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Virus auf dem iPhone – wie wahrscheinlich ist das eigentlich?

Ein Virus auf dem iPhone – wie wahrscheinlich ist das eigentlich?
Ein Virus auf dem iPhone – wie wahrscheinlich ist das eigentlich? (©Getty Images/Cesar Okada 2018)

Es ist ein geläufiger Mythos: Während Android- und Windows-Geräte sehr anfällig für Malware sind, soll ein Virus auf dem iPhone so gut wie unmöglich sein. Doch stimmt das überhaupt? Wir haben es überprüft.

Was ist überhaupt ein Virus?

Bevor wir uns mit der Frage nach Viren auf dem iPhone beschäftigen, muss zunächst definiert werden, was ein Virus überhaupt ist. Der Begriff "Virus" wird nämlich meist wenig trennscharf für jedwede schädliche Software verwendet. Tatsächlich machen Viren heutzutage aber nur einen recht kleinen Teil aller im Umlauf befindlichen Schadsoftware aus.

Vereinfacht gesagt ist ein Virus ein kleines Programm, das sich in intakten Dateien einnisten kann und dann verbreitet. Ein Virus benötigt ein Träger-Programm, um Schaden verursachen zu können. Für Schadsoftware im Allgemeinen sollte daher eher der Begriff Malware verwendet werden, der neben Viren auch Trojaner, Adware, Ransomware, Spyware, Dialer und Ähnliches mit einschließt.

 iOS ist durch verschiedene Mechanismen vor Malware geschützt. fullscreen
iOS ist durch verschiedene Mechanismen vor Malware geschützt. (©Thinkstock/iStockphoto/allanswart 2017)

So schützt Dich iOS vor einem Virus

Apple hat in sein mobiles Betriebssystem iOS jede Menge Sicherheitsmaßnahmen eingebaut, die Dich vor einem Virus auf dem iPhone schützen sollen. Hier der Überblick:

  • Kontrolle des App Stores: Apples strenge Kontrollmechanismen für den App Store mögen manchem Android-Nutzer sehr restriktiv erscheinen, sorgen aber gleichzeitig für mehr Sicherheit auf iPhone und iPad. Im Gegensatz zu Android können iOS-Apps nicht via Sideload aus anderen Quellen installiert werden – der einzige offizielle Weg zu einer App führt daher über den App Store. Apple kontrolliert dort jeden Neuzugang akribisch auf mögliche Malware-Bestandteile.
  • Sandbox: Apple nutzt bei iOS eine Sicherheitsfunktion namens Sandbox. Diese erstellt einen isolierten Bereich, innerhalb dessen jede Maßnahme keine Auswirkung auf die äußere Umgebung hat. Selbst wenn eine App also Schadcode enthalten sollte, kann sie damit nur sehr wenig in anderen Apps ausrichten. Zudem laufen fast alle Apps nur mit eingeschränkten iOS-Rechten und haben etwa keinen Admin-Zugriff oder die Berechtigung, Systemeinstellungen zu verändern.
  • iOS-Updates: Apple ist bekannt für seine schnellen iOS-Updates, die meist auch für mehrere Jahre alte Geräte ausgeliefert werden. Somit wird sichergestellt, dass eine Sicherheitslücke bei möglichst vielen Produkten zeitnah geschlossen wird.

Beispiele für iPhone-Malware

Durch alle diese Maßnahmen von Apple ist iOS also im Vergleich zu Android oder Windows deutlich besser gegen Malware und Viren geschützt. Das bedeutet allerdings nicht, dass eine Schadsoftware nicht auch ein iPhone oder iPad befallen kann. Hier ein paar bekannte Beispiele aus der Vergangenheit.

  • Im März 2017 wurde bekannt, dass die CIA mehrere Zero-Day-Lücken zum Knacken von iPhones nutzte
  • Vor dem Release von iOS 10.3 im März 2017 konnten Betrüger iPhone- und iPod-Nutzer in endlosen Pop-up-Schleifen gefangen halten
  • September 2015 stahlen Hacker mit der Malware KeyRaider die Daten von 225.000 Apple-Accounts
  • Ebenfalls im September 2015 wurden durch Xcode Ghost Dutzende Malware-Apps in den App Store eingeschleust
  • WireLurker bedrohte im November 2014 iPhones, iPads und Macs
 Echte Viren gibt es auf dem iPhone eigentlich nicht – Malware hingegen schon. fullscreen
Echte Viren gibt es auf dem iPhone eigentlich nicht – Malware hingegen schon. (©CC: Flickr/Yuri Samoilov 2016)

    Darum ist ein Jailbreak ein Sicherheitsrisiko

    Wie bereits erwähnt hat Apple diverse Maßnahmen in iOS eingebaut, um eine hohe Sicherheit zu gewährleisten. Wer allerdings einen Jailbreak auf seinem iPhone installiert, um mehr individuelle Einstellungen vornehmen zu können, riskiert gleichzeitig das Eindringen von Malware und Viren.

    Nach einem Jailbreak können beispielsweise Apps aus alternativen App Stores installiert werden. Obwohl diese Freiheit womöglich verlockend klingt, fallen somit auch sämtliche App-Kontrollen durch Apple weg. Auch aufgrund dieser Tatsache ist die Blütezeit von Jailbreaks mittlerweile vorüber.

     Von einem Jailbreak kann man eigentlich nur abraten. fullscreen
    Von einem Jailbreak kann man eigentlich nur abraten. (©iPhoneHacks 2017)

    Lohnen sich Antivirus-Apps für das iPhone?

    Obwohl ein iPhone – wohlgemerkt eines ohne Jailbreak – also relativ sicher ist und kaum von Viren befallen werden dürfte, tummeln sich im App Store zahllose Antivirus-Apps. Aber sind diese überhaupt sinnvoll?

    Ein genauer Blick auf Virenscanner fürs iPhone zeigt schnell, dass diese Apps deutlich weniger Funktionen als versprochen bieten. So können die Anwendungen aufgrund der iOS-Sandbox (siehe oben) gar nicht wirklich nach Viren auf dem Apple-Smartphone suchen. Stattdessen haben diese Apps meist Features wie eine Smartphone-Ortung, Schutz vor gefährlichen Webseiten durch Surfen oder Benachrichtigungen bei neuen iOS-Updates – das ist vielleicht praktisch, aber weit von einem echten Virenscanner entfernt. Zudem bietet iOS die meisten dieser Funktionen schon von Haus aus.

    Zusammenfassung

    1. Viren sind nur ein Teil von Malware und mittlerweile recht selten – deutlich häufiger treten heutzutage Dinge wie Spyware oder Adware auf
    2. iOS ist durch strenge Kontrollen des Apps Stores, Sandboxing und schnelle Updates gut gegen Malware geschützt
    3. Trotzdem gab es in der Vergangenheit auch auf dem iPhone immer wieder Malware-Fälle
    4. Das größte Sicherheitsrisiko ist ein Jailbreak, der absolut nicht zu empfehlen ist
    5. Virenscanner fürs iPhone sind größtenteils nutzlos und bieten meist Funktionen, die iOS sowieso schon besitzt
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