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Mesh-Wifi: Was ist das eigentlich?

Nahezu alle aktuellen Fritzboxen beherrschen auch Mesh-Wifi – doch bringt das eigentlich etwas?
Nahezu alle aktuellen Fritzboxen beherrschen auch Mesh-Wifi – doch bringt das eigentlich etwas? (©AVM 2018)

Spätestens seit dem WLAN-Router Google Wifi ist Mesh-Wifi in aller Munde – doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff? Wie funktioniert das Konzept und was unterscheidet es von herkömmlichen WLAN-Repeatern?

Wohl jeder, der einen WLAN-Router in einem etwas größeren Haus aufgestellt hat, weiß um die Probleme in puncto Reichweite. Sind Smartphones, Fernseher und Co. nur etwas weiter vom Stellplatz des Routers entfernt, sinkt die Datenübertragungsrate und bricht oftmals ein. Abhilfe schaffen klassische WLAN-Repeater. Doch: Diese sorgen zwar für eine größere Reichweite, dabei leidet zwangsläufig aber auch der Datendurchsatz. Im besten Fall hast Du dann zwar auch zwei Zimmer weiter WLAN-Empfang, dieser funktioniert aber mehr schlecht als recht – und mitunter vor allem quälend langsam. Mesh-Wifi soll hier die Lösung sein, glaubt man zumindest den Versprechen von Herstellern wie Google.

Das bringt Mesh bei WLAN-Routern

Google veröffentlichte im vergangenen Jahr mit Google Wifi seinen ersten Router mit Mesh-Funktionalität. Wer mehrere Google-Router im Einsatz hat, profitiert von einem gemeinsamen Netz. Alle Geräte kommunizieren miteinander, tauschen Daten untereinander aus und erzeugen ein eigenes WLAN-Signal. Repeater hingegen verstärken üblicherweise nur ein vorhandenes WLAN-Signal, auch wenn Hersteller AVM nach Vorstellung des Google-Routers ebenfalls die Mesh-Funktionalität per Softwareupdate nachreichte. Dennoch kann das gemeinsame WLAN-Netzwerk unter nur einem Netzwerknamen (SSID) betrieben werden. Vom Wechsel innerhalb der Knotenpunkte bemerkst Du als Nutzer nichts.

In welchen Fällen der Einsatz von Mesh sinnvoll ist

Sinnvoll ist der Einsatz insbesondere in größeren Wohnungen oder Häusern. Wer lediglich in einem Raum WLAN-Empfang benötigt, muss nicht zwingend auf Mesh-Wifi setzen. Google empfiehlt bei mittleren bis größeren Wohnungen und Häusern die Einrichtung von zwei oder drei Google-Routern, um in allen Räumen ein gutes WLAN-Signal empfangen zu können. Besitzt Du hingegen Produkte von AVM, solltest Du prüfen, ob der Hersteller die Mesh-Fähigkeit bereits per Update nachgereicht hat. Voraussetzung ist Fritz-OS 6.9 oder neuer. Mittelfristig sollen alle aktuellen Modelle mit der Funktionalität ausgestattet werden.

Jeder WLAN-Router von Google baut über ein vermaschtes Netz sein eigenes WLAN-Signal auf. (© 2017 YouTube/DetroitBORG)

Diese Fritzbox-Router sind durch ein Softwareupdate fit für Wifi-Mesh

  • FRITZ!Box 7590
  • FRITZ!Box 7580
  • FRITZ!Box 7560
  • FRITZ!Box 7490
  • FRITZ!Powerline 1260E
  • FRITZ!Powerline 1240E
  • FRITZ!Powerline 546E
  • FRITZ!Powerline 540E
  • FRITZ!WLAN Repeater 1750E
  • FRITZ!WLAN Repeater 1160
  • FRITZ!WLAN Repeater 450E
  • FRITZ!WLAN Repeater 310
  • FRITZ!WLAN Repeater DVB-C

Positive Effekte der Mesh-Technologie unter Experten umstritten

Ob Wifi-Mesh tatsächlich besser als herkömmliches WLAN ist, ist aber auch unter Experten umstritten, die ihre Bedenken gegenüber der Seite IP Insider mitteilten. Die Vorteile seien mit "erheblichen Einbußen an Stabilität und Performance erkauft" worden, betont etwa Ralf Koenzen von Lancom Systems. Eine Stabilisierung des WLAN-Netzes sei durch die hohe Dynamik in der vermaschten Struktur ohnehin nur sehr schwer möglich. Denn: Schon ein einziger neu installierter Zugangspunkt sei in der Lage, das WLAN-Mesh-Netzwerk erheblich zu stören.

Mesh-Strukturen seien vielmehr nur in sehr speziellen Betriebsszenarien sinnvoll, was vor allem am begrenzten WLAN-Spektrum liege. Denn: Das häufig verwendete 2,4-GHz-Frequenzband ist ohnehin deutlich überbelegt und an vielen Orten kaum noch nutzbar. Koenzen weiter: Es ist kaum machbar, "auch noch Bandbreiten zum Aufbau eines Mesh-Systems bereitzustellen". Schließlich werde jedes Datenpaket mehrfach durch die Luft übertragen, was die tatsächliche Bandbreite, insbesondere in stark belasteten Funknetzen, einbrechen lassen kann. Die Physik, konstatiert Koenzen, lasse sich schlicht nicht überlisten.

Zusammenfassung

  1. Wifi-Mesh: Geräte kommunizieren miteinander und tauschen Daten untereinander aus
  2. Jedes Gerät erzeugt ein eigenes WLAN-Signal, während Repeater nur das vorhandene Signal verstärken
  3. Mesh-Wifi insbesondere bei größeren Wohnungen und Häusern sinnvoll, nicht bei einem einzelnen Zimmer
  4. Fritzbox-Hersteller AVM hat aktuelle Router per Softwareupdate für Mesh-Netzwerke gerüstet
  5. Ob Mesh-Wifi besser als herkömmliches WLAN ist, ist unter Experten strittig
  6. Die größte Schwachstelle ist und bleibt das überlastete 2,4-GHz-Netzwerk
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