menu
Highlight

Ist der neue Handy-Speicher UFS 3.0 wirklich nur ein Hype?

Das OnePlus 7 Pro ist das erste Smartphone mit einem UFS-3.0-Speicher.
Das OnePlus 7 Pro ist das erste Smartphone mit einem UFS-3.0-Speicher.

Der neue Smartphone-Speicher UFS 3.0 soll Ladezeiten erheblich verkürzen. Kritiker halten das für Marketing und für einen bloßen Hype. Wir sind unter anderem mit einem Test des Speichers im OnePlus 7 Pro der Frage nachgegangen, ob doch mehr dran ist an UFS 3.0.

Das faltbare Samsung Galaxy Fold war das erste Smartphone, das mit dem neuen Handyspeicher UFS 3.0 angekündigt wurde. Allerdings ist es bis heute nicht verfügbar – im Gegensatz zum OnePlus 7 und 7 Pro, die beide ebenfalls UFS 3.0 einsetzen. Ich hatte das OnePlus 7 Pro getestet und dabei auf die sehr schnellen Ladezeiten von großen Apps wie Spielen hingewiesen. Das OnePlus 7 Pro ist das aktuell schnellste Android-Smartphone bei den App-Ladezeiten laut verschiedenen Speedtests, – nicht nur von uns, sondern etwa auch von Linus Tech Tips.

Allerdings gibt es einen namhaften Kritiker des UFS-3.0-Hypes: Gary von Android Authority. In einem Video behauptet er, der neue Speicher sei "nicht so schnell wie Du glaubst" und belegt das anhand einiger Benchmarks des UFS-3.0-Speichers im OnePlus 7 Pro. Er hat irgendwie recht – und irgendwie nicht.

Kurz gesagt ist UFS 3.0 nur ein Protokoll für eine bestimmte NAND-Speichersorte, das die maximale Bandbreite festlegt. Ein konkreter NAND-Speicher, der zur "UFS 3.0"-Kategorie gehört, muss das maximale Potenzial des Standards nicht ausreizen. Man kennt das von SSD-Festplatten, die übrigens auch zu den NAND-Speichern zählen: Die SSDs der grundsätzlich selben Standards und Formate verschiedener Hersteller, zum Beispiel die aktuellen M2.-SSDs mit einer Anbindung von 4 x PCIe 3.0, sind unterschiedlich schnell.

oneplus-7-pro-turn-on-2 fullscreen
Das OnePlus 7 Pro ist das erste Smartphone auf dem Markt mit einem UFS-3.0-Speicher.

Der UFS-3.0-Speicher im OnePlus 7 Pro gehört zur ersten Generation dieser Speichersorte – und wie zu erwarten war, erreicht er noch nicht die maximale Geschwindigkeit, die UFS 3.0 theoretisch zulässt. Entsprechend ist der Vorzug dieses konkreten Speichers auch nicht im ganzen System und bei allen möglichen Anwendungen erkennbar, sondern vor allem beim Laden großer Apps wie eben Spiele. Deshalb ist UFS 3.0 aber noch lange nicht "nur Marketing", wie Gary behauptet.

UFS 3.0 bietet eine doppelt so große Bandbreite wie UFS 2.1. Für diese Speicherart stehen zwei Lanes, also Datenbahnen, zur Verfügung – bei SSDs sind es maximal vier. Theoretisch kann ein UFS-3.0-Speicher bis zu 2.666 MB/s übertragen. Das entspricht einer Geschwindigkeit zwischen einer PCIe-3.0-SSD mit zwei Lanes und einer mit vier Lanes. Gar nicht schlecht für einen kleinen Handyspeicher! Hier siehst Du das Potenzial von UFS 3.0 im Vergleich zu UFS 2.1 und zum langsameren eMMC-5.1-Speicher:

So schnell sind Handyspeicher:

eMMC 5.1: Bis zu 400 MB / s

UFS 2.1: Bis zu 1.200 MB/s

UFS 3.0: Bis zu 2.900 MB/s

Der Speicher, der Smartphones Beine macht

Aber welchen Unterschied macht das in der Praxis? Ich habe es ausprobiert. Als Testgeräte dienten mir mein Galaxy Tab S4 mit dem relativ langsamen eMMC-5.1-Speicher, mein Galaxy Note 9 (UFS 2.1) und unser Testgerät OnePlus 7 Pro (UFS 3.0). Geprüft habe ich, wie lange es dauert, bis Spiele bis zum Menü geladen werden. Also vom App-Start bis zur Verwendbarkeit der Games. Dabei spielen auch andere Faktoren wie der verbaute Prozessor und der WLAN-Chip eine gewisse Rolle (der Test erfolgte im selben WLAN-Netz), aber in der Tendenz ergeben sich brauchbare Anhaltspunkte, was die verschiedenen Speichertypen im Alltag nutzen.

Ladezeiten von Mobile Games im Vergleich:

Galaxy Tab S4 (eMMC 5.1): "PUBG Mobile" (47 Sekunden), "Lara Croft: Relic Run" (23 Sekunden), "Asphalt 9" (32 Sekunden), "Sonic Forces" (9 Sekunden), "Asphalt 8" (11 Sekunden)

Galaxy Note 9 (UFS 2.1): "PUBG Mobile" (32 Sekunden), "Lara Croft: Relic Run" (22 Sekunden), "Asphalt 9" (13 Sekunden), "Sonic Forces" (9 Sekunden), "Asphalt 8" (8 Sekunden)

OnePlus 7 Pro (UFS 3.0): "PUBG Mobile" (17 Sekunden), "Lara Croft: Relic Run" (12 Sekunden), "Asphalt 9" (10 Sekunden), "Sonic Forces" (8 Sekunden) und "Asphalt 8" (6 Sekunden)

Fazit: UFS 3.0 ist kein bloßer Hype

oneplus-7-pro-turn-on-15 fullscreen
Das OnePlus 7 Pro hat schon einen tollen Start hingelegt – zukünftige UFS-3.0-Speicher dürften noch spürbar schneller werden.

Zukünftige Smartphone-Speicher der UFS-3.0-Kategorie werden die Wartezeit bis zum Start großer Apps und Spiele noch einmal deutlich reduzieren und schließlich auch das gesamte System spürbar schneller machen. Bereits die Tests des ersten Speichers dieser Art im OnePlus 7 Pro haben deutliche Vorzüge gezeigt und der Standard bietet noch viel Luft nach oben. Es gibt im Bereich der mobilen Speicher also einen echten, spürbaren Fortschritt. Es ist kein bloßer Hype.

Kommentar schreiben
Relevante Themen:

Neueste Artikel zum Thema Speichermedien

close
Bitte Suchbegriff eingeben