menu

Krankschreibung per WhatsApp: Wie funktioniert das eigentlich?

Einfach per WhatsApp eine Krankschreibung bekommen? Wir erklären die Fallstricke.
Einfach per WhatsApp eine Krankschreibung bekommen? Wir erklären die Fallstricke.

Wer richtig krank ist, möchte meist ungern zum Arzt gehen, nur um eine Krankmeldung zu bekommen. Wie praktisch wäre da eine Krankschreibung per WhatsApp? Ein Start-up bietet diesen Service seit Kurzem an – wir klären alle Fragen.

Wer bietet die Krankschreibung über WhatsApp an?

Hinter dem Service steckt das Hamburger Start-up AU-Schein GmbH von Can Ansay. Gestartet wurde die Krankschreibung per WhatsApp bereits im Dezember 2018.

Wie funktioniert das Ganze?

Um eine Krankschreibung per WhatsApp zu bekommen, muss auf der Webseite von AU-Schein zunächst ein Formular ausgefüllt werden, in dem nach gängigen Erkältungssymptomen wie Gliederschmerzen oder Heiserkeit gefragt wird. Die weitere Kommunikation mit dem Arzt erfolgt dann über WhatsApp – inklusive persönlicher Daten und Foto der Versichertenkarte. Da Nachrichten über den Messenger einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unterliegen, entspreche das Angebt laut AU-Schein auch der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

Laut AU-Schein ist eine Krankschreibung von ein bis drei Tagen möglich. Der erste Tag der Krankschreibung ist automatisch immer der Tag des Bestelleingangs. Eine Rückwirkung oder Vorwirkung ist also nicht möglich. Patienten können zweimal im Kalenderjahr (1.1. bis 31.12.) AU-Schein.de nutzen. Die Krankschreibung erhält man digital als PDF-Datei über WhatsApp sowie per Post im Original zugeschickt.

Die Kosten für den Service liegen bei 9 Euro, zahlbar via PayPal. Eine Erstattung der Service-Gebühr von den gesetzlichen Krankenkassen ist laut Anbieter zurzeit noch nicht möglich. Nicht-gesetzlich Versicherte müssen wie beim normalen Praxis-Arzt gegen Rechnung zusätzlich 16,08 Euro zahlen gemäß GOÄ für die Diagnose, Therapieempfehlung und gegebenenfalls Krankschreibung.

AU-Schein Screenshot fullscreen
Mit einem Formular will AU-Schein sicherstellen, dass wirklich nur eine Erkältung vorliegt.

Wer kann den Service nutzen?

Bislang gibt es die Krankschreibung über WhatsApp von AU-Schein NUR für Patienten mit einer Erkältung. Solche Erkrankungen seien für Telemedizin gut geeignet, da sie in der Regel ungefährlich sind und für einen Arzt auch ohne persönlichen Kontakt diagnostizierbar seien.

In Zukunft will das Unternehmen den WhatsApp-Service auch für Magen-Darm-Grippe und Schmerzen im unteren Rücken anbieten.

Krankschreibung über WhatsApp: Ist das überhaupt legal?

AU-Schein bietet seine Krankschreibung per WhatsApp wegen einer Lockerung des Fernbehandlungsverbots an – also der Diagnostik und Therapie von Krankheiten, ohne dass sich Arzt und Patient vor Ort sehen. Diese Telemedizin ist seit 2018 erlaubt.

Das Unternehmen AU-Schein verweist dabei auf die Berufsordnung der Ärztekammer Schleswig-Holstein, die im Gegensatz zur Muster-Berufsordnung der Bundesärztekammer einen weitreichenderen Einsatz der Telemedizin zulasse. Eine Ärztin, die mit AU-Schein zusammenarbeitet, fährt laut t-online.de daher täglich von Hamburg nach Schleswig-Holstein, um dort die Online-Krankschreibungen zu bearbeiten.

Mehrere Rechtsgutachten hätten ergeben, dass die Kassen auch Krankschreibungen anerkennen müssen, die von einer Privatärztin ohne Kassenzulassung ausgestellt würden, so Firmengründer Can Ansay.

Was sagen die Kritiker zur Krankschreibung per WhatsApp?

Während AU-Schein selbst von der Legalität seines Angebots überzeugt ist, sind Kritiker des Dienstes noch skeptisch. So raten die Ärztekammern in Hamburg und Schleswig-Holstein von der Nutzung ab, da die rechtliche Grundlage noch geklärt werden müsse – allein aus "datenschutzrechtlichen Gründen". Zudem gebe es laut dem Ärztlichen Geschäftsführer der schleswig-holsteinischen Kammer, Carsten Leffmann, einen Unterschied "zwischen einer Fernbehandlung und der Fernausstellung eines Dokuments" (via dpa/Deutsche Apotheker Zeitung).

Auch der Rechtsanwalt Christian Solmecke von der Kanzlei WBS erklärt, dass es ein gewisses Grundrisiko gebe, dass der Arbeitgeber die Krankschreibung über WhatsApp nicht anerkennt. Ob das Angebot von AU-Schein also letztendlich rechtens ist, muss durch Gerichte final wohl erst noch geklärt werden.

Zusammenfassung

  • Seit Dezember 2018 bietet das Unternehmen AU-Schein GmbH eine Krankschreibung per WhatsApp an – allerdings NUR für Erkältungen
  • Der Service ist wegen einer Lockerung des Fernbehandlungsverbots möglich
  • Auf der Webseite von AU-Schein muss nur ein Formular bezüglich Erkältungssymptomen ausgefüllt werden, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (gelber Schein) erhält man dann per WhatsApp
  • Rechtlich ist der Service noch umstritten, Vertreter von Ärztekammern sehen das Angebot kritisch
Kommentar schreiben
Relevante Themen:

Neueste Artikel zum Thema WhatsApp

close
Bitte Suchbegriff eingeben