Seit wann gibt es Internet? Eine kurze Geschichte des WWW

Das Internet verbindet die ganze Welt aber kaum jemand weiß, woher es kommt.
Das Internet verbindet die ganze Welt aber kaum jemand weiß, woher es kommt. (©Getty Images/iStockphoto/imaginima 2018)
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Das Word Wide Web ist im Alltag der Menschen allgegenwärtig. Doch seit wann gibt es eigentlich das Internet? Weil sich diese Frage nicht so einfach beantworten lässt, klären wir mit einer kurzen Geschichte des Netzes auf.

Das Internet ist das wichtigste Kommunikationsmedium unserer Zeit und die vielleicht bedeutendste und sich am schnellsten verbreitende Erfindung der letzten Jahrzehnte. Doch nur wenige wissen, wie das Internet überhaupt entstanden ist und wie es dazu kam, dass plötzlich Milliarden von Menschen weltweit über ihre Computer vernetzt wurden.

Den Anfang machen vier vernetze Rechner in den USA

Tatsächlich hatte die Entstehung des Internets nichts mit einem Urknall zu tun. Es war vielmehr eine schleichende Entwicklung, die uns zu dem führte, was das Netz heute ist. Die Geschichte des World Wide Web reicht bereits mehr als 50 Jahre zurück. 1969 werden von der ARPA (Advanced Research Projects Agency), einer staatlichen Forschungseinrichtung in den USA, vier Rechner erstmals vernetzt.

Die 1970er: Die Erfindung der E-Mail und die erste gemeinsame Netzwerksprache

In den folgenden Jahren etablieren sich in anderen Teilen der Welt ähnliche Mini-Netzwerke. Diese haben allerdings noch nichts mit dem heutigen Internet zu tun, sondern sind eher lokale Netzwerke. Ein weiterer großer Meilenstein folgt dann 1972 mit der Erfindung der ersten elektronischen Nachricht, die sich über das Netzwerk zwischen Computern hin und her schicken lässt: Die E-Mail wird geboren.

1974 entwickeln der Computerspezialist Vinton Cerf und der Mathematiker Robert Kern dann erstmals ein Protokoll, mit dem die verschiedenen kleineren Computernetzwerke in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren. Das sogenannte Transmission Control Protocol (TCP) ist als TCP/IP bis heute im Einsatz.

Die 1980er: Die Anfänge des World Wide Web

Während die Entwicklung kleinerer Rechner-Netzwerke in den 1980er-Jahren weitergeht, sind diese nach wie vor nur wenigen Menschen vorbehalten. Vor allem in den USA werden Universitäten und staatliche Institutionen an ein gemeinsames großes Netzwerk angeschlossen: das Internet. Zu dieser Zeit ist das Netz aber noch nicht kommerziell nutzbar.

Die vielleicht wichtigste Entwicklung findet aber 1989 am CERN-Forschungsinstitut in der Schweiz statt. Dort entwickelt Timothy Berners-Lee ein Programm, das erstmals das Suchen und Finden von Dateien von einem Rechner aus auf einem anderen Rechner möglich macht. Er nennt dieses Programm World Wide Web (WWW). Das Programm von Berners-Lee ist bis heute die Grundlage dafür, das Links im Internet funktionieren. Über eine www-Adresse lässt sich nämlich auf Daten zugreifen, die irgendwo auf der Welt auf einem Server oder Rechner gespeichert sind.

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Tim Berners-Lee gilt als Vorreiter des modernen Internets. (©picture alliance / dpa 2018)

Die 1990er-Jahre: Der Durchbruch des Internets

Die nächsten und vielleicht entscheidenden Meilensteine folgen dann 1990 und 1991. Zunächst entscheidet sich die National Science Foundation in den USA, das Internet kommerziell nutzbar zu machen. Der nächste entscheidende Impuls kommt dann 1991 ebenfalls von Timothy Berners-Lee. Er veröffentlicht mit der Hypertext Markup Language (HTML) nämlich die Standardsprache zur Programmierung von verlinkbaren Webseiten, die bis heute im Einsatz ist.

Entwickler auf der ganzen Welt stürzen sich sofort auf HTML und beginnen damit, Websites zu erschaffen. Dadurch entwickelt sich erstmals das, was wir heute als das Internet wahrnehmen – eine Vielzahl an Websites und Datenservern, auf die man von jedem vernetzten Computer auf der Welt zugreifen kann.

Schon 1992 entsteht mit Veronica die erste Suchmaschine, die zum Durchsuchen des Internets notwendig ist. Einen ersten echten Webbrowser, also eine spezielle grafische Oberfläche zum Durchsuchen dieser Websites, gibt es jedoch erst ab 1993. Er hört auf den Namen Mosaic und wurde ab 1994 schnell vom damals populären Netscape Navigator verdrängt, der dann seinerseits vom Microsoft Internet Explorer überrollt wurde.

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Der Webbrowser Mosaic ist das erste Programm seiner Art. (©National Center for Supercomputing Applications (NCSA) 2018)

Zwischen 1994 und 1998 wächst die Zahl der Rechner, die mit dem Internet verbunden sind, von zwei Millionen auf 36 Millionen. In diesem immer noch frühen Stadium des Internets starten die Stanford-Absolventen und Entwickler Larry Page und Sergey Brin die bis heute erfolgreichste Website überhaupt: die Suchmaschine Google.

Die 2000er: Das Internet nimmt seine heutige Form an

In die Jahre ab 2000 fallen die wichtigsten Starts von Websites, die heute das Netz dominieren. Den Anfang macht 2001 Wikipedia, das größte Lexikon der Welt. 2004 startet der Harvard-Student Mark Zuckerberg gemeinsam mit Kommilitonen das soziale Netzwerk Facebook. Nur wenige Monate später geht im Februar 2005 die Video-Plattform YouTube an den Start. Der Kurznachrichtendienst Twitter folgt 2006.

Die 2010er: Das Internet wird mobil

Mit dem Aufkommen der Mobiltelefone verlagerte sich die Kommunikation zunehmend vom Heimcomputer weg hin zum Handy. Durch immer effektivere Funktechniken war es ab etwa 2007 dank UMTS und HSDPA möglich, auch über das Mobilfunknetz Websites aufzurufen. In den ersten Jahren nutzte jedoch nur ein geringer Prozentsatz der Handybesitzer das Internet auf seinem Mobiltelefon, da die Displays für eine Darstellung von Websites zu klein waren.

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Die ersten Smartphones mit Touchscreen ebneten den Weg ins mobile Internet. (©YouTube / EverythingApplePro 2017)

Die Trendwende leitet das Aufkommen von Smartphones ein. Losgetreten wurde dieser Trend 2007 vom ersten iPhone. Es dauerte jedoch noch einige Jahre, bis sich die Touchscreen-Geräte flächendeckend durchsetzen konnten. Ab 2010 stieg die mobile Nutzung des Internets dann sprunghaft an. Da Webbrowser in der Frühphase des mobilen Internets noch nicht perfekt an die kleinen Displays angepasst waren, setzte sich mit den Apps eine neue Art von Interfaces durch, mit denen Nutzer auf Web-Inhalte zugreifen konnten.

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