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Ist LCD bald Geschichte? Wie OLED 2019 die Bildschirmwelt erobert

Da freut sich nicht nur Andreas: Flaggschiff-Smartphones gibt es nun standardmäßig mit hochwertigen OLED-Displays.
Da freut sich nicht nur Andreas: Flaggschiff-Smartphones gibt es nun standardmäßig mit hochwertigen OLED-Displays.

2019 wird die OLED-Bildschirmtechnik neue Geräteklassen erobern. So veröffentlichen gleich mehrere Hersteller Notebooks mit OLED-Display und der erste OLED-Monitor für Konsumenten kommt auf den Markt. Auch bei TVs und Smartphones setzt die Technik ihren Siegeszug fort.

Was ist OLED?

"OLED" bedeutet "Organic Light Emitting Diode", übersetzt "organische Leuchtdiode". "Organisch" bedeutet allerdings nicht, dass diese Displays lebendig sind, sondern der Begriff rührt aus der organischen Chemie her – OLEDs beruhen auf Kohlenstoff-Molekülen. Winzige, selbst leuchtende Bildpunkte setzen sich zum TV-Bild zusammen. Im Gegensatz dazu werden LCD-Bildschirme von hinten beleuchtet, während weiter vorne Farbfilter eingebaut sind.

Die perfekte Schwarzdarstellung ist ein Vorteil der OLED-Technologie – bei dunklen Bildpassagen bleiben die organischen LEDs nämlich abgeschaltet. Vorzüge sind auch die schnelle Reaktionszeit, das exakte Leuchten jedes Bildpunkts mit unterschiedlicher Helligkeit und die leuchtenden Farben. Ein Nachteil ist allerdings die Gefahr des Einbrennens: Wird längere Zeit ein statisches Bild mit hoher Helligkeit auf OLED-Screens angezeigt, bleibt es unter Umständen schattenhaft eingeblendet, wenn der Nutzer auf andere Inhalte wechselt. Das kann gerade bei Desktop-Betriebssystemen und Games ein Problem sein.

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OLED-TVs wie der Philips OLED 973 bieten einen hohen Kontrast und eine exakte Beleuchtung.

Der Siegeszug von OLED im Jahr 2019

Die Marktforscher von DSCC (Display Supply Chain Consultants) erwarten für 2019 einen um acht Prozent höheren Gewinn mit OLED-Panels im Vergleich zum Vorjahr. Somit steigt der Ertrag auf 28,6 Milliarden US-Dollar, wie im DSCC Quarterly OLED Shipment and Fab Utilization Report zu erfahren ist. Derweil sollen 16 Prozent mehr OLED-Displays für verschiedene Geräte wie Smartphones und TVs ausgeliefert werden – insgesamt 572 Millionen Exemplare.

Bei Flaggschiff-Smartphones gehört OLED zum guten Ton

Während 2018 noch einige Flaggschiff-Handys mit LCD-Screens ausgestattet wurden, ist OLED 2019 in der Smartphone-Oberklasse Standard. So wechselte LG etwa vom LCD-Bildschirm des LG G7 ThinQ beim Nachfolger LG G8 ThinQ zur OLED-Technik. Auch das Sony Xperia 1 möchte mit einem OLED-Screen überzeugen, wobei der Hersteller bereits mit dem Vorgänger Xperia XZ3 auf die Technik umgestiegen war.

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Flaggschiff-Smartphones wie das Samsung Galaxy S10, das OnePlus 6T und das Nokia 9 PureView bieten heutzutage selbstverständlich ein (AM)OLED-Display.

Samsung stattet unlängst so gut wie alle hauseigenen Smartphones mit AMOLED-Displays aus, eine Variante der OLED-Technik. Neuerdings setzt auch Huawei verstärkt auf die kontrastreichen Panels. So begnügte sich das Huawei P20 noch mit einem IPS-Display, während OLED dem Top-Modell P20 Pro vorbehalten war. Nun ist auch das normale P30 mit einem AMOLED-Screen ausgestattet – übrigens aus dem Hause Samsung. Apple verbaut die hochwertigen Displays im iPhone XS und im XS Max, nur im Einsteigermodell iPhone XR fehlt die Technik noch. Gerüchten zufolge soll sich das mit dem Nachfolger ändern.

Sogar Xiaomi stattet seine günstigen Mi-Flaggschiffe mit OLED-Panels aus, darunter das Xiaomi Mi 9. Viele Hersteller gibt es nicht mehr, die für ihre Oberklasse-Handys noch an IPS festhängen. Zu den wichtigeren zählt Huaweis Schwesterunternehmen Honor. Davon abgesehen fehlen die Tablets der meisten Hersteller noch im OLED-Reigen. So bieten zwar Samsungs Galaxy-Tab-S-Tablets die Technologie, aber Apple und Microsoft verweilen bislang bei IPS-LCDs.

Anfang 2019 haben Samsung und Huawei die ersten faltbaren Smartphones Galaxy Fold und Mate X vorgestellt – die neue Gerätekategorie ist ohne OLED-Displays undenkbar. LCD-Bildschirme sind zu dick und setzen auf Glas, während sich die dünnen OLED-Panels aus Kunststoff fertigen und biegen lassen. Zukünftige faltbare Handys werden ebenso nicht ohne OLED-Displays auskommen. Allerdings hat das auch Nachteile, so sind die Plastik-Displays etwa nicht gut gegen Kratzer geschützt.

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Faltbare Handys wie das Huawei Mate X (links) und das Samsung Galaxy Fold (rechts) können nur mit OLED-Display realisiert werden.

Die ersten aufrollbaren OLED-Fernseher kommen

Im TV-Bereich steht 2019 ein echtes OLED-Highlight an. Mit dem LG Signature OLED TV R erscheint der erste aufrollbare Fernseher – wobei noch kein genauer Termin feststeht. Das flexible OLED-Display aus Kunststoff steckt in einem Kasten, der auch als Soundbar zum Einsatz kommt. Bei Bedarf wird der Bildschirm aus der Box herausgefahren und je nachdem, wie weit er ausgefahren wird, zeigt er etwa nur das Wetter und einige Infos zum Tag an oder er dient zur Betrachtung von Filmen und Serien.

Der LG Signature OLED TV R ist der erste ausrollbare Fernseher – ohne OLED wäre das unmöglich.

Die anderen neuen OLED-TVs verbinden meist graduelle Weiterentwicklungen der Bildqualität mit kleineren Innovationen. Der Sony A8G und A9G verlassen sich vor allem auf ein neues Design, während der LG OLED Z9 eine echte Neuerung auffährt: Der 88 Zoll große Fernseher bietet nämlich eine 8K-Auflösung. Er gehört, neben den anderen 2019er OLEDs von LG, außerdem zu den ersten TVs mit dem Anschluss HDMI 2.1. Das ermöglicht die Darstellung von 4K-Filmen oder -Games mit 120 FPS.

Die neuen Philips-OLEDs für 2019 setzen auf den P5-Bildprozessor der dritten Generation und unterstützen zahlreiche HDR-Varianten: HDR10, HDR10+, Dolby Vision und HLG. Derweil bietet Panasonic mit dem GZ2000 wieder ein Exemplar mit besonders hoher Farbtreue an, wofür ein Farbexperte aus Hollywood engagiert wurde.

Schließlich setzt sich 2019 ein Trend fort, der für die Verbreitung von OLED-TVs wohl noch wichtiger ist als neue Technik: Die Preise sinken weiter. Die Neupreise der OLED-TVs von LG waren bereits im Jahr 2018 um 20 bis 30 Prozent geringer als im Vorjahr. 2019 werden vor allem die größeren Modelle spürbar günstiger.

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OLED-TVs aus dem Vorjahr wie der LG C8 sind inzwischen viel günstiger zu haben.

So kostet der LG C9 in 77 Zoll nur 8.000 Euro anstelle der 10.000 Euro des Vorgängers, für den LG E9 werden in 65 Zoll 4.000 Euro fällig und nicht mehr 4.500 Euro wie für den LG E8. Derweil sinken die Preise der Vorjahresmodelle weiter: Für den LG C8 in 65 Zoll müssen die Kunden etwa lediglich noch 2.200 Euro zahlen, anstatt der ursprünglichen 3.500 Euro.

OLED-Screens für Laptops schaffen 2019 wohl endlich den Durchbruch

Die wichtigste OLED-Entwicklung des Jahres sind die Laptop-Displays mit dieser Technologie. Gelegentlich wurde in der Vergangenheit schon einmal ein Laptop mit einem OLED-Screen angeboten, etwa das Alienware 13 oder das ThinkPad X1 Yoga. Das waren aber eher Einzelfälle bis Raritäten – nun könnte endlich der Durchbruch anstehen.

Der Alienware 13 von 2016 war optional mit OLED-Screen zu haben – bis heute eine echte Rarität.

Dieses Jahr kommen nämlich gleich mehrere OLED-Laptops heraus, darunter der Spectre x360 15, der HP Envy mit einem 15,6 Zoll großen 4K-AMOLED-Display, das Lenovo Yoga C730, das Dell XPS 15, das Dell G7 15  sowie das Alienware m15 und möglicherweise das Razer Blade 15. Der Grund: Die Bildschirme mit OLED-Technik sind günstiger geworden, so verlangt Samsung etwa nur noch 50 - 60 US-Dollar mehr für die Screens im Vergleich zu LCDs, wie Digitimes (via oled-info.com) schreibt.

Tatsächlich erhältlich ist leider aktuell nur das Alienware m15 mit einer OLED-Displayoption – und das bislang lediglich in den USA. Für das XPS 15 und das G7 15 soll die Option noch im April folgen, wie notebookcheck.com mit Bezug auf Dell schreibt. Trotz der Verzögerungen stehen die Sterne endlich gut für hochwertige Laptop-Screens. Wie bei OLED-Monitoren darf man gespannt sein, ob und wie die Hersteller das Problem mit dem Einbrennen von Inhalten lösen. Schließlich werden auf Rechnern längere Zeit statische Bilder angezeigt, darunter in Windows die Taskleiste.

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Für das Yoga C730 möchte Lenovo auch ein optionales OLED-Panel anbieten.

Zumindest ein Nutzer des Alienware 13 mit OLED-Screen aus dem Jahr 2016 hat von eingebrannten Inhalten berichtet (siehe hier), aber das scheint eher die Ausnahme zu sein als die Regel. Dell empfiehlt gegen das Burn-in, ein Hintergrundbild mit geringem Kontrast zu verwenden, es oft auszuwechseln, das Display nach weniger als 15 Minuten Inaktivität auszuschalten, Transparenzeffekte für die Taskbar und einen Screensaver einzusetzen und die Helligkeit runterzudrehen. Mit gewissen Vorsichtsmaßnahmen werden die Windows-Fans bei einem OLED-Screen wohl leben müssen.

Das bringt die Zukunft

Bei PC-Monitoren war die OLED-Technik noch seltener anzutreffen als bei Laptops. Von Sony gibt es zwar einige OLED-Monitore der Trimaster-Serie für Übertragungswagen, aber kein Hersteller bietet ein Modell für den Massenmarkt an. Sony, Panasonic und Japan Display haben sich allerdings inzwischen als der Panel-Hersteller JOLED zusammengetan und entsprechende Monitore für 2019 in Aussicht gestellt. Noch im April kommt der erste OLED-Monitor auf den Markt, der regulär bei Elektronikhändlern angeboten wird.

Der ProArt PQ22UC ist der erste OLED-Monitor für den Massenmarkt – allerdings kostet er 5000 Euro.

Dabei handelt es sich um den Asus ProArt PQ22UC, der für die Foto- und Videobearbeitung ausgelegt ist. Der 21,6 Zoll große 4K-Monitor unterstützt HDR10 und deckt den Foto-Farbraum AdobeRGB-Farbraum zu 99,5 Prozent ab, während 95 Prozent des für Filme relevanten P3-Farbraums abgedeckt werden. Der Nachteil: Der Bildschirm kostet 5000 Euro. Zwar kommt das Thema "OLED-Monitore für den Massenmarkt" allmählich ins Rollen, aber für einen Durchbruch dürfte es 2019 noch nicht reichen.

Fazit: OLED ist bald überall – aber eine Herausforderung bleibt

Die kontrastreichen und blickwinkelstabilen OLED-Displays erobern nun auch Laptops, der erste OLED-Monitor für den Massenmarkt ist in den nächsten Wochen erhältlich. Derweil sind faltbare Smartphones wie das Galaxy Fold und aufrollbare Fernseher wie der LG Signature OLED R nur mit dieser Technologie umsetzbar. Vor allem der Preisverfall bei OLED-Fernsehern und OLED-Screens als Standard bei Handy-Flaggschiffen sorgen 2019 für eine weitere Verbreitung der Bildschirmtechnik.

Zwar konnten die Hersteller das Problem mit der ursprünglich begrenzten Haltbarkeit der organischen Leuchtdioden gut in den Griff bekommen, aber eine Herausforderung bleibt: Werden unbewegte Inhalte über einen längeren Zeitraum auf OLED-Screens eingeblendet, dann können sie einbrennen. Das beeinträchtigt die Bildqualität unter Umständen erheblich.

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Die Gefahr des Einbrennens von Inhalten bleibt ein Nachteil von OLED-Bildschirmen.

Zu den OLED-Fernsehern bei SATURN

Laptops und PC-Monitore mit OLED-Displays werden sich hier noch beweisen müssen – daher haben IPS-LCD-Displays für Anwendungen wie Windows und Videospiele weiterhin eine Daseinsberechtigung. Bei Fernsehern besteht der Nachteil auch darin, dass die OLED-Screens bislang nicht so hell werden wie ihre LCD-Pendants, wobei eine hohe Helligkeit vor allem dem HDR-Effekt zuträglich ist. Überflüssig sind LCD-Bildschirme also nicht – Aber OLED wird ihnen 2019 in neuen und alten Bereichen ordentlich Konkurrenz machen.

Das sagt Andreas:
OLED-Displays sehen genial aus. Wer sich einmal hypnotisieren lassen möchte, braucht dafür keinen Arzt mehr, sondern kann sich auch vor einen über 70 Zoll großen OLED-TV setzen und eine HDR-Demo bestaunen. Das drohende Einbrennen von Inhalten bleibt aber eine Schwäche. Freust Du Dich auf die Laptops und Monitore mit OLED-Screens?
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