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Megaprojekt von Bill Gates: Was ist eigentlich eine Smart City?

Smart City
Smart City (©thinkstock/chombosan 2017)

Bill Gates will anscheinend eine Smart City in Arizona aufbauen. Aber was steckt überhaupt hinter diesem Begriff?

Eine Investmentfirma des Tech-Milliardärs Bill Gates hat kürzlich 80 Millionen Dollar in ein riesiges Projekt investiert: 100 Quadratkilometer Land mitten in der Wüste von Arizona will die Immobiliengruppe Belmont Partners in eine Smart City verwandeln. In der Pressemitteilung ist von "digitalen High-Speed-Netzwerken, Datencentern, autonomen Fahrzeugen und Logistik-Hubs" die Rede, die einer fortschrittlichen Gemeinschaft dienen sollen. Das klingt wunderbar futuristisch, aber was ist eine Smart City eigentlich genau?

Die Säulen einer Smart City

Eine allgemeine Definition für den Begriff Smart City zu finden ist nicht einfach, da hinter dem Begriff unterschiedliche Ideensammlungen für nachhaltige Stadtplanungen im digitalen Zeitalter stehen. Jede Stadt hat individuelle Bedürfnisse, Probleme und Lösungsansätze. Es gibt aber ein paar Bereiche, die wichtig bei der Entwicklung jeder smarten Stadt sind:

  • Mobilität: Straßenverkehr und ÖPNV sollen effizient, angenehm und energiesparend gestaltet werden. Dabei können neue Technologien wie smarte Verkehrssysteme und Ticket-Apps helfen.
  • Energie: Städte spielen eine wichtige Rolle, wenn es um die Bewältigung des Klimawandels geht. Eine Smart City setzt auf ressourcenschonende Technologien und ist Vorbild bei der Nutzung erneuerbarer Energien auf dem Weg in eine postfossile Gesellschaft.
  • Umwelt: Ausreichend Parks und Grünflächen sind unerlässlich für das Wohlbefinden von Stadtbewohnern. Zahlreiche Studien belegen, dass Pflanzen die Gesundheit und Lebensqualität in Wohngebieten deutlich erhöhen. Eine smarte Stadtplanung berücksichtigt dies.
  • Soziale Integration: Kann sich eine Stadt smart nennen, die Ihre Bedürftigen vernachlässigt und an den Rand drängt? Auch die sozialen Fragen muss eine Stadt der Zukunft nachhaltig minimieren können.
  • Vernetzung: Eine gut funktionierende Netzwerk-Infrastruktur mit schnellen und zuverlässigen digitalen Verbindungen macht das Leben in einer Smart City einfacher und beschleunigt soziale, kulturelle und urbane Entwicklungen.
 Eine Smart City bietet Vernetzung, Mobilität und ressourcenschonenden Energieverbrauch. fullscreen
Eine Smart City bietet Vernetzung, Mobilität und ressourcenschonenden Energieverbrauch. (©thinkstock/chombosan 2017)

Beispiele für eine Smart City

Ob Smart City, Grüne Stadt, Eco-City, Nachhaltige Stadt oder Stadt der Zukunft: Überall auf der Welt werden Städte fortschrittlicher, effizienter, grüner und inklusiver gestaltet. Die Projekte und Umsetzungen sind so verschieden wie die Städte und ihre Bewohner. Indien beispielsweise will derzeit 100 ausgewählte urbane Räume in Smart Cities verwandeln. Versorgungsengpässe, Verkehrsprobleme, minderwertige sanitäre Anlagen und unzuverlässige Stromversorgung sollen durch dieses Milliardenprojekt angegangen werden.

Auch in Europa schreitet die Entwicklung voran. Die Initiative "Amsterdam Smart City" steht für eine Reihe von Projekten im Energie- und Mobilitätsbereich. Kopenhagen hat sich unterdessen die Klimaneutralität bis 2025 auf die Fahnen geschrieben. In Deutschland gibt es einige von Unternehmen unterstützte Initiativen, wie Smart City Bonn und Future City Berlin. Grüne Projekte wie essbare Städte mit ihren offenen Gemeinschaftsgärten können ebenfalls als smart bezeichnet werden. Zwar steht die gezielte Entwicklung bei uns noch am Anfang, laut einer neuen Studie hat Deutschland aber schon zehn Vertreter unter den 100 smartesten Städten weltweit.

Einer der größten unternehmerischen Innovatoren bei der Stadtentwicklung ist das Tech-Unternehmen IBM. Die IBM Smarter Cities Initiative unterstützt Städte, deren Verwaltungen und Unternehmen bei der Vernetzung und der Einrichtung intelligenter Managementsysteme.

Die Smart City und ihre Einwohner

Manche Kritiker von Smart Cities bemängeln, dass die Planungen zu sehr die Technik und zu wenig die Menschen in den Mittelpunkt stellen würden. Klar, wenn die Technologie an den Interessen der Bewohner vorbeigebaut wird, ist das Verschwendung und das Gegenteil der gewünschten Nachhaltigkeit. Urbaner Fortschritt kann nicht von Stadträten und Tech-Konzernen alleine umgesetzt werden, es braucht die Partizipation der Bürger.

Das bedeutet nicht, dass jeder am Ausbau von Datenautobahnen und intelligenten Verkehrsleitsystemen mitarbeiten soll, auch gemeinschaftliche Projekte können smart sein: Dank mobiler Technologien und sozialer Netzwerke finden die Menschen heute leichter zusammen und Initiativen wie Gemeinschaftsgärten (Guerilla Gardening), Repair Cafés, kulturelle Events und Ähnliches können besser verwirklicht werden. So kann jeder zur Entwicklung seiner eigenen Smart City beitragen.

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