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Kleines ganz groß: 6 wichtige Tipps für die Makrofotografie

Schau mir in die Augen, Kleines – Makrofotografie macht's möglich.
Schau mir in die Augen, Kleines – Makrofotografie macht's möglich. (© 2015)

Makrofotografie fasziniert. Denn Nahaufnahmen kleinster Details legen den Fokus auf das, was dem Auge sonst verborgen bleibt – oder einfach schnell übersehen wird. Wir verraten Dir, wie Du kleine Motive groß darstellst und welches Equipment Du dafür benötigst.

Makrofotografie: Eine Frage des Maßstabs

Schon einmal einer Wespe tief in die Augen geschaut? Wenn Du diese Frage mit "Ja" beantworten kannst, dann beziehst Du Dich vermutlich auf das Betrachten einer Nahaufnahme. Die Makrofotografie ermöglicht es nämlich, den Fokus des Betrachters auf kleinste Details zu lenken. Im Gegensatz zur Landschaftsfotografie geht es hier also nicht darum, einen möglichst weiten Bereich der Realität abzubilden.

Im Gegenteil: Bei der Makrofotografie kommen die kleinen Dinge ganz groß raus. Denn bei Nahaufnahmen arbeiten Fotografen mit besonders großen Abbildungsverhältnissen von bis zu 1:1, das heißt, dass das fotografierte Objekt genauso groß abgebildet wird wie es in der Realität ist. In der normalen Fotografie sind die Motive hingegen sehr viel größer als ihre Abbildung, das Abbildungsverhältnis ist dementsprechend kleiner.

Tipp 1: Ein makrofähiges Objektiv verwenden

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Makroobjektive sind auf geringe Aufnahmeentfernungen spezialisiert. (©CC: Flickr/slgckgc 2015)

Je größer Du einen Gegenstand abbilden willst, desto dichter musst Du herangehen – soweit klar. Allerdings funktioniert das nicht beliebig. Irgendwann kann das Objektiv der Kamera das nahe Objekt nicht mehr fokussieren, der maximale Abbildungsmaßstab ist erreicht. Bei normalen Objektiven für Spiegelreflexkameras liegt dieser in der Regel bei 1:9 bis 1:7. Soll das Motiv größer dargestellt werden, muss ein Makroobjektiv verwendet werden.

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Spezielle Makroobjektive können Objekte genauso groß abbilden, wie sie sind. (©CC: Flickr/Ronnie Day 2015)

Ab einem maximalen Abbildungsmaßstab von etwa 1:4 werden Objektive als makrofähig bezeichnet. Viele Kompaktkameras eignen sich schon vergleichsweise gut für die Makrofotografie. Spezielle Linsen für DSLRs können aber noch mehr: Sind sie für die Abbildung aus nächster Distanz konzipiert, erreichen sie Abbildungsmaßstäbe von bis zu 1:1. Mit einem Makroobjektiv lassen sich trotzdem auch gute Bilder von weiter entfernten Motiven schießen. Allerdings sind sie aufgrund ihrer Bauweise meist größer und schwerer als andere Objektive. Zudem sind sie weniger lichtstark und der Autofokus arbeitet langsamer.

Tipp 2: Passende Motive für Anfänger und Fortgeschrittene

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Anfänger wählen am besten Motive, die sich nicht von allein bewegen. (©CC: Flickr/R.U.P.A.K - A.N.T.O ~~ Passing Time 2015)

Makrofotos leben von Details. Als Motiv bieten sich daher viele Dinge an – von Alltagsgegenständen über Pflanzen und Tiere bis hin zum Menschen. Besonders Kleinstlebewesen und kleine Objekte kommen auf Makrofotos voll zur Geltung. Aber auch bei großen Objekten kann es interessant sein, ein besonderes Detail oder eine Struktur in den Fokus zu rücken. Große und glatte oder anderweitig eintönige Oberflächen sind hingegen weniger geeignet als Makrofotomotiv.

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Unbewegliche Objekte eignen sich besonders gut für Makrofotografie. (©CC: Flickr/Paul Longinidis 2015)

Anfänger suchen sich für ihre ersten Schritte in der Makrofotografie am besten unbewegliche Motive – zum Beispiel Münzen, Früchte, Blüten oder Wassertropfen. Hierbei kannst Du Dir Zeit lassen, den richtigen Fotografierabstand zu finden, die Belichtung anzupassen, zu fokussieren und schließlich auszulösen. Beim Fotografieren im Freien kann ein Windschutz aus Pappe helfen, Blüten oder Blätter ganz in Ruhe einfangen zu können.

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Insekten zählen zu den beliebtesten Motiven für die Makrofotografie. (©CC: Flickr/Lennart Tange 2015)

Die für Makrofotos beliebten Insekten sind schon deutlich schwieriger zu fotografieren. Viele dürften einfach wegfliegen, wenn Du ihnen mit der Kamera zu nah auf die Pelle rückst. Ein Tipp für alle, die dennoch Jagd auf Insekten machen wollen: Je kühler es draußen ist, desto langsamer sind die Tiere. Der Morgen eignet sich daher meist besser für die Insektenfotografie als der Abend. Und wer Insekten gezielt an eine Stelle locken will, kann sein Glück mit einem süßen Getränk – etwa einem mit Honig gesüßten Malzbier – als Köder versuchen.

Tipp 3: Vorder- und Hintergrund aufeinander abstimmen

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Das Hauptmotiv sollte sich deutlich vom Hintergrund abheben. (©CC: Flickr/Umberto Salvagnin 2015)

Damit am Ende ein tolles Makrofoto entsteht, kann es nicht schaden, einige allgemeingültige Fotografiegrundsätze zu beherzigen. Dazu zählt etwa die Bildgestaltung nach dem Goldenen Schnitt oder der vereinfachten Variante, der Drittel-Regel. Für die Makrofotografie sind dann allerdings noch einige andere Gestaltungstipps hilfreich. Damit Dein mitunter sehr kleines Motiv gut zur Geltung kommt, achte darauf, dass es sich deutlich vom Hintergrund abhebt. Das gelingt Dir zum Beispiel über die Farbwahl bei Motiv und Hintergrund oder über das Spiel mit der Tiefenschärfe.

Tipp 4: Große Blende für viel Lichteinfall

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Eine große Blendenöffnung sorgt für einen unscharfen Hintergrund. (©CC: Flickr/Rolf Brecher 2015)

Da Makroobjektive nicht sonderlich lichtstark sind, musst Du versuchen, möglichst günstige Lichtbedingungen zu schaffen. Für die Abbildung feiner Details eignet sich in der Regel ein weiches, diffuses Licht gut. Die idealen Tageszeiten, um draußen zu fotografieren, sind die Morgen- und Abendstunden. Um mit der Kamera dann möglichst viel Licht einzufangen, wählst Du am besten eine möglichst große Blende. Dann hast Du automatisch den Effekt, dass der Hintergrund auf dem Foto unscharf erscheint.

Tipp 5: Kurze Verschlusszeiten oder Serienbildfunktion

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Um bewegte Motive einzufangen, ist eine kurze Verschlusszeit nötig. (©CC: Flickr/Trey Matula 2015)

Eine andere Möglichkeit, die Belichtung zu beeinflussen, bietet die Wahl der Verschlusszeit. Langzeitbelichtungen bieten sich bei der Makrofotografie in vielen Fällen allerdings nicht an. Insbesondere wenn Du mit langen Brennweiten arbeitest, besteht die Gefahr des Verwackelns. Zudem sind viele Motive schlicht und einfach zu schnell für lange Belichtungszeiten. In der Makrofotografie wählst Du daher besser eine kurze Verschlusszeit oder greifst auf den Serienbildmodus zurück, um genau den Moment zu erwischen, in dem die Libelle am Blütenstempel haltmacht. Als Faustregel für die Verschlusszeit-Sekunden wird häufig ein Wert von ungefähr 1:Brennweite empfohlen.

Tipp 6: Fokussieren will gelernt sein

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Für Makrofotos von Insekten gilt: Immer die Augen im Blick behalten. (©CC: Flickr/BrunoSchalch 2015)

Der Autofokus von modernen Kameras arbeitet zwar schnell. Doch viele Motive sind schneller. Daher solltest Du beim Fotografieren von Insekten und Co. auf den manuellen Fokus ausweichen. Wer die kleinen Lebewesen voll erwischen will, konzentriert sich beim Fotografieren am besten auf die Augen. Da die Tiere dennoch nie lange still sitzen, bereite Dich am besten auf das Auslösen vor. Überlege Dir, wo das Insekt haltmachen wird – etwa an einer Blüte oder an einem präparierten Köder – und richte den Fokus auf diese Stelle. Drücke den Auslöser bereits halb durch und löse schließlich aus, wenn die Tieraugen scharf im Display oder im Sucher der Kamera erscheinen.

Bringt Deine Kamera keinen manuellen Fokus mit oder kannst Du damit noch nicht umgehen, schaue nach, ob sich einzelne Autofokusfelder bei dem Modell aktivieren beziehungsweise deaktivieren lassen. Dann wähle nur das mittlere Messfeld aus, das arbeitet in der Regel am genausten.

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