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Wo kommen eigentlich die Emojis her?

Emojis sind aus unserer Kommunikation nicht mehr wegzudenken.
Emojis sind aus unserer Kommunikation nicht mehr wegzudenken. (©Getty Images/Westend61 2018)

Emojis sind längst zu einer universellen Ausdrucksform geworden, die beinahe auf der ganzen Welt genutzt wird. Doch wo kommen die kleinen Bildchen eigentlich her und wer entscheidet, welche neuen Emojis eingeführt werden? Eine Begegnung mit Mark Davis, dem Präsidenten des Unicode-Konsortiums.

Der Traum, eine Sprache zu erschaffen, die von Menschen auf der ganzen Welt gesprochen und verstanden wird, ist bereits mehrere Hundert Jahre alt. Während es im Laufe der Geschichte immer wieder bestimmte Sprachen gab, die in bestimmten Regionen der Welt dominierend waren, so entwickelte sich dennoch nie so etwas wie eine universelle Sprache über alle Kulturkreise hinweg.

TURN ON war zu Besuch in der Deutschland-Zentrale von Google und hat mit dem Chef des Unicode-Konsortiums gesprochen. (© 2018 TURN ON)

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Kommunikation jedoch grundlegend verändert. Durch die Vernetzung von Computern konnten plötzlich Menschen auf der ganzen Welt per Textnachricht in Kontakt zueinander treten. Um sich besser ausdrücken zu können, schlichen sich in die Kommunikation dabei zunehmend auch kleine Grafiken ein, die sich mit Tastenkombinationen aus Komma, Punkt, Strich und Klammer erstellen ließen – die sogenannten Smileys. Sie waren gewissermaßen der Vorläufer zur ersten wirklich universellen Zeichensprache, die heute fast jeder von uns täglich verwendet: die Emojis.

Wie die Emojis zur universellen Ausdrucksform wurden

Es war der Japaner Shigetaka Kurita, der 1999 damit begann, aus den Smiley-Zeichen kleine Grafiken zu basteln, die sich auf den Displays damaliger Mobiltelefone darstellen ließen. Diese Bildchen hießen damals noch i-Modes und verbreiteten sich rasend schnell. 2010 wurden sie schließlich unter dem Namen Emojis in den sogenannten Unicode aufgenommen, also jenen Standard, der für die Vereinheitlichung von Buchstaben und Schriftzeichen zuständig ist und der dafür sorgt, das Computer einzelne Wörter und Buchstaben – egal aus welcher Sprache sie stammen – anhand eines einheitlichen Codes erkennen und zuordnen können.

So sahen 1999 die Ursprünge der Emojis aus. (© 2018 TURN ON)

So entsteht ein neues Emoji

"Der Herr der Emojis" ist seither der Kalifornier Mark Davis, seines Zeichens Präsident des Unicode-Konsortiums, das für die Verwaltung und Erweiterung des Unicode-Zeichensatzes zuständig ist. Ich hatte die Gelegenheit, Davis bei einem Besuch in der Deutschland-Zentrale von Google zu treffen und mir, gemeinsam mit anderen Gästen, erklären zu lassen, wie die Emojis entstehen und warum es immer mehr davon gibt.

Mark Davis ist so etwas wie "Der Herr der Emojis". (© 2018 Google LLC)

Getragen wird das Unicode-Konsortium, das als gemeinnützige Organisation operiert, von seinen Mitgliedern. Das sind vor allem führende Unternehmen aus der Software- und Computer-Branche wie Microsoft, Apple, Google, Facebook oder Huawei. Mark Davis selbst verdient sein Geld als Verantwortlicher für den Bereich Internationalisierung bei Google in der Schweiz.

Die Mitglieder des Unicode-Konsortiums. (© 2018 TURN ON)

Vorschläge für neue Emojis kommen in den meisten Fällen direkt von den Mitgliedern. Seit einigen Jahren hat aber praktisch jeder die Möglichkeit, eigene Vorschläge für neue Emojis einzureichen. Laut Davis müssen die Vorschläge aber einige Kriterien erfüllen, damit sie auch umgesetzt werden. So muss die Person, die sie einreicht, glaubhaft machen, das ein Zeichen wichtig ist und vermutlich oft verwendet werden wird. Gleichzeitig darf keine zu große Ähnlichkeit oder Verwechslungsgefahr mit einem bereits bestehenden Emoji bestehen.

Sind diese Kriterien erfüllt, stimmen die Mitglieder des Unicode-Konsortiums einmal im Jahr über die Einführung der neuen Emojis ab. Allein für dieses Jahr wurden so wieder über 150 neue Bildchen für die Verwendung freigegeben, die irgendwann auch ihren Weg auf Smartphones und in Chat-Apps finden werden. Das hängt im Einzelnen von den Update-Zyklen der Entwickler ab.

Wenn ein Talkshow-Moderator sein eigenes Emoji bekommt

Ein Lieblings-Emoji hat Mark Davis übrigens auch, nämlich das Smiley mit dem nach oben gezogenen Augenbrauen, das er selbst gern als das Colbert-Emoji bezeichnet. Inspiriert wurde es laut Davis nämlich maßgeblich von US-Talkshow-Legende Stephen Colbert.

Selbstkritisch zeigte sich Davis hingegen bei den Hautfarben für Emojis. So habe sich das Konsortium seiner Meinung nach zu viel Zeit dabei gelassen, verschiedene Hautfarben zu implementieren. Viele Menschen hätten sich deshalb lange Zeit nicht adäquat repräsentiert gefühlt.

Mark Davis selbst sieht in den Emojis übrigens trotz ihres gigantischen Erfolgs nicht das Potenzial zu einer neuen, echten Weltsprache zu werden. Sie dienen seiner Meinung nach eher zum Ausdrücken von Emotionen, sind in dieser Funktion aber schon universell einsetzbar.

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