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PC beschleunigen per SSD: 7 Fragen zur Turbo-Festplatte

Wer eine SSD einbaut, kann selbst ältere Notebooks erheblich beschleunigen.
Wer eine SSD einbaut, kann selbst ältere Notebooks erheblich beschleunigen. (©picture alliance / dpa Themendienst 2015)

Wer seinen antiken und fußlahmen Desktop-PC beschleunigen oder dem Notebook mal richtig Beine machen will, hat dazu die absolute Turbo-Möglichkeit – was auch nicht teuer oder besonders kompliziert ist: Einfach eine SSD einbauen und das Betriebssystem darauf installieren.

Von der Bedienung her gibt’s bei SSD-Platten kaum Unterschiede zu normalen Festplatten – allerdings ist deren Haltbarkeit etwas besser. Aber wenn man etwa aufs Defragmentieren verzichtet, sind auch SSD-Platten schon sehr langlebig. Und der massive Tempogewinn entschädigt auch für eine möglicherweise geringere Lebensdauer.

1. Wie groß ist der Tempogewinn durch eine SSD?

Sehr groß! In umfangreichen Tests hat sich herausgestellt, dass eine normale SSD-Platte teilweise mehr als doppelt so schnell sein kann wie die schnellste auf dem Markt verfügbare normale Festplatte. Der Tempogewinn macht sich besonders beim Starten von Programmen, aber vor allem auch beim Systemstart stark bemerkbar. Neue Rechner mit Windows 10 und leistungsfähigen Prozessoren können von einer SSD in 20 bis 30 Sekunden komplett hochgefahren werden. Und aus dem Ruhemodus geht es noch wesentlich schneller – praktisch sofort. Programme wie Photoshop oder Word starten in wenigen Sekunden – die Textverarbeitung von Microsoft ist so schnell verfügbar wie ein kleiner Texteditor. Die Tempovorteile der SSD machen sich allerdings in erster Linie beim Lesen von Daten bemerkbar, weniger beim Schreiben.

2. Wie teuer ist eine SSD, welche Modelle gibt es?

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SSD-Festplatten gibt es mittlerweile von vielen großen Herstellern. (©Kenming Wang 2015)

SSD-Festplatten gibt’s bereits ab 8 GB, üblich sind die Festspeicher aber ab 128 GB. Über 256 GB geht’s dann derzeit bis 1 TB. Während die kleinen Festspeicher-Platten momentan etwa 60 Euro kosten, muss man für ein Gerät mittlerer Größe mit 256 GB Kapazität knapp 100 Euro zahlen. Die großen Versionen mit 1 TB kosten dann aber schon teilweise über 400 Euro. Für den Einstieg und die normale Nutzung reicht ein Modell mit 256 GB völlig aus, denn darauf lassen sich Windows und die wichtigsten Programme locker unterbringen. Man darf damit rechnen, dass die Preise weiter sinken.

3. Was sind die Vor- und Nachteile von SSDs?

Zunächst zu den wenigen Nachteilen: SSD-Platten sind gegenüber normalen Festplatten wesentlich teurer und nutzen sich grundsätzlich schneller ab als konventionelle Modelle. Aber: Die Hersteller haben trickreiche Methoden eingebaut (für Profis: die TRIM-Funktion), um dem schleichenden Verlust von Speicherplatz entgegenzuwirken. So werden etwa als fehlerhaft erkannte Bereiche der Platte automatisch gesperrt und die dort verfügbaren Daten in andere Bereich verschoben – ohne dass der Nutzer dies bemerkt. So lebt eine SSD ähnlich lang wie eine konventionelle HD. Was die Vorteile betrifft: Neben der deutlich höheren Geschwindigkeit ist eine SSD-Platte leiser und produziert viel weniger Wärme. Sie ist mechanisch unempfindlicher und hat einen klar geringeren Stromverbrauch als eine normale Festplatte. Das schont den Akku bei Notebooks.

4. Wann lohnt sich eine SSD?

Jeder, der einen langsam startenden PC oder Laptop hat, kann durch eine SSD deutliche Tempogewinne vor allem beim Starten des Geräts verzeichnen. Wer Bildbearbeitungs- und Videoschnittprogramme verwendet, wird ein deutlich schnelleres Laden und auch beschleunigte Programmabläufe bemerken. Uralt darf das Gerät aber nicht sein, da sonst der Einbau einer SSD technisch nicht möglich ist.

5. Was muss ich beim Einbau einer SSD beachten?

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Nur wer genug Platz im Gehäuse hat, kann problemlos eine SSD einbauen. (©Flickr/Simon Wüllhorst 2015)

Es muss ein Sata-Anschluss vorhanden sein, am besten Sata 2 oder Sata 3. Als Betriebssystem wird Windows 7 oder neuer benötigt, weil erst dieses über wichtige Funktionen für SSDs verfügt, wie etwa die TRIM-Funktion. Im BIOS muss zusätzlich der AHCI-Modus aktiviert sein, da Windows die SSD andernfalls nicht erkennt. Nach dem korrekten Einbau sollte die neue Platte in Windows sichtbar sein und muss dann vermutlich zunächst formatiert werden, was per Rechtsklick im Windows Explorer auf das entsprechende Laufwerk problemlos geht. Entscheidend ist aber auch der Platz im Gerät: Wer ein normales PC-Gehäuse hat, dürfte keine Probleme bekommen, aber wenn die neue SSD-Festplatte in ein Notebook eingebaut werden soll oder in einen Mini-PC, kann es eng werden. Dann müssen die vorhandenen Daten und auch das Betriebssystem von der einen auf die andere Platte kopiert werden.

6. Muss ich Windows neu installieren?

Nein, das ist nicht nötig. Zum Kopieren der Betriebssoftware verwendest Du entweder das nach einer Testphase von 30 Tagen kostenpflichtige Acronis True Image 2016. Oder aber man setzt das Linux-Programm Gparted ein, das es in einer von CD startfähigen Live-Version gibt. Mit beiden Programmen lässt sich beispielsweise die komplette Windows-Partition auf den neuen SSD-Datenträger verschieben. Aber mit anderen Systemen wie Linux oder Mac geht es natürlich auch.

7. Was muss ich beim Betrieb der SSD beachten?

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Für SSD gelten teilweise andere Regeln, als für Festplatten. (©Flickr/Robby Green 2015)

SSD-Platten sollten im Gegensatz zu normalen Festplatten nicht defragmentiert werden, da dies die Performance nicht verbessert und sogar zu Datenverlusten führen kann. Normalerweise ist das Defragmentieren von  SSDs unter Windows 7 und den neueren Microsoft-Systemen abgeschaltet – wenn das Betriebssystem den Datenträger korrekt erkannt hat. Man kann die Defragmentierung aber nötigenfalls auch manuell abschalten. Dies geht in Windows im Explorer per Rechtsklick auf den entsprechenden Datenträger. Über "Eigenschaften > Tools > Jetzt defragmentieren" lässt sich die Automatik deaktivieren.

Es kann auch sinnvoll sein, den Indexdienst für SSDs zu stoppen, mit dem Windows zu Suchzwecken alle Dateinamen die es auf einem Datenträger findet, in eine Tabelle packt. Dazu auf die SSD im Explorer einen Rechtsklick machen und dann per Eigenschaften den Haken bei "Zulassen, dass für Dateien auf diesem Laufwerk Inhalte zusätzlich zu Dateieigenschaften indiziert werden" entfernen und mit OK bestätigen.

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