Unscharfe Bilder scharf machen: Diese Möglichkeiten hast Du

Gib unscharfe Bilder nicht gleich auf. Oft lässt sich noch etwas rausholen.
Gib unscharfe Bilder nicht gleich auf. Oft lässt sich noch etwas rausholen. (©Adobe Stock/toonzzz 2018)
Franziska Peix Kann die Frage "Welcher Fitness-Tracker ist der beste?" nicht mehr hören.

In der Fotografie ist häufig Schnelligkeit gefragt. Da passiert es dann aber auch "schnell" einmal, dass ein Foto verwackelt. War es jedoch der einzige Schnappschuss von dem Moment, stellt sich die Frage: Lassen sich unscharfe Bilder scharf machen? Wir zeigen Dir verschiedene Möglichkeiten, wie Du verwackelte Fotos im Nachhinein noch etwas schärfen kannst.

Unschärfe kann natürlich auch ein Stilmittel in der Fotografie sein. Ärgerlich ist es jedoch, wenn ein Bild unabsichtlich unscharf gerät und es vielleicht sogar der einzige Schnappschuss von einem festzuhaltenden Moment ist. Willst Du unscharfe Bilder scharf machen, solltest Du vorab wissen, dass Unschärfe nicht gleich Unschärfe ist. Wir erklären Dir, wann ein Foto unscharf wird, und zeigen Dir unterschiedliche Methoden, das Bild nachträglich zu schärfen. Das geht zum Teil auch mit kostenlosen Tools und Programmen. Die besten Ergebnisse erzielst Du jedoch meist mit kostenpflichtiger Software wie Adobes Photoshop.

1. Diese Arten von Unschärfe gibt es

Wir gehen jetzt einmal davon aus, dass Dein Foto versehentlich unscharf geworden ist. Das kann zum einen daran gelegen haben, dass sich das Motiv oder die Kamera während der Belichtung bewegt hat. Das kann zum Beispiel bei Aufnahmen von Sportevents oder sich bewegenden Tieren der Fall sein. Auch wenn Du aus der Hand fotografiert und dabei gewackelt hast, wird das Foto bei längeren Belichtungszeiten unscharf.

Bewegungsunschaerfe
Bewegt sich Dein Motiv, ist es schwierig bis unmöglich, das ganze Bild scharf abzulichten.

Neben der Bewegungsunschärfe gibt es noch die Fokusunschärfe. Das passiert zum Beispiel, wenn Du den Autofokus benutzt und die Kamera den falschen Teil Deines Bildes scharf stellt. Während die "Out of focus"-Methode ein gewolltes Stilmittel sein kann, um etwa Bokeh-Effekte mit Lichtern im Dunkeln zu erzeugen, ist das falsche Fokussieren des Autofokus eher ärgerlich. Sowohl Bewegungsunschärfe als auch Fokusunschärfe können jedoch mit etwas Nachbearbeitung gemildert werden.

2. Unscharfe Bilder schärfen: Zwei Methoden in Adobe Photoshop

Der erste Weg führt über "Filter > Other > High Pass...". fullscreen
Der erste Weg führt über "Filter > Other > High Pass...". (©TURN ON 2018)
In der neuen Ebene wählst Du "Hard Light" und probierst unterschiedliche "Opacity"-Werte. fullscreen
In der neuen Ebene wählst Du "Hard Light" und probierst unterschiedliche "Opacity"-Werte. (©TURN ON 2018)
Der erste Weg führt über "Filter > Other > High Pass...".
In der neuen Ebene wählst Du "Hard Light" und probierst unterschiedliche "Opacity"-Werte.

In Adobes kostenpflichtigem Bildbearbeitungsprogramm Photoshop hast Du mehrere Möglichkeiten zum Schärfen unscharfer Bilder. Für die erste Methode, die wir Dir hier zeigen, musst Du Dein Bild öffnen und die Hintergrundebene mit dem Befehl "Strg + J" duplizieren. Stelle sicher, dass nun die neue Ebene "Layer 1" ausgewählt ist. Jetzt rufst Du "Filter > Other > High Pass..." (beziehungsweise das deutsche Pendant dazu) auf. Hier kannst Du im Feld "Radius" einen beliebigen Wert einstellen – je höher der Wert, desto stärker wird nachgeschärft. Allerdings wir das Ergebnis irgendwann sehr körnig. Wir haben mit dem Wert 10 Pixel gearbeitet.

In einem zweiten Schritt schaust Du Dir die Modi für die Ebenen an. Hier wechselst Du von "Normal" auf "Hard Light". Die Deckkraft der Ebene stellst Du im Feld "Opacity" ein. Wir haben uns in diesem Fall für 80 Prozent entschieden. Welcher Wert das schönste Ergebnis liefert, probierst Du am besten aus. Diese erste Methode funktioniert am besten bei Fokusunschärfe.

Unscharfe Bilder scharf machen 4
Die "Smart Sharpen"-Funktion lässt Dich gezielt gegen Bewegungsunschärfe in einer bestimmten Richtung vorgehen.

Du kannst mit Photoshop aber auch gezielt gegen Bewegungsunschärfe vorgehen. Dafür öffnest Du Dein Bild und wählst einen Schärfefilter aus. Je nachdem, welche Photoshop-Version Du nutzt, kann es sein, dass Du die Funktion unter "Filter > Sharpen > Shake Reduction" findest. Bei Adobe Photoshop CS2 kannst Du stattdessen die "Smart Sharpen"-Funktion nutzen. Wenn Du im Feld "Remove" "Motion Blur" einstellst, kannst Du sogar den Winkel der Bewegungsunschärfe einstellen. Das ist praktisch, wenn Du weißt, in welche Richtung die Kamera gewackelt hat. Taste Dich mit den Werten langsam an das ideale Ergebnis ran.

Nachschärfen ist eine Kunst

Generell gilt: Lieber etwas zu wenig nachschärfen, das wirkt natürlicher. Anfänger übertreiben es gerne mit den Kontrasten.

3. Unscharfe Fotos schärfen: So geht's kostenlos mit GIMP

In Gimp wählst Du "Filter > Verbessern > Schärfen (Unscharf maskieren)". fullscreen
In Gimp wählst Du "Filter > Verbessern > Schärfen (Unscharf maskieren)". (©TURN ON 2018)
Welche Werte zum besten Ergebnis führen, probierst Du am besten aus (z.B. mit gesetztem "Vorschau"-Häkchen). fullscreen
Welche Werte zum besten Ergebnis führen, probierst Du am besten aus (z.B. mit gesetztem "Vorschau"-Häkchen). (©TURN ON 2018)
In Gimp wählst Du "Filter > Verbessern > Schärfen (Unscharf maskieren)".
Welche Werte zum besten Ergebnis führen, probierst Du am besten aus (z.B. mit gesetztem "Vorschau"-Häkchen).

Eine Möglichkeit, mit dem kostenlosen Programm GIMP unscharfe Bilder zu schärfen, führt über die Unschärfe-Maske. Lass Dich von diesem Namen nicht irritieren, sie kann tatsächlich beim nachträglichen Schärfen helfen und bietet sich vor allem bei Fokusunschärfe an. Wähle dazu "Filter > Verbessern > Schärfen (Unscharf maskieren)" aus. Jetzt öffnet sich ein Fenster, in dem Du Werte für "Radius", "Menge" und "Schwellwert" einstellen kannst.

Wie viel Kontrast dem Bild hinzugefügt wird, entscheidet die "Menge", über "Radius" legst Du fest, was als Rand für die Schärfung gilt. Kleine Radiuswerte schärfen feine Details, große Werte greifen bei größeren Kanten. Beim "Schwellwert" gilt: Kleinere Werte schärfen mehr Kanten, größere Werte bewirken das Gegenteil. Ausprobieren lautet hier die Devise. Setzt Du einen Haken bei "Ansicht teilen", kannst Du Dir die Vorher- und Nachher-Version in einem Bild ansehen.

Nach einem Rechtsklick auf das Bild wählst Du "Ebene > Ebene duplizieren". fullscreen
Nach einem Rechtsklick auf das Bild wählst Du "Ebene > Ebene duplizieren". (©TURN ON 2018)
Anschließend "Filter > Verbessern > Hochpass ..." aufrufen. fullscreen
Anschließend "Filter > Verbessern > Hochpass ..." aufrufen. (©TURN ON 2018)
Zu guter Letzt stellst Du den Modus bei den Ebenen auf "Überlagern" und experimentierst mit der "Deckkraft". fullscreen
Zu guter Letzt stellst Du den Modus bei den Ebenen auf "Überlagern" und experimentierst mit der "Deckkraft". (©TURN ON 2018)
Nach einem Rechtsklick auf das Bild wählst Du "Ebene > Ebene duplizieren".
Anschließend "Filter > Verbessern > Hochpass ..." aufrufen.
Zu guter Letzt stellst Du den Modus bei den Ebenen auf "Überlagern" und experimentierst mit der "Deckkraft".

Auch GIMP bietet Dir die Möglichkeit, Fotos mit einem Hochpassfilter nachzuschärfen. Das Vorgehen ist hier ähnlich wie in Photoshop. Zunächst duplizierst Du die Ebene des Bildes über Rechtsklick, dann "Ebene > Ebene duplizieren". Nun wählst Du im Menü "Filter > Verbessern > Hochpass ..." aus und experimentierst mit den Werten. Anschließend musst Du auch hier den Modus bei den Ebenen wechseln: von "Normal" auf "Überlagern". Anschließend stellst Du noch die gewünschte Deckkraft ein – fertig.

4. Diese kostenpflichtigen Alternativen gibt es

Neben kostenpflichtigen Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop gibt es auch Software, die sich auf das Nachschärfen von Bildern spezialisiert hat. Diese ist in der Regel allerdings kostenpflichtig. Zwei Beispiele wären Blurity und Smart Deblur, bei denen auch das automatische Nachschärfen ansehnliche Ergebnisse liefern kann. Solche Tools nehmen Dir Arbeit ab, kosten aber auch Geld. Kostenlose Tools hingegen liefern selten brauchbare Ergebnisse ab.

Zusammenfassung

  1. Unschärfe kann durchaus ein Stilmittel sein. Wenn sie ungewollt auftritt, kannst Du aber dagegen vorgehen
  2. Wir unterscheiden Bewegungsunschärfe (Kamera oder Motiv haben sich bewegt) von Fokusunschärfe (der falsche Bildbereich wurde scharf gestellt)
  3. Gegen Fokusunschärfe kannst Du zum Beispiel in Photoshop oder GIMP mit einem Hochpassfilter vorgehen. Dafür duplizierst Du die Ebene, wählst den Filter aus, experimentierst mit den Werten und lässt anschließend beide Ebenen überlagern
  4. Bei Bewegungsunschärfe hilft die "Smart Sharpen"-Funktion von Photoshop, die Dich auch die Richtung der Bewegung einstellen lässt
  5. In GIMP kannst Du als alternativen Filter noch die Unschärfe-Maske testen
  6. Spezielle Software, die sich auf das Nachschärfen von Bildern konzentriert, kann Dir diese Arbeit abnehmen, kostet in der Regel aber Geld

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