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Open-Source-Software: Was ist das eigentlich?

Open-Source-Software wie der Firefox-Browser ist weit verbreitet.
Open-Source-Software wie der Firefox-Browser ist weit verbreitet. (©Mozilla 2017)

Open-Source-Software verspricht kostenlose Pogramme und Apps, ganz ohne Haken. Doch was bedeutet Open Source eigentlich und welche Nachteile hat das Ganze?

Ohne Software ist selbst die beste Hardware nutzlos. Doch gute Software kostet oftmals viel Geld und ist an enge Lizenzen gekoppelt – oder auch nicht. Denn einige der besten Programme, die es zum Arbeiten an PC, Smartphone oder Tablet gibt, sind Open Source und damit in den meisten Fällen auch kostenlos zu haben. Doch was bedeutet Open Source eigentlich und welche Programme, Apps und Anwendungen verdienen dieses Label überhaupt?

Was ist Open Source?

Open Source bedeutet ins Deutsche übersetzt so viel wie "quelloffen" und steht deshalb für Software, deren Quelltext offen einsehbar ist. Jede Person, die etwas vom Programmieren versteht, kann sich also im Detail ansehen, wie der Code eines Open-Source-Programmes aufgebaut ist und sich von diesem entweder inspirieren lassen oder ihn direkt für eigene Zwecke verwenden. Programmierer, ganz gleich ob professionell oder nur hobbymäßig, können diesen Code also verwenden, um damit eigene Anwendungen umzusetzen.

Hinter Open-Source-Software steht deshalb in der Regel kein großer Konzern mit einer Geschäftsabsicht. Die Software wird vielmehr häufig von Einzelpersonen, von gemeinnützigen Organisationen oder von unabhängigen Entwickler-Communities gepflegt und aktuell gehalten. Weil so im Prinzip viele Personen mit dem Code arbeiten und ihn weiterentwickeln können, werden Open-Source-Programme häufig besonders schnell weiterentwickelt und gelten als besonders sicher in Bezug auf Schadsoftware.

Und das Beste: Weil hinter Open-Source-Software meistens kein Geschäftsmodell steckt, sind solche Programme in der Regel dauerhaft kostenlos erhältlich und nutzbar. Hier gibt es also tatsächlich keinerlei Haken, denn die Grundidee hinter Open-Source-Software ist eben, dass Software kostenlos für jeden Nutzer zugänglich sein sollte.

Gibt es auch Nachteile von Open-Source-Software?

Der wohl größte Nachteil von Open-Source-Programmen ist eng mit ihrem größten Vorteil verknüpft: Da hinter der Entwicklung kein Unternehmen mit der Absicht auf Profit steht, sondern vielmehr gemeinnützige Arbeit steckt, kann es vorkommen, das manche Entwickler-Communities mit der Zeit "einschlafen" und ihre Programme nicht mehr weiterentwickeln. Die Nutzer müssen sich in so einem Fall dann nach Ersatz umschauen – oder damit leben, dass aufkommende Sicherheitslücken nicht mehr geflickt werden.

Die bekanntesten und besten Open-Source-Programme

Die Grundidee hinter Open-Source-Software ist meist, dass Software etwas ist, das für unseren modernen Lebensstil fast unverzichtbar ist. Ähnlich wie das Papier auf dem wir schreiben, sollte das Schreibprogramm daher etwas sein, auf das jede Person freien Zugriff hat. Und ähnlich wie Straßen und Parkplätze zur öffentlichen Infrastruktur gehören, sollte dies auch für E-Mail-Programme und Webbrowser gelten. Die Bandbreite von Open-Source-Software umfasst deshalb praktisch das gesamte Spektrum.

1. Linux: Das Open-Source-Betriebssystem

Ubuntu ist eine der beliebtesten Linux-Versionen. (© 2017 Canonical)

Linux steht als Oberbegriff für Betriebssysteme, die um den sogenannten Linux-Kernel herum programmiert sind. Der Kernel selbst ist quelloffen und wird von einem gemeinnützigen Konsortium weiterentwickelt. Um diesen Kernel herum haben sich im Laufe der Jahre ein Vielzahl von Linux-basierten Betriebssystemen entwickelt. Für PC-Nutzer sind dabei vor allem Ubuntu und Mint interessant, die auf modernen Computern auch Windows oder MacOS ersetzen können.

2. Firefox: Ein quelloffener Webbrowser

Firefox ist der bekannteste Open-Source-Browser. (© 2016 Mozilla)

Der beliebte Webbrowser Firefox ist ebenfalls ein Open-Source-Programm. Dieser wird offiziell von der Mozilla Foundation weiterentwickelt und bietet Nutzern die Möglichkeit zur Erweiterung durch sogenannte Add-ons. Technisch unterscheidet sich Firefox kaum von Browsern wie Chrome, Safari oder Edge. Allerdings ist dieser Browser unabhängig von Unternehmen und ihren Geschäftsmodellen.

3. Thunderbird: Der offene Mail-Client

Thunderbird ist ein beliebter Mail-Client. (© 2017 Screenshot Mozilla/ TURN ON)

Ebenso wie Firefox wird auch Thunderbird von der Mozilla Foundation entwickelt. Der Mail-Client dient Nutzern als lokales Postfach für E-Mails, wird aber anders als Outlook oder Gmail nicht von Microsoft beziehungsweise Google betrieben und ist damit nicht an die Geschäftsmodelle dieser Unternehmen gekoppelt.

4. VLC Player: Der ultimative Mediaplayer

Der VLC-Player ist am unverkennbaren Kegel-Logo zu erkennen. (© 2017 Video LAN Organization)

Der VLC-Player ist ein Open-Source-Videoplayer und die erste Wahl für jeden, der irgendeine Form von Video- oder Audiodatei auf seinem Rechner, Smartphone oder seiner Spielekonsole abspielen möchte. Der Player fordert vom Nutzer keine Gebühren für das Abspielen bestimmter Formate, sondern bietet maximale Kompatibilität zu fast allen Formaten.

5. Open Office und Libre Office: Kostenlose Büro-Software

Open Office und Libre Office bieten kostenlose Bürosoftware. (© 2017 Apache Software Foundation / The Document Foundation)

Wer am PC Texte und Präsentationen erstellen möchte und trotzdem nicht auf das teure Office-Paket von Microsoft zurückgreifen will, der findet in Open Office und Libre Office gleich zwei kostenlose Alternativen, die jeweils mit einem ziemlich großen Funktionsumfang aufwarten können. Beide Programme haben wir in Bezug auf Features und Nutzbarkeit verglichen.

6. Kodi: Das kostenlose Mediacenter

Kodi ist ein kostenloses Mediacenter mit gigantischem Funktionsumfang. (© 2017 Facebook/Kodi)

Kodi geht sogar noch weiter als der VLC-Player und spielt neben sämtlichen Dateiformaten auch Video- und Audio-Files ab, die per Internet gestreamt werden. Das gilt sowohl für das Heimnetzwerk, als auch für so ziemlich jeden Online-Stream. Es gibt fast keinen Video- und Audio-Content, den Kodi nicht abspielen kann.

7. VeraCrypt zum Verschlüsseln von Daten

VeraCrypt hilft beim Verschlüsseln von Laufwerken. (© 2016 Screenshot VeraCrypt/ TURN ON)

Wer Daten auf einer lokalen Festplatte verschlüsseln möchte, findet wohl kaum ein geeigneteres Programm als VeraCrypt. Der Nachfolger von TrueCrypt ist nicht nur kostenlos, sondern gilt auch als besonders zuverlässig und sicher.

8. 7-Zip: Packen und Entpacken nach Lust und Laune

7-Zip verpackt und entpackt Daten. (© 2018 7-Zip)

7-Zip hat sich im Laufe der Jahre zum wohl beliebtesten Tool entwickelt, um Daten zum schnelleren Teilen über das Internet zu packen und zu entpacken. Neben ZIP und RAR werden viele weitere Formate zum Komprimieren von Daten unterstützt.

Ist Android auch Open Source?

Genau genommen ist auch Android eine Version von Linux und damit ein Open-Source-Betriebssystem. Tatsächlich ist der Quellcode von Android auch offen einsehbar und kann von Entwicklern beliebig weiterentwickelt und angepasst werden. Aus diesem Grund gibt es eine ganze Reihe von Android-Versionen wie etwa Samsung Experience oder EMUI von Huawei. Diese vom Hersteller entwickelten Benutzeroberflächen sind aber ihrerseits oft nicht mehr Open Source.

Eigentlich offen, aber nicht so ganz: Android ist im Grunde auch Open Source. (© 2016 flickr/ John Voo)

Auch die Google-Play-Dienste von Google sind keine Open-Source-Software. Sie sind jedoch Teil der meisten Android-Versionen und werden unter anderem dann benötigt, wenn der Google Play Store auf einem Gerät laufen soll. Technisch gesehen ist es auch möglich, Android komplett ohne die Google-Play-Dienste zu verwenden. Dann müssen Nutzer allerdings auf andere App-Stores oder auf die manuelle Installation von Apps zurückgreifen. Durch die Integration der Google-Play-Dienste und der Hersteller-eigenen Nutzeroberflächen wird der Open-Source-Charakter von Android also ein Stück weit verwässert.

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