 Millimeter dünnes, klares und starkes Glas für Apples erstes iPhone zu entwickeln, wurde schließlich Gorilla Glass genannt. Und die Wissenschaftler lieferten – nach dem iPhone wurden noch etwa 250 andere Smartphone-Modelle mit Gorilla Glass 1 ausgestattet.

Gorilla Glass 2 bis 4 werden widerstandsfähiger

 Beim Galaxy S3 setzte Samsung auf Gorilla Glass 2. fullscreen
Beim Galaxy S3 setzte Samsung auf Gorilla Glass 2. (©YouTube/FailTech 2018)

Gorilla Glass war zwar widerstandsfähiger als bisherige Materialien, die bei Mobiltelefonen zum Einsatz kamen, aber unzerstörbar war es nicht. Mit umfangreichen Tests konnten die Wissenschaftler das Glas über die Jahre weiter verbessern, Gorilla Glass wurde immer dünner und gleichzeitig widerstandsfähiger. Gorilla Glass 2 feierte 2012 Premiere auf der CES in Las Vegas und kam etwa beim Google Nexus 4 oder beim Samsung Galaxy S3 zum Einsatz. Das neue Glas sollte 20 Prozent dünner ausfallen als sein Vorgänger und Gewichte von bis zu 50 Kilogramm aushalten, ohne zu brechen.

 Huawei verwendete Gorilla Glass 3 für das Mate 9. fullscreen
Huawei verwendete Gorilla Glass 3 für das Mate 9. (©TURN ON 2016)

Schon 2013 zeigte Corning auf der CES Gorilla Glass 3, das flexibler war und besser vor Kratzern schützen sollte als der Vorgänger. Es wurde etwa im Galaxy S4 oder im Moto G verbaut. Ende 2014 folgte dann Gorilla Glass 4, das noch einmal dünner ausfiel und Stürze aus einer Höhe von einem Meter in 80 Prozent der Fälle überstehen sollte. Verwendet wurde es etwa beim Galaxy Note 5. Allerdings gab es auch Hersteller, die neue Smartphones weiterhin mit Gorilla Glass 3 ausstatteten, da die neue Version nicht mehr ganz so unempfindlich gegenüber Kratzern war. Das Display des Huawei Mate 9 wurde daher von dem 2013 vorgestellten Glas geschützt.

Gorilla Glass 5 soll Stürze aus 1,60 Metern Höhe überstehen

Das erste Smartphone, bei dem das aktuelle Gorilla Glass 5 zum Einsatz kam, war das Galaxy Note 7 im Jahr 2016. Bei dieser Version des chemisch behandelten Glases wurde erneut an der Bruchsicherheit gefeilt. Corning verspricht, dass Gorilla Glass 5 80 Prozent aller Stürze aus einer Höhe von 1,60 Metern übersteht. Das soll verhindern, dass Smartphones kaputtgehen, wenn sie beispielsweise beim Fotografieren aus der Hand rutschen. Die aktuelle Version ist angeblich viermal stärker als Gorilla Glass 4.

Gorilla Glass  6 bietet noch besseren Schutz gegen mehrfache Stürze

Im Juli 2018 stellte Hersteller Corning die neueste Version namens Gorilla Glass 6 vor. Das neue Displayglas soll laut dem Unternehmen 15 Stürze auf harten Böden überstehen – bis zu zweimal mehr als noch bei Gorilla Glass 5.  Die höhere Widerstandsfähigkeit wurde insbesondere vor dem Hintergrund von Smartphones mit einem vollständigen Glasdesign entwickelt, etwa das iPhone X, iPhone 8 oder iPhone 8 Plus. Gorilla Glass 6 sei nicht nur besonders kratzfest, sondern ermögliche auch ein effizientes Wireless Charging.

Besitzt mein Smartphone Gorilla Glass?

 Nicht nur Smartphones, auch Wearables wie die Samsung Gear Sport, werden von Gorilla Glass geschützt. fullscreen
Nicht nur Smartphones, auch Wearables wie die Samsung Gear Sport, werden von Gorilla Glass geschützt. (©Samsung 2018)

Corning Gorilla Glass wird aber nicht nur bei Smartphones verwendet, sondern auch bei vielen anderen Geräten mit Display, zum Beispiel Smartwatches, Laptops oder Tablets. Ende 2017 gab es weltweit rund fünf Milliarden Geräte mit Gorilla Glass. Doch es gibt auch Alternativen. Dragontrail nennt sich etwa ein Glas, das dem Produkt von Corning recht ähnlich ist. Bei manchen Geräten, Wearables zum Beispiel, kommt mitunter auch Saphirglas zum Einsatz. Ob Dein Smartphone, Tablet oder Co. von Gorilla Glass geschützt wird, kannst Du in dieser Übersicht von Corning herausfinden.

Zusammenfassung

  1. Gorilla Glass ist ein chemisch behandeltes Alumosilikatglas, das dünn, leicht und widerstandsfähig ist
  2. Die Ursprünge liegen in einem schiefgelaufenen Experiment, bei dem ein Wissenschaftler zufällig ein Glas-Keramik-Hybrid schuf
  3. Dieses wurde von Corning weiterentwickelt und erlangte seinen Durchbruch als Gorilla Glass mit dem ersten iPhone
  4. Gorilla Glass 2 wurde 2012 vorgestellt und war 20 Prozent dünner als der Vorgänger
  5. Das flexiblere und kratzunempfindlichere Gorilla Glass 3 folgte 2013
  6. Gorilla Glass 4 wurde 2014 eingeführt und sollte die meisten Stürze aus einem Meter Höhe überstehen
  7. Gorilla Glass 5 gibt es seit 2016. Sie ist viermal härter als die Vorgängerversion und soll 80 Prozent aller Stürze aus 1,60 Metern Höhe überstehen
  8. Gorilla Glass 6 soll 15 Stürze auf harten Böden überstehen
  9. Ob Dein Gerät von Gorilla Glass geschützt wird, findest Du hier heraus

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