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Mobile Payment: Alles zu Anbietern, Funktionsweise, Sicherheit & Co.

Mobile Payment erfreut sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit.
Mobile Payment erfreut sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit.

Mobile Payment in Deutschland – längst kein Standard, aber weiter auf dem Vormarsch. Doch welche Anbieter gibt es, wie funktioniert das mobile Bezahlen per Smartphone und vor allem: Wie steht es um die Sicherheit? Unser großer Leitfaden hat die Antworten.

Google Pay und Apple Pay haben mobiles Bezahlen noch stärker in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt – doch Mobile Payment gibt es schon viel länger, selbst in Deutschland. Was steckt eigentlich hinter dem Begriff? "Mobile Payment" meint eine elektronische Zahlung, die mit einem mobilen Endgerät abgewickelt wird, etwa einem Smartphone. Lange Zeit diente das System vor allem für die Begleichung eher kleinerer Beträge bis etwa fünf Euro, was sich mittlerweile geändert hat.

Die Geschichte des Mobile Payment

Überlegungen zu Mobile Payment gibt es schon länger, als man vielleicht auf den ersten Blick vermuten würde – und sogar schon weit vor dem ersten iPhone 2007. Bereits Mitte der 90er-Jahre spielte die Branche mit dem Gedanken, das Handy als mobile Bezahlvariante zu etablieren – schließlich waren Verbreitung und Kompaktheit der Geräte schon damals schlagkräftige Argumente für diesen Schritt.

Etwas ältere Leser mögen sich erinnern: Mit sogenannten Premium-SMS wurde schon in den 90ern der Grundstein für das spätere Mobile Payment gelegt. Statt Beträge zu überweisen oder per Kreditkarte zu bezahlen, genügte schlicht das Schreiben einer SMS. So ließen sich etwa Klingeltöne oder Bilder über das Handy kaufen – eine Methode, die es übrigens auch heute noch gibt, wenngleich diese Zahlungsvariante nur Mobilfunk-nahen Dienstleistungen zur Verfügung steht.

Erste zaghafte Mobile-Payment-Versuche ließen noch etwas auf sich warten: 2003/2004 war es endlich soweit. Pioniere waren öffentliche Verkehrsunternehmen in Bonn, Köln und Osnabrück. Das sogenannte "Mobile Ticketing" wurde 2004 schließlich in die Mobile Wallet des Mobilfunkbetreibers T-Mobile integriert und auf den Namen "Teltix" getauft. Größere Bedeutung erlangte Mobile Payment aber erst einige Jahre später mit der Einführung des Smartphones. Obwohl es schon vor 2007 Smartphones gab, gilt der Launch des ersten iPhones gemeinhin als Anbruch einer neuen Epoche.

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Mobile Payment nimmt auch in Deutschland langsam Fahrt auf.

Wie funktioniert Mobile Payment?

Was ist NFC?
"NFC" steht für "Near Field Communication" und beschreibt eine kontaktlose Übertragungstechnik, die nur über kurze Distanzen möglich ist. Damit der Austausch zwischen Endgerät und Verkaufsstelle funktioniert, müssen beide Geräte NFC-fähig sein. Verkaufsterminals, die diese Technik unterstützen, verfügen stets über ein gut sichtbares NFC-Logo.

Im Regelfall funktioniert das mobile Bezahlen über die sogenannte NFC-Schnittstelle, die in den meisten Smartphones Standard ist. Apple etwa verbaut einen solchen Chipsatz bereits seit dem iPhone 6 aus dem Jahr 2014 – wenngleich die Schnittstelle für Drittanbieter nicht zur Verfügung steht und ausschließlich für Apples hauseigenes Bezahlsystem dient.

Die eigentliche Transaktion dauert nur wenige Sekunden. Der Betrag wird, je nach Anbieter, meist per Lastschrift oder Kreditkarte bezahlt, mitunter auch aus einem Guthaben, das zuvor aufgeladen wurde.

Neben der NFC-Variante spielt auch die Bezahlung per QR-Code eine größere Rolle. Die Einstiegshürden dafür sind noch geringer, ein entsprechender NFC-Chip ist nicht erforderlich. Stattdessen wird ein einmaliger QR-Code auf dem Smartphone generiert, der vom Terminal eingelesen wird. Schon wird der jeweilige Betrag gezahlt und das Geld vom Konto abgebucht.

Nachteil: Das System mit dem QR-Code ist nicht so flink wie sein NFC-Pendant, oftmals wird auch eine aktive Internetverbindung vorausgesetzt, was in stark abgeschirmten Geschäften nicht immer möglich ist. Einige Systeme dieser Art, etwa Payback Pay, funktionieren jedoch auch offline.

Mobile Payment hat allerdings, zumindest in Deutschland, mit einem Akzeptanzproblem zu kämpfen: Denn: Voraussetzung ist zumeist eine Kreditkarte. Laut einer Erhebung von Statista besaß 2017 jedoch nur etwa jeder dritte Bundesbürger eine Kreditkarte. Zum Vergleich: Die Debitkarte, also Girocard (ehemals EC-Karte), erreichte seinerzeit eine nahezu flächendeckende Verbreitung von 98 Prozent.

Viele Mobile-Payment-Dienste, etwa Apple, setzen jedoch eine Kreditkarte voraus. Bei der Sparkasse lässt sich immerhin auch die Girocard als Zahlungsvariante für die hauseigene Bezahl-App hinterlegen. Dennoch zeigen die Zahlen, dass ein Großteil der Deutschen Mobile Payment gar nicht nutzen kann.

Wer eine Kreditkarte besitzt, muss noch das passende System finden, das genau diese Karte akzeptiert. Google Pay kannst Du hingegen auch mit einem Paypal-Konto verknüpfen, womit Du für dieses Bezahlsystem keine Kreditkarte benötigst. Fällige Beträge werden stattdessen über ein bei Paypal hinterlegtes Bankkonto eingezogen. Für Apple gibt es diese Option bislang nicht.

Welche Anbieter gibt es?

Auf dem Markt tummeln sich zahlreiche Anbieter, von denen Google und Apple am bekanntesten sein dürften. Aber auch Geldhäuser wie die Sparkasse haben ein eigenes Mobile-Payment-System am Start, ebenso Anbieter wie Boon oder Seqr, bei denen es sich nicht um Banken handelt, sondern um Plattformen, die primär die Infrastruktur bereitstellen.

Die bekanntesten Anbieter für mobiles Bezahlen hierzulande sind wohl Google Pay und Apple Pay. Für das Bezahlsystem des Suchmaschinenriesen fiel der Startschuss im Sommer 2018, Apple folgte Ende des vergangenen Jahres.

"Mobile Payment steckt immer noch in den Kinderschuhen. Es fehlt an Aufklärung seitens des Einzelhandels und der Mobile-Payment-Anbieter. Deshalb hat sich diese Bezahlform in Deutschland noch nicht etabliert und im internationalen Vergleich sind wir auf den hinteren Plätzen."
Professor Dr. Andreas Hackethal, Wirtschaftswissenschaftler und Professor für Finanzen an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main

Aber auch Hersteller wie Samsung oder Huawei sind auf dem Markt mit eigenen Lösungen vertreten, wenngleich Huawei Pay in Deutschland noch nicht verfügbar ist.

Relevante Mobile-Payment-Dienste in Deutschland:

  • Apple Pay (nur Apple-Geräte)
  • Google Pay (nur Android)
  • Mobiles Bezahlen (Sparkasse, nur Android)
  • Payback Pay
  • Postbank Finanzassistent (nur Android)

International gibt es noch weitere bedeutende Mobile-Payment-Dienste, die in Deutschland aber (noch) nicht zur Verfügung stehen. Dabei handelt es sich um die chinesischen Anbieter Alipay (mehr als 600 Millionen Nutzer) und WeChat Pay (mehr als 806 Millionen Nutzer). Zahlreiche deutsche Dienste, etwa Vodafone Wallet oder Mpass, haben ihre Aktivitäten längst wieder eingestellt.

Apple Pay: Mobiles Bezahlen für iPhones

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Seit Ende 2018 ist Apple Pay in Deutschland verfügbar.

Apple feierte schon im Jahr 2014 seinen Release, zunächst nur in den USA. Mehr als vier Jahre sollte es schließlich dauern, bis Apples Bezahlsystem auch bei uns eingeführt wurde. Seit Ende 2018 können Apple-Kunden mit ihrem iPhone oder anderen kompatiblen Apple-Geräten bezahlen.

"Wir freuen uns, Apple Pay [...] nach Deutschland zu bringen, um eine einfachere, schnellere, sicherere und vertraulichere Bezahlmöglichkeit mit iPhone und Apple Watch zu bieten. Wir glauben, dass die Verbraucher die Schnelligkeit und den Komfort beim Verwenden von Apple Pay lieben werden."
Jennifer Bailey, Vice President of Internet Software and Services and Apple Pay von Apple

Hinterlegt wird die Kreditkarte einer unterstützten Bank in der Wallet-App. Geldhäuser wie N26, die Deutsche Bank oder die Hanseatic Bank sind mit Apple Pay kompatibel, die Chancen stehen gut, dass 2019 noch die Sparkassen dazustoßen werden. Die Authentifizierung während des Bezahlens erfolgt wahlweise per Code, Face ID oder Touch ID.

Empfehlenswerte iPhones für Apple Pay bei SATURN

Google Pay: Geht auch mit PayPal

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Für Google Pay fiel der Startschuss im Sommer 2018.

Google Pay ist hierzulande im Sommer 2018 an den Start gegangen und setzt lediglich ein NFC-fähiges Smartphones mit Android 5 oder neuer voraus. Ebenso brauchst Du ein unterstütztes Geldinstitut wie N26 oder die Deutsche Bank, um Googles mobile Bezahlmethode nutzen zu können.

Größter Vorteil gegenüber Apple Pay ist die Option auf Paypal als Zahlungsmittel, womit Google Pay auch von Personen genutzt werden kann, die keine Kreditkarte ihr Eigen nennen.

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Wie sicher ist Mobile Payment?

Auch wenn der ein oder andere Nutzer skeptisch sein mag: Mobile Payment gilt als vergleichsweise sicher. Es gilt jedoch, für den sicheren Einsatz ein paar Punkte zu beachten.

  • Nutze Mobile Payment nicht auf Geräten mit Jailbreak (iPhone) oder Root (Android).
  • Bei modifizierter Software besteht die Gefahr, dass Dritte sensible Zahlungsdaten abgreifen.
  • Achte auch darauf, die Software auf Deinem Smartphone stets aktuell zu halten, um möglichst keine Angriffsfläche zu bieten.
  • Installiere Mobile-Payment-Apps ausschließlich aus vertrauenswürdigen Quellen. Sprich: Google Play Store oder Apple App Store.
  • Schütze Dein Smartphone mit einem Sperrcode, Fingerabdruck oder per Face ID.
  • Für höchste Sicherheit: Aktiviere Bluetooth, WLAN und NFC nur, wenn es tatsächlich erforderlich ist.

Tatsächlich ist die Gefahr bei Verlust einer physischen Kreditkarte größer als bei Verlust des Smartphones. Denn: Nicht nur, dass die überwiegende Mehrheit ein verlorenes Handy umgehend bemerken dürfte – das Gerät ist in den meisten Fällen durch einen Code geschützt.

Die Übertragung zwischen Endgerät und Bezahlterminal erfolgt ebenso sicher und verschlüsselt, entweder über den im Smartphone verbauten Chip oder eine spezielle SIM-Karte. Während des Zahlungsvorgangs werden keine 1:1-Kreditkartendaten an den Händler übermittelt, sondern nur eine verschlüsselte Variante, die im Regelfall ausschließlich für einen bestimmten Vorgang erzeugt wird.

Apple verspricht Nutzern seines Bezahlsystems, niemals die Kreditkartennummer an Händler zu übermitteln. Stattdessen werden lediglich eine gerätespezifische Nummer und ein einzigartiger Code speziell für die aktuelle Transaktion generiert.

Ebenso erfolgt keine Speicherung der Daten auf Servern Apples oder auf dem iPhone, sondern ausschließlich in der speziell abgeschirmten Secure Enclave. Auch Transaktionsdaten, mit denen Einkäufe persönlich zugeordnet werden könnten, werden von Apple nicht erfasst.

Welche Geschäfte bieten Mobile Payment an?

Mit Systemen wie Google Pay oder Apple Pay kannst Du grundsätzlich an allen Terminals bezahlen, die über ein NFC-Logo verfügen. Derlei Terminals findest Du in großen Supermarktketten, an Tankstellen und auch in vielen Geschäften. Zwar bietet längst noch nicht jeder Händler NFC-Zahlungen an, doch die Akzeptanz nimmt ständig zu – ist bei Kreditkarten zumeist aber auf die in Deutschland weitverbreiteten Kreditkarten von Visa und Mastercard beschränkt. Bedeutet: Mit American Express , Diners Club und Co. sieht es eher schlecht aus.

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Terminals, die kontaktloses Zahlen ermöglichen, sind mit diesem Icon ausgestattet.

Häufig erkennst Du Akzeptanzstellen auch daran, dass sie offensiv mit den Logos der entsprechenden Mobile-Payment-Dienste werben – in diesem Fall bist Du auf der sicheren Seite. Selbst wenn Du mit Apple Pay bezahlen möchtest, aber kein entsprechendes Logo zu finden ist, kannst Du es trotzdem versuchen – in den meisten Fällen dürfte die Zahlung auch ohne explizite Nennung von Apple Pay und Co. durch das Geschäft funktionieren.

Zusammenfassung

  • Mobile Payment setzt ein kompatibles Smartphones voraus (meist mit NFC-Chip), eine das System unterstützende Bank und nicht zuletzt einen Shop, der mobiles Bezahlen akzeptiert.
  • Mobile-Payment-Systeme werden im Regelfall über die NFC-Schnittstelle des Smartphones und des Terminals abgewickelt, mitunter auch über einen QR-Code auf dem Smartphone, der von speziellen Lesegeräten gescannt wird.
  • Bekannte Anbieter von Mobile-Payment-Diensten sind in Deutschland die Sparkassen, Google Pay, Apple Pay oder auch Payback Pay.
  • Für sichere Nutzung: Smartphone-System stets aktuell halten und das Gerät weder rooten noch jailbreaken.
  • Mobile-Payment-Apps ausschließlich aus vertrauenswürdigen Quelle herunterladen, etwa den App Stores von Google und Apple.
  • Bei mobilen Zahlungen mit dem Smartphone werden dem Händler in der Regel keine konkreten Kreditkartendaten übermittelt, sondern nur eine verschlüsselte und für den Vorgang einmalige ID.
  • Mobile-Payment-Zahlungen sind im Regelfall in allen Geschäften möglich, die ein Terminal mit NFC-Logo besitzen.
  • Halte auch Ausschau nach den Logos bekannter Zahlungsdienste.
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