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Night Shift in iOS 9.3: Was bringt der Nachtmodus wirklich?

Sorgt Night Shift wirklich für einen besseren Schlaf?
Sorgt Night Shift wirklich für einen besseren Schlaf? (©Twitter/MacRumors 2016)

Mit iOS 9.3 hat Apple seinen iPhones und Tablets das Feature Night Shift spendiert. Doch sorgt der Nachtmodus mit seinem Blaulichtfilter wirklich für einen besseren Schlaf? Wir klären, was Experten von Night Shift halten – und was die bessere Alternative ist.

Night Shift ist da, doch hat der Nachtmodus wirklich positive Effekte im Alltag? Das wollte The Verge genauer wissen und hat dazu auch Meinungen von Experten zusammengetragen. Die Wirkungsweise des Night Shift-Modus ist schnell erklärt: Da das blaue Licht des Smartphone-Displays bei Dunkelheit als störend empfunden wird, reduziert das System mithilfe eines Blaulichtfilters eben diesen Farbanteil – und wechselt automatisch hin zum wärmeren Farbspektrum. Zu den genauen Spezifikationen äußert sich Apple wie üblich nicht, dafür melden sich anerkannte Experten auf diesem Gebiet.

1. Blaues Licht unterdrückt das Schlaf fördernde Melatonin

Der menschliche Körper reagiert auf blaues Licht besonders stark. Das Hormon Melatonin wird durch das blaue Licht jedoch unterdrückt. Dabei werden Melatonin viele positive Effekte zugeschrieben – unter anderem eben eine Schlaf fördernde Wirkung. Der Schlafmedizin-Experte Raj Dasgupta von der University of Southern California weiß: "Jede Lichtquelle hat den Effekt, das Melatonin zu unterdrücken. Aber die Stärkste ist blaues Licht", so der Professor. Doch blaues Licht für Schlafstörungen allein verantwortlich zu machen, greife zu kurz. Vielmehr können sämtliche aufputschende Aktivitäten wach halten, gibt Dasgupta zu bedenken.

2. Night Shift sorgt dank Blaulichtfilter für entspanntere Augen

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Night Shift soll den Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützen. (©Apple 2016)

Das hauptsächliche Ziel des Night Shift-Modus ist es, für einen Ausgleich der sogenannten Circadianen Rhythmik zu sorgen – der bekannteste Vertreter ist der Schlaf-Wach-Rhythmus. Wird das blaue Licht reduziert, könne dies mögliche Kopfschmerzen reduzieren, meint Andy Morgenstern, der Vorsitzende des neuen Technologieausschusses der American Optometric Association. Auch sei der Blaulichtfilter bei trockenen Augen oder einem verschwommenen Sehen hilfreich. Wenn Du den Nachtmodus nutzt, fühlen sich Deine Augen einfach entspannter, weiß Morgenstern. Zumindest in dieser Hinsicht habe das neue iOS 9.3-Feature schon einmal einen positiven Effekt.

3. Genaue Spezifikationen von Night Shift völlig unklar

Geoffrey Goodfellow von der Illinois College of Optometry weist daraufhin, dass viele Dinge bezüglich des blauen Lichts unklar sind. So wisse niemand so genau, welche Lichtwellenlängen wirklich von den Smartphones gesendet werden. Beim Kauf eines neuen Geräts erhältst Du zwar einen klaren und hellen Bildschirm. "Blaues Licht ist nicht geregelt", merkt Goodfellow an. Zudem könne der Nachtmodus in den Einstellungen nach Belieben justiert werden, weswegen nicht klar sei, was der optimale Level für die bestmöglichste Wirkung sei. Keiner weiß, ob der User von dem Modus noch profitiere, wenn die niedrigste Einstellung gewählt wurde.

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Das Farbspektrum kann zwar angepasst werden, der positive Effekt bleibt aber unklar. (©Screenshot TURN ON 2016)

Morgenstern verweist darauf, man solle sich einmal vorstellen, seine Medizin nach eigenen Wünschen zu rationieren. Deswegen wüsste er gern, welche Einstellung für eine positive Wirkung mindestens selektiert sein muss. Morgenstern selbst hat seinen Zeitplan für Night Shift in Abhängigkeit der Sonne gewählt – ohne zu wissen, welche Einstellungen letztendlich greifen. Von Apple selbst ist hier allerdings wenig Aufklärung zu erwarten: Wie üblich äußert sich das US-Unternehmen weder zu einer empfohlenen Einstellung noch zu den Wellenlängen, die das iOS-Gerät emittiere. Wer dank Night Shift auf einen besseren Schlaf hofft, wird zumindest über die genaue Wirkungsweise im Unklaren gelassen.

4. Blaues Licht ist nicht allein für schlechten Schlaf verantwortlich

Doch einig sind sich die Experten vor allem in einem Punkt: Dass die Augen vieler Menschen überanstrengt sind, lässt sich nicht nur dem blauen Licht zuordnen. Vielmehr sei es generell störend, zu lange und zu nah ein Objekt auf einem Bildschirm zu verfolgen. Dabei werden Deine Augen nicht nur bei elektronischen Displays über Gebühr beansprucht, sondern auch bei klassischen Büchern und vielem mehr. Die Augen seien schlicht nicht dafür geeignet, Stunden um Stunden etwas anzustarren, bringt Goodfellow es auf den Punkt.

Am Ende kommen alle drei Experten zu einer verhaltenen Bewertung des Night Shift-Modus. Dass das blaue Licht reduziert werde, sei nicht zwingend mit einem besseren und geruhsameren Schlaf gleichzusetzen. Auch Nebenwirkungen überanstrengter Augen, wie beispielsweise Kopfschmerzen, werden dadurch nicht gelindert. Der beste Rat sei schließlich ein altbekannter Tipp: Wer nachts besser schlafen möchte, sollte darauf verzichten, sein Smartphone kurz vor dem Einschlafen noch zu nutzen. Der Nachtmodus von Apple mag zwar etwas helfen, doch eine Wunderlösung für einen besseren Schlaf ist er nicht.

Zusammenfassung

  1. Das blaue Licht des Geräts unterdrückt das Schlaf fördernde Hormon Melatonin
  2. Night Shift reduziert mit einem Filter den Anteil des blauen Lichts
  3. Das Feature kann somit mitunter etwas zur Entspannung der Augen beitragen
  4. Genaue Wirkungsweise von Night Shift ebenso unklar wie die optimale Einstellung
  5. Blaulichtfilter des Nachtmodus ist kein Allheilmittel
  6. Für einen entspannten Schlaf sind viele andere Faktoren ausschlaggebend
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