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Smart TV: Alles rund um den schlauen Fernseher

Smart TVs erobern längst die Wohnzimmer.
Smart TVs erobern längst die Wohnzimmer. (©Philips 2017)

Mit dem Fernseher nur fernzusehen, gehört seit dem Aufkommen von Smart TV-Modellen der Vergangenheit an. Wir erklären, was die schlauen Geräte so besonders macht und welche Funktionen sie mitbringen sollten.

Vor allem bei jüngeren Zuschauern haben Streaming-Dienste wie Netflix, YouTube oder Amazon Video den klassischen TV-Sendern längst den Rang abgelaufen. Kein Wunder, dass Smart-TVs immer beliebter werden und mittlerweile fast überall zu finden sind. Doch was macht einen TV wirklich smart, welche unterschiedlichen Smart TVs gibt es und wie lassen sich ältere Geräte nachrüsten? Wir geben einen Überblick.

Wodurch wird ein Fernseher zum Smart TV?

Ein Smart TV ist mehr als ein gewöhnlicher Fernseher. Denn er kann nicht nur das Fernsehprogramm über Kabel, Satellit oder DVB-T2 wiedergeben, sondern verfügt auch zusätzlich über bestimmte Funktionen, die man sonst eher von Smartphone oder PC kennt. Hauptsächlich sind das natürlich Online-Funktionen, Apps und die Wiedergabe von zusätzlichen Medien.

Smart TVs bieten oft unzählige Features und haben mehr mit einem Computer gemein, als mit einem Fernseher. (© 2017 TURN ON)

Im Inneren eines Smart-TVs steckt deshalb immer auch ein Prozessor, wie in einem Computer, der zum Ausführen verschiedener Apps benötigt wird. Zusätzlich gibt es Schnittstellen wie einen LAN-Anschluss oder ein WLAN-Modul für den Internetzugriff und häufig auch Datenports für USB oder SD-Karten um externe Speichermedien anzuschließen.

Doch das ist nur die Hardware-Seite: Damit ein Smart TV als solcher funktioniert, benötigt er auch eine Software-Nutzeroberfläche, die auf die Nutzung von Apps und zusätzlichen Medieninhalten ausgelegt ist. Das Ganze ist tatsächlich vergleichbar mit einem Smartphone.

Die gängigsten Funktionen von Smart TVs

Smart TVs zeichnen sich vor allem durch verschiedene Features aus. Nicht alle davon müssen zwingend an Bord sein, damit man von einem Smart TV sprechen kann. Zumindest die Fähigkeit, Video-on-Demand-Inhalte zu streamen, ist jedoch eine Kernkompetenz, die jeder Smart TV beherrschen sollte.

  • Video-Streaming und Video-on-Demand: Erlaubt die Nutzung von Streaming-Diensten wie Netflix, YouTube oder Maxdome.
  • HbbTV und Sender-Mediatheken: Überschneidet sich ein wenig mit dem ersten Punkt, denn auch die Mediatheken der TV-Sender sind schließlich Video-on-Demand-Plattformen – nur eben immer gekoppelt an das aktuelle Programm der Sender selbst.
  • Wiedergabe von externen Medieninhalten: Erlaubt das Anschließen von USB-Festplatten und das Abspielen von Videos, Audio-Dateien oder Fotos über einen Mediaplayer.
  • Streaming von NAS-Servern: Auch das Streamen von Videos, die auf NAS-Servern im eigenen Heimnetzwerk gespeichert sind, wird von einigen Smart TVs unterstützt.
  • TV-Aufnahmen und Timeshift: Das Aufnehmen von TV-Sendungen auf externe Festplatten beherrschen häufig auch Fernseher, die nicht offiziell als smart gelten. Die Funktion ist jedoch ein netter Bonus, der auch in Smart TVs gern gesehen ist.
  • Gaming-Funktionen: Einige Smart TVs lassen sich auch wie Konsolen nutzen und erlauben es, über einen verbundenen Bluetooth-Controller Games zu zocken.

Welche Smart-TV-Systeme gibt es?

Die meisten Hersteller von Smart-TVs setzen auf eine eigens entwickelte Software mit vorinstallierten Apps. Vor allem große Hersteller wie Samsung, LG, Sony, Panasonic und Philips nutzen jedoch richtige Software-Plattformen mit stetig anwachsenden App-Stores, wie wir es von Android und iOS auf dem Smartphone kennen. Die größten und vielseitigsten Plattformen mit den meisten Apps bekommen Nutzer bei Samsung mit dem Betriebssystem Tizen, bei LG mit der eigenen Plattform webOS, bei Sony und Philips mit Android TV und bei Panasonic mit einer eigens entwickelten Software-Oberfläche.

Android ist eines der am weitesten verbreiteten Smart-TV-Systeme. (© 2017 Philips)

Tizen, webOS und Android TV im Vergleich

Die wichtigsten Unterschiede über die größten Smart-TV-Betriebssysteme findest Du im folgenden Artikel:

Was steckt hinter der Abkürzung HbbTV?

Hybrid broadcast broadband TV (HbbTV) bezeichnet einen Standard für smarte Fernseher, auf den sich die Rundfunksender geeinigt haben. In Deutschland wird das Hybrid-Fernsehen von fast allen privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern genutzt.

Wer einen Smart TV besitzt und diesen mit dem Internet verbunden hat, bekommt beim Umschalten einen roten Punkt am unteren Bildschirmrand angezeigt. Dieser zeigt an: Zu diesem Programm stehen zusätzliche Internetinhalte bereit. Per Druck auf den roten Punkt der Fernbedienung gelangst Du dann auf eine spezielle HTML-Seite, beispielsweise in die Mediathek des Senders.

Wie werden Smart TV-Modelle bedient?

Wie gewöhnliche Fernseher werden Smart TVs mit Fernbedienung ausgeliefert. Darüber lassen sich in der Regel auch alle Zusatzfunktionen steuern. Eine weitere Alternative bieten viele Hersteller für Tablet- oder Smartphone-Besitzer. Die mobilen Geräte kommunizieren per App mit dem Smart TV und machen das Streamen von Medieninhalten noch einfacher. Darüber hinaus bieten einige Modelle die Möglichkeit, eine Bluetooth- oder USB-Tastatur anzuschließen.

Die meisten Smart-TVs kommen mit einer angepassten Fernbedienung daher. (© 2018 TURN ON)

Sowohl unter Android TV, als auch auf neueren TV-Geräten von LG, steht der Google Assistant für die Sprachsteuerung bereit. Er beantwortet nicht nur Fragen, sondern ist auch in der Lage, bestimmte Funktionen auf den jeweiligen TV-Geräten zu steuern.

Gibt es Sicherheitslücken?

Geräte, die internetfähig sind, bieten immer eine Angriffsfläche. Insbesondere der HbbTV-Standard stand in der Vergangenheit bereits vielfach wegen mangelnden Datenschutzes in der Kritik. So informieren Sicherheitsforscher der TU Darmstadt, dass TV-Sender mit diesem Zusatz-Service das Nutzungsverhalten ihrer Zuschauer noch genauer messen können. Denn jedesmal, wenn der rote Punkt auf dem Fernseher erscheint, greift das Gerät auf eine Website zu. Auf diese Weise kommen TV-Sender an die IP-Adresse des Nutzers sowie an Echtzeit-Zahlen, auf wie vielen Smart TV-Geräten ihr Programm aktuell läuft.

Zudem weist Spiegel Online auf eine weitere Gefahrenquelle hin, die dadurch entsteht, dass keiner der Fernsehsender eine SSL-Verschlüsselung nutze. Theoretisch wäre es dadurch möglich, dass Dritte die Website, die hinter dem roten Punkt steckt, manipulieren und durch eigene Inhalte ersetzen. Dem Sicherheitsforscher Martin Herfurt zufolge bestehe demzufolge noch Nachholbedarf bei den Sendern.

Können auch gewöhnliche Fernseher smart werden?

Ja, dafür gibt es sogenannte Set-Top-Boxen oder HDMI-Sticks wie den Google Chromecast, Amazon Fire TV oder Apple TV. Voraussetzung: Der Fernseher muss einen HDMI-Anschluss besitzen. Darüber werden TV und Stick verbunden.

Amazon Fire TV macht jeden Fernseher smart. (© 2017 TURN ON)

Stick oder Box stellen über ein eingebautes Modem die Verbindung zum Internet her. Mit eigenem Betriebssystem ausgestattet und mit Smartphone und Tablet vernetzbar, ermöglichen die kleinen Geräte das Streamen von Musik, Videos und Co. Einen Überblick über die gängigsten Set-Top-Boxen und deren Features findest Du unter:

Zusammenfassung

  1. Smart TVs können eine Verbindung zum Internet herstellen. Dafür besitzen sie zusätzliche Schnittstellen
  2. Mit den Geräten lässt sich der von fast allen TV-Sendern in Deutschland unterstützte HbbTV-Standard nutzen. Das Fernsehprogramm wird interaktiv und individualisierbar
  3. Mit einem Smart TV kannst Du im Internet surfen, Spiele spielen, auf Online-Videotheken zugreifen oder Medieninhalte von anderen Geräten auf den Fernseher streamen
  4. Bedienen lassen sich die schlauen Modelle per Fernbedienung, Sprachsteuerung, Smartphone, Tablet, USB- oder Bluetooth-Tastatur
  5. Aufgrund fehlender Verschlüsselung steht der HbbTV-Standard heute noch vielfach in der Kritik. Der Datenschutz ist nicht immer gewährleistet
  6. Mit Set-Top-Boxen und HDMI-Sticks werden auch ältere Fernseher zum Smart TV

Beim Kauf eines neuen Fernsehers ist nicht nur die Frage nach den smarten Funktionen relevant. Grundsätzlich steht eine Entscheidung zwischen Plasma, LCD und LED auf dem Programm. Auch Curved-Fernseher gibt es immer noch. Das TV-Gerät sollte außerdem die richtigen Anschlüsse und die passende Auflösung haben. Für ambitionierte Heimkino-Fans lohnt sich vielleicht der Kauf eines 3D-Fernsehers.

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