Ratgeber

Im RAW-Format fotografieren: Diese 8 Dinge musst Du wissen

Wer das Maximale aus Bildern rausholen möchte, fotografiert im RAW-Format
Wer das Maximale aus Bildern rausholen möchte, fotografiert im RAW-Format (©Canon 2016)

Du willst das Maximum aus Deinen Digitalfotos herausholen? Dann fotografiere im RAW-Format. Denn wenn die Bilder als Rohdaten vorliegen, erhöht das den kreativen Bearbeitungsspielraum. Wir erklären Dir, was es mit dieser JPEG-Alternative auf sich hat und wie Du RAW-Fotos bearbeiten kannst.

1. RAW-Dateien bezeichnen unbearbeitete Rohdaten

Üblicherweise steckt hinter den oftmals kryptischen Dateiendungen eine komplizierte Abkürzung. Nicht so bei RAW-Bildern. Hier wurde einfach das englische Wort für "roh" oder "unbearbeitet" verwendet. Und das erklärt auch gleich, worum es sich bei Fotos im RAW-Format handelt: um originale, unverarbeitete Bilddateien. Speichert eine Kamera Bilder im Rohdatenformat, dann hinterlegt sie einfach die Helligkeitsinformationen, die der Bildsensor aufnimmt, auf dem entsprechenden Speichermedium.

2. Bei der JPEG-Komprimierung gehen Informationen verloren

Im Unterschied dazu werden die Helligkeitsinformationen beim Fotografieren im JPEG-Format direkt in der Kamera bearbeitet und komprimiert. So nimmt die Kamera etwa einen automatischen Weißabgleich vor. Beim Komprimieren auf 8 Bit geht dann zwangsweise ein Teil der ursprünglichen Informationen verloren. Das RAW-Format hingegen bietet mit 10, 12 oder 14 Bit einen deutlich höheren Informationsgehalt. Bearbeitungsschritte wie der bei JPEG automatisch erfolgte Weißabgleich können hier noch im Nachhinein manuell vorgenommen werden.

 Das RAW-Format speichert viel mehr Helligkeitsinformationen als JPEG. fullscreen
Das RAW-Format speichert viel mehr Helligkeitsinformationen als JPEG. (©CC: Flickr/55Laney69 2015)

Pro Farbkanal (Rot, Grün und Blau) kann JPEG nur 256 Helligkeitsabstufungen speichern, bei RAW-Dateien sind es demzufolge 1024, 4096 oder 16.384 unterschiedliche Helligkeitswerte je Kanal. Daraus ergeben sich maximal 16,8 Millionen Farbwerte bei JPEG gegenüber 4,4 Billionen Farbabstufungen beim 14-Bit-RAW-Format. Da ist es nicht verwunderlich, dass RAW-Dateien deutlich größer ausfallen als JPEGs. Sie benötigen etwa zwei- bis dreimal so viel Speicherplatz wie komprimierte Fotos.

3. Warum nicht immer im RAW-Format fotografieren?

Wenn das Rohdatenformat aber die potenziell besseren Bilder liefert, drängt sich folgende Frage auf: Warum speichert nicht jeder Fotografierende seine Bilder einfach im RAW-Format? Abgesehen davon, dass Du mit RAW-Fotos schneller das Limit Deiner Speicherkarte erreichst, gibt es einige weitere Nachteile.

Ein Problem ist beispielsweise, dass es keinen herstellerübergreifenden Standard für digitale Rohdaten gibt. Jeder Kamerahersteller legt selbst fest, welchen Inhalt die RAW-Dateien enthalten und wie sie aufgebaut sind. Canon-Modelle legen beispielsweise auch Informationen über die Kameraeinstellungen zum Zeitpunkt der Aufnahme in der Datei ab. Aus diesem Grund musst Du im Regelfall auf die Software des Herstellers zurückgreifen, um RAW-Bilder bearbeiten zu können. Programme von Drittanbietern gibt es nur wenige.

 RAW-Dateien fallen aufgrund der hohen Informationsrate deutlich größer aus als JPEGs. fullscreen
RAW-Dateien fallen aufgrund der hohen Informationsrate deutlich größer aus als JPEGs. (©CC: Flickr/Paul Stein 2015)

Alternativ hast Du aber die Möglichkeit, auf professionelle Bildbearbeitungssoftware zurückzugreifen – zum Beispiel Adobe Photoshop Lightroom, ACDSee Pro, Corel PaintShot Pro oder Aperture. Diese besitzen einen integrierten RAW-Konverter. Das schnelle Ansehen oder Ausdrucken von RAW-Bildern via PC oder Mac ist also nicht ohne geeignete Software möglich.

Ein weiterer Nachteil zeigt sich vor allem in der Sportfotografie. Denn mit dem höheren Informationsgehalt von Rohdaten haben auch Kameras zu kämpfen. Viele Modelle können im Serienbildmodus daher weniger RAW-Bilder pro Sekunde aufnehmen als JPEG-Fotos. Wenn ein Fotograf dadurch nicht den richtigen Aufnahmemoment erwischt, hat er nur wenig davon, die Bilder im Nachhinein besser bearbeiten zu können.

4. Welche Kameras unterstützen das Rohdatenformat?

 Mittlerweile sind nicht mehr nur DSLR-Modelle RAW-fähig. fullscreen
Mittlerweile sind nicht mehr nur DSLR-Modelle RAW-fähig. (©Facebook/Canon Deutschland 2015)

RAW-Fotografie ist nur was für Profis? Das gilt schon lange nicht mehr. Mittlerweile speichern auch viele System-, Bridge- und Kompaktkameras auf Wunsch Rohdaten. Bei DSLR-Modellen gilt die Unterstützung als Standard. Bei Canon etwa sind nicht nur Produkte der EOS-Reihe RAW-fähig, auch einige PowerShot-Modelle unterstützen das Format – zum Beispiel die PowerShot G16. Bei Sony bieten einige Cyber-shot-Kameras diese Möglichkeit, beispielsweise die Sony Cyber-shot DSC-RX100, und auch Fujifilm, Panasonic, Nikon oder Olympus haben Kameras für wenige Hundert Euro mit RAW-Unterstützung im Programm.

5. Wie fotografiere ich im RAW-Format?

 Bei Canon ist das Motivprogramm über ein Moduswählrad festzulegen. fullscreen
Bei Canon ist das Motivprogramm über ein Moduswählrad festzulegen. (©Canon 2015)

Im Regelfall steht das RAW-Format nicht in allen Motivprogrammen zur Verfügung. Stelle die Kamera daher auf Programmautomatik (P), Blendenautomatik/Zeitvorwahl (S/Tv), die Zeitautomatik/Blendenvorwahl (A/Av) oder den manuellen Modus. Das ist bei vielen Modellen über ein Drehrad an der Gehäuseoberseite möglich. Die Auswahl, in welchem Dateiformat Du fotografieren möchtest, nimmst Du dann über das Einstellungsmenü der Kamera vor. Häufig findest Du diese Option unter dem Menüpunkt "Bildqualität".

Viele Modelle erlauben hier auch das gleichzeitige Speichern von JPEG- und RAW-Dateien. Das hat den Vorteil, dass Du die JPEG-Bilder fürs schnelle Verschicken oder Drucken nutzen kannst. Willst Du bei einzelnen Bildern später noch Hand anlegen, hast Du zusätzlich die Rohdaten zur Verfügung. Bedenke jedoch, dass dabei noch höhere Datenmengen anfallen. Das kann auch den Prozessor der Kamera ausbremsen.

6. RAW-Fotografie bei Smartphones

 Immer mehr Smartphones können Bilder im RAW-Format knipsen, etwa das Galaxy S6 Edge Plus. fullscreen
Immer mehr Smartphones können Bilder im RAW-Format knipsen, etwa das Galaxy S6 Edge Plus. (©TURN ON 2015)

Lange war die Aufnahme im RAW-Format richtigen Kameras vorbehalten, doch immer mehr Smartphones unterstützen mittlerweile das RAW-Format. Während sich diese Möglichkeit beim Nexus 5X und Nexus 6P mit Drittanbieter-Apps freischalten lässt, beherrschen manche Modelle diese Funktion bereits von Haus aus. Als Beispiel dienen das Galaxy S6 Edge Plus und das hierzulande nicht erhältliche Galaxy Note 5: Beide Smartphones verfügen über eine Pro-Funktion, mit der RAW-Bilder geschossen werden können. Aber auch Mobiltelefone wie das LG G4 oder das HTC One M9 können RAW-Aufnahmen anfertigen – und die Zahl an Smartphones mit RAW-Support wächst kontinuierlich. Beim iPhone sucht man die RAW-Unterstützung hingegen vergebens.

7. Was kann ich bei RAW-Bildern im Nachhinein verändern?

Das Bearbeiten von RAW-Dateien ist nur mit einem passenden Konverter möglich – das kann ein herstellereigenes Programm oder eine Software-Lösung vom Drittanbieter sein. Die Bearbeitungsmöglichkeiten ähneln sich jedoch. So lassen sich Farben, Kontraste, Helligkeiten, Stile, Sättigung und Schärfe eines Fotos im Nachhinein verändern, verschiedene Filter anwenden, eine Rauschunterdrückung sowie Retuschen mit Werkzeugen wie Korrekturpinseln vornehmen.

 Bei der Bearbeitung können einzelne Bildbereiche in den Fokus gerückt werden. fullscreen
Bei der Bearbeitung können einzelne Bildbereiche in den Fokus gerückt werden. (©CC: Flickr/55Laney69 2015)

Canons Software beispielsweise führt den Nutzer in mehreren Schritten durch die RAW-Bearbeitung. Zuerst sind Änderungen an der Helligkeit möglich, wodurch sich Belichtungsfehler beim Fotografieren korrigieren lassen. Anschließend kann der Weißabgleich verändert werden, um eine andere Farbtemperatur zu erreichen. Diese ist nämlich stark von der Tageszeit und vom Wetter abhängig, bei dem fotografiert wird. Dann kann via Canon Digital Photo Professional (DPP) der gesamte Bildstil angepasst und etwa mit Schwarz-Weiß-Formaten experimentiert werden. Nun folgen mögliche Änderungen des Kontrasts. So kannst Du blasse Motive verstärken oder Beleuchtungs- und Schattenwerte für mehr oder weniger Details ändern. Im Anschluss sind noch Anpassungen des Farbtons, der Farbsättigung und der Schärfe möglich. Wer möchte, kann etwa den Kontrast selektiv verstärken.

8. Wie bekomme ich im Anschluss eine druckfähige Datei?

 Fürs Web reicht ein Export mit 72 dpi, fürs Ausdrucken sind etwa 350 dpi ratsam. fullscreen
Fürs Web reicht ein Export mit 72 dpi, fürs Ausdrucken sind etwa 350 dpi ratsam. (©CC: Flickr/Taro Taylor 2015)

Um letztendlich ein druckfähiges Foto herauszubekommen, muss die Datei im Anschluss an die Bearbeitung noch konvertiert werden. Beim Export hast Du in der Regel die Möglichkeit, noch einmal zwischen verschiedenen Dateiformaten zu wählen – zum Beispiel als JPEG- oder TIFF-Datei. Das TIFF-Format bietet gegenüber JPEG den Vorteil, dass die Farbtiefe nicht auf 8 Bit beschränkt ist. Für die meisten Verwendungszwecke ist aber auch das JPEG-Format durchaus geeignet. Auch hier lässt sich beim Export noch ein dpi-Wert festlegen. Fürs Ausdrucken eignet sich etwa ein dpi-Wert von 300 oder mehr, bei der Anzeige im Web reichen 72 Pixel pro Zoll. Wer auch die Sitzung im Konverterprogramm speichert, kann den Export zu einem späteren Zeitpunkt erneut vornehmen und noch einmal andere Werte fürs Konvertieren festlegen.

Zusammenfassung

  1. RAW bezeichnet ein Rohdatenformat
  2. Beim Fotografieren im JPEG-Format werden Fotos schon in der Kamera komprimiert, dabei gehen Bildinformationen verloren
  3. Beim Fotografieren im RAW-Format bleiben sämtliche Helligkeitsinformationen erhalten, das erhöht den Spielraum für die Nachbearbeitung
  4. Nachteile der RAW-Fotografie: große Dateien, reduzierte Kamerageschwindigkeit, kein herstellerübergreifender Standard für das Format, kein sofortiges Ausdrucken oder Teilen der Bilder im Internet möglich
  5. Nicht nur Spiegelreflexkameras, sondern auch viele Kompaktkameras sind mittlerweile RAW-fähig
  6. Mittlerweile unterstützen immer mehr Smartphones das RAW-Format, etwa das Galaxy S6 Edge Plus
  7. Die Einstellung des Formats lässt sich nur in bestimmten Kameramodi im Menü vornehmen
  8. Bei RAW-Fotos kannst Du im Nachhinein Farben, Kontraste, Helligkeiten, Stile, Sättigung und Schärfe verändern
  9. Zur weiteren Nutzung des Bildes muss es in ein anderes Dateiformat konvertiert werden

Artikel-Themen

Weitere Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben