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Welches Objektiv brauche ich für meine Kamera?

Woran erkenne ich ein gutes Objektiv? Wir geben einen Überblick.
Woran erkenne ich ein gutes Objektiv? Wir geben einen Überblick. (©CC: Flickr/Evan Blaser 2015)

Wer mehr aus seinen Aufnahmen herausholen will, muss sich auch intensiver mit dem Objektiv, nicht nur der eigentlichen Kamera auseinandersetzen. Denn die Optik beeinflusst die Qualität der Aufnahmen maßgeblich. Doch worauf kommt es wirklich an? Wir bringen Licht ins Dunkel.

Das perfekte Objektiv?

Bei der Frage nach dem richtigen Objektiv gilt es zunächst, zwischen fest verbauten und wechselbaren Objektiven zu unterscheiden. Wer zur Kompaktkamera oder zum Smartphone für seine Schnappschüsse greift, legt sich beim Kauf fest, was für ein Objektiv zum Einsatz kommt. Deutlich mehr Flexibilität bieten hingegen System- oder Spiegelreflexkameras, denn hier lassen sich die Optiken im Nachhinein tauschen.

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Kompaktkameras besitzen ein fest verbautes Objektiv – in der Regel mit Zoom-Funktion. (©Canon 2015)

Allen gemein ist jedoch, dass es – wie so oft – das perfekte Objektiv nicht gibt. Bedingt durch die Eigenschaften wie Brennweite oder Lichtstärke gibt es nicht das eine Objektiv, das in jeder Situation das perfekte Bild einfängt. In der Folge sind in Kompaktkameras zumeist einfache Standard-Zoomobjektive verbaut, die versuchen, möglichst vielen Situationen gerecht zu werden. Der Markt der Wechselobjektive hingegen bietet deutlich mehr Spielraum für spezielle Verwendungszwecke und besonders ausdrucksstarke Aufnahmen. Doch welche Eigenschaften sind entscheidend für was?

Brennweite: Das Fenster zur Welt

Die Brennweite eines Objektivs bestimmt das Sichtfeld der Kamera, also das, was im Bild zu sehen ist. Je größer der Abstand zwischen Linse und Brennpunkt ausfällt, desto eingeschränkter wird der Bildausschnitt – wohingegen eine kurze Brennweite den Sichtbereich erweitert. Sogenannte Teleobjektive mit einer langen Brennweite von 70, 200 oder gar 1.300 Millimetern sind geeignet, Objekte in größerer Entfernung abzulichten. Eine kurze Brennweite zwischen 10 und 35 Millimetern öffnet das Sichtfeld hingegen in die Breite, weswegen hier von Weitwinkel gesprochen wird.

Für die Aufnahme bedeutet das: Je kleiner die Brennweite, desto kleiner werden die abgebildeten Objekte, aber umso mehr passt auf das Bild. Bei großen Brennweiten wird das abzulichtende Objekt entsprechend vergrößert, dafür ist links und rechts davon weniger zu sehen. Zum Vergleich: Der Bereich zwischen 35 und 70 Millimetern entspricht in etwa dem Sichtfeld des menschlichen Auges und wirkt deshalb am natürlichsten.

Weitwinkel-, Normal- oder Teleobjektiv?

Ein gutes Objektiv liefert entsprechend nur in einem bestimmten Einsatzbereich erstklassige Bilder. Bei Landschaftsaufnahmen spielen Weitwinkelobjektive ihre Vorteile aus: Dank des breiten Sichtfeldes sind sie perfekt für Panorama-Aufnahmen geeignet. Zudem lässt sich mit ihnen das Gefühl von Tiefe besser einfangen, da Objekte in der Nähe sehr groß und entfernte Objekte sehr klein erscheinen.

Ultra-Weitwinkel fullscreen
Teleobjektiv fullscreen

Geht es etwa im Bereich der Makrofotografie darum, Details festzuhalten, machen sich Teleobjektive bezahlt. Sie erlauben, Entferntes sehr nah heranzuholen, was notwendig wird, wenn sich der Abstand zwischen Kamera und abzubildendem Objekt nicht verkleinern lässt. Hier wiederum rücken Vorder- und Hintergrundobjekte näher zusammen. Die mit Teleobjektiven geschossenen Landschaftsaufnahmen wirken somit näher und gedrungener. Die meisten Standard- oder Kit-Objektive bewegen sich mit Brennweiten zwischen 18 und 135 Millimetern zwischen beiden Welten und versuchen, möglichst viel abzudecken.

Zoomobjektiv

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Zoomobjektive sind flexibler einsatzbar als Optiken mit Festbrennweite. (©CC: Flickr/assillo 2015)

Die meisten Objektive sind aber nicht auf eine Brennweite festgelegt, sondern erlauben mittels Zoom-Funktion, den Abstand zwischen Linse und Brennpunkt und somit ihren Blickwinkel zu verändern. In den Datenblättern von Zoomobjektiven finden sich unter dem Punkt Brennweite Angaben wie 18-55mm oder 70-200mm. Zoomobjektive bieten dadurch den unschlagbaren Vorteil, dass sich der gewünschte Bildausschnitt einfach anpassen lässt, ohne dass der Fotograf seine Position verändern muss. Unter der komplexen Bauweise mit vielen Linsen leidet allerdings die Abbildungsqualität, insbesondere bei einfachen Standardobjektiven. Ein weiterer Nachteil der Zoomobjektive ist, dass sie bauartbedingt weniger Licht durchlassen, da die Blende weniger Spielraum hat.

Festbrennweite

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Objektive mit Festbrennweite liefern dafür meist eine höhere Bildqualität. (©CC: Flickr/Markus Grossalber 2015)

Hier wiederum spielen Objektive mit Festbrennweite ihre Vorteile aus. Diese haben nur eine fest eingestellte Brennweite und müssen folglich ohne Zoom auskommen. Dadurch lässt sich der Bildausschnitt nur durch die Position der Kamera beeinflussen. Dafür punkten diese Modelle mit einer einfacheren und leichteren Bauweise, die weniger anfällig für Abbildungsfehler ist und mehr Licht auf den Bildsensor durchlässt. Viele Fotoexperten argumentieren zudem, dass durch die eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten bei Festbrennweiten der fotografische Blick geschärft und mehr Kreativität gefordert wird, was sich am Ende durch imposantere Fotos bezahlt macht.

Lichtstärke: Der Garant für gute Bilder

Nach der Brennweite ist die Lichtstärke eines Objektivs der zweite, wichtige technische Faktor. Wie lichtstark ein Objektiv ist, also wie viel Lichtenergie aufgenommen und an den Sensor durchgereicht wird, lässt sich anhand der maximalen Blende ablesen. Je größer die Blende (und je kleiner die Blendenzahl), desto weiter öffnet sich der Verschluss des Objektivs und desto mehr Licht fällt auf den Sensor. Eine große Lichtstärke zahlt sich immer aus, da die Kamera so viele Bildinformationen innerhalb kürzester Zeit aufnimmt. Ganz praktisch lassen sich mit einem lichtstarken Objektiv selbst bei schlechten Lichtverhältnissen ohne Blitz und Stativ noch sehr gute Ergebnisse erzielen. Das gleiche ist zwar auch mit einer längeren Belichtungszeit möglich. Allerdings ist das in dynamischen Situationen mit sich bewegenden Objekten kaum oder nur mit viel Aufwand umsetzbar.

Kleine Blendenzahl für große Blendenöffnung

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Je weiter sich die Blende öffnet, desto mehr Licht kann auf den Sensor fallen. (©CC: Flickr/Nayu Kim 2015)

Im Datenblatt findet sich die Angabe über die Blende direkt hinter der Brennweite. So verrät die Angabe "16-300mm f3.5-6.3", dass es sich hierbei um ein Zoomobjektiv mit einer Brennweite von 16 Millimetern (Weitwinkel) bis 300 Millimetern (Teleobjektiv) handelt, dessen Lichtstärke bei 16 Millimetern f/3.5 und bei 300 Millimetern nur noch f/6.3 beträgt. Die angegebenen Werte stehen für die maximale Blende, wobei eine kleine Blendenzahl für eine größere und eine große Blendenzahl für eine kleinere Blendenöffnung steht. Wichtig zu wissen ist, dass sich der Lichteinfall von Blende zu Blende (f/1.0, 1.2, 1.4, 2, 2.8, 4, 5.6, 8, 11, 16 ,22) jeweils halbiert. Bei einer Blende von 4 fällt immer noch doppelt so viel Licht ins Objektiv wie bei einer Blende von 5.6. Je lichtstärker ein Objektiv ist, desto größer und teurer wird es allerdings.

Verarbeitungsqualität, Bildstabilisator, Verzeichnungen & Co.

Neben den bauartbedingten Eigenschaften eines Objektivs gibt es aber auch noch eine Reihe weicher Faktoren, welche die Qualität des Objektivs und somit die Aufnahmen beeinflussen. So nützen die besten Eigenschaften wenig, wenn es an der Qualität der verbauten Linsen und Mechanik hapert und diese nicht perfekt aufeinander abgestimmt sind. Für Außeneinsätze ist ein geeigneter Schutz vor Staub und Feuchtigkeit ebenso wichtig.

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Ein gutes Objektiv ist natürlich auch ausgezeichnet verarbeitet. (©CC: Flickr/Leo-setä 2015)

Damit bei Aufnahmen aus der Hüfte möglichst ruhige und scharfe Bilder entstehen, haben einige Objektive einen Bildstabilisator integriert. Dieser gleicht Bewegungen der Kamera während der Aufnahme aus, was allerdings nicht nur den Preis des Objektivs in Höhe treibt, sondern auch das Gewicht und den Stromverbrauch. Vor allem einfache Weitwinkelobjektive neigen in bestimmten Konstellationen zu Verzeichnungen, also falschen Proportionen der Objekte sowie sich zum Rand hin verkrümmende Linien.

Für den praktischen Alltagseinsatz spielen zudem Größe und Gewicht der Objektive eine entscheidende Rolle. Denn selbst die beste Fotoausrüstung nützt nichts, wenn sie nicht zum Einsatz kommt. Wer für alle Situationen immer das passende Objektiv dabei haben will, sieht sich schnell mit einem Trekking-Rucksack mittlerer Größe konfrontiert, der mal eben 20 Kilogramm und mehr auf die Waage bringt.

Zusammenfassung

  1. Kompaktkameras, Smartphones & Co. sind mit einem fest verbauten Objektiv ausgestattet. Hier muss man sich vor dem Kauf für das passende Modell entscheiden
  2. System- und Spiegelreflexkameras bieten dank Wechselobjektiv mehr Flexibilität
  3. Die Brennweite eines Objektives bestimmt den sichtbaren Bildausschnitt, wobei Weitwinkel, Normal- und Teleobjektive unterschiedliche Brennweiten abdecken
  4. Jede Brennweite produziert Bilder mit unterschiedlichen Eigenschaften, daher gibt es nicht das eine Modell für jede Situation
  5. Bei Zoomobjektiven lässt sich die Brennweite in einem gewissen Bereich variieren. Das bietet mehr Freiheiten bei der Wahl des Bildausschnittes – allerdings auf Kosten der Qualität
  6. Objektive mit Festbrennweite haben keine Zoom-Funktion, allerdings gelingen damit in der Regel bessere Bilder
  7. Ein Grund dafür ist ihre vergleichsweise hohe Lichtstärke
  8. Die Lichtstärke eine Objektives bestimmt sich durch die maximale Blende
  9. Je kleiner die Blendenzahl, desto mehr Licht kann die Kamera einfangen, was sich bei schwierigen Lichtverhältnissen bezahlt macht
  10. Aber auch die Verarbeitungsqualität, Wetterfestigkeit oder das Gewicht sind entscheidend für die Qualität und Alltagstauglichkeit eines Objektivs
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