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Samsung Q900: Wer braucht eigentlich einen 8K-Fernseher?

Der Samsung Q900 bietet unglaubliche 33 Millionen Pixel.
Der Samsung Q900 bietet unglaubliche 33 Millionen Pixel.
Patrick Schulze Fragt sich, wann VR-Brillen endlich so massentauglich werden wie in "Ready Player One".

Mit dem Samsung Q900 gibt es seit einigen Monaten den ersten echten 8K-Fernseher in Deutschland zu kaufen. Wir konnten uns das Ungetüm mit 75 Zoll einmal genauer ansehen und haben uns ganz ehrlich die Frage gestellt, wofür so ein Gerät denn eigentlich gedacht ist?

Man mag es kaum glauben, aber es ist erst wenige Jahre her, dass Hersteller wie Sony oder Panasonic die ersten 4K-TVs vorgestellt haben. Mittlerweile stehen dank Samsung bereits die ersten Fernsehgeräte mit nativer 8K-Auflösung im Handel. Die Q900-Reihe des südkoreanischen Herstellers symbolisiert im Jahre 2018 gewissermaßen die Speerspitze der TV-Technik. Und sie wird ähnlich kritisch beäugt wie die ersten 4K-TVs vor wenigen Jahren. Selbst die vorgebrachten Kritikpunkte sind weitgehend die gleichen.

8K kurz erklärt: Was bietet die Technik?

In den meisten deutschen Haushalten stehen aktuell noch immer TV-Geräte mit Full-HD-Display. Diese bieten eine Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln und liefern bei normalem Sitzabstand meistens ein ziemlich scharfes Bild.

Wer nach einem Fernseher mit besonders großem Display sucht, bekommt in der Kategorie ab 50 Zoll mittlerweile fast immer einen 4K-TV und damit die vierfache Auflösung von 3840 x 2160 Bildpunkten. Hier bleibt das Bild aufgrund der hohen Pixelzahl selbst bei kleineren Sitzabständen immer scharf – entsprechende Videoinhalte in 4K vorausgesetzt.

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Die Unterschiede zwischen Full-HD, 4K und 8K veranschaulicht.

8K vervierfacht die Auflösung nun erneut, auf 7680 x 4320 Pixel. Das Bild ist selbst dann noch scharf, wenn man mit der Nase buchstäblich direkt am Screen klebt. Im Vergleich zu normalen Full-HD-Geräten sprechen wir also von einer 16 Mal so hohen Auflösung. Das klingt nicht nur nach wahnsinnig viel, sondern ist auch ziemlicher Wahnsinn.

Wer braucht eigentlich 8K-TVs?

Die Frage, die sich vor diesem Hintergrund natürlich stellt, ist exakt die gleiche, die schon beim Aufkommen der 4K-TVs vor einigen Jahren aufkam: Wer braucht das? Und tatsächlich ist sie in diesem Fall auch mehr als berechtigt, denn Filme, Serien oder generell Videoinhalte in 8K-Auflösung existieren bislang so gut wie nicht. Schlimmer noch: Es gibt bisher auch kaum Kameras, die überhaupt in der Lage sind, Content in einer derart hohen Auflösung zu filmen.

Und selbst wenn entsprechende Inhalte vorliegen, besteht immer noch das Problem, sie in einer entsprechenden Qualität auf den Fernseher zu bekommen. Der einzige Anschluss, der das bislang mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde vermag, nämlich DisplayPort 1.4, glänzt bei Samsungs Q900-Reihe noch mit Abwesenheit.

Hinzu kommt die Problematik mit der Bilddiagonale und dem Sitzabstand. Selbst 4K-TVs eigenen sich eigentlich nur bei sehr großen Displaygrößen ab 55 Zoll und entsprechend geringen Sitzabständen von unter drei Metern. Wer weiter weg sitzt, bekommt von den ultra-hochauflösenden Bildern ohnehin nicht viel mit, weil das menschliche Auge dazu neigt, einzelne Pixel bei zunehmendem Abstand zu verschlucken. Ein 4K-Bild sieht dann irgendwann auch nicht mehr schärfer aus als ein Full-HD-Bild.

Mit 8K verstärkt sich diese Problematik enorm: Um beispielsweise bei einem normalen Sitzabstand von drei Metern einen Unterschied bei der Schärfe im Vergleich zu 4K mit bloßem Auge wahrzunehmen, müsste der Fernseher ungefähr eine Bilddiagonale von 150 Zoll haben. Das bedeutet, dass der Effekt der höheren Auflösung beim Fernsehen in der Praxis nahezu verpufft.

8K-TVs sind gekommen, um zu bleiben

All das sind ziemlich starke Argumente, die eigentlich gegen den 8K-Vorstoß von Samsung sprechen. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Q900-Reihe nur die Speerspitze einer auf uns zurollenden Welle von 8K-Fernsehern sein wird – vor allem, nachdem ich die 75-Zoll-Variante des Fernsehens gemeinsam mit meinen Kollegen selbst in Augenschein nehmen konnte.

Warum 8K-Standbilder ein Kaufgrund sein könnten

Denn Samsung hat tatsächlich eines verstanden: Riesige TVs sind im eingeschalteten Zustand zwar beeindruckend, hinterlassen ausgeschaltet aber eine gigantische schwarze Fläche im Wohnzimmer. Je größer der Fernseher, desto präsenter ist diese schwarze Wand auch in der Einrichtung des Zimmers.

Das mag im ersten Moment nach einem ziemlich banalen Problem klingen, ist es aber bei genauer Betrachtung vielleicht überhaupt nicht. Die meiste Zeit über sind Fernsehgeräte tatsächlich ausgeschaltet und damit nur eine leere schwarze Fläche an der Wand. Wenn diese Fläche allerdings eine Diagonale von knapp zwei Metern oder sogar noch mehr hat, dann kann sie zu einem echten Störfaktor im Raum werden. Warum also das TV-Gerät nicht aktiv in das Raumdesign mit einbinden?

Schon auf der Roadshow im Frühjahr 2018 hat Samsung deshalb den sogenannten Ambient-Modus vorgestellt, mit dem sich große Fernseher in digitale Bilderrahmen verwandeln und so optimal in das Wohnambiente einbinden lassen. Gerade dieser Modus profitiert enorm von der extrem hohen Auflösung. Denn während Videomaterial in 8K noch absolute Mangelware ist, besteht die Möglichkeit, ultra-hochauflösende Fotos und Bilder auf dem Display darzustellen. Bei Full-HD-Auflösung auf 75 Zoll sieht so ein Foto total grobpixelig aus, dank 8K-Auflösung wirkt es selbst wenige Zentimeter vor dem Screen noch gestochen scharf und fast wie gemalt.

Samsung-Q900-8k-01
Ein solcher Gigant braucht natürlich seinen Platz.

Tatsächlich hat mich ausgerechnet ein Standbild davon überzeugt, dass es für die 8K-Auflösung auch jetzt schon einen Anwendungsfall geben kann. Und nachdem ich ein solches Gerät selbst einmal in Aktion erleben konnte, finde ich die Vorstellung, auf dem Screen hochauflösende 32-Megapixel-Bilder in voller Größe anzuschauen, ziemlich verlockend. Schließlich war das bisher in dieser Form noch gar nicht möglich.

Aus diesem Grund halte ich es sogar für einigermaßen wahrscheinlich, dass auch andere Hersteller im nächsten Jahr 8K-Geräte mit großer Bilddiagonale anbieten. Denn wer bereit ist, viel Geld für einen riesigen Fernseher auszugeben, will bestimmt auch, dass dieser im ausgeschalteten Zustand ebenfalls eine gute Figur macht.

Und was ist mit Video-Content?

Moment! Soll das etwa heißen, dass 8K-Geräte von Samsung nur als digitale Bilderrahmen taugen? Nein, natürlich nicht!

Wer sich die vorinstallierten 8K-Demo-Filme auf den Geräten der Samsung-Q900-Serie anschaut, wird von der gebotenen Bildqualität unweigerlich begeistert sein. Doch sind wir einmal ehrlich: Auf derart hochauflösendes Material wird man bei Netflix und Co. noch sehr lange warten müssen – von den TV-Sendern ganz zu schweigen. Die Problematik rund um 8K-Inhalte und deren Fehlen hatte ich bereits in einem Artikel nach zur IFA 2018 erläutert, wo Samsung seine Q900-Serie erstmals vorgestellt hatte.

Unterschätzt hatte ich damals allerdings noch das Potenzial von 4K-Upscaling, also das Hochrechnen von 4K-Bildmaterial auf eine 8K-Auflösung. Samsung hat seiner Q900-Serie nicht ohne Grund eine neuartige Upscaling-Technik verpasst, die sich einer Bildanalyse mithilfe von KI-Algorithmen bedient. Das Ergebnis sieht zumindest besser aus als natives 4K. Ob es mit nativem 8K-Material mithalten kann, lässt sich allerdings nicht sagen, denn dazu fehlen schlicht und ergreifend die Vergleichswerte.

Die Nutzer müssen selbst für 8K-Material sorgen

Bei den großen Hollywood-Studios und Serienproduzenten wie HBO und Netflix ist es fraglich, ob diese in den kommenden Jahren überhaupt irgendwelches 8K-Material liefern werden. Für entsprechenden Content – und seien es "nur" hochauflösende Fotos oder sogar Videos – werden die Nutzer deshalb zum großen Teil selbst sorgen müssen.

Das könnte tatsächlich viel früher möglich sein, als die meisten glauben. Schon der Prozessor im kommenden Samsung Galaxy S10 wird beispielsweise in der Lage sein, 8K-Videomaterial zu verarbeiten. Ob das Smartphone selbst diese Funktion unterstützen wird, steht bislang zwar noch nicht fest. Die reine Rechenleistung, um solche Aufnahmen mit einem Smartphone zu erstellen, ist aber schon vorhanden.

Denkbar ist daher, dass Samsung und auch andere Hersteller zunächst versuchen werden, ein 8K-Ökosystem auf User-Seite zu etablieren. Die Industrie, so wohl der Hintergedanke, müsste dann irgendwann ganz automatisch nachziehen. Bei YouTube ist es theoretisch sogar jetzt schon möglich, 8K-Clips hochzuladen und anzuschauen.

Fazit: Ein Fenster in die Zukunft

Die Definition davon, was ein Fernseher genau ist, hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach geändert. Vom reinen Abspielgerät linearer Fernsehsender sind die TVs in den letzten Jahren zu echten Medienzentralen mutiert, auf denen immer mehr Inhalte laufen, die online gestreamt werden. Gleichzeitig stellt auch die Gaming-Branche immer neue Anforderungen an Auflösung und Bilddarstellung.

Mit den Q900-Geräten blickt Samsung nun in eine Zukunft, in der Fernseher immer größer werden und in der sich die Anforderungen allein schon aufgrund ihrer schieren Größe verändern. Eines ist klar: Nicht in jedem Haushalt wird bald ein Zwei-Meter-Gerät stehen. Aber dort, wo dies der Fall ist, besteht die Herausforderung, diesen Koloss auch möglichst organisch in das Wohnambiente zu integrieren. Das wird bei 75 Zoll nämlich sogar in der eigentlich recht großräumigen TURN ON-Wohnung langsam zum Problem.

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Der Q900 in 75 Zoll in der TURN ON-Wohnung.

Bei der Versorgung mit 8K-Videoinhalten sind Samsung und die andere Hersteller zunächst einmal selbst gefragt, um den Kunden die nötige Infrastruktur bereitzustellen. Wenn die Technik zum Filmen und Anschauen von 8K-Inhalten auch wirklich im Markt ankommt, werden sicherlich auch Hollywood und Co. darüber nachdenken, in diesem Bereich zu investieren. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

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