Mieten statt kaufen: Warum ich meine Spiegelreflex ausgeliehen habe

Ich habe mir für den Urlaub kurzerhand eine Spiegelreflexkamera gemietet.
Ich habe mir für den Urlaub kurzerhand eine Spiegelreflexkamera gemietet. (©TURN ON 2018)
Alexander Mundt Wartet weiterhin sehnsüchtig auf die ersten erschwinglichen OLED-TVs mit 65 Zoll aufwärts.

Mieten statt kaufen: Was auf der Straße mit Carsharing und Leasing längst funktioniert, ist im Technik-Bereich noch absolutes Neuland. Der Dienst Grover will das ändern: Wer das neue iPhone X nicht gleich kaufen möchte, kann es nämlich auch einfach mieten. Das fand ich vom Ansatz her spannend und habe den Mietservice daher selbst ausprobiert – und verrate, warum mich das Konzept überzeugt hat.

Grover sei das "Spotify für Konsumgüter", titelte die Welt in einem ihrer Artikel – und beschreibt damit im Grunde das Geschäftsmodell des Unternehmens ganz gut. Es handelt sich nämlich um einen Dienst, der Smartphones, Spielekonsolen, Drohnen und sogar Fernseher an seine Kunden einfach verleiht. Mittlerweile arbeitet das 2015 in Berlin gegründete Start-up mit Partnern aus dem Einzelhandel zusammen – dazu gehört auch SATURN mit der Aktion "Einfach mieten".

Über den Onlineshop können Produkte also in Kooperation mit Grover ausgeliehen werden, zum Start sind rund 500 Artikel dabei. Dabei ist das Prinzip äußerst simpel: Produkt auswählen, Mietdauer festlegen und auf das Paket warten. Wenn Du das Gerät nicht mehr benötigst, schickst Du es einfach an Grover zurück – oder kaufst es, wenn es Dich überzeugt hat. So viel erstmal zu dem Geschäftsmodell.

Warum ich eine DSLR gemietet habe, anstatt sie zu kaufen

Bevor ich Ende Januar meinen Winterurlaub antrat, habe ich mir zunächst Gedanken gemacht, mit welcher Kamera ich eigentlich die verschneiten Schneelandschaften Österreichs verewigen möchte. Ziemlich schnell fasste ich den Entschluss: Eine Spiegelreflexkamera muss her. Normalerweise fotografiere ich ausschließlich mit meinem iPhone 7 Plus – und bin mit der Qualität der Bilder durchaus zufrieden, weiß aber die Vorzüge einer richtigen Spiegelreflexkamera zu schätzen.

Daher sollte es für den Winterurlaub etwas Besonderes sein, weswegen ich mich dazu entschieden hatte, mir für diesen einen Zweck einfach eine Kamera zu mieten, statt sie zu kaufen. Als ehemaliger DSLR-Besitzer weiß ich, dass eben diese, zumindest bei mir, die meiste Zeit des Jahres einfach irgendwo in der Ecke herumliegt – weswegen ich mich von meiner Canon EOS 500D schon vor einiger Zeit verabschiedet habe. Aus dem ordentlichen Angebot an Kameras wählte ich schließlich die Nikon D3300 inklusive passendem Objektiv. Dabei überzeugte Grover mit einem schnellen Versand: Bestellt an einem Freitag morgen konnte ich das Leihgerät bereits am darauffolgenden Tag in den Händen halten.

Entscheidest Du Dich für eine längere Mietdauer, sinkt der monatliche Preis

Die Kamera befand sich in einwandfreiem Zustand, sämtliches Zubehör und Anleitungen wurden ebenso mitgeliefert. Der monatliche Mietpreis fiel mit 29,90 Euro vergleichsweise moderat aus. Dabei gilt: Du kannst das Leihgerät so lange behalten, bis Du es zurückschickst. Der Mietpreis wird monatlich fällig und die Dauer stets um einen weiteren Monat verlängert. Weißt Du hingegen schon im Vorfeld, dass Du ein Gerät länger nutzen möchtest, kannst Du Dich gleich vor der Ausleihe für eine längere Mietdauer entscheiden – und so die monatliche Mietgebühr deutlich senken.

Grover mieten bei SATURN
Du möchtest ein Produkt lieber mieten statt kaufen? Hier findest Du alle wichtigen Informationen zu der Aktion "Einfach mieten" bei SATURN.

Wird das Gerät nicht mehr benötigt, schickst Du es einfach zurück

Möchte man den Artikel wieder an Grover zurückschicken, ist dies denkbar unkompliziert: Einfach bei seinem Benutzerkonto anmelden und Retourenlabel anfordern, das anschließend per E-Mail zugeschickt wird. Dann das Gerät nur noch verpacken, Versandetikett anbringen und zur Post bringen. Dabei musst Du natürlich die Versandzeit einplanen. So sollte das Produkt bei Grover spätestens an dem Tag eintreffen, an dem der neue Abrechnungsmonat beginnt. Über den korrekten Erhalt der Ware wirst Du per E-Mail informiert.

Alex mit DSLR
Für knapp 30 Euro im Monat habe ich die Nikon D3300 einfach vorübergehend gemietet.

Ich werde meine Nikon D3300, die mir wertvolle Dienste leistete, in Kürze zurückschicken, da ich sie vorerst nicht mehr benötige. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, mir auch einfach mal eine Drohne auszuleihen, damit loszuziehen und Videos aus luftiger Höhe zu drehen – nie war das leichter als heutzutage. Denn: Nicht jeder will oder kann die Geräte gleich kaufen, oftmals will man sie vielleicht nur einmal testen, neue Dinge kennenlernen und sich dann auch wieder davon trennen. Für genau diese Zielgruppe gibt es das Miet-Angebot.

Gerade diese Flexibilität und Ungebundenheit sind die zwei größten Vorteile von Grover. Natürlich muss man ganz klar sagen: Es ergibt keinerlei Sinn, das neueste Smartphone einfach dauerhaft zu mieten, anstatt es gleich zu kaufen. Für viele andere Einsatzzwecke ist das Angebot von Grover hingegen ideal.

Mieten statt kaufen: Zumindest im Technik-Bereich eine noch junge Idee

Wie viele Nutzer mittlerweile schon einmal ein Gerät gemietet statt gekauft haben, ist nicht bekannt. Laut einem Bericht von t3n aus dem Januar 2018 verfügt Grover über rund 100.000 registrierte Nutzer und monatlich über etwa 10.000 laufende Mietverträge. Tendenz steigend.

So kommt die FAZ in einem Artikel zu dem Schluss, dass der Mietmarkt seine besten Zeiten noch vor sich hat. Die Zeitung bezieht sich hier auch auf eine Studie der Unternehmensberatung KPMG und des Kölner Instituts für Handelsforschung, derzufolge habe jeder sechste Studienteilnehmer schon einmal ein Gerät gemietet. Weitere 43 Prozent der Befragten könnten sich das zumindest gut vorstellen. Eine Studie von PwC zur Sharing Economy rechnet für 2018 mit einem Anstieg des Marktvolumens auf mehr als 24 Milliarden Euro.

iPhone X, Galaxy S9 Plus & Co: So hoch ist der Mietpreis für aktuelle Produkte

Produkt Monatlicher Mietpreis
iPhone X, 64 GB 89,90 Euro
Galaxy S9 Plus, 64 GB 74,90 Euro
HTC Vive 89,90 Euro
Apple Watch Series 2, 42 mm 39,90 Euro
MacBook 12" (2016), 256 GB, 8 GB RAM 147,90 Euro

Stand: März 2018

Bei Kauf werden geleistete Mietzahlungen mit dem Preis verrechnet

Wer während der Mietdauer merkt, dass er oder sie das Produkt gerne behalten möchte, kann es dann auch direkt kaufen. Die bisher geleisteten Mietzahlungen lassen sich zu einem Teil mit dem Kaufpreis verrechnen – 30 Prozent der Miete wird dabei angerechnet. Den aktuellen Kaufpreis kannst Du jederzeit in Deinem Benutzerkonto überprüfen. Fairerweise muss man anmerken: Grover lebt natürlich vom Mietgeschäft, weswegen Dich die Kaufoption natürlich deutlich teurer kommt, als würdest Du das Gerät gleich im Laden kaufen. Generell gilt: Hast Du mit Deinen Mietzahlungen die UVP des Produkts erreicht und mietest das Gerät noch drei weitere Monate, gehört es Dir.

Was im Schadensfall wichtig ist

Nicht weniger wichtig ist bei teuren Smartphones, Kameras oder Drohnen die Frage nach der Haftung. Hier gilt grundsätzlich, dass bei einem Schaden die Reparaturkosten je zur Hälfte an Dich und Grover aufgeteilt werden – was natürlich nicht für Vorsatz und grob fahrlässige Handhabung gilt. Insbesondere bei Drohnen gibt es noch spezielle Versicherungen, die Du abschließen kannst und solltest, um auf Nummer sicher zu gehen. Schließlich können mit Drohnen im Handumdrehen erhebliche Schäden verursacht werden. Generell gilt: Einen Schaden solltest Du am besten umgehend melden, spätestens innerhalb von 14 Tagen. Reparaturen in Eigenregie sind nicht gestattet.

Fazit: Ein Konzept mit Zukunft

Persönlich hat mich das Konzept "Mieten statt kaufen" überzeugt, vor allem wegen der schier grenzenlosen Flexibilität. Natürlich muss man realistisch bleiben: Das Geschäftsmodell wird die klassischen Käufe nicht ersetzen, sondern allenfalls punktuell ergänzen und auch nur für eine ganz bestimmte Zielgruppe interessant sein. Dauerhaft kommt das Mieten immer teurer als das Kaufen. Daher lohnt sich der Dienst besonders für Personen, die die neueste Spielkonsole oder Drohne vielleicht für ein oder zwei Monate ausgiebig ausprobieren möchten. Auch wer anlässlich der WM 2018 die Spiele auf einem großen Fernseher genießen will, kann sich zu diesem Zweck ein passendes Gerät für diesen Zeitraum leihen. Ein genereller Trend dürfte, anders als bei Streamingdiensten, aber nicht zu erwarten sein.

Infografik: Mieten ist die Zukunft

grover-info
Infografik: Mieten statt kaufen.
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