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NFC in Android nutzen: So funktionieren Android Beam und S Beam

Die NFC-Schnittstellen bei Android-Smartphones haben mehrere Funktionen.
Die NFC-Schnittstellen bei Android-Smartphones haben mehrere Funktionen. (©Thinkstock/iStockphoto/locknloadlabrador 2017)

Immer mehr Android-Smartphones verfügen über eine NFC-Schnittstelle und Protokolle wie Android Beam oder S Beam. Wir verraten Dir, was NFC eigentlich ist und wofür sich diese Funktion im Alltag verwenden lässt.

Near Field Communication, kurz NFC, gehört wohl zu den am meisten unterschätzen Features von modernen Android-Smartphones. Über die Schnittstelle lassen sich kleinere Datenmengen schnell und unkompliziert zwischen zwei Smartphones oder zwischen dem Smartphone und anderen Geräten austauschen.

Was ist NFC?

Im Prinzip funktioniert NFC ähnlich wie Bluetooth als drahtlose Datenübertragung. Anders als bei Bluetooth müssen die Geräte allerdings nicht gepairt werden, um untereinander Daten zu übertragen. Im Prinzip reicht es schon, zwei Geräte mit aktivierter NFC-Schnittstelle direkt nebeneinander zu halten, damit diese untereinander kommunizieren können. Die Übertragungsgeschwindigkeit ist mit 424 KByte/s allerdings deutlich geringer als bei Bluetooth, sodass sich nur kleine Datenmengen übertragen lassen.

Woran erkenne ich, ob ein Smartphone NFC hat?

Die meisten modernen Smartphones der Ober- und Mittelklasse haben einen NFC-Chip eingebaut, in günstigen Geräten fehlt dieser hingegen oft. Ob ein NFC-Chip vorhanden ist, lässt sich unter Android grundsätzlich in den Einstellungen feststellen. Dort sollte sich im Abschnitt "Drahtlos & Netzwerke" ein Slider zum Ein- und Ausschalten der NFC-Schnittstelle befinden. Fehlt dieser Eintrag, dann ist auch kein NFC-Chip vorhanden.

 Bei Sony befindet sich das NFC-Symbol direkt auf dem Smartphone. fullscreen
Bei Sony befindet sich das NFC-Symbol direkt auf dem Smartphone. (© 2016)

Natürlich stehen die Informationen zum NFC-Chip auch im Handbuch und teilweise auf der Verpackung des Smartphones. Bei aktuellen Sony-Geräten befindet sich sogar ein NFC-Symbol auf dem Gehäuse der Smartphones.

Wie wird NFC eingeschaltet?

Das Einschalten von der NFC-Schnittstelle am Smartphone ist kinderleicht. Dazu muss einfach der Slider unter "Einstellungen > Drahtlos & Netzwerke > Mehr..." aktiviert werden. Bei einigen Smartphones findet sich eine Schaltfläche zum Einschalten der Schnittstelle auch im Drop-Down-Menü für die Schnelleinstellungen. Weitere Konfigurationen müssen für die NFC-Schnittstelle nicht vorgenommen werden.

Android Beam, S Beam, Huawei Beam und Co.

Zusätzlich muss das zu NFC gehörende Übertragungsprotokoll auf dem Smartphone aktiviert werden. Standardmäßig nutzen Android-Geräte dafür das Protokoll Android Beam, das sich ebenfalls unter "Einstellungen > Drahtlos & Netzwerke > Mehr..." aktivieren lässt.

 Für NFC-Übertragungen wird ein Protokoll wie Android Beam benötigt. fullscreen
Für NFC-Übertragungen wird ein Protokoll wie Android Beam benötigt. (©Screenshot Google/ TURN ON 2017)

Einige Hersteller verwenden zusätzlich zu Android Beam auch eigene Protokolle, wie etwas S Beam (Samsung) oder Huawei Beam (Huawei). Die Funktionsweise ist jedoch identisch und in der Praxis spielt es für die allermeisten Anwendungen keine Rolle, ob die NFC-Schnittstelle nun Android Beam oder ein anderes Protokoll zur Übertragung verwendet. Einige spezifische Dienste können jedoch unter Umständen auf ein bestimmtes Protokoll ausgelegt sein.

 Daten lassen sich bei aktivierter NFC-Schnittstelle mit Android Beam teilen. fullscreen
Daten lassen sich bei aktivierter NFC-Schnittstelle mit Android Beam teilen. (©Screenshot Google/ NFC 2017)

Daten mit NFC übertragen

Das klassische Anwendungsbeispiel für NFC am Smartphone ist, wie schon gesagt, der Austausch von Daten. So lassen sich via NFC bestimmte Daten zwischen zwei Android-Smartphones austauschen, die sich über WhatsApp, Facebook und Co. nicht so einfach teilen lassen – zum Beispiel Kontaktdaten. Wer in seinem Adressbuch einen Kontakt mit einem Freund teilen möchte, kann dort oftmals die Option wählen, dies über Android Beam zu tun. Dann müssen einfach beide Smartphones mit aktivierter NFC-Schnittstelle kurz aneinander gehalten werden und schon findet der Austausch statt. Ein kurzes Vibrieren signalisiert, wenn der Kontakt übertragen wurde und der Empfänger kann diesen anschließend zu seinem Adressbuch hinzufügen.

Theoretisch lassen sich auf diese Weise natürlich auch andere Daten austauschen, unter anderem Dokumente, Bilder oder sogar Audio-Files. Das Funktionsprinzip ist immer das gleiche. Je nachdem wie groß die Datei ist, die übertragen wird, kann das allerdings einen Moment dauern. Das Teilen von Fotos wird beispielsweise über eine App wie Google Fotos oder WhatsApp immer schneller gehen.

Mit dem Smartphone bezahlen

NFC-Chips in Smartphones können auch verwendet werden, um mit dem Smartphone an der Supermarktkasse zu bezahlen. Dienste wie Apple Pay, Android Pay oder Samsung Pay funktionieren beispielsweise alle auf diese Art und Weise, sind jedoch in Deutschland allesamt noch nicht verfügbar. Immerhin gibt es auch hierzulande schon die ein oder andere Alternative. So bietet zum Beispiel Vodafone einen eigenen Dienst namens SmartPass an, mit dem sich das Smartphone zum bargeldlosen Bezahlen an der Kasse nutzen lässt. Dazu wird allerdings eine spezielle SIM-Karte des Netzbetreibers benötigt.

 NFC unterstützt bargeldloses Bezahlen. fullscreen
NFC unterstützt bargeldloses Bezahlen. (©Thinkstock/iStockphoto/Davizro 2017)

Eine providerübergreifende Alternative bietet etwa die App Boon. Diese funktioniert wie eine virtuelle MasterCard auf dem Smartphone und kann laut Anbieter mit so gut wie jedem Android-Smartphone mit NFC-Chip verwendet werden. Da es sich bei der App de facto um eine Kreditkarte in digitaler Form handelt, muss diese natürlich für den Zahlungsausgleich an ein Girokonto geknüpft werden und das Ganze ist an verschiedene vertragliche Konditionen geknüpft, über die sich interessierte Smartphone-Besitzer auf der Website des Anbieters informieren können.

NFC-Tags programmieren und nutzen

Auch das Programmieren und Nutzen von NFC-Tags gehört zu den Dingen, die sich mit einem Smartphone mit NFC-Schnittstelle durchführen lassen. NFC-Tags sind kleine programmierbare Speicherchips, die vom Smartphone aus mit verschiedenen Befehlen beschrieben werden können. Diese sind bereits für wenige Euro im Handel erhältlich.

 Mit NFC-Tags lassen sich viele Funktionen auf dem Smartphone automatisieren. fullscreen
Mit NFC-Tags lassen sich viele Funktionen auf dem Smartphone automatisieren. (©TURN ON 2016)

Die so programmierten Tags können die Befehle dann an das Smartphone zurücksenden und so automatisch verschiedene Apps starten, Einstellungen verändern oder Daten übertragen. Ein beliebtes Anwendungsbeispiel ist zum Beispiel ein Tag, der automatisch die WLAN-Schnittstelle des Handys aktiviert, wenn der Besitzer nach Hause kommt. Einfach den NFC-Tag im Eingangsbereich der Wohnung platzieren, das Smartphone mit aktivierter NFC-Schnittstelle kurz daran halten und schon wählt sich das Gerät automatisch ins heimische WLAN-Netz ein.

Wie genau sich solche NFC-Tags programmieren lassen und was sich damit alles anstellen lässt, haben wir in einem separaten Artikel samt Video für Dich zusammengestellt.

Zusammenfassung

  1. NFC ist ein drahtloses Verfahren zur unmittelbaren Datenübertragung, das anders als Bluetooth ohne Pairing funktioniert
  2. Viele Android-Smartphones der Ober- und Mittelklasse verfügen über einen NFC-Chip
  3. Per NFC lassen sich zwischen zwei Smartphones im Handumdrehen alle Arten von Daten austauschen
  4. Auch das bargeldlose Bezahlen via Smartphone funktioniert via NFC
  5. Eine weitere Möglichkeit ist das Programmieren von sogenannten NFC-Tags, um verschiedene Funktionen auf dem Smartphone zu automatisieren

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