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NFC: Was ist das und was kann ich damit machen?

Insbesondere mobile Zahlsysteme setzen auf NFC.
Insbesondere mobile Zahlsysteme setzen auf NFC. (©picture alliance/chromorange 2015)

Der Technik-Dschungel steckt voller kryptischer Abkürzungen. Eine davon ist NFC. Das steht für "Near Field Communication" und ist in immer mehr Smartphones zu finden. Was es mit der Funktechnik für kurze Distanzen auf sich hat, verraten wir Dir.

NFC als Alternative zu WLAN und Bluetooth

Bei drahtloser Kommunikation denken alle zuerst an WLAN oder Bluetooth. Doch mit NFC steht ein neuer Standard bereit, der verspricht, vieles noch besser zu machen. Denn WLAN benötigt immer eine aktive Vermittlungsstelle wie etwa einen WLAN-Router, und das Koppeln zweier Geräte via Bluetooth gestaltet sich häufig äußerst fummelig. Geht es einfach nur darum, Daten wie Kontakte, Bilder oder Zahlungsinformationen direkt zwischen zwei Geräten auszutauschen, betritt NFC die Bühne. Die seit 2002 ursprünglich von Sony und Philips vorangetriebene Funktechnik überträgt Daten mit bis zu 424 Kilobit über eine Distanz von bis zu zehn Zentimetern.

Datenübertragung mit NFC: Technischer Hintergrund

Im Kern ist NFC allerdings keine Neuerfindung, denn der neue Standard orientiert sich in weiten Teilen an der deutlich älteren RFID-Technik, die beispielsweise zum Auslesen von gespeicherten Daten in aktuellen Reisepässen und Personalausweisen zu finden ist. Doch im Gegensatz zu einem RFID-System ist NFC darauf ausgelegt, dass auch zwei Teilnehmer senden (aktiver Modus) und empfangen (passiver Modus) können. Auch beim Thema Sicherheit punktet NFC: Während RFID-Chips sich noch aus über einem Meter Entfernung auslesen lassen, dürfen NFC-fähige Geräte nur wenige Zentimeter voneinander getrennt sein. Das ungewollte Ausspionieren wird somit deutlich erschwert.

Bargeldlos zahlen: Durchbruch für NFC

Diesen Vorteil haben Zahlungsanbieter, Gerätehersteller und Mobilfunkanbieter schon früh erkannt und setzen daher bei der bargeldlosen Zahlungsabwicklung auf die neue Technik. Um das Smartphone in eine virtuelle Geldbörse zu verwandeln, genügt auf Nutzerseite ein NFC-Chip und etwas Software. Die Kasse übermittelt den zu zahlenden Betrag via NFC an das Smartphone, wo die angezeigte Transaktion mit nur einem Klick bestätigt werden kann. Der Zahlungsanbieter regelt anschließend im Hintergrund alles Weitere. Soweit zumindest die Theorie. In der Praxis fehlt es hierzulande immer noch an Anbietern, die die Technik im großen Stil unterstützen. Bislang gibt es nur eine Handvoll Lösungen wie etwa mpass, bei denen man seine Einkäufe nur bei ausgewählten Geschäften per Handy zahlen kann.

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Das bargeldlose Bezahlen zählt zu den möglichen Einsatzgebieten von NFC. (©CC: Flickr/Karlis Dambrans 2015)

Apple ergreift die Initiative

Mit Apple Pay ist jetzt allerdings das IT-Schwergewicht aus Cupertino in den Markt eingestiegen und bietet das Zahlen via iPhone seit Oktober 2014 in den USA an. Branchenexperten zufolge ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Konkurrenz nachzieht und der mobilen Bezahltechnik zum endgültigen Durchbruch verhilft. Dass zumindest Samsung an einem vergleichbaren Dienst arbeitet, scheint so gut wie sicher. Die technischen Voraussetzungen sind bereits gegeben. Denn von Android über iOS bis Windows unterstützen mittlerweile auch alle relevanten Betriebssysteme die Technik. Und Chip-Hersteller wie Qualcomm verbauen die NFC-Technik gleich in ihre Prozessoren. Dem endgültigen Durchbruch des Funkstandards steht von Kundenseite somit nichts mehr im Wege.

NFC abseits von Payment-Lösungen

Aber auch wenn es nicht darum geht, den Einkauf mit dem Handy zu zahlen, lässt sich NFC sinnvoll nutzen. So setzen heute bereits etliche Hersteller und Anbieter abseits des bargeldlosen Zahlungssystems auf die moderne Funktechnik. Aufgrund der geringen Übertragungsrate ist die NFC-Technik aber beispielsweise nicht zum Streamen geeignet. Ihre Vorteile spielt die Technik hingegen dann aus, wenn es darum geht, Identifikations- oder technische Daten auszutauschen. Leider kochen aber auch in diesem Bereich alle Anbieter noch ihr eigenes Süppchen. Sprich, es existieren unzählige Einzellösungen, die zwar auf NFC aufbauen, untereinander aber nicht kompatibel sind. Ein Grund, weswegen viele der durchaus praktischen Lösungen ein Nischendasein fristen, für die sich höchstens Bastler und Geeks begeistern lassen.

Einfache Datenübertragung via NFC

Aufgrund der geringen Bandbreite übernimmt die NFC-Technik in vielen Anwendungsfällen nur die Starthilfe. So lassen sich mit "Android Beam" von Google oder "S Beam" von Samsung etwa Kontaktdaten, Musik oder Bilder zwischen zwei NFC-fähigen Smartphones tauschen. Der reine Datenaustausch erfolgt dann via Bluetooth (Google) oder einer direkten WIFI-Verbindung (Samsung). Dank NFC entfällt allerdings das umständliche Verbinden beider Geräte. So genügt es, die gewünschten Daten auszuwählen und die Handys nah genug zusammenzubringen – los geht’s. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren Bluetooth-Geräte mit NFC-Unterstützung. So erübrigt sich beispielsweise bei Bluetooth-Kopfhörern wie dem Urbanite XL Wireless von Sennheiser das umständliche Koppeln mit dem Smartphone: Dank NFC kommunizieren beide Geräte einfach durch das Aneinanderhalten.

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NFC ermöglicht das einfache Koppeln von Geräten. (©CC: Flickr/Vernon Chan 2015)

NFC-Tags: Datencontainer bereichern den Alltag

Ähnlich wie bei RFID-Chips bietet auch NFC die Möglichkeit, Datencontainer mit Informationen zu hinterlegen, die sich mit NFC-fähigen Endgeräten auslesen lassen. Derartige Lösungen kommen beispielsweise an Messeständen, beim Einkaufen oder an interessanten Orten zum Einsatz. Bewegt man das Handy in die Nähe des NFC-Tags, lassen sich so einfach und schnell zusätzliche Informationen zu Produkten, aktuellen Angeboten oder etwa Sehenswürdigkeiten auf das Smartphone übertragen. Dank frei programmierbarer NFC-Tags ist aber noch viel mehr möglich.

NFC-Tipps für Bastler

Platziert man einen der hauchdünnen Tags mit der gewünschten Weckzeit versehen am Nachttisch, lässt sich die Alarmfunktion des Smartphones beim ins Bettgehen automatisch aktivieren und bei Bedarf das Handy in den Flugzeugmodus versetzen. Mit entsprechend präparierten NFC-Tags funktioniert das gleiche auch im Auto: Um beim Einsteigen Bluetooth zu aktivieren, WLAN auszuschalten und die Navi-App automatisch starten zu lassen, genügt es, das Smartphone kurz an den Tag zu halten. Ein NFC-Tag auf dem heimischen Router ermöglicht Gästen den einfachen Zugang zum verschlüsselten WLAN. Den Möglichkeiten sind hier kaum Grenzen gesetzt, insbesondere wenn man das Ganze noch mit Online-Diensten wie If This Then That kombiniert. Bereits für wenige Euros ermöglichen NFC-Starter-Kits den Einstieg in die NFC-Welt für kreative Bastler.

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NFC-Tags – insbesondere frei programmierbare – können durchaus praktisch sein. (©CC: Flickr/Karlis Dambrans 2015)

eTicket: Papierloser Zugang

Darüber hinaus schickt sich die NFC-Technik an, Schlüssel, Eintrittskarten oder Fahrscheine überflüssig zu machen. Als virtueller Berechtigungsnachweis genügt fortan das Smartphone oder die NFC-fähige Smartwatch. So haben neben dem Hilton bereits eine Reihe weiterer Hotels angekündigt, statt auf eine Schlüsselkarte auf NFC-Geräte setzen zu wollen. Den papierlosen Fahrschein haben Bahn und Verkehrsverbünde zwar schon lange im Angebot, dank NFC-Technik lässt sich das Angebot aber smarter nutzen. Die Deutsche Bahn bündelt ihre Bemühungen unter dem Touch&Travel-Programm. Bahnfahrer müssen sich bei dem Dienst lediglich registrieren und die entsprechende App für iOS oder für Android auf ihrem Smartphone installieren. Vor dem Fahrtantritt genügt es, das NFC-fähige Smartphone an den auf vielen Bahnsteigen befindlichen NFC-Tag (Touchpoint) zu halten, um den Fahrtantritt anzumelden. Beim Erreichen der Zielhaltestelle wird das Fahrtende auf gleiche Weise dem System bekannt gegeben.

Smarter Reisen dank NFC

Praktisch: Die App greift während der Fahrt auf die gesammelten Bewegungsdaten des Handys zu. So weiß das System, welche Strecke mit welchem Verkehrsmittel zurückgelegt wurde und berechnet anhand der Daten den passenden Tarif. Am Monatsende folgt dann die Rechnung. Das erweist sich besonders bei der Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in fremden Städten als hilfreich, denn so muss sich der Kunde keine Gedanken über den richtigen Tarif machen. Von Anfang an ist der Rhein-Main-Verkehrsverbund an Bord und nahezu vollständig integriert. Wer zukünftig einfach einsteigen will, findet auf einem gesonderten Merkblatt alle Strecken und Verkehrsbetriebe, die das Verfahren derzeit schon unterstützen.

Zusammenfassung

  1. NFC steht für "Near Field Communication" (Nahfeldkommunikation) und beschreibt eine aktuelle Funktechnik für kurze Distanzen
  2. Die NFC-Technik arbeitet ähnlich wie RFID mit Funkwellen, um Daten zwischen zwei NFC-fähigen Geräten auszutauschen
  3. Aufgrund seiner Eigenschaften ist die NFC-Technik prädestiniert für den Einsatz in mobilen Geräten wie Smartphones
  4. NFC eignet sich für bargeldloses Zahlen mit dem Handy, als elektronische Eintrittskarte, Fahrausweis oder Schlüsselersatz sowie für den schnellen Datenaustausch
  5. Dank frei programmierbarer NFC-Tags lassen sich Smartphone und Co. einfach steuern
  6. Trotz des hohen Verbreitungsgrades der NFC-Technik in aktuellen Smartphones fristet der moderne Funkstandard derzeit noch ein Nischendasein
  7. Schuld daran sind auch die Anbieter verschiedener Dienste, die sich nicht auf gemeinsame Standards einigen können
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