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Im Ausland telefonieren und surfen: Alles zum Roaming

Roaming-Kosten sind in der EU mittlerweile gedeckelt.
Roaming-Kosten sind in der EU mittlerweile gedeckelt. (©picture alliance / M.i.S.-Sportpressefoto 2015)

Gerade auf Reisen liefern Smartphones wertvolle Informationen und helfen, den Kontakt zu den Daheimgeblieben zu halten. Doch wer beim Öffnen der nächsten Telefonrechnung keinen Schock erleiden will, sollte sich bereits vor der Abreise mit dem Thema Roaming auseinandersetzen. Die wichtigsten Informationen zur Handy-Nutzung im Ausland findest Du hier.

Roaming im Ausland: Was ist das?

Wer im Ausland sein Handy zückt, wird schnell feststellen, dass das Netz des eigenen Anbieters nicht erreichbar ist. Erst Roaming macht es möglich, dass die Kunden von Telekom, Vodafone, O2 & Co. auch außerhalb von Deutschland im Ausland telefonieren und surfen können. Dabei beschreibt Roaming die Möglichkeit, mit dem Handy auch auf ein anderes Netz als das des eigenen Anbieters zuzugreifen. Hierzu haben alle Provider untereinander sogenannte Roaming-Verträge abgeschlossen. Dort ist geklärt, wer, wo, zu welchen Bedingungen auf welches Fremd-Netz zugreifen darf. Dabei ist es egal, ob es um Telefonate oder die Internet-Nutzung geht.

Roaming – Das ist doch teuer?

Einer Umfrage zufolge schränken sich 72 Prozent der Urlauber bei Handy-Nutzung im Ausland aus Angst vor der Kostenfalle Roaming ein. Nicht ohne Grund: Lange Zeit haben sich die Mobilfunk-Provider das Durchleiten von Gesprächen und Daten fürstlich entlohnen lassen. Doch zumindest innerhalb der Europäischen Union hat sich die Situation in den letzten Jahren deutlich verbessert. 2007 hat die Europäische Kommission begonnen, die Durchleitungsgebühren für europäische Mobilfunkanbieter zu deckeln. Seitdem sind die Kosten für Anrufe, SMS und Internet-Nutzung um 80 Prozent gesunken. Diese Regelungen gelten allerdings nur innerhalb der EU. Wer sein Smartphone auch in anderen Ländern wie etwa der Türkei oder Schweiz nutzen will, wird mit deutlich höheren Kosten konfrontiert.

Wieviel kostet die Handy-Nutzung innerhalb der EU?

Zuletzt wurden die Preisobergrenzen fürs Roaming am 1. Juli 2014 angepasst. Seitdem darf eine Telefonminute für abgehende Gespräche mit maximal 22,6 Cent zu Buche schlagen. Wird man hingegen angerufen, darf einem der Provider maximal 6 Cent pro Minute in Rechnung stellen. Versendete Kurznachrichten via SMS schlagen aktuell mit höchstens 7 Cent zu Buche, das Empfangen von SMS im europäischen Ausland ist mittlerweile kostenfrei. Aber auch die Preise für die mobile Internetnutzung (Daten-Roaming) sind begrenzt. Hier beträgt der Höchstpreis für die Übermittlung eines Megabytes 24 Cent. Die Preisvorgaben gelten dabei sowohl für Post- als auch für Prepaid-Tarife. Derzeit gibt es seitens des europäischen Parlaments Bestrebungen, die Roaming-Gebühren innerhalb der EU ganz abzuschaffen, eine diesbezügliche Einigung steht aber noch aus.

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Die EU möchte Roaming-Gebühren am liebsten ganz abschaffen. (©picture alliance / M.i.S.-Sportpressefoto 2015)

Kostenfalle Daten-Roaming: Bin ich beim Surfen im Ausland extra geschützt?

Wer mal eben ein paar Schnappschüsse vom Strand via Facebook mit seinen Freunden teilen will, zahlt trotz Kostendeckelung schnell ein Vielfaches der sonst üblichen Telefonrechnung. Damit die Kosten für die Datenübertragung nicht gleich die nächste Urlaubskasse auffressen, hat die EU 2010 einen Kostendeckel eingeführt. In Deutschland liegt der inklusive Mehrwertsteuer bei 59,50 Euro. Übersteigen die Gebühren für die mobile Internetnutzung diese Grenze, wird die Verbindung automatisch gekappt. Erst nachdem der Nutzer ausdrücklich zugestimmt hat, darf er weiter surfen. Das Limit gilt für alle europäischen Mobilfunkanbieter in der ganzen Welt. Hier gilt es zu bedenken, dass bei Reisen im EU-Ausland nur der Kostendeckel greift, nicht aber die Preisregulierung für die übermittelten Datenpakete.

Was sollte ich vor Reiseantritt beachten?

Wer weiß, dass er im Urlaub häufiger zum Telefon greift, sollte sich schon im Vorfeld bei seinem Anbieter schlaumachen. Häufig haben die spezielle Auslandspakete im Angebot, mit denen sich die Verbindungsgebühren reduzieren lassen. Das gilt insbesondere dann, wenn es ins nicht EU-Ausland geht, wo die Gebühren nicht begrenzt sind. Wichtig ist jedoch, dass Du bereits im Vorfeld Dein eigenes Telefonverhalten abschätzen kannst. Denn häufig kosten die Tarifoptionen extra und haben eine bestimmte Laufzeit. Nur wer vorher rechnet, kann hier sparen. So lässt sich innerhalb der EU standardmäßig für knapp 20 Euro bereits 45 Minuten lang telefonieren, zehn SMS verschicken und 35 Megabyte an Daten verbrauchen.

Wie kann ich als Viel-Surfer im Ausland kosten sparen?

Der einfachste Weg, die eigene Telefonrechnung auf Reisen nicht über Gebühr zu strapazieren, ist auf WLAN-Angebote am Urlaubsort zurückzugreifen. Allerdings sollte man hier insbesondere bei unverschlüsselten Netzen Vorsicht beim Übertragen sensibler Daten walten lassen. Steht kein WLAN-Zugang zur Verfügung, haben die meisten Anbieter Tages- oder Wochenpässe mit begrenzten Datenvolumen im Angebot. Günstiger ist hingegen, sich vor Ort die Prepaid-Karte eines lokalen Anbieters zuzulegen. Eine Übersicht über die verschiedenen Angebote der verschiedenen Provider bietet das Prepaid-Wiki. In der Regel reicht es, einen Handy-Shop vor Ort aufzusuchen, der einem gegen Vorlage eines Personalausweises die gewünschte SIM-Karte mit dem entsprechenden Tarif verkauft. Doch Vorsicht: Die SIM-Karte des ausländischen Providers lässt sich nur in SIM-Lock freien Smartphones nutzen.

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Im Auslandsurlaub lohnt sich eine lokale Prepaid-Karte. (©picture alliance / dpa 2015)

Wie kann ich die Kosten im Griff behalten?

Wer ins Ausland reist, sollte trotz allem vor Grenzübertritt sein Smartphone so einstellen, dass es möglichst wenige Daten überträgt. Den auch ohne das Du aktiv im Netz surfst, überträgt das Smartphone automatisch Daten – beispielsweise um Wetterinformationen abzurufen oder Online-Konten zu synchronisieren. In den Einstellungen des Gerätes lässt sich glücklicherweise festlegen, welche Anwendungen selbstständig auf das Internet zugreifen dürfen. Für die Zeit des Urlaubs sollte man diese Dienste auf ein absolutes Minimum begrenzen. Einfacher fällt es, die Kosten für Telefonate im Zaum zu halten. Denn wer nicht telefoniert, der zahlt auch nichts. Will man hingegen ganz sicher gehen, dann sollte man die Roaming-Optionen in den Einstellungen des Telefons deaktivieren. Dann bucht sich das Handy erst gar nicht im Fremdnetz ein und es entstehen auch keine Kosten.

Zusammenfassung

  1. Dank Roaming lässt sich das Handy auch nutzen, wenn das Mobilfunknetz des eigenen Providers nicht erreichbar ist
  2. Um auch im Ausland telefonieren und surfen zu können, muss sich das eigene Handy im Netz eines lokalen Anbieters einwählen, wofür die Provider extra Gebühren verlangen
  3. Innerhalb der EU sind diese Roaming-Gebühren mittlerweile nach oben begrenzt
  4. Dank der von der EU festgellten Eurotarife müssen zumindest Wenigtelefonierer bei Reisen innerhalb der EU keine überzogenen Rechnungen mehr befürchten
  5. Verhältnismäßig teuer ist immer das Surfen im Ausland, hier sollte man sich bei seinem Anbieter im Vorfeld nach speziellen Tages- oder Wochenpässen für die mobile Internetnutzung im Ausland informieren
  6. Außerhalb der EU gelten diese Regelungen nicht, wer nicht ganz auf sein Handy verzichten will, sollte zu Prepaid-Karten von Anbietern vor Ort greifen
  7. Um im Urlaub nicht unnötige Kosten für die Datennutzung anzuhäufen, sollten beim Smartphone alle unnötigen Hintergrunddienste deaktiviert werden
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