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So spioniert Technik im Alltag unsere Daten aus

Technik ist nur nützlich, sondern sammelt auch unentwegt Daten.
Technik ist nur nützlich, sondern sammelt auch unentwegt Daten. (©picture alliance / blickwinkel/ McPHOTOs 2016)

Technik und Datenschutz ist mittlerweile ein echtes Dauerthema geworden. Nahezu alle technischen Geräte und Software-Programme, die wir verwenden, sammeln permanent Daten und senden diese an den Hersteller, Entwickler und dritte Firmen. Wir erklären an vier populären Beispielen, wo Deine Daten gesammelt werden und wofür diese verwendet werden.

Windows 10 als neuer Star unter den Datenspionen?

Schon seit dem Release von Windows 10 im Juli 2015 ist Datenschutz ein zentrales Thema, wenn es um das Betriebssystem geht. Die Bedenken vieler Nutzer sind dabei nicht unbegründet. Wählt man bei der Einrichtung von Windows 10 nämlich die "Expresseinstellungen", dann werden der Datensammelwut von Microsoft tatsächlich Tür und Tor geöffnet. Standardmäßig erfasst Windows 10 so ziemlich das komplette Nutzungsverhalten des PC-Besitzers und erkennt auch, wann und wie oft dieser bestimmte Apps verwendet.

Verwendet werden diese Daten laut Microsoft, um die Software weiter zu entwickeln. Das ist sicherlich auch korrekt, aber darüber hinaus sammelt das Unternehmen eben auch Daten für Marketing-Zwecke zum besseren Verkauf von Apps und anderen Produkten an den User. Zudem behält sich der Konzern die Möglichkeit vor, die gesammelten Daten mit anderen Unternehmen zu teilen.

Wer möglichst wenige Daten über sein persönliches Nutzungsverhalten an Microsoft weitergeben möchte, sollte deshalb bei der Einrichtung von Windows 10 auf keinen Fall die "Expresseinstellungen" wählen oder dem System die erteilten Berechtigungen nachträglich unter "Einstellungen > Datenschutz" wieder entziehen. Doch selbst wenn Nutzer Windows 10 alle Berechtigungen entziehen, lässt sich das Datensammeln nicht vollständig unterbinden. So oder so verbindet sich der PC regelmäßig mit Microsoft-Servern um bestimmte Daten zu übermitteln – oder zu empfangen.

 Windows 10 erfasst fleißig Nutzerdaten. fullscreen
Windows 10 erfasst fleißig Nutzerdaten. (©YouTube/Windows 2015)

Wahlweise praktisch oder kritisch lässt sich zudem die optionale Einstellung einstufen, wonach ein Windows 10-PC automatisch das WLAN-Passwort des Nutzers an dessen Facebook-, Skype- oder Outlook-Kontakte sendet. Besitzen diese dann ebenfalls ein Windows 10-Gerät und kommen in die Nähe des besagten WLAN-Netzwerkes, bekommen sie automatisch Zugang. Zwar wird das Passwort dabei verschlüsselt übertragen und kann vom Empfänger nicht eingesehen werden, trotzdem dürfte diese Funktion nicht jedem schmecken.

Der neue Star unter den Datensammlern ist Windows 10 dennoch nicht. Auch die Betriebssysteme von Apple oder Google sammeln nämlich auf die gleiche Art hemmungslos Nutzerdaten. Ein Trost ist das allerdings auch nicht wirklich.

PS4 und Xbox One: Was die Konsole alles wissen will

Doch nicht nur am PC sind die Nutzer der Datensammelwut der Industrie ausgesetzt. Auch wer sich heute eine Konsole ins Wohnzimmer stellt, muss damit rechnen, dass der Hersteller darüber munter Nutzerdaten sammelt. Aktuelle Systeme wie PlayStation 4 oder Xbox One tun das sogar ziemlich exzessiv und erfassen bei bestehender Online-Verbindung mit PlayStation Network oder Xbox Live nahezu das komplette Nutzungsverhalten ihrer Besitzer.

Was gespielt wird, wie lange und mit wem es gespielt wird, welche Apps heruntergeladen werden und selbst komplette Chats werden erfasst und gespeichert. Die Daten werden dann von Sony und Microsoft unter anderem für Marketing-Zwecke eingesetzt und können laut den Nutzungsbedingungen auch an Dritte weitergegeben werden.

 Die PS4 erfasst und teilt das Nutzerverhalten. fullscreen
Die PS4 erfasst und teilt das Nutzerverhalten. (©YouTube/ Playstation 2015)

Wer mit PS4 oder Xbox One spielt, sollte sich deshalb im Klaren darüber sein, dass praktisch all seine Aktivitäten mit der Konsole erfasst werden. Auf diese Weise können unter anderem umfangreiche Nutzerprofile über das Spiele- und TV-Verhalten der Nutzer erstellt werden. Wirklich schützen können sich User vor der Datensammlung nur, wenn sie ihre Konsolen weitgehend offline betreiben.

Smartphone-Apps: Im Netz der Werbeindustrie

Dieses Beispiel ist einfach, oder? Ganz klar, WhatsApp sammelt natürlich Daten für Facebook, Siri sammelt für Apple, YouTube für Google und Quizduell für die ARD. Doch halt! So einfach ist es eben nicht. In Wahrheit ist die Datensammelwut der Apps viel größer und für den Nutzer in den meisten Fällen praktisch nicht nachvollziehbar.

So sammeln die meisten beliebten Applikationen auch im Geheimen noch viele Daten über das Nutzerverhalten und senden diese, gegen Bezahlung natürlich, an sogenannte Werbenetzwerke weiter. Gerade für kostenlose Apps ist dies häufig die Hauptfinanzierungsquelle. Hinter den Werbenetzwerken selbst stehen wiederum alte Bekannte wie Facebook oder Google, aber auch Unternehmen wie Admoda oder InMobi, von denen wohl die wenigsten Smartphone-User jemals gehört haben. Sie nutzen die Daten, um dem User noch gezieltere und bessere Werbung zu verkaufen.

 Apps sind wahre Weltmeister im Datensammeln. fullscreen
Apps sind wahre Weltmeister im Datensammeln. (©TURN ON 2015)

Wie groß die Sammelwut der Apps teilweise ist, hatte unter anderem eine Studie der französischen Hochschule Eurecom aus dem Jahr 2015 aufgedeckt. So wurden im Rahmen eines Tests mit Music Volume EQ eine Android-App ausgemacht, die im Hintergrund Kontakt zu beinahe 2000 verschiedenen anderen Internetseiten aufnahm. Das Kuriose dabei ist, dass die App eigentlich nur dazu dient, die Lautstärkeeinstellungen auf dem Smartphone selbst zu verändern. Es ist schwer zu glauben, dass für diese Aufgabe der Kontakt zu 1900 verschiedenen URLs notwendig ist.

Insgesamt wurden für die Studie 2000 kostenlose Apps getestet, von denen sich 70 Prozent ohne Wissen des Nutzers mit diversen Adressen im Netz verbunden haben. Im Durchschnitt waren das über 40 Adressen. Häufig verkaufen einzelne Apps ihre Daten an mehrere Werbenetzwerke gleichzeitig. Der Nutzer gibt die Kontrolle darüber, wohin seine Daten gesendet werden, oft bereits mit der Installation der jeweiligen App ab.

Oculus Rift: VR-Brille mit Facebook-Anbindung

Ein ziemlich junger Fall von Technik, die Nutzerdaten sammelt, ist die VR-Brille Oculus Rift. Diese erfasst nämlich ebenfalls Daten – und zwar für den Oculus-Mutterkonzern Facebook. Glaubt man den Berichten von Magazinen wie Gizmodo, dann verbindet sich die Brille im Hintergrund mit einem Server des Konzerns und übermittelt permanent zwischen 5 KBit/s und 7 KBit/s an Daten.

Worum es dabei geht? Neben relativ harmlosen Daten zu Standort, Rechnerkonfiguration und den installierten Spielen werden auch Informationen zu Körpergröße, Körperform und Bewegungen des Spielers aufgezeichnet und weitergeleitet. Auch Chats, die mit anderen Spielern über die Oculus-Dienste durchgeführt werden, speichert der Hersteller. Wofür Facebook diese Daten braucht? Hauptsächlich natürlich für Marketing-Zwecke und um noch detailliertere Nutzerprofile erstellen zu können.

 Die Oculus Rift sammelt Daten für Facebook. fullscreen
Die Oculus Rift sammelt Daten für Facebook. (©TURN ON 2016)

Schlimmer wiegt allerdings die Tatsache, dass Facebook auch grundsätzliche alle Nutzungsrechte für Inhalte beansprucht, die User mit der Oculus Rift erstellen. Kreiert ein Hobby-Entwickler also eigene Software unter Verwendung der Oculus Rift, so wandern die Rechte automatisch an den Software-Riesen. Der Grund ist ziemlich simpel. Facebook behält sich so das Recht vor, die erstellten Inhalte bei Bedarf selbst zu verwenden, zu verkaufen oder anderweitig zu Geld zu machen. In diesem Punkt unterscheiden sich die Nutzungsbedingungen kaum von denen, die der Konzern auf seiner eigenen Plattform verwendet. Auch dort beansprucht Facebook pauschal erst einmal alles, was man als Nutzer postet für sich.

Hysterie ist fehl am Platz

Allein diese vier Beispiele klingen ziemlich gruselig und legen den Schluss nahe, dass neue Technik quasi nur noch dazu dient, den Kunden und Konsumenten im Auftrag der Werbeindustrie auszuspionieren. Dabei hat das Sammeln von Nutzerdaten tatsächlich auch einige Vorteile, die uns im Alltag oftmals gar nicht bewusst werden. So dienen die gesammelten Daten nämlich in den meisten Fällen durchaus auch der Verbesserung des Nutzungserlebnisses. Suchmaschinen und soziale Netzwerke können uns nur die besten Vorschläge machen, weil sie unsere Vorlieben und unser Nutzerverhalten kennen. Hysterie ist deshalb definitiv fehl am Platze.

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