Ratgeber

Vor- und Nachteile von Funkkopfhörern

Der Beats Solo 2 Wireless ist einer der teuersten Bluetooth-Kopfhörer.
Der Beats Solo 2 Wireless ist einer der teuersten Bluetooth-Kopfhörer. (©TURN ON 2015)

Im Gegensatz zu Kopfhörern mit Klinkenstecker verursachen Funkkopfhörer keinen lästigen Kabelsalat. Doch bringen sie auch dieselbe Leistung wie die kabelgebundenen Modelle? Wir haben einmal die Vor- und Nachteile von Funkkopfhörern für Dich zusammengestellt.

Der klassische kabelgebundene Kopfhörer kostet bei einigen Gelegenheiten ganz schön Nerven: Beim Joggen verheddert sich das Kabel in regelmäßigen Abständen und reißt die In-Ears aus den Ohren und einmal in die Hosentasche gestopft, kommt das Kabel als nahezu unentwirrbares Knäuel wieder zum Vorschein. Funkkopfhörer bieten hier eine kabellose Alternative. Doch die Geräte haben nicht nur Vorteile.

Infrarot, Bluetooth oder Funk?

Die Audio-Signale des Wiedergabegeräts werden mittels Infrarot, Radio-Funk, WLAN (= Funk über lange Distanzen) oder Bluetooth (= Funk über kurze Distanzen) an den kabellosen Kopfhörer gesendet. Dieser Übertragungsweg ist vor allem bei Infrarot-Kopfhörern störungsanfällig. Die Reichweite ist gering, zudem dürfen keine Hindernisse wie eine Zimmerwand den Infrarot-Kontakt zwischen Sender und Empfänger stören. Andernfalls bricht die Funkverbindung ab oder das schwache Audio-Signal wird von dem Funkkopfhörer in schlechter Qualität wiedergegeben. Während bei Funkkopfhörern mit Infrarotübertragung der Sichtkontakt zwischen beiden Geräten als Maximalentfernung gilt, bieten Kopfhörer mit Bluetooth mehr Bewegungsspielraum: Sie erreichen im Normalfall eine Reichweite von zehn Metern – auch wenn eine Wand dazwischen ist.

fullscreen
Die Sony h.ear on Wireless NC Kopfhörer gehören zu den ersten Bluetooth-Kopfhörern mit LDAC-Bluetooth, das kabellos CD-Qualität und angeblich sogar Hi-Res-Audio ermöglicht. (©Sony 2016)

Zum Glück gibt es Kopfhörer mit Infrarotempfang kaum noch. Besser sind Kopfhörer mit Funkempfang, die Titel gebenden "Funkkopfhörer". Sie funktionieren mit Funkwellen, wie ein Radio. Und wie bei Radios ist die Tonqualität in der Regel nicht so gut wie über Klinkenkabel oder gar optisches Kabel oder HDMI-Kabel. Dennoch können sie bereits ziemlich nahe herankommen. Sennheiser verwendet etwa das Kleer-Wireless-Protokoll, das im Unterschied zum Bluetooth-Standard A2DP das Audiosignal unkomprimiert und mit 16 Bit und 44 kHz überträgt.

Analoge oder digitale Funkkopfhörer

Analoge Funkkopfhörer senden in den Frequenzen 863 bis 865 MHz und erreichen gute Radioqualität. Ein Beispiel ist der Sony MDR-RF865RK. Immerhin empfängt er bis zu 100 Meter weit noch Signale und wird nicht durch WLAN-Netzwerke gestört. Digitale Funkkopfhörer senden im Frequenzbereich von 2,4 bis 2,48 GHz und inzwischen häufig zusätzlich im 5 GHz Spektrum. Hier ist die Tonqualität besser. Bei den Funkkopfhörern, die im 2,4 GHz bereich funken, kann es Probleme mit anderen WLAN-Geräten geben, wie etwa dem Notebook, die auch im 2,4 GHZ-Bereich senden. Neuere Funkkopfhörer wie das Turtle Beach Elite 800P senden im 2,4 GHz und im 5 GHz Bereich. Die Verbindungsqualität ist hier somit recht solide.

fullscreen
Der Sony-HW700DS bietet simulierten 9.1 DTS-Klang via Dualband-Wi-Fi (©Sony 2016)

Bluetooth

Bluetooth ist grundsätzlich auch Funk, konkret eine Funkübertragung über kurze Distanzen (WPAN) im Frequenzbereich von 2,4 GHz. Bluetooth holt aktuell auf. Besonders spannend ist der neue Übertragungsstandard LDAC von Sony. Er überträgt drei Mal so viele Daten wie herkömmliches Bluetooth. Der bislang beste Bluetooth-Standard war apt-x, der 328 kbps an Daten übertragen hat. Das entspricht guter MP3-Qualität. Und im Gegensatz zu den Behauptungen einiger Hersteller bedeutet es eben keine CD-Qualität. Sonys LDAC erlaubt eine Bitrate von 990 kbps. Zum Vergleich: CDs werden mit einer Bitrate von 1411 kbps abgespielt. Aber mit einer Kompression der Musik in verlustlosen Formaten wie FLAC und ALAC erreicht LDAC de facto CD-Qualität.

Mit LDAC soll jedoch gar verlustfreies Hi-Res-Audio möglich (4,5 Mbps) sein, behauptet Sony. Hierfür wird die Hi-Res-Musik komprimiert mit 990 kbps versendet und vom Empfangsgerät, etwa von Kopfhörern, wieder entpackt, um eine Bitrate von 4.5Mbps zu ermöglichen. Sony behauptet jedenfalls laut avhub.com, das irgendwie geschafft zu haben. Via WLAN-Übertragung sind höhere Bitraten möglich. Sollte LDAC wie versprochen funktionieren, dürfte das Ergebnis trotzdem in etwa gleich klingen.

Was ist besser?

Digitale Funkkopfhörer, die in den Frequenzbereichen von 2,4 GHz und 5 GHz senden, liefern potenziell den besten Ton. Besser als Infrarot, Bluetooth und besser als analoge Funkkopfhörer. Die Qualität der Kopfhörer selbst spielt jeweils auch eine wichtige Rolle für den Ton und nicht nur die Methode zur Tonübertragung. Die Bluetooth-Übertragung mit Sonys LDAC ist qualitativ sehr nahe dran.

Vorteile von Funkkopfhörern

Der hauptsächliche Vorteil von Funkkopfhörern ist die Bewegungsfreiheit. Man verheddert sich nicht mehr in Kabeln, das Kabel wird nicht mehr zum unentwirrbaren Knäuel, wenn man es in die Tasche steckt.

Digitale Funkkopfhörer für Fernseher wie der Sony HW700DS verfügen außerdem teils – im Gegensatz zu den kabelgebundenen Modellen –über einen Rundumklang, den sogenannten Surround-Sound.

fullscreen
Der Sennheiser Urbanite XL Wireless hat eine Bluetooth-Reichweite von zehn Metern. (©TURN ON 2015)

Nachteile von Funkkopfhörern

Um die Audio-Signale in Musik oder Sprache umzuwandeln, benötigen Kopfhörer Strom. Kabelgebundene Kopfhörer beziehen ihre Energie über das Wiedergabegerät, Funkkopfhörer müssen sich dagegen über eine eigene Energiequelle mit Strom versorgen. Für diesen Zweck sind sie mit kleinen Akkus ausgerüstet. Nachteil: Sind die Akkus leer, stellen die meisten Funkkopfhörer ihren Dienst ein und müssen auch per Kabel mit dem Abspielgerät verbunden werden. Aus diesem Grund müssen Funkkopfhörer regelmäßig aufgeladen werden. Darüber hinaus wirkt sich das Eigengewicht der kompakten Energiequellen negativ auf den Tragekomfort der Funkkopfhörer aus.

Neben der Unabhängigkeit von einer zweiten Stromquelle und dem geringeren Eigengewicht bieten kabelgebundene Kopfhörer meist auch noch eine bessere Soundqualität als Funkkopfhörer – in den letzten Monaten haben Bluetooth-Geräte wie der Beats Solo 2 Wireless oder der Sennheiser Urbanite XL Wireless aber deutlich aufgeholt. Nicht zu vergessen sind digitale Funkkopfhörer für Zuhause, die eine sehr gute Qualität erreicht haben. Die Zukunft sieht dank Sonys LDAC-Standard außerdem auch für Bluetooth sehr rosig aus.

Zusammenfassung

  1. Funkkopfhörer empfangen Audio-Signale über Infrarot oder Funk (Wi-Fi / Bluetooth)
  2. Vorteil: Funkkopfhörer bieten deutlich mehr Bewegungsfreiheit
  3. Vorteil: Funkkopfhörer sind teils mit Surround-Sound ausgestattet
  4. Nachteil: Um die Signale umzuwandeln, benötigen Funkkopfhörer eine eigene Energiequelle
  5. Nachteil: Die integrierten Akkus bringen ein Eigengewicht mit und müssen regelmäßig geladen werden
  6. Nachteil: An die Soundqualität der kabelgebundenen Kopfhörer kommen Funkkopfhörer oft noch nicht heran. Es gibt allerdings große Fortschritte. Mit Wi-Fi und dem Bluetooth-Standard LDAC ist bei kabellosen Kopfhörern mindestens CD-Qualität möglich, auch wenn die Frage nach echtem Hi-Res-Sound noch nicht abschließend beantwortet ist.
Artikel-Themen

Weitere Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben