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Kopfhörertypen: Von In-Ear über On-Ear bis Over-Ear

Nicht jeder Kopfhörer eignet sich für alles.
Nicht jeder Kopfhörer eignet sich für alles. (©picture alliance / empics )

Kopfhörer gibt es wie Sand am Meer, in unterschiedlichsten Formen und Techniken. Doch nicht jedes Gerät eignet sich für alles. Die folgende Übersicht gibt Auskunft über die wichtigsten Bauweisen und ihre jeweiligen Eigenschaften. Ein Muss für alle, die auf der Suche nach dem perfekten Kopfhörer sind.

Stark gefragt: Kopfhörer

Dank Smartphones tragen wir nicht nur das Internet ständig mit uns herum, sondern haben durch Streaming-Angebote wie Spotify, Deezer & Co. von überall Zugriff auf nahezu jeden Song. Entsprechend ist die Nachfrage nach Kopfhörern in den letzten zehn Jahren stark gestiegen und der mobile Musik-Genuss ist längst keine ausschließliche Domäne mehr für Musik-Enthusiasten. Ein Blick in die Regale und Online-Shops zeigt: Für jeden Einsatzzweck und Hör-Typen gibt es mittlerweile zahlreiche Kopfhörer-Arten in allen Farben und Preisklassen.

Bauform: Ohrhörer oder Muschelkopfhörer

Auf der Suche nach neuen Kopfhörern stellt sich zuerst die Frage nach der Bauform des neuen Modells. Hier lässt sich zwischen Typen ohne und mit Bügel unterscheiden. Während erstere aufgrund der kompakten Bauweise besonders im mobilen Einsatz ihre Vorteile ausspielen, kommen die vergleichsweise sperrigen Bügel-Kopfhörer vermehrt stationär zum Einsatz. Wer also auf der Suche nach Kopfhörern ist, die vom Smartphone befeuert den Aufenthalt im Freien untermalen sollen, steht vor der Frage: In-Ear- oder Earbud-Kopfhörer? Wer in puncto Klangqualität zu bezahlbaren Preisen keine Kompromisse eingehen will, sieht sich mit der gesamten Palette der geschlossenen, halboffenen oder offen Arten konfrontiert. Aber der Reihe nach.

Unterwegs lieber In-Ears statt Earbuds

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In-Ears sorgen für das volle Sound-Erlebnis. (©CC: Flickr/Jonathan Grado 2015)

Das Gros der aktuell verkauften Kopfhörer lässt sich mühelos in der Hosentasche verstauen und macht somit im mobilen Einsatz etwa beim Joggen eine besonders gute Figur. Dabei verrät ein Blick in Fußgängerzonen und Straßenbahnen: In-Ears liegen in der Beliebtheitsskala ganz vorne, während Earbuds nur noch ein Nischendasein fristen. Während Earbud-Kopfhörer lediglich in die Ohrmuschel eingehangen werden, stecken die In-Ears direkt im Gehörgang und sorgen durch eine Art Druckkammer-Effekt für das volle Sound-Erlebnis. Der Nachteil: Einige Träger empfinden den im Ohr steckenden Fremdkörper als störend. Zudem schirmt der Hörer den Träger weitestgehend von der Umwelt ab, wodurch akustische Wahrnehmung leidet. Für Radfahrer im Straßenverkehr beispielsweise kann das verheerende Folgen haben.

Earbuds: Der Außenseiter

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Earbuds haben meist keinen besonders guten Sound. (©CC. Flickr/JD Hancock 2015)

Earbuds sitzen nur wirklich gut, wenn Ohrmuschel und Kopfhörer perfekt zueinanderpassen. Außerdem klingen Earbuds bei Weitem nicht so überzeugend, vor allem bei Bass-lastiger Musik fehlt der Wumms. Dafür bekommt der Träger noch recht viel von der Umgebung mit, solange es mit der Lautstärke nicht übertrieben wird. Apropos Lautstärke: Für die meisten Ohrenärzte sind Sie ein Graus. Dadurch das, insbesondere In-Ears sehr nah am Trommelfell sitzen und der Schall nicht entweichen kann, drohen bei lautem und intensivem Musik-Konsum schnell Schädigungen des Hörvermögens.

Worauf beim Kauf achten?

Wer heutzutage Earbuds kaufen will, ist in aller Regel mit einer überschaubaren Auswahl konfrontiert. Der letzte Hersteller der klassische Earbuds im großen Stil verkaufte, war Apple mit den EarPhones. Seit 2012 liegen iPhone, iPod & Co. die neuen EarPods bei, die zwar nicht ganz den Gehörgang verschließen wie typische In-Ears, das Prinzip aber nachbilden. Wichtig beim Kauf von Earbuds ist die korrekte Passform. Insbesondere Menschen mit kleineren oder größeren Ohrmuscheln sollten darauf achten, denn nichts ist nerviger, als wenn die Stöpsel bei jeder Kopfbewegung aus dem Ohr rutschen. Bei In-Ears tritt das Problem nicht auf, da die Hersteller hier in aller Regel unterschiedliche Größen-Aufsätze mitliefern. Für den absolut perfekten Sitz lassen sich bei ausgewählten Hörgeräteakustikern individuell angepasste Ohrpassstücke, sogenannte Otoplastiken anfertigen.

Bügelkopfhörer: Die volle Dröhnung zum kleinen Preis

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Der Sennheiser Urbanite XL Wireless ist ein Over-Ear-Kopfhörer. (©TURN ON 2015)

Während die im Ohr sitzenden Kopfhörer mit ihren kompakten Abmessungen unterwegs punkten, galt lange Zeit, dass die Kleinen nicht an die Klangqualität von Bügelkopfhörern heranreichen. Das stimmt mittlerweile zwar nicht mehr, allerdings kosten klanglich ebenbürtige In-Ears auch das Vielfache eines vergleichbaren Bügelkopfhörers.

Dabei gilt auch hier: Bügelkopfhörer ist noch lange nicht Bügelkopfhörer. Auch hier unterscheidet man zwischen ohraufliegenden (On-Ears) und ohrumschließenden (Over-Ears) Kopfhörern. Bei den On-Ears sitzt der Kopfhörer vollständig auf dem Ohr, bei Over-Ears wird das Ohr komplett von der Hörmuschel des Kopfhörers umschlossen. Letztere versprechen zudem den bequemsten Tragekomfort, da die Ohren hier berührt werden. Bei der Bauart von Bügelkopfhörern wird zwischen geschlossenen, offenen und halboffenen Systemen unterschieden. Dabei ist es egal, ob die Hörmuschel das Ohr umschließt oder nicht, relevant ist hier die Schallisolation.

Offene Kopfhörer

Offene Kopfhörer verfügen über Öffnungen und sind somit nicht gegenüber der Umgebung abgeschirmt. Dadurch kann der Schall auch nach außen entweichen, weswegen sie eine höhere Transparenz erreichen und ein räumlicheres Klangbild abbilden. Vor allem Liebhaber von Jazz- oder Klassikmusik kommen hier voll auf ihre Kosten. Außerdem lassen sich Umgebungsgeräusche leichter wahrnehmen und der Träger ist nicht vollkommen von der Außenwelt isoliert. Zudem verspricht die offene Bauweise eine bessere Luftzirkulation, was bei sommerlichen Temperaturen Hitzestaus entgegenwirkt.

Ungeeignet sind derartige Modelle aber für ruhige Umgebungen wie Büros oder Bibliotheken. Da der Schall seinen Weg recht unvermindert auch nach außen bahnt, bekommen Außenstehende relativ schnell mit, welche Musik gerade läuft. Nachteilig für den mobilen Einsatz ist zudem, dass sie leistungsstarke Zuspieler benötigen, um ihr volles Potenzial entfalten zu können. Für den Betrieb am Smartphone muss mitunter ein externer Kopfhöherverstärker her. Auch basslastige Musik ist keine Stärke der offenen Modelle.

Geschlossene und halboffene Kopfhörer

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Geschlossene Kopfhörer schotten Dich vollkommen von der Umgebung ab. (©picture alliance / JOKER 2015)

Geschlossene Kopfhörer verfügen über keinerlei Öffnungen nach außen. Hier ist der Hörer von Umgebungsgeräuschen vollkommen abgeschirmt. Vorteil: Für den störungsfreien Musik-Genuss muss die Lautstärke nicht so hoch aufgedreht werden, was das Gehör schont. Zudem erlaubt die Bauart eine im Vergleich zu offenen Modellen deutlich druckvollere Basswiedergabe, da nur wenig Schalldruck nach außen verloren geht. Und nicht nur externe Umgebungsgeräusche dringen nicht zum Ohr vor, auch die Umgebung bekommt von dem, was gerade läuft nichts mit. Kombiniert mit einer Noise-Cancelling-Technologie gibt es so das volle Sound-Erlebnis.

Wegen der fehlenden Luftzirkulation entsteht bei geschlossenen Kopfhörern allerdings mehr Wärme am Ohr, was an wärmeren Tagen und bei längerer Nutzung unangenehm werden kann. Deutlich seltener am Markt sind die sogenannten halboffenen Kopfhörer. Sie sind im Kern ein Kompromiss aus offener und geschlossener Bauart.

Kaufberatung: Der perfekte Kopfhörer?

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Beats-Kopfhörer eignen sich vor allem für Hip-Hop und Elektro. (©TURN ON 2015)

Wie die Vorstellung der verschiedenen Bauformen gezeigt hat, lässt sich die Frage nach dem perfekten Kopfhörer nicht beantworten. Welches Modell das Beste für Dich ist, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. So bestimmt zwar die Bauform eines Kopfhörers dessen grundsätzliche Klangeigenschaften, allerdings setzt jeder Hersteller noch mal unterschiedliche Schwerpunkte bei der Klang-Charakteristik. So bedarf es keines geschulten Ohres, um die Unterschiede zwischen geschlossenen Kopfhörern beispielsweise von AKG, Sennheiser oder Beyerdynamic zu hören.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Frage nach dem Musikgeschmack. Aufgrund der unterschiedlichen Eigenschaften der Modelle gibt es nicht den einen Kopfhörer, der alle musikalischen Stillrichtungen gleichermaßen überzeugend wiedergibt. Und auch das Hörempfinden eines jeden Einzelnen ist entsprechend der Hörgewohnheiten unterschiedlich ausgeprägt, was eine allgemeine Empfehlung unmöglich macht. Willst Du sichergehen das richtige Modell zu erwischen, kommst Du um ein Probehören mit deinen Lieblingssongs nicht herum.

Zusammenfassung

  1. Die verschiedenen Kopfhörer-Bauformen haben Auswirkungen auf das Klangbild und das Einsatzgebiet der Kopfhörer
  2. Für unterwegs sind In-Ears empfehlenswert, da sie leicht zu verstauen sind und eine gute Klangqualität bieten
  3. Die klassischen Earbuds sind inzwischen selten und nicht so überzeugend beim Klang, schirmen den Träger aber nicht so von seiner Umwelt ab wie In-Ears
  4. Bügelkopfhörer sind deutlich sperriger und kommen daher bevorzugt stationär zum Einsatz, eine Ausnahme bilden die ohraufliegenden (On-Ear) Modelle
  5. Bei der Bauart lässt sich bei Bügelkopfhörer zwischen offenen, geschlossenen und halboffenen Modellen unterscheiden
  6. Offene Kopfhörer bieten ein sehr räumliches und transparentes Klangbild, sind aber nicht stark bei der Bass-Wiedergabe
  7. Geschlossene Kopfhörer schirmen den Träger stark von seiner Umgebung ab, dafür machen die Modelle auch in tiefe Frequenzbereichen eine gute Figur
  8. Halboffene Kopfhörer bieten einen Kompromiss aus beidem, sie isolieren Umgebungsgeräusche besser als offene Modelle und bieten dafür mehr Tiefgang
  9. Die Frage nach dem passenden Kopfhörer hängt aber auch von einer Reihe individueller Faktoren ab, weswegen ein Probehören vor dem Kauf zu empfehlen ist
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