Ratgeber

Jailbreak für iOS: Eine Anleitung zum "Gefängnisausbruch"

Viele iOS-Nutzer wollen aus dem Apple-Gefängnis ausbrechen.
Viele iOS-Nutzer wollen aus dem Apple-Gefängnis ausbrechen. (©thinkstock.com/sakhorn38 2015)

Viele Hersteller schränken die Nutzung ihrer Smartphones oder Tablets zumindest teilweise ein. So kann nicht jede Software installiert und nicht jede Funktion genutzt werden. Während Android-Geräte durch Rooten von diesen Schranken befreit werden, spricht man bei Apple-Geräten von einem Jailbreak. Wir erklären, was dahinter steckt und geben eine Anleitung zum Gefängnisausbruch.

Was ist eigentlich ein Jailbreak?

Grundsätzlich beschreiben die Begriffe Jailbreak und Rooten den gleichen Vorgang: Durch ein spezielles Zusatzprogramm werden die vom Hersteller vorgesehenen Nutzungsbeschränkungen für das Smartphone oder Tablet aufgehoben. Somit bekommt der Nutzer Root-Rechte und Zugriff auf tiefgreifende Systemfunktionen und das Dateisystem, kann vom Hersteller nicht-autorisierte Apps installieren oder Themes herunterladen. Bei Android-Geräte hat sich die Bezeichnung Rooten eingebürgert, während man bei iOS eigentlich immer von einem Jailbreak spricht. Bei beiden Vorgängen gilt trotz umfangreicher Anleitung im Internet: auf eigene Gefahr!

Welche Vorteile und Nachteile hat ein Jailbreak?

Vom Jailbreak ihres iOS-Gerätes erhoffen sich viele Besitzer mehr Freiheiten bei der Benutzung. Immerhin ist Apple berühmt-berüchtigt dafür, sein mobiles Betriebssystem mit besonders strengen Nutzungsbeschränkungen auszustatten. So spricht der Konzern auch immer wieder gerne Verbote für Apps aus, die für Außenstehende oft nicht nachvollziehbar sind. iOS ist also standardmäßig ein geschlossenes System, bei dem nur installiert werden darf, was Apple auch erlaubt. Nach einem erfolgreichen Jailbreak kannst Du hingegen auch Apps installieren, die nicht aus dem App Store kommen und Dein iPhone oder iPad noch stärker personalisieren.

Ein geschlossenes System wie iOS hat allerdings durchaus auch Vorteile – und Apple gibt sich viel Mühe, das "Gefängnis" möglichst zum "goldenen Käfig" zu machen. So bietet Apple für iOS  regelmäßig Updates an, die neue Features mitbringen und Sicherheitslücken beseitigen. Bei einem Jailbreak geht man jedoch das Risiko ein, sich durch nicht von Apple lizenzierte Apps Viren und andere Schadsoftware einzufangen.

Wie sicher ist ein Jailbreak?

Die Frage nach der Sicherheit eines Jailbreaks würde Apple selbst höchstwahrscheinlich mit "sehr niedrig" beantworten. Immerhin begründet der iPhone-Konzern seine strengen Vorgaben für iOS auch immer wieder mit Sicherheitsaspekten. Fakt ist: Wer einen Jailbreak installiert, bringt immer auch ein von Apple nicht geprüftes und freigegebenes Betriebssystem auf sein iOS-Gerät. Der anschließende Download von Apps aus dem Cydia-Store erfolgt daher immer auch auf eigene Gefahr. Zudem darf man sich nicht darauf verlassen, dass neue Sicherheitslücken in iOS von den Jailbreakern genauso akribisch wie von Apple gestopft werden.

Tatsächlich dürfte die Gefahr durch Schadsoftware aber durchaus geringer sein, als von offizieller Seite behauptet. Auch Apps im Cydia-Store unterliegen einer gewissen Kontrolle und Zensur durch die Quellenbetreiber. Ein viel größerer Nachteil eines Jailbreaks ist ein instabiles System. Gerade frühere Jailbreak-Versionen neigten gern zu Abstürzen, auch Performance-Verluste und kürzere Akkulaufzeiten treten immer wieder auf. Bei Problemen mit einem iOS-Gerät mit Jailbreak solltest Du übrigens nicht auf den Support von Apple hoffen. Das Unternehmen wird Dich immer dazu auffordern, den Jailbreak zu entfernen und es auf den Werkszustand zurückzusetzen. Im schlimmsten Fall kann Apple bei einem Gerät mit Jailbreak sogar die Garantie verweigern.

fullscreen
Durch einen Jailbreak kann durchaus auch die Performance von iOS leiden. (©CC: Flickr/ Kārlis Dambrāns 2014)

Wo und wann kann ich einen Jailbreak herunterladen?

Das Release-Datum eines Jailbreaks ist natürlich stark von der zugrunde liegenden iOS-Version abhängig. So erschien der Jailbreak für iOS 8.1.1 relativ kurz nach der Veröffentlichung des eigentlichen Updates durch Apple. Bei iOS 8.3 hingegen dauerte es fast drei Monate, bis ein stabiler Jailbreak herauskam. Das hängt vermutlich auch damit zusammen, dass Apple mal mehr, mal weniger Zeit in das Stopfen von Systemlücken investiert. Jailbreak-affine iOS-Nutzer müssen also durchaus damit rechnen, mehrere Wochen oder sogar Monate auf ein neues Tool warten zu müssen. Bei iOS 9 soll der Jailbreak durch ein neues Rootless-System sogar noch schwerer werden. Auch bei den Download-Quellen eines Jailbreak solltest Du Vorsicht walten lassen und nicht einfach eine Datei von einer x-beliebigen Webseite herunterladen – sonst handelst Du Dir schnell Schadsoftware ein. Besser ist der Download eines Jailbreaks über bekannte Webseiten wie iDownloadBlog.

Wie läuft ein Jailbreak ab?

Grundsätzlich muss man zwischen zwei Jailbreak-Arten unterscheiden: dem vollständigen Untethered Jailbreak und dem Tethered Jailbreak, bei dem das iOS-Gerät bei jedem Neustart an einem Computer angeschlossen werden muss. Die zweite Jailbreak-Variante ist daher eher unpraktikabel und nicht zu empfehlen. Vor einem Jailbreak sollte grundsätzlich ein Backup via iTunes oder iCloud durchgeführt werden. Funktionen wie Touch ID, Passwort-Sperre oder "Mein iPhone suchen" sollten außerdem vor dem Jailbreak deaktiviert sein. Nach der Durchführung können diese Funktionen natürlich wieder angeschaltet werden.

Ein Jailbreak läuft meist nach einem bestimmten Muster ab. Zunächst muss man sich den passenden Jailbreak für seine iOS-Version im Internet besorgen. Die bekanntesten Anbieter sind evasiOn, PanGu und TaiG. Dann muss das iOS-Gerät mit dem PC oder Mac per USB-Kabel verbunden werden. Nun dürfte iTunes automatisch starten, das Programm kann aber sofort wieder geschlossen werden. Anschließend die Jailbreak-Datei auf dem PC als Administrator ausführen und den Bildschirmanweisungen folgen. Manche Jailbreaks installieren auf dem Home-Screen des iOS-Geräts eine eigene App, zudem wird oft gleich noch der Cydia-Store mit aufgespielt. Zum Schluss die Cydia-App starten – der alternative App-Store konfiguriert und aktualisiert sich selbst, anschließend wird das iOS-Gerät automatisch neu gestartet.

Nach dem erstmaligen Start von Cydia sollte zunächst ein Account angelegt werden. Somit bleiben einmal heruntergeladene Apps auch für die Zukunft synchronisiert. Im Cydia-Store selbst können dann noch zusätzliche Download-Quellen hinterlegt werden, auch "Repositories" oder kurz Repos genannt. Öffne dazu die App, tippe auf "Quellen" und anschließend auf "Bearbeiten". Füge die dann die URL der Download-Quelle ein, tippe auf "Hinzufügen" und "Fertig". Eine der beliebtesten Download-Quellen ist übrigens BigBoss, im Internet finden sich aber auch viele weitere Repos. Dort lassen sich dann auch beliebte Tweaks wie WhatsApp Plus herunterladen.

Fazit: Wer braucht eigentlich einen Jailbreak?

Obwohl das Durchführen eines Jailbreaks mit der richtigen Anleitung nicht übermäßig kompliziert ist, sollten vor allem Einsteiger davon absehen. Der einfache Grund: Die Installation ist nicht ganz risikolos. Prinzipiell berechtigt ist zudem die Frage, ob ein Jailbreak heutzutage überhaupt noch notwendig ist. Während der "Gefängnisausbruch" vor ein paar Jahren noch zum guten Ton für viele iOS-Nutzer mit etwas mehr Technikverständnis gehörte, gibt es spätestens seit den Verbesserungen in iOS 7 eigentlich nur noch wenig Gründe dafür. Apple hat nämlich auch dazugelernt und viele Funktionen, die früher nur durch einen Jailbreak möglich waren, mittlerweile standardmäßig in iOS integriert.

Zusammenfassung

  1. Mit einem Jailbreak werden die standardmäßig von Apple vorgegebenen System- und App-Einschränkungen in iOS umgangen
  2. Nach einem Jailbreak können auch Apps installiert werden, die nicht aus Apples App-Store stammen
  3. Achtung: Ein Jailbreak bringt immer auch die Installation von nicht durch Apple lizenzierter Software mit sich – Apple kann bei  Problemen sogar die Garantie für das Gerät verweigern
  4. Problematisch bei Jailbreaks ist nicht nur die Installation von möglichen Schadprogrammen, sondern auch Performance-Probleme
  5. Jailbreaks erscheinen manchmal gleich nach einem neuen iOS-Update – manchmal muss man aber auch Wochen oder Monate warten
  6. Die Tools sollten nur von bekannten Webseiten heruntergeladen werden
  7. Am besten nur Untethered Jailbreaks verwenden – Tethered Jailbreaks benötigen bei jedem Neustart des iOS-Geräts eine Kabelverbindung mit einem PC
  8. Prinzipiell sollte sich jeder Nutzer über die Vor- und Nachteile eines Jailbreaks genau informieren – viele Funktionen bietet iOS inzwischen auch standardmäßig
Artikel-Themen

Weitere Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben