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Ich habe meinen iPhone-Akku bei Apple getauscht: Das ist passiert

Ich habe geprüft, ob mein iPhone 6 durch den Akkutausch schneller geworden ist.
Ich habe geprüft, ob mein iPhone 6 durch den Akkutausch schneller geworden ist. (©TURN ON 2018)

Nie war die Gelegenheit besser und günstiger, um seinen iPhone-Akku tauschen zu lassen – dank vergünstigtem Akkutausch-Programm von Apple. Ob das wie versprochen funktioniert, habe ich mir einmal selbst vor Ort angeschaut. Was ich beim Akkutausch mit meinem iPhone 6 alles erlebt habe und ob sich der Aufwand am Ende gelohnt hat, erfährst Du hier aus erster Hand.

Zur Erinnerung noch einmal kurz die Ausgangssituation: Ende 2017 kam ans Licht, dass iPhones mit schwachen Akkus weniger Leistung haben als iPhones mit neuen Batterien. Schnell war klar: Das, was Apple mit iOS 10.2.1 bereits vor einem Jahr als Lösung für Akkuprobleme präsentierte, war nichts anderes als eine softwareseitige Leistungsdrosselung – wofür Apple sich später entschuldigte. Im Zuge dessen führte der Hersteller auch ein Akkutausch-Programm für alle Apple-Smartphones ab dem iPhone 6 und neuer ein.

Statt für 89 Euro tauscht Apple den Energiespeicher bis Jahresende für nur 29 Euro – unabhängig vom tatsächlichen Akkuzustand. Wie gut das Programm in der Praxis funktioniert und ob der Akkutausch tatsächlich spürbare Vorteile bringt, davon wollte ich mich einmal selbst überzeugen. Aus diesem Grund habe ich den Akku eines iPhone 6 tauschen lassen. Warum ich dafür insgesamt dreimal den Apple Store aufsuchen musste, verrate ich Dir im folgenden Erfahrungsbericht ...

Vor dem iPhone-Akkutausch habe ich die Ladezyklen ausgelesen

Vor dem Austausch habe ich ausgelesen, dass mein iPhone 6 bereits 569 vollständige Ladezyklen ausweist. (© 2018 TURN ON)

Bevor ich einen Termin für den Akkutausch vereinbare, checke ich zunächst, ob eine neue Batterie überhaupt sinnvoll sein könnte. Darum lese ich die Ladezyklen des iPhone 6 mit einer kostenlosen Software aus. Das Ergebnis: 568 vollständige Ladezyklen hat das Smartphone zu diesem Zeitpunkt bereits hinter sich. Okay, großartige Einschränkungen in der Performance kann ich zwar nicht entdecken, aber ein neuer Akku könnte doch nicht schaden, dachte ich mir. Immerhin garantiert Apple nach 500 Ladezyklen nur noch bis zu 80 Prozent der Originalkapazität. Leider weiß niemand außer Apple selbst, ab wann iOS die Prozessorleistung des iPhones drosselt, aber ich denke mir, bei mehr als 500 Ladezyklen könnte diese Schutzmaßnahme durchaus greifen.

Ohne Termin geht nicht viel

Der Austausch selbst kostet lediglich 29 Euro. Alternativ holt auch UPS das iPhone von Zuhause ab, wofür aber eine zusätzliche Gebühr fällig wird. Aus diesem Grund entscheide ich mich, direkt einen Apple Store aufzusuchen. Natürlich tauschen auch zahlreiche autorisierte Apple Service Provider oder auch Fachhändler wie SATURN den iPhone-Akku. Beim Schreiben des Artikels "Akkutausch-Programm von Apple: Dieses iPhone muss bis März warten" horche ich allerdings auf. Mehrere Wochen Wartezeit, nur für einen neuen iPhone-Akku? Schnell reserviere ich mir online einen Termin. Denn: Aus Erfahrung weiß ich, ohne Termin geht bei Apple meist nicht viel. Hat man Glück, kann man zwar auch als Laufkunde noch vor Ort einen Termin am gleichen Tag bekommen. Aber das nur, wenn die Kapazitäten da sind – und in diesen Tagen sind sie es definitiv nicht.

So wird das wohlig orchestrierte Apple-Einkaufserlebnis gestört

Als ich das Geschäft betrete, wird mir klar, was die Medien meinen, wenn sie davon sprechen, das minutiös orchestrierte Einkaufserlebnis der Kunden werde durch das Heer an austauschwilligen Menschen gestört. Die Tische mit den iPhone-X-Modellen wirken ungewohnt verwaist, stattdessen stapeln sich schon am Eingang die Massen, die offensichtlich zunächst eine Art Vorauswahl durchlaufen müssen – oder einfach nach Orientierung suchen. Ganz offensichtlich gieren die Menschen nach brandneuen iPhone-Akkus, als gäbe es kein Morgen mehr. Am Rande bemerke ich, wie der spontane Wunsch nach einer neuen Batterie für einige Personen bereits fünf Meter hinter dem Eingang platzt. "Heute keine Chance mehr", vertrösten die stets lockeren und gut gelaunten Angestellten mit ihren blauen Shirts die enttäuschte Kundschaft.

Im Hintergrund: Das iPhone X, das die Drosselprobleme derzeit noch nicht kennt. (© 2018 TURN ON)

Trotz Termin ist der Akku nicht da, sondern muss erst bestellt werden

Wer einen Termin direkt beim Hersteller vereinbart, kann online eine Serviceanfrage für den Batterietausch stellen – so wissen die Angestellten im Idealfall bereits, welches Problem gelöst werden soll. Mit dem Glauben, vermeintlich alles richtig gemacht zu haben, betrete ich das Geschäft und trage mein Anliegen vor.

Die Hoffnung auf einen schnellen und unkomplizierten Austausch begrabe ich in dem Moment, in dem ich erfahre, dass für das iPhone 6 kein Akku vorrätig sei, sondern erst bestellt werden müsse. Das erste Mal beschleichen mich Zweifel: Hätte ich mir doch lieber, wie vom Hersteller empfohlen, telefonisch eine Batterie sichern sollen? Wäre sie in diesem Fall umgehend am gleichen Tag getauscht worden? Und warum habe ich überhaupt einen Termin vereinbart, wenn dann doch kein Akku vorrätig ist? Fragen über Fragen, die eines deutlich zeigen: Selbst Apple kann seine Prozesse noch optimieren.

Der Moment vor dem Diagnose-Test. (© 2018 TURN ON)

iPhone-Akkutausch sinnvoll? Apples Diagnose-Tool fällt vernichtendes Ergebnis

Egal, der Akku müsse erst bestellt werden, daran führt kein Weg vorbei. Mein iPhone 6 könne ich entweder direkt hier lassen oder erst abgeben, wenn die Batterie tatsächlich eingetroffen ist. Ohne lange zu überlegen entscheide ich mich für Variante zwei, lasse zuvor das iPhone aber erst einmal von den Experten checken. Dazu wirft Apple auf einem iPad das hauseigene Diagnose-Tool an und aktiviert auf meinem iPhone 6 das WLAN.

Nach nicht einmal drei Minuten lässt mich das Ergebnis an meinem Vorhaben tatsächlich zweifeln. Auf dem iPad erspähe ich bereits das Resultat – und registriere das grüne Feld, das mir signalisieren soll: Mit Deinem iPhone-Akku ist alles bestens, was machst Du hier überhaupt? 93 Prozent der eigentlichen Kapazität habe mein Akku noch, ein Austausch somit weder erforderlich noch dringend ratsam.

Zwischendurch heißt es mal wieder: Warten

Als mir der Experte dieses eindeutige Ergebnis serviert, spüre ich bereits, wie er darauf hofft, die Sache wäre damit erledigt – doch ich will den Wechsel trotzdem durchführen lassen, entgegen seiner Empfehlung. Auch den gut gemeinten Hinweis, wonach das Austauschprogramm noch bis Jahresende läuft, wische ich ohne mit der Wimper zu zucken vom Tisch.

In diesem Moment dämmert es mir: Ich gehöre zu den 90 Prozent, bei denen ein Akkutausch nicht wirklich notwendig ist – von signifikanten Leistungsverbesserungen ganz zu schweigen. Mit dem Gefühl, die Räumlichkeiten alsbald wieder betreten zu dürfen, verabschiede ich mich vorerst. Sobald mein Akku eintrifft, werde ich eine E-Mail erhalten. Danach hätte ich zwei Wochen Zeit, um mein iPhone zur Reparatur vorbeizubringen, ließ man mich wissen.

Nach nicht einmal 24 Stunden ist das Objekt der Begierde da

Das iPhone 6 vor dem Akkutausch. (© 2018 TURN ON)

Keine 24 Stunden später trudelt die E-Mail schon ein: "Dein Ersatzteil ist da", heißt es im Betreff. Man könne zeitnah mit der Reparatur beginnen. In der E-Mail ist von den zuvor versprochenen zwei Wochen jetzt keine Rede mehr, stattdessen gewährt man mir lediglich sieben Tage. Nach Ablauf dieser Frist könne mein Ersatzteil aufgrund der hohen Nachfrage für andere Reparaturen freigegeben werden – in diesen turbulenten Tagen scheint jeder Akku wichtig zu sein.

In dem Wissen, meinen fabrikneuen Akku schon vor dem ersten Einsatz wieder verlieren zu können, mache ich mich umgehend auf den Weg zu Apple, gebe mein iPhone 6 vertrauensvoll in die Hände des Unternehmens und gehe noch kurz kleinere Kratzer und Dellen an dem Gerät penibel mit dem Mitarbeiter durch. Apple sei ja nicht so, wurde ich beruhigt, aber die Kunden bestünden schließlich auf eine lückenlose Dokumentation – deutsche Gründlichkeit macht eben auch vor US-amerikanischen Konzernen nicht halt. Bis zu drei Tage werde die Reparatur in Anspruch nehmen, heißt es, ehe ich mich wieder auf den Weg zurück ins Büro mache.

Jetzt heißt es warten: Wird der Austausch vielleicht doch schneller vonstattengehen? Immerhin hörte ich, dass manche Kunden ihr iPhone schon nach nur einem Tag wieder in den Händen halten konnten. Doch der erste Tag verstreicht ohne Rückmeldung, der zweite fast auch, doch am Freitagabend schließlich erreichte mich die frohe Botschaft, dass mein "Produkt abholbereit" sei. Für mich leider zu spät, ich habe mich bereits ins Wochenende verabschiedet und werde das iPhone 6 daher erst am Montag in Empfang nehmen können.

Abgerechnet wird zum Schluss: Das eindeutige Benchmark-Ergebnis

Gut vorbereitet habe ich vor dem Tausch der iPhone-Batterie noch einen Benchmark-Test mit dem alten Akku durchgeführt – und zwar mit der kostenlosen AnTuTu-App. Mehrere Durchläufe habe ich mit dem Tool absolviert, die Ergebnisse pendelten sich zwischen 73.000 und 76.000 Punkte ein. Sollte Apple mein iPhone 6 tatsächlich gedrosselt haben, müsste ich mit einem neuen Akku also einen besseren Score erzielen.

Die Benchmark-Wertung vor dem Akkutausch, der mehr als 500 Ladezyklen hinter sich hatte... fullscreen
Die Benchmark-Wertung vor dem Akkutausch, der mehr als 500 Ladezyklen hinter sich hatte... (©TURN ON 2018)
...und die Wertung nach erfolgtem Austausch. fullscreen
...und die Wertung nach erfolgtem Austausch. (©TURN ON 2018)

Nachdem ich die 29 Euro für den Akkutausch bezahle und mich als rechtmäßiger Besitzer bei Apple legitimiere, nehme ich das iPhone 6 mit ausgetauschtem Akku wieder entgegen – und lasse den Benchmark-Test erneut durchlaufen. Die Ergebnisse waren jedoch stets nahezu unverändert, immer zeigte das Programm eine Wertung um die 76.000 Zähler an. Eine mögliche aktive Drosselung seitens iOS 11 vermag ich auf Basis dieser nicht repräsentativen Daten nicht zu erkennen. Zur Sicherheit lese ich noch einmal die Ladezyklen aus. Die Null zeigt mir immerhin schwarz auf weiß, dass mein iPhone 6 einen nagelneuen Akku besitzt.

Nach dem Akkutausch zeigt das Tool erwartungsgemäß null Ladezyklen an. (© 2018 TURN ON)

Fazit: Für wen sich der iPhone-Akkutausch überhaupt lohnt

Für 29 Euro habe ich jetzt ein iPhone 6 mit brandneuem Akku – gemeinhin die Achillesferse eines jeden iPhones. Denn von der Performance her kommt man auch im Jahr 2018 noch gut mit einem iPhone 6 über die Runden. Natürlich war mir schon von vornherein klar, dass auch ein neuer Akku keinen Leistungsturbo zünden wird. Wer also ebenfalls seinen iPhone-Akku tauschen lassen möchte, kann das für 29 Euro sicher guten Gewissens tun. In vielen Fällen wird ein Austausch aber, zumindest in puncto Leistung, keine großartigen Effekte bringen – es sei denn, der Akku ist schon sehr weit heruntergewirtschaftet.

Dass die Diskussion rund um gedrosselte iPhones viele Kunden verunsichert hat, hat mittlerweile auch Apple eingeräumt. Ein künftiges iOS-Update wird daher den iPhone-Besitzern nicht nur Informationen zum Gesundheitszustand der Batterie liefern. Auch die bislang unvermeidliche Drosselung wird sich einfach in den Einstellungen abschalten lassen.

Wer aber glaubt, sein iPhone verfüge über eine schlechtere Performance oder der Akku hält einfach nicht mehr so lange durch, sollte das Angebot unbedingt noch in diesem Jahr nutzen. Apple behält sich jedoch vor, nur einen Austausch pro iPhone zum vergünstigten Preis zu akzeptieren. Demnach ist es egal, ob die Reparatur schon jetzt oder erst in einigen Monaten erledigt wird. Der Andrang und somit auch die Wartezeit dürften in einigen Wochen oder Monaten aber erheblich geringer ausfallen – was den Ablauf deutlich entspannen dürfte. Vielleicht hat Apple bis dahin seine Prozesse auch noch etwas optimiert, sodass man nicht gleich dreimal für einen simplen Akkutausch erscheinen muss. Immerhin: Rechnet man allein den Tag meines ersten Erscheinens bis zum Tag der abgeschlossenen Reparatur, hat der ganze Vorgang nicht einmal drei Tage gedauert.

Dennoch wünscht man sich manches Mal die seligen Zeiten zurück, in denen man für einen Akkuwechsel nicht auf eine Reparatur durch den Hersteller angewiesen war, sondern einfach einen neuen Energiespeicher kaufen und mit wenigen Handgriffen selbst einsetzen konnte. Die Moral von der Geschicht': Früher war nicht alles besser – aber manches einfacher.

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