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Ist das wirklich HDR? So findest Du den richtigen Fernseher

Du solltest beim HDR-Fernseherkauf unter anderem nach dem Ultra HD Premium-Zertifikat Ausschau halten.
Du solltest beim HDR-Fernseherkauf unter anderem nach dem Ultra HD Premium-Zertifikat Ausschau halten. (©Panasonic 2016)

HDR ist nicht gleich HDR. Wer einen Einstiegs-TV mit HDR kauft, erhält für sein Geld nicht dasselbe, was ein Fernseher mit dem Ultra HD Premium-Standard bietet. Um die Verwirrung komplett zu machen, gibt es auch bei den TVs mit jenem Standard größere Unterschiede. Hier erklären wir, wie Du echtes HDR erkennst.

Die Xbox One S spielt für einen erschwinglichen Preis Ultra HD-Blu rays ab, die Filme in 4K-Auflösung und  HDR zeigen. Die PS4 und die PS4 Pro unterstützen zumindest bei einigen Spielen einen erweiterten Farbraum, einen höheren Kontrast und höhere Helligkeit, die etwas unsauber unter dem "HDR"-Begriff zusammengefasst werden. PC-Spieler schauen derweil ins Leere, denn PC-Monitore mit HDR-Unterstützung gibt es noch keine. Das liegt unter anderem daran, dass Bildschirme mit echtem HDR so hell sind, dass man es lieber vermeiden möchte, so nahe davor zu sitzen.

HDR: Das wird teuer

 Wenn Du 70.000 Euro übrig hast, bekommst Du mit dem Sony ZD9 ein gutes HDR-Bild. fullscreen
Wenn Du 70.000 Euro übrig hast, bekommst Du mit dem Sony ZD9 ein gutes HDR-Bild. (©Sony 2016)

Nun hast Du Dir zum Beispiel eine Xbox One S oder eine PS4/PS4 Pro gekauft und möchtest in den Genuss von HDR gelangen. Dafür benötigst Du einen HDR-Fernseher.  Doch Vorsicht: Wenn Du Dir einen Fernseher ohne Ultra HD Premium-Zertifikat kaufst, erhältst Du bestenfalls ein HDR Light, nämlich nur die erweiterten 10-Bit-Helligkeitsabstufungen. Für "echtes" HDR ist derweil auch eine hohe Maximalhelligkeit entscheidend, die der Ultra HD-Premium-Standard garantiert. Die Xbox One S mag der günstigste Ultra HD-Player sein, aber ein für "echtes" HDR benötigter Fernseher ist so teuer, dass Du aktuell erst ab mindestens 1400 Euro zum (relativ) vollen HDR-Genuss gelangen kannst.

Zu jenem Betrag gelangt man, wenn man den Preis der Xbox One S von 300 Euro zum Preis der günstigsten Ultra HD Premium-TVs addiert, die ausnahmslos zu Samsungs 7000er-Serie zählen. Immerhin: Diese TVs sind laut Digital Foundry gut zum Gaming geeignet. Derweil trifft Sony bewusst die Entscheidung, bei der Präsentation der PlayStation 4 Pro Geräte wie den 70.000 Euro teuren ZD9-TV oder zumindest den KD-75XD9405 zu benutzen, um die anwesenden Journalisten in Erstaunen zu versetzen. Der 75XD9405 ist der Fernseher, der laut Tech Radar aktuell mitunter am besten in der Lage ist, die Vorteile von HDR voll auszuspielen. Sein Preis: 6500 Euro.

Der Sony KD-75XD9405 kombiniert Features wie ein hochwertiges Quantum Dot-Display mit einem Direct-lit-Panel, bei dem die LEDs hinter dem Bildschirm Teilbereiche des Bildes selektiv beleuchten, mit einer Helligkeit von 750 Nits, hohem Kontrast und weitem Farbraum. Aber selbst dieser High-End-Fernseher hat einen Nachteil: Er verzichtet auf ein OLED-Panel aus organischen Leuchtioden, das den Kontrast noch weiter nach oben schraubt und den Schwarzwert perfektioniert.

HDR-Chinesisch in ein paar Minuten lernen

 Der Samsung UE43KS7590 ist der günstigste Fernseher mit Ultra-HD Premium-Zertifikat. fullscreen
Der Samsung UE43KS7590 ist der günstigste Fernseher mit Ultra-HD Premium-Zertifikat. (©Samsung 2016)

Im Folgenden bieten wir eine Erläuterung der mit HDR assoziierten Fachbegriffe, damit Du bei Deiner Suche nach einem geeigneten Fernseher den Durchblick bewahrst.

HDR: HDR bedeutet High Dynamic Range und meint ein Bild mit hohem Dynamikumfang ("Hochkontrastbild"), das mehr Helligkeitsabstufungen darstellen kann als ein LDR (Low Dynamic Range)-Bild, wie man es von bisherigen Fernsehern kennt. Ein HDR-Fernseher muss zumindest einen Dynamikumfang von 10 Bit anzeigen können, kann dies unter Umständen aber auch nur mit einer geringen Maximalhelligkeit tun, wodurch sich der HDR-Vorteil verringert.

10-Bit: Bisherige Fernseher und Monitore konnten nur 256 Helligkeitsstufen (8 Bit) unterscheiden, während HDR-Fernseher mit dem HDR 10-Standard mindestens 1024 Helligkeitsstufen alias 10-Bit darstellen können. HDR 10 ist der am weitesten verbreitete HDR-Standard.

12-Bit: Dolby Vision unterstützt 4096 Helligkeitsabstufungen alias 12-Bit. Allerdings gibt es kaum Dolby Vision-Inhalte für Zuhause.

HDCP 2.2: High-bandwidth Digital Copyprotection der Version 2.2 ist ein Kopierschutz, den alle Geräte unterstützen müssen, die 4K Streaming und Ultra HD Blu-rays wiedergeben sollen. Alleine für Gaming benötigt man HDCP 2.2 zwar nicht, aber aktuelle Hi-Fi-Receiver und Fernseher, die HDMI 2.0 unterstützen, unterstützen fast immer auch HDCP 2.2, also schadet es auch reinen Gamern nicht, sich nur Geräte mit HDCP 2.2-Support zu kaufen.

HDMI 2.0: Das High Definition Multimedia Interface der Version 2.0 ist eine aktuelle Schnittstelle für die digitale Bild- und Ton-Übertragung. HDMI 2.0 unterstützt eine 4K-Auflösung in 60 Hz, was vor allem für Gamer wichtig ist, 32-Kanal-Audio und somit Dolby Atmos und DTS X sowie den erweiterten BT.2020-Farbraum. Für die meisten Fälle ist HDMI 2.0 eine Voraussetzung für HDR. Die PlayStation 4 (Slim) unterstützt zwar auch ohne HDMI 2.0-Ausgang HDR – aber nur in Full HD-Auflösung.

BT.2020: In der Regel spricht man in Verbindung mit dem Standard BT.2020 von einem "erweiterten Farbraum", aber streng genommen umfasst der Standard mehrere Aspekte von 4K-Fernsehern wie Auflösung, Bildfrequenz, Farbunterabtastung, Farbtiefe und Farbraum. Für HDR ist der Aspekt der "Farbtiefe" (das heißt Helligkeitsabstufungen) von 10 Bit oder 12 Bit entscheidend, der durch den BT.2020-Standard garantiert wird, sowie der Farbraum von Empfehlung 2020, der noch mehr Farben umfasst als der bei Grafikern beliebte Adobe-RGB-Farbraum.

Ultra-HD Premium: Ein Fernseher mit dem Ultra-HD Premium-Zertifikat muss eine Reihe von Eigenschaften erfüllen, die für eine hochwertige HDR-Darstellung wichtig sind: Eine Auflösung von 3840 x 2160 Pixel, eine Farbtiefe von 10 Bit, den BT.2020-Farbraum und mindestens eine Spitzenhelligkeit von 1000 Nits bei einem Schwarzwert von 0,05 Nits (bei LCD-TVs) oder eine Spitzenhelligkeit von 540 Nits bei einem Schwarzwert von 0,0005 Nits (bei OLED-TVs). Herkömmliche Fernseher bewegen sich eher im Bereich von 200 bis 350 Nits.

Quantum Dot: Die Quantum Dot-Technologie setzt auf eine Folie aus Milliarden von Nanokristallen, die durch eine Hintergrundbeleuchtung mit blauem Licht zum Leuchten gebracht werden. Qualitativ kommen Quantum Dot-Panels nicht ganz an OLEDs heran, sind aber besser als LCD-Panels und günstiger als OLEDs in der Herstellung.

 LG-Fernseher mit Quantum Dots. fullscreen
LG-Fernseher mit Quantum Dots. (©LG 2014)

Direct-Lit: Direct-Lit-LCD-TVs verwenden eine Reihe von LED-Lampen, die hinter dem Display angebracht sind. Dadurch können verschiedene Bereiche des Displays unterschiedlich hell beleuchtet werden ("Local Dimming"), wobei die LEDs bei schlechteren Modellen alle zugleich leuchten. Das Gegenstück sind die Edge-Lit-LCD-Panels, die von der Seite beleuchtet werden, wobei das Licht dann gleichmäßig auf der Bildfläche verteilt wird. Schließlich gibt es noch  Full-Array-LED-TVs. Diese setzen deutlich mehr LEDs im Hintergrund ein und können somit ein qualitativ noch besseres Bild abliefern als die Direct-Lit-TVs.

OLED: Organische Leuchtioden haben den Vorteil eines sehr hohen Kontrastes, da sie auf eine Hintergrundbeleuchtung ganz verzichten. Schwarze Pixel leuchten also gar nicht. Außerdem ist die Reaktionszeit von OLED-TVs gegenüber LCD-TVs höher, was sie für Gaming optimal geeignet macht.

SUHD: SUHD ist der (Marketing-)Name, der Samsung seinen High-End-Fernsehern mit Quantum-Dot-Display, HDR-10-Unterstützung und 4K-Auflösung gibt.

 HDR erlaubt eine bessere Bildqualität als SDR, aber kompatible Fernseher sind noch teuer. fullscreen
HDR erlaubt eine bessere Bildqualität als SDR, aber kompatible Fernseher sind noch teuer. (©YouTube / Jacob + Katie Schwarz 2016)

Zusammenfassung

  1. Es gibt große Qualitätsunterschiede bei der HDR-Darstellung durch kompatible Fernseher
  2. Einfache HDR-TVs haben eine geringe Maximalhelligkeit im Bereich herkömmlicher TVs von 200 - 350 Nits
  3. Um HDR voll auszureizen, benötigen die TVs eine deutlich höhere Helligkeit als herkömmliche SLR-Fernseher im Bereich von mindestens 540 Nits (OLEDs) bis mindestens 1000 Nits (LCD-TVs)
  4. Das Ultra-HD Premium-Zertifikat ist die einfachste Richtlinie für diejenigen, die qualitativ hochwertiges HDR genießen möchten
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