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Samsung One UI, Huawei EMUI & Stock Android: Oberflächen im Vergleich

Android ist ziemlich vielseitig: Wir stellen drei weit verbreitete Nutzeroberflächen vor.
Android ist ziemlich vielseitig: Wir stellen drei weit verbreitete Nutzeroberflächen vor.

Stock Android, Samsung’s One UI oder Huawei’s EMUI – das alles sind verschiedene Benutzeroberflächen, die sich teilweise recht stark voneinander unterscheiden. Wir stellen die drei Interfaces mit ihren Vor- und Nachteilen vor.

Über Android und seine Features zu schreiben, ist immer etwas komplizierter als etwa bei iOS oder Windows 10. Anders als die Betriebssysteme von Apple oder Microsoft ist Android ein quelloffenes System, das auf einem Linux-Kernel basiert. Dadurch hat jeder Hersteller und Entwickler die Möglichkeit, das System zu verändern und anzupassen. Unterm Strich bedeutet dies, dass es nicht das EINE Android gibt, sondern viele Versionen davon, die teilweise völlig andere Funktionen und Nutzererfahrungen bieten.

Neben Stock Android, der "Grundversion" des Systems, die von Google entwickelt wird, sind One UI von Samsung und EMUI von Huawei die aktuell am weitesten verbreiteten Versionen von Android. Diese bieten teilweise ganz eigene Features, eine alternative Menüstruktur und erweiterte Funktionen zur Anpassung. Wir haben uns die drei Nutzeroberflächen in ihrer aktuellen Form einmal näher angeschaut.

Stock Android: Das Original von Google

Die Basis-Version von Android hat eigentlich keinen eigenen Namen. Allgemein hat sich jedoch die Bezeichnung Stock Android dafür eingebürgert. Als Stock Android bezeichnet man in der Regel die Version des Systems, die auf den Pixel-Geräten von Google sowie aktuellen Nokia-Smartphones und sonstigen Android-One-Geräten installiert ist. Einige Hersteller wie OnePlus oder Motorola nutzen zudem eine nur minimal veränderte Variante von Stock Android für ihre Geräte.

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Der neuen Dark-Mode, der App-Drawer und die Schnelleinstellungen von Android 10.

Die Nutzeroberfläche von Google kann im Smartphone-Segment aktuell als die übersichtlichste und simpelste angesehen werden. Im Vergleich zu anderen Herstellern gibt es hier weniger vorinstallierte System-Apps und einen vergleichsweise übersichtlichen Aufbau. Eine der größten Neuerungen, welche die aktuelle Version Android 10 mit sich gebracht hat, ist ein systemweiter Dark-Mode. Diese Version bietet zudem erstmals eine zentrale Schnittstelle, mit der App-Entwickler die Gesichtserkennung für die Authentifizierung in ihren Diensten nutzen können.

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Links: Alle System-Apps, rechts: Die Gesichtserkennung.

Allerdings fehlen Stock Android einige Funktionen anderer Android-Oberflächen. So lassen sich Apps im App-Drawer beispielsweise nicht individuell sortieren und auch sonst sind die Anpassungsmöglichkeiten von Symbolen, Icons und Schriftarten eher eingeschränkt. Auch eine Option, zwei Versionen ein und der selben Social-Media-App mit unterschiedlichen Accounts zu verwenden, ist nicht vorhanden.

Software-Aktualisierungen werden von Google monatlich bereitgestellt.

Vorteile Nachteile
+ Aufgeräumt und übersichtlich - Fast nur Basic-Features
+ Schnell und flüssig - Anpassung eingeschränkt
+ Sehr schnelle Updates
+ Fast keine Bloatware
+ Gesichtserkennung systemweit

Samsung One UI: Die größte Android-Oberfläche

Verglichen mit Samsung ist Google selbst nur ein relativ kleiner Smartphone-Hersteller. Deshalb verdient die Nutzeroberfläche der Südkoreaner auch mindestens so viel Aufmerksamkeit, wie Stock Android. One UI wurde erst im Februar 2019 mit dem Galaxy S10 neu vorgestellt, nachträglich jedoch per Update auch auf viele ältere Samsung-Geräte gebracht.

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Links: Das Menü optimiert für Einhand-Bedienung, rechts: Der Dark-Mode.

Verglichen mit der alten Samsung-Oberfläche TouchWiz, die häufig für ihre Unübersichtlichkeit und Langsamkeit kritisiert wurde, markiert One UI einen signifikanten Fortschritt. Das Interface wirkt modern und aufgeräumt und ist zudem besser an die Bedienung großer Displays angepasst, als irgendein anderes Hersteller-Interface. Verglichen mit Google setzt Samsung konsequenter auf Ordner, um Apps zu sortieren und erlaubt es auch, diese innerhalb des Android-App-Drawers anzulegen.

Da Samsung-Smartphones meist mit Dual-SIM-Unterstützung daherkommen, besteht softwareseitig die Möglichkeit, zwei separate Versionen ein und derselben Messenger- oder Social-App auf dem Gerät zu verwenden, um Nummern und Accounts sauber zu trennen. Hinzu kommt das Sicherheitssystem Knox, das unter anderem eine vom restlichen Android-System abgetrennte Umgebung für Daten und Apps schafft. Knox fungiert dabei wie eine Sandbox, auf die von außen – etwa durch andere Apps auf dem Gerät – kein Zugriff möglich ist.

Obwohl One UI aktuell noch auf Android 9 basiert, also eine Generation hinter Stock Android von Google liegt, sind fast alle von Google eingeführten Funktionen, wie etwa der Nachtmodus, schon integriert.

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Der App-Drawer, der Dateimanager und der Galaxy Store.

Neben dem Google Play Store setzt Samsung zudem auf einen eigenen App-Store. Der Galaxy Store ist seinerseits für die Verwaltung und Aktualisierung diverser System-Apps zuständig und bietet darüber hinaus auch einige Apps, die es im Play Store nicht gibt. Kritisieren kann man allerdings, dass Samsung-Geräte zwar im Vergleich zu früher weniger aber immer noch recht viel Bloatware mitbringen, die sich leider nur teilweise deinstallieren lässt. Letzteres gilt auch für den Sprachassistenten Bixby, der leider immer noch weit hinter dem Google Assistant hinterherhinkt.

Software-Aktualisierungen werden vom Gerät abhängig entweder monatlich oder vierteljährlich bereitgestellt.

Vorteile Nachteile
+ Übersichtlich - Recht viel Bloatware
+ Für große Displays geeignet - Bixby kaum nützlich
+ Viele nützliche Features
+ Anpassbarer App-Drawer
+ Sicherer Ordner für Dateien
+ Dual-SIM-optimiert
+ Regelmäßige Updates

Huawei EMUI: Eine Plattform mit Zukunft?

EMUI von Huawei hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der umfangreichsten und nützlichsten Smartphone-Oberflächen gemausert. Aktuell wird diese Tatsache ein wenig dadurch getrübt, dass die Zukunft von Huawei und Android nach wie vor unsicher ist. Optisch nimmt EMUI noch immer einige Anleihen bei iOS von Apple, ist jedoch deutlich eigenständiger geworden.

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EMUI im hellen und dunklen Modus.

Anders als die Oberflächen von Google und Samsung ist EMUI nicht um einen App-Drawer herum aufgebaut (der sich jedoch auf Wunsch zuschalten lässt), sondern sortiert die Applikationen ähnlich wie iOS direkt auf dem Homescreen. Ansonsten ähnelt die Menüstruktur mittlerweile stark jener von Google oder Samsung. Noch immer tut sich Huawei aber etwas schwer, die Vielzahl ein Funktionen und Gimmicks sinnvoll unterzubringen, die EMUI mitbringt. Teilweise wirken die Menüs etwas verschachtelt.

Mehr noch als One UI bietet EMUI ab Werk viele Möglichkeiten, das Interface mit Farben, Icons und Schriftarten zu individualisieren und genau wie bei der Konkurrenz gibt es auch hier die Option, Messenger- und Social-Apps zu klonen und so zwei strikt separierte Accounts auf einem Gerät zu nutzen – besonders praktisch für Leute, die berufliches und privates trennen möchten.

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Die Schnelleinstellungen und die App Gallery von Huawei.

Ähnlich wie Samsung nutzt Huawei parallel zum Google Play Store mit der App-Gallery auch einen eigenen App-Store. Bloatware ist aber auch hier ein Problem. Zudem bietet EMUI zusätzliche Sicherheitsfeatures wie einen sicheren Ordner oder die Option, den Zugriff auf jede App separat zu sperren, selbst wenn das Gerät entriegelt ist. Mit HiCare nutzt Huawei zudem eine eigene Service-Plattform über die Nutzer-Support bei Hard- und Softwareproblemen bereitgestellt wird, sowie Updates ausgespielt werden.

Software-Aktualisierungen gibt es für Flaggschiff-Geräte monatlich, für andere Devices in größeren Intervallen.

Vorteile Nachteile
+ Oberfläche stark personalisierbar - Teils verwirrende Menüstruktur
+ App-Drawer optional - Recht viel Bloatware
+ Zusätzliche Sicherheitsfeatures
+ Dual-SIM-optimiert
+ Nützliche Service-App HiCare
+ Regelmäßige Updates

 

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