Handy am Steuer: Das musst Du wissen

Am Steuer zu texten, kann teuer werden – schließlich ist es gefährlich.
Am Steuer zu texten, kann teuer werden – schließlich ist es gefährlich. (©Adobe Stock/animaflora 2018)
Franziska Peix Kann die Frage "Welcher Fitness-Tracker ist der beste?" nicht mehr hören.

Die Verlockung ist manchmal groß. Doch mit Handy am Steuer erwischt zu werden, kann teuer werden. Mal abgesehen davon, dass eine solche Ablenkung im Straßenverkehr vor allem eins ist: gefährlich. Was erlaubt ist, was nicht und welche Strafen laut Bußgeldkatalog drohen, erläutern wir Dir in der folgenden Übersicht.

Welches Gesetz regelt die Handynutzung am Steuer?

Telefonieren am Steuer ist gefährlich. Bei einer innerstädtischen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h legst Du pro Sekunde 14 Meter zurück – das sind 14 blinde Meter, wenn Du nicht auf die Straße, sondern aufs Smartphone siehst. Daher heißt es in § 23 Abs. 1a der Straßenverkehrsordnung (StVO):

Wer ein Fahrzeug führt, darf ein elektronisches Gerät, das der Kommunikation, Information oder Organisation dient oder zu dienen bestimmt ist, nur benutzen, wenn

1. hierfür das Gerät weder aufgenommen noch gehalten wird und
2. entweder
a) nur eine Sprachsteuerung und Vorlesefunktion genutzt wird oder
b) zur Bedienung und Nutzung des Gerätes nur eine kurze, den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen angepasste Blickzuwendung zum Gerät bei gleichzeitig entsprechender Blickabwendung vom Verkehrsgeschehen erfolgt oder erforderlich ist.

Mit der Einführung eines neuen Bußgeldkatalogs 2017 ist nun strenger geregelt, welche Geräte von der StVO abgedeckt werden. Denn nicht nur Smartphones dürfen nur unter den oben aufgeführten Voraussetzungen genutzt werden, auch Tablets und Navigationsgeräte fallen darunter.

Was ist erlaubt und was nicht?

Das Telefonieren beim Autofahren ist also nicht erlaubt, wenn Du das Smartphone dafür in die Hand nehmen musst. Wenn das Handy klingelt und Du keine Freisprecheinrichtung besitzt, darfst Du es lediglich an den Beifahrer weitergeben, damit er den Anruf annehmen oder ablehnen kann. Auch beim Wegdrücken eines Anrufs hat ein Gericht schon ein Bußgeld verhängt. Ebenso ist es verboten, das Smartphone zu anderen Zwecken zu nutzen, etwa als Diktiergerät oder zum Verschicken von Nachrichten, zum Beispiel SMS, WhatsApp- oder Sprachnachrichten. Sogar beim Ablesen des Displays während der Fahrt können Gerichte so auslegen, dass Strafen drohen.

Handy Navi
Das Smartphone darf als Navi genutzt werden, wenn es während der Fahrt nicht bedient wird.

Erlaubt ist die Handynutzung am Steuer nur, wenn das Smartphone dafür nicht aufgenommen werden muss. Du kannst also beispielsweise über eine Freisprecheinrichtung telefonieren, Musik hören oder das Handy als Navi benutzen – sofern Du es dafür nicht während der Fahrt bedienen musst. Mit Handy in der Hand erwischt zu werden, ist nur dann unbedenklich, wenn der Motor ausgeschaltet ist. In diesem Fall ist etwa auch das Telefonieren an einer roten Ampel erlaubt. Die Start-Stopp-Automatik moderner Autos reicht dafür aus.

Tätigkeit Erlaubt?
Telefonieren mit Freisprechanlage ja
Display ablesen nein
Anruf wegdrücken nein
Handy als Diktiergerät verwenden nein
Handy als Navi benutzen ja, sofern es nicht angefasst wird
Handy zum Musikhören verwenden ja, sofern es nicht angefasst wird
heruntergefallenes Handy aufheben ja
Klingelndes Handy aufnehmen und an den Beifahrer weitergeben ja
Telefonieren an der roten Ampel ja, sofern der Motor ausgeschaltet ist

Welche Strafe sieht der Bußgeldkatalog vor?

Im Oktober 2017 wurden die Strafen fürs Telefonieren am Steuer ohne Benutzung einer Freisprechanlage verschärft. Seit dem 19. Oktober 2017 musst Du mit einem Bußgeld in Höhe von 100 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen, wenn Du erwischt wirst. Wirst Du sogar mehr als einmal erwischst, kann ein Fahrverbot von bis zu drei Monaten hinzukommen. Für eine Gefährdung durch das Handy am Steuer gibt es hingegen schon beim ersten Mal ein Fahrverbot von einem Monat. Außerdem sieht der Bußgeldkatalog hier 150 Euro und 2 Punkte im Verkehrszentralregister vor.

Fahrverbot
Im Oktober 2017 wurden die Strafen fürs Telefonieren am Steuer ohne Benutzung einer Freisprechanlage verschärft.

Verursachst Du sogar einen Unfall, weil Du durchs Smartphone, Tablet oder Navi abgelenkt bist, musst Du ein Bußgeld in Höhe von 200 Euro zahlen, bekommst 2 Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei und musst Deinen Führerschein für einen Monat abgeben. Darüber hinaus kann sich Deine Versicherung weigern, die durch den Unfall entstandenen Kosten zu decken. Denn Versicherungen behalten sich vor, im Falle von grob fahrlässigem Verhalten keine Zahlung zu leisten.

Was droht bei Verstößen in der Probezeit?

Während der Fahrt zu telefonieren, ist an sich schon eine schlechte Idee. In der Probezeit kann das aber noch größere Probleme nach sich ziehen. Bei einem Führerschein auf Probe wird nämlich zwischen A- und B-Verstößen unterschieden. Zu den schwerwiegenden A-Verstößen zählt auch das Telefonieren am Steuer. Alle Vergehen in der Probezeit, bei denen ein Bußgeld von mindestens 60 Euro droht, sorgen für eine Probezeitverlängerung um weitere zwei Jahre. Darüber hinaus ist mit der verpflichtenden Teilnahme an einem Aufbauseminar zu rechnen. Dies kann schnell bis zu 400 Euro kosten.

Was passiert, wenn ich mit Handy am Steuer geblitzt werde?

Blitzer
Wirst Du mit Handy am Steuer geblitzt, musst Du für beide Vergehen bußen.

Wirst Du nicht direkt beim Telefonieren von der Polizei angehalten, kann trotzdem noch ein Bußgeldbescheid ins Haus flattern. Das kann passieren, wenn Du mit Handy am Ohr geblitzt wirst. Zwar wirst Du in der Regel nicht beide Bußgelder in voller Höhe zahlen müssen, aber die Punkte in Flensburg gibt es für beide Vergehen. Meist wird das höhere Bußgeld plus die Hälfte des Bußgeldes für das zweite Vergehen erhoben.

Zusammenfassung

  1. § 23 Abs. 1a der StVO regelt die Handynutzung im Auto
  2. Das Handy am Steuer zu benutzen, ist grundsätzlich verboten, wenn es dafür aufgenommen werden muss
  3. Über eine Freisprecheinrichtung zu telefonieren, ist erlaubt
  4. Das klingelnde Handy an den Beifahrer weitergeben, darfst Du ebenfalls
  5. Sobald der Motor aus ist, darfst Du auch als Fahrer mit Handy am Ohr telefonieren
  6. Das Smartphone darf ebenso zum Navigieren oder Musikhören genutzt werden, sofern es dafür nicht aufgenommen werden muss
  7. Ein Verstoß wird mit mindestens 100 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet
  8. Bei einer Gefährdung oder einem Unfall kommen Fahrverbote hinzu
  9. In der Probezeit drohen eine Probezeitverlängerung und die Teilnahme an einem Aufbauseminar
  10. Wirst Du mit Handy am Steuer geblitzt, zahlst Du in der Regel das höhere Bußgeld sowie die Hälfte des niedrigeren Bußgeldes, Punkte gibt es für beide Vergehen
Kommentar schreiben
Relevante Themen:

Beliebteste Artikel bei Tech

  • Letzte 7 Tage
  • Letzte 30 Tage
  • Alle
close
Bitte Suchbegriff eingeben