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KatWarn & NINA: So helfen Apps bei Katastrophen & Notfällen

NINA und KatWarn sind zwei unterschiedliche Warnsystem-Apps.
NINA und KatWarn sind zwei unterschiedliche Warnsystem-Apps. (©dpa 2016)

Die deutschen Behörden warnen mittlerweile auch per Smartphone-App vor Notfällen wie Unwettern, Chemieunfällen, Bombenfunden oder Amokläufen. Doch wie funktionieren die beiden Katastrophenschutz-Apps KatWarn und NINA eigentlich? Wir klären auf.

KatWarn und NINA – was ist der Unterschied?

KatWarn (Katastrophenwarnsystem) wurde 2011 als SMS- und E-Mail-Dienst gestartet, später folgten App-Versionen für mobile Geräte. KatWarn wurde vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme im Auftrag öffentlicher Versicherer entwickelt. Die Informationen über Unfälle oder Katastrophen stammen von Behörden, Rettungsdiensten oder dem Deutschen Wetterdienst.

Eine Alternative zu KatWarn ist NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App) vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). NINA nutzt vornehmlich die Meldungen des sogenannten Modularen Warnsystems (MoWaS).

Beide Warnsystem-Apps nutzen den Standort des Nutzers zum Verschicken passender Meldungen. Welche App für welchen User empfehlenswert ist, hängt allerdings stark vom Wohnort ab, da die Verantwortung für Warnungen in Deutschland je nach Gefahrensituation auf verschiedene Einrichtungen verteilt ist. KatWarn ist beispielsweise in Nordrhein-Westfalen kaum verbreitet. Eine Übersicht über alle Städte und Kreise, die KatWarn bereits nutzen, findet sich hier.

NINA hingegen wird hauptsächlich in Rheinland-Pfalz, Thüringen, Brandenburg, NRW, Berlin, Hamburg und Bremen mit Infos versorgt. Eine Übersichtskarte mit der Abdeckung von NINA findet sich hier.

Im Zweifel sollte man also beide Apps installieren, um über mögliche Gefahren in allen Teilen Deutschlands informiert zu sein.

Für welche Smartphones gibt es KatWarn und NINA?

Die KatWarn-App steht seit Oktober 2012 für iOS zum Download bereit. Im Juni 2013 folgte eine Android-Version, seit 2014 gibt es das Warnsystem auch für Windows Phone.  Etwa 1,5 Millionen Menschen nutzen bereits KatWarn.

NINA gibt es ebenfalls für iOS und Android. Eine Version für Windows Phone wurde nicht entwickelt. Beide Warnsystem-Apps sind für die Nutzer kostenlos.

Wie funktioniert die App KatWarn?

In KatWarn können mehrere Orte für Warnungen festgelegt werden. fullscreen
In KatWarn können mehrere Orte für Warnungen festgelegt werden. (©Screenshot TURN ON/CombiRisk GmbH 2016)
Eine Übersichtskarte zeigt Meldungen in der Nähe an. fullscreen
Eine Übersichtskarte zeigt Meldungen in der Nähe an. (©Screenshot TURN ON/CombiRisk GmbH 2016)
Eine Testwarnung checkt die Funktion von KatWarn. fullscreen
Eine Testwarnung checkt die Funktion von KatWarn. (©Screenshot TURN ON/CombiRisk GmbH 2016)

Warnmeldungen per Push-Mitteilung können in KatWarn gleich für mehrere Standorte abonniert werden. Egal ob man nun zu Hause, unterwegs oder im Büro ist, wird man dann mit den passenden Informationen versorgt. Bis zu sieben unterschiedliche Standorte für Warnmeldungen können festgelegt werden. Der sogenannte Schutzengel-Modus verschickt zudem aktuelle Warninformationen für den jeweiligen Aufenthaltsort. Diese Ortungsfunktion kann aber auch abgeschaltet werden.

Eine Übersichtskarte zeigt Warnmeldungen in der Umgebung an, weitere Orte können über Adresse oder Postleitzahl hinzugefügt werden. Die Funktionsfähigkeit des Systems kann zudem mit einer Test-Warnmeldung überprüft werden. Behörden, die KatWarn nutzen, wählen bei Notfällen über ein spezielles System die Empfänger nach Postleitzahlen aus. Über KatWarn werden auch Kurztexte und konkrete Verhaltenshinweise bei Katastrophenfällen übermittelt. KatWarn-Meldungen können zudem via Twitter, Facebook oder E-Mail an andere Personen weitergeleitet werden.

Alternativ kann man in KatWarn auch Meldungen zu bestimmten Veranstaltungen abonnieren, etwa dem Oktoberfest 2016. Dafür muss man auf der Webseite von KatWarn einen QR-Code einscannen. Je nach Anlass deaktiviert sich ein Themen-Abo von selbst oder bleibt dauerhaft bestehen.

Neben der App-Version gibt es KatWarn auch als SMS- und E-Mail-Dienst. Für den SMS-Service muss man eine Nachricht mit dem Text "KATWARN [Postleitzahl]" an die Nummer 0163/7558842 schicken. Für Warnungen per SMS und E-Mail wird folgendes Schema befolgt: "KATWARN [Postleitzahl] mustermann@mail.de". Zur Abmeldung reicht der Text "KATWARN AUS". Warnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) werden allerdings nicht per SMS verschickt.

Wie funktioniert die App NINA?

In NINA lassen sich mehrere Standorte festlegen. fullscreen
In NINA lassen sich mehrere Standorte festlegen. (©Screenshot TURN ON/BBK 2016)
Die Farbe der Warn-Icons zeigt die Gefahrenkategorie an. fullscreen
Die Farbe der Warn-Icons zeigt die Gefahrenkategorie an. (©Screenshot TURN ON/BBK 2016)
Auf einer Übersichtskarte werden betroffene Gebiete angezeigt. fullscreen
Auf einer Übersichtskarte werden betroffene Gebiete angezeigt. (©Screenshot TURN ON/BBK 2016)
Warnmeldungen lassen sich je nach Wichtigkeit abonnieren. fullscreen
Warnmeldungen lassen sich je nach Wichtigkeit abonnieren. (©Screenshot TURN ON/BBK 2016)

Die App NINA funktioniert im Grundprinzip ganz ähnlich wie KatWarn. Auch hier können Warnungen für mehrere Orte abonniert werden, kleine Icons unter dem Standort zeigen sofort an, ob es sich etwa um Unwetter-Meldungen oder Hochwasser-Infos handelt. Eine Obergrenze  für Standorte wie bei KatWarn gibt es nicht. Auf einer Übersichtskarte kann man ebenfalls nach unterschiedlichen Arten von Warnmeldungen filtern und bekommt dann die betroffenen Gebiete angezeigt. Ein Farbsystem informiert über den Gefahrengrad (gelb oder rot).

Wie bei KatWarn kann man auch bei NINA Push-Benachrichtigungen auf Basis des aktuellen Standorts abonnieren. Hierbei darf der Nutzer noch verschiedene Stufen einstellen, etwa dass er nur bei schweren Unwettern gewarnt wird.

Gibt es Probleme mit den Warnsystem-Apps?

Nach dem Amoklauf in München am 22. Juli geriet auch die App KatWarn in die Schlagzeilen. Allerdings nicht, weil sie viele Bürger rechtzeitig und problemlos warnte, sondern weil das System völlig überlastet war. Ein KatWarn-Sprecher erklärte, dass die App aufgrund der hohen Nutzerzahl in München und der gleichzeitigen zahlreichen Unwetter-Warnungen im Rest Deutschlands an ihre Grenzen gestoßen sei. Die Server-Kapazitäten müssten schnellstmöglich erweitert werden. Auch bei Netzstörungen oder Stromproblemen kann es sowohl bei KatWarn als auch bei NINA zu Ausfällen kommen.

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