Progressive Web Apps: Was soll das eigentlich sein?

Progressive Web Apps müssen nicht installiert werden, sondern funktionieren direkt im Browser.
Progressive Web Apps müssen nicht installiert werden, sondern funktionieren direkt im Browser. (©Air Berlin 2018)
Alexander Mundt Wartet weiterhin sehnsüchtig auf die ersten erschwinglichen OLED-TVs mit 65 Zoll aufwärts.

Normalerweise werden Apps als native Anwendung zum Download im Play Store angeboten. Bei den sogenannten Progressive Web Apps ist aber keine Installation mehr notwendig, da sie auf Basis offener Webstandards aufbauen. Wir klären, was dahinter steckt und was die Vor- und Nachteile von Progressive Web Apps sind.

Progressive Web Apps, kurz PWA, haben das Potenzial, viele native Apps überflüssig machen zu können. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich bei den PWAs um verbesserte Versionen von mobilen Webseiten auf Basis von HTTP (Hypertext Transfer Protocol). Progressiv (also fortschrittlich) bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sie sich stets an das Smartphone und den Browser anpassen, um so das beste Nutzererlebnis zu bieten. Da sie mithilfe von Web-Standards realisiert werden, ist auch keine Installation aus einem App Store notwendig. Programmiert werden Progressive Web Apps mittels HTML5, CSS3 und JavaScript, womit sie in den gängigen Webbrowsern dargestellt werden können. 

Progressive Web Apps auch offline nutzbar

Selbst wenn im Browser JavaScript deaktiviert ist, werden die Inhalte der PWAs mit ihrer Kernfunktionalität dargestellt. Programmierer können eine Möglichkeit integrieren, damit Nutzer die jeweilige PWA sogar auf ihrem Homescreen ablegen können – ganz so wie bei einer herkömmlichen App. Um längere Wartezeiten zu vermeiden – schließlich werden keine Installationsdateien auf dem Gerät abgelegt – wird ein Grundgerüst für dynamische Inhalte, die sogenannte App Shell, beim ersten Start im Cache des Smartphones angelegt. Benachrichtigungen von PWAs sind ebenso möglich wie eine Offline-Nutzung mittels Caching.

Diese Browser unterstützen Progressive Web Apps bereits

Ein klarer Vorteil ist die Tatsache, dass PWAs einfach über die Standard-Websuche gefunden werden kann – und somit auch direkt ohne Umschweife eine Nutzung möglich ist. Ein weiterer Vorteil, der auf der Hand liegt: Updates erreichen den Nutzer somit auf direktem Weg, die manuelle Update-Installation entfällt. Als ein Nachteil könnte sich hingegen erweisen, dass PWAs keinen direkten Zugriff auf das Gerät erhalten, sondern auf die Befugnisse beschränkt sind, die durch den Browser und das Betriebssystem vorgegeben sind. Zwar sind auch darüber schon weitreichende App-Lösungen möglich, doch für einige Features dürfte zum derzeitigen Zeitpunkt die native App noch die bessere Wahl sein. Ohnehin sind derzeit nur Firefox und Chome fit für die Web-Apps, Safari, Edge und Co. aber noch nicht.

Diese Unternehmen nutzen Progressive Web Apps erfolgreich

airberlin
Air Berlin gewährte über seine PWA den Zugriff auf Bordkarten und andere Funktionen.

Es gibt aber auch schon zahlreiche Beispiele, wie PWAs erfolgreich eingesetzt werden. Wenngleich Air Berlin mittlerweile Geschichte ist, so war sie die weltweit erste Fluglinie mit eigener PWA. Vorgestellt wurde die Anwendung im Rahmen der Entwicklerkonferenz Google I/O im Jahr 2016. Über die PWA konnte man etwa einchecken, Flüge hinzufügen oder die Bordkarte aufrufen. Die Zeitung Washington Post und die Buchungsplattform Booking.com haben ebenfalls PWAs entwickelt. Der indische Online-Shop Flipkart konnte seine Conversion Rate (wie viele Besucher zu Kunden werden) sogar auf 70 Prozent steigern und die Verweildauer verdreifachen. Beispiele für PWAs finden sich etwa auf der Seite PWA.rocks.

Ob PWAs in Zukunft die klassischen nativen Apps aus Googles Play Store und Apples App Store verdrängen werden können, bleibt abzuwarten. Für aufwendige Spiele wird sicher auf absehbare Zeit die klassische App die erste Wahl bleiben. Für viele andere Dienste kann eine PWA durchaus Sinn ergeben. Unter dem Motto "Mobile first", also das mobile Nutzererlebnis zuerst, dürften die kompakten Anwendungen aber rasch an Popularität gewinnen.

Zusammenfassung

  1. Progressive Web Apps müssen im Gegensatz zu herkömmlichen Apps nicht installiert werden, sondern funktionieren über den Browser
  2. Sie passen sich an das Endgerät an und liefern so stets das beste Nutzererlebnis
  3. Die App kann zum Homescreen hinzugefügt werden, auch Push-Benachrichtigungen und Offline-Nutzung sind möglich (Caching)
  4. Aufgrund Browser-Limitierungen reicht der Funktionsumfang noch nicht an native Apps heran
  5. Erfolgreiche Vertreter mit PWAs sind Booking.com, Washington Post und ehemals Air Berlin
  6. Browser Chrome und Firefox unterstützen PWAs bereits, Safari, Opera und Edge noch nicht
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