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Akku aufladen: Irrtümer rund ums Laden und Entladen

Mit ein paar Tricks kann die Laufzeit von Akkus verlängert werden.
Mit ein paar Tricks kann die Laufzeit von Akkus verlängert werden. (©Thinkstock/iStock/milindri 2017)

Ob Smartwatch, Smartphone, Tablet oder Notebook: Das Gros unseres technischen Equipments ist für den mobilen Einsatz getrimmt. Doch dessen Einsatzfähigkeit steht und fällt mit dem Akku aufladen. Wie Du den Handy-Akku richtig laden kannst und welche Irrtümer noch immer existieren, erläutern wir im Folgenden.

Die Zeiten, in denen technische Gerätschaften in der Nähe von Steckdosen betrieben wurden, sind vorbei. Mittlerweile lässt sich fast alles auch abseits des grauen Schreibtischs erledigen. Doch während die Hardware immer weiter zulegt und selbst Smartphones ein Büro ersetzen können, halten sich die gefühlten Fortschritte bei der Verbesserung der Stromspeicher in Grenzen. Die Folge: Das Thema Akku aufladen ist in aller Munde und vermag ganze Bibliotheken zu füllen. Unter den zahllosen Tipps verbergen sich aber noch immer viele Mythen aus vergangen Zeiten, die modernen Akkus eher schaden als nutzen.

Akkus: Speicher mit begrenzter Lebensdauer

Bei Akkumulatoren oder kurz Akkus handelt es sich einfach gesprochen um wiederaufladbare Energiespeicher, die elektrische in chemische Energie umwandeln und umgekehrt. Im Gegensatz zu den weiteren Bauteilen eines Notebooks oder Smartphones ist der Akku aber ein Verschleißteil. Die Tatsache also, dass ihm im Laufe der Zeit immer schneller die Puste ausgeht, liegt am bauartbedingten Alterungsprozess. Wie unser eigener Alterungsprozess lässt sich der Akku-Verschleiß mit den richtigen Tipps jedoch verzögern.

Akku-Typen: Lithium-Ionen ist der Standard

Wie der Akku am besten zu behandeln ist, hängt wiederum vom Akku-Typ ab. Allein Wikipedia listet über 20 verschiedene Arten auf. Aufgrund ihrer Fähigkeit, verhältnismäßig viel Energie auf kleinem Raum zu speichern, haben sich mittlerweile Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion) und deren Nachfolger Lithium-Polymer-Akkus (Li-Po) beim Einsatz in sogenannten elektronischen Kleingeräten wie Smartphones, Tablets, Notebooks & Co. durchgesetzt. Sie haben die älteren und deutlich sensibleren Nickel-Metallhydrid-Akkus (NiMH) abgelöst, die man heutzutage fast nur noch in der zylindrischen Rundzellen-Form im Batterieregal findet. Allerdings haben sie die Vorstellung zum "richtigen" Umgang mit Akkus geprägt, denn viele der vermeintlich guten Tipps zur Akkupflege gehen auf die NiMH-Akkus zurück.

 Das iPhone 6 besitzt einen Lithium-Ionen-Akku. fullscreen
Das iPhone 6 besitzt einen Lithium-Ionen-Akku. (©picture alliance / dpa Themendienst 2014)

Akku-Pflege: Darauf kommt es an

Auch wenn es von außen nicht so aussieht, im Inneren sind Akkus äußerst komplexe Gebilde, in denen eine ganze Reihe chemischer Stoffe miteinander interagieren. Wasser, Stürze oder andere mechanische Einwirkungen können daher zum Totalausfall führen. Sollte sich der Akku aufblähen, ist das ein sichereres Indiz dafür, dass im Inneren etwas schief läuft. In einem solchen Fall hilft nur noch eins: Der defekte Akku gehört umgehend ersetzt. Ansonsten sind für die Lebensdauer heutiger Akkus die Anzahl der Ladezyklen, der Ladezustand im unteren und oberen Kapazitätsbereich, die Temperatur sowie das Alter des Akkus entscheidend.

Irrtum 1: Erst Akku entladen, dann Akku aufladen

Dass man Akkus am besten immer komplett Laden und Entladen soll, geht auf die alten NiMH-Modelle zurück und gehört heute zu den hartnäckigen Akkumythen. Denn mit den modernen Lithium-Ionen- oder Polymer-Akkus ist das Gegenteil der Fall, die werden beim vollständigen Laden und Entladen besonders strapaziert. Dabei steigt die mechanische und thermische Belastung für den Akku, wenn beim Entladen die Restkapazität auf unter 30 Prozent fällt sowie beim Laden, wenn sie 70 Prozent übersteigt. Am schonendsten für den Akku ist es folglich, wenn sich die Ladung zwischen 30 und 70 Prozent bewegt. Allerdings sind die Angaben nur zur Orientierung gedacht, da sich die Werte je nach Art und Qualität des Akkus unterscheiden. Als alltagstaugliche Faustregel gilt: bei niedrigem Stand kurz Akkus aufladen und bei fast vollem lieber auf einen Ladevorgang verzichten.

Irrtum 2: Zu häufiges Laden lässt den Akku schneller altern

Gute Akkus schaffen durchschnittlich 1000 Ladezyklen, bevor sie merklich an Kapazität verlieren. Ein Ladezyklus entspricht dabei einer vollständigen Ladung und Entladung des Akkus. Die Entladung des Akkus auf 50 Prozent und das anschließende Laden auf 100 Prozent entsprechen demzufolge einem halben Ladezyklus. Erst nach einer Wiederholung der Prozedur ist ein vollständiger Ladezyklus "verbraucht". Von daher schadet es nicht, das Gerät regelmäßig an die Steckdose zu hängen. Im Gegenteil, damit wird der Akku sogar geschont, weil nicht droht, dass die Ladekapazität in den kritischen Bereich fällt oder steigt.

 Akkufresser auf dem iPhone können schnell identifiziert werden. fullscreen
Akkufresser auf dem iPhone können schnell identifiziert werden. (©TURN ON 2014)

Irrtum 3: Akku vor Memory-Effekt schützen

Auch die Warnung vor dem sogenannten Memory-Effekt, also der Problematik, dass sich der Akku den letzten Ladezustand merkt und bei einer erneuten Ladung nur noch bis dahin lädt, war ein Problem der alten Nickel-Akkus. Um den Verlust der Akkuleistung auszugleichen, sollte man immer Akkus entladen und vollständig wieder aufladen. Moderne Lithium-Akkus kennen das Problem, zumindest in der Form, nicht. Somit gehört die Sorge vor dem Memory-Effekt heutzutage ins Reich der Akkumythen.

Irrtum 4: Den Akku erstmal trainieren

Vor der ersten Inbetriebnahme gehören neue Geräte erstmal für mindestens zwölf Stunden an die Steckdose, um den Handy-Akku richtig laden zu können und die vollständige Leistungsfähigkeit zu erreichen. Auch dieser vermeintliche Tipp ist ein Relikt vergangener Tage. Was bei den Nickel-Akkus noch hilfreich war, läuft aufgrund der Ladeelektronik in heutigen Akkus ins Leere. Hier beendet die Elektronik den Ladevorgang, sobald der Akku vollgeladen ist. Da Lithium-Akkus auch nicht mehr unter dem Memory-Effekt leiden, müssen sie folglich auch nicht regelmäßig neu konditioniert werden. Lediglich die Messtechnik zieht Vorteile aus dem vollständigen Laden und Entladen, denn die hierbei angesammelten Informationen helfen, die Kapazität des Akkus besser zu bestimmten, was sich in exakteren Angaben der Akkuanzeige niederschlägt.

Irrtum 5: Nur Original-Zubehör nutzen

Hin und wieder hört man, dass Menschen oder Geräte durch Akku-Nachbauten zu Schaden kommen. Stimmt: Dass Akkus explodieren und dabei Menschen verletzen, kommt vor. Mit Blick auf die hohe Verbreitung von Akkus passiert das aber extrem selten. Verantwortlich dafür sind in aller Regel Produktionsfehler, auf die die Hersteller mit schnellen Rückrufen reagieren. Die viel größere Gefahr bei der Anschaffung von Akku-Nachbauten, ist ein Modell zu erwischen, dem nach 30 Minuten bereits die Puste ausgeht. Wer sichergehen will, sollte um Billig-Akkus und Ladegeräte von No-Name-Herstellern einen Bogen machen und lieber ein paar Euro mehr in die Produkte vertrauenswürdiger Hersteller und Händler investieren. Diese bieten hierzulande auch Gewährleistung und einen Ansprechpartner. Dass es zwingend Original-Zubehör sein muss, entspringt aber nur dem Wunsch der Geräte-Hersteller.

 Das Akku-Menü beim Nexus 9 gibt einen Überblick über Stromfresser. fullscreen
Das Akku-Menü beim Nexus 9 gibt einen Überblick über Stromfresser. (©TURN ON 2014)

Tipp 1: Auf die richtige Temperatur achten

Aufgrund der chemischen Prozesse sind Akkus anfällig gegenüber hohen und niedrigen Temperaturen. So sinkt die Leistungsfähigkeit des Energiespeichers bei Temperaturen unter 0 Grad Celsius, während Temperaturen von 40 Grad Celsius und mehr die Zell-Oxidation beschleunigen und den Akku schneller altern lassen. Daher sollten Smartphone, Laptop & Co. nicht bei extremer Hitze an die Steckdose und Smartphones im Winter möglichst nah am Körper getragen werden, um ein Auskühlen des Gerätes zu vermeiden. Bei Notebooks empfiehlt es sich, den Akku zu entfernen, wenn das Gerät länger an der Steckdose betrieben wird. Denn im unmittelbaren Umfeld der Geräte wird es gerne mal etwas wärmer, was sich negativ auf die Lebensdauer auswirkt.

Tipp 2: Richtig lagern

Bei längerem Nichtgebrauch des Akkus fühlt sich dieser im Kühlschrank am wohlsten, denn hier schreitet der Alterungsprozess am langsamsten voran. Allerdings sollte man es vermeiden, ihn vor der Einlagerung vollständig aufzuladen. Experten raten zu einem Ladestand von 40 bis 50 Prozent, bevor der Akku hinter der Butter verschwindet. Aber auch ohne angeschlossenen Verbraucher verliert der Akku Energie. Um eine vollständige Entladung bei längerer Lagerung zu vermeiden, sollte der Akku hin und wieder an die Steckdose.

 Die Akkulaufzeit eines Samsung Galaxy S5 findet sich in den Einstellungen. fullscreen
Die Akkulaufzeit eines Samsung Galaxy S5 findet sich in den Einstellungen. (©TURN ON 2014)

Ein Leben im Takt des Akkus?

Egal, was man anstellt, der Alterungsprozess heutiger Akkus ist nicht aufzuhalten. Durch den richtigen oder falschen Umgang lässt sich der Kapazitätsverlust der Energiespeicher jedoch verlangsamen oder beschleunigen. Wer hofft, durch sorgfältigste Behandlung die Lebensdauer des Akkus zu verdoppeln, der irrt jedoch. Qualitativ hochwertige Akkus und eine immer bessere Ladeelektronik schützen bereits vor den schlimmsten Fehlern wie Überhitzung oder Überladung. Ob die bei sklavischer Einhaltung aller Akku-Tipps entstehenden Komforteinbußen letztlich ein paar Prozent mehr Akkukapazität rechtfertigen, musst Du persönlich entscheiden. Stressfreier ist, nach zwei drei Jahren in einen Ersatz-Akku zu investieren, sofern sich der Akku austauschen lässt. Mit ein paar Tipps lässt sich die Akkulaufzeit von iPhones und Android-Geräten außerdem leicht verbessern.

Zusammenfassung

  1. Durch den richtigen Umgang mit Akkus lässt sich der Alterungsprozess verlangsamen, aber nicht vollständig aufhalten
  2. Heutzutage sind in Smartphones, Tablets, Notebooks und Co. Lithium-Ionen- oder -Polymer-Akkus verbaut, denen Akku-Tipps von früher eher schaden als helfen
  3. Akkus entladen und wieder vollständig aufladen sollte vermieden werden
  4. Versuche den Ladezustand des Akkus im Bereich zwischen 30 und 70 Prozent zu halten
  5. Den Akku zwischenladen schadet nicht, die Sorge vor dem Memory-Effekt ist bei modernen Akkus unbegründet
  6. Deine Neuanschaffung muss vor dem ersten Gebrauch nicht mehr zwölf Stunden an die Steckdose, um den Akku zu trainieren
  7. Verzichte darauf, den Akku bei hohen Temperaturen von 40 Grad Celsius und mehr zu laden
  8. Lass Notebook, Tablet & Co. im Winter nicht unnötig lang im abgestellten Auto und trage Dein Smartphone möglichst nah am Körper, um ein Auskühlen des Akkus zu vermeiden
  9. Beim Neukauf von Akkus lieber etwas mehr Geld investieren und Billig-Produkte von No-Name-Herstellern links liegen lassen
  10. Benötigst du den Akku längere Zeit nicht, dann entferne ihn aus dem Gerät und lagere ihn halb aufgeladen im Kühlschrank
  11. Auch bei längerem Nichtgebrauch solltest du den Akku regelmäßig etwas aufladen, um eine Tiefentladung zu vermeiden
  12. Lass Dich von Deinem Akku nicht terrorisieren

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