menu
Highlight

Wozu wir in Zukunft schnelles Internet brauchen – und wofür nicht

5G sorgt für ein flotteres mobiles Internet und Wi-Fi 6 macht dem WLAN-Router zu Hause Beine. Wir können allerdings schon heute mit LTE und Wi-Fi 5 Filme in 4K-Auflösung streamen und Online-Games zocken – Surfen, Social Media und Co. sind längst selbstverständlich. Wozu wir das schnelle Internet eigentlich brauchen, der Frage gehen wir im folgenden Artikel nach.

Ist das Internet nicht schon schnell genug?

Können wir mit den heute verfügbaren Internetstandards nicht bereits alles online erledigen, was uns so einfällt? Mails checken und über Messenger-Apps chatten geht schon lange, doch selbst mit 4K-Streaming, den neuesten Online-Games und dem Download von großen Spielen sind die aktuellen Standards nicht überfordert. Wie es mit dem Ausbau von schnellem Internet in ländlichen Regionen steht, ist wiederum eine andere Frage. Aber die Technik ist grundsätzlich verfügbar, oder?

Stimmt. Für diese Zwecke brauchen wir tatsächlich nicht unbedingt 5G und Wi-Fi 6.

Diese Internet-Geschwindigkeit brauchst Du für:

  • Videos in HD streamen: Mindestens 5 MBit/s
  • Videos in 4K streamen: Mindestens 25 MBit/s
  • Videos in 8K streamen: Mindestens 50 MBit/s
  • Spiele streamen in Full HD (Stadia): Mindestens 20 MBit/s
  • Spiele streamen in 4K HDR (Stadia): Mindestens 35 Mbit/s

Über LTE und Wi-Fi bereits mögliche Internetgeschwindigkeiten genügen also sogar für das Streamen von 8K-Filmen. Die ersten 8K-Fernseher kommen gerade auf den Markt und die Online-Technik ist bereits für entsprechende Inhalte gerüstet. Die verfügbaren Bandbreiten reichen auch für das Games-Streaming in 4K HDR aus – allerdings ist dazu noch mehr zu sagen, siehe unten.

LG-8K-OLED fullscreen
Selbst für 8K-Streaming auf TVs wie den LG Signature OLED 8K ist das Internet bereits schnell genug.

Bei manchen schon gebräuchlichen Technologien wird es durch das schnelle Internet zumindest Verbesserungen geben. So werden etwa moderne Computerspiele immer größer. "Assassin's Creed: Odyssey" umfasst zum Beispiel fast 50 GB, die auf die Festplatte heruntergeladen werden möchten. Selbst mit einer Internetgeschwindigkeit von 100 MBit/s dauert das über eine Stunde. Mit der Gigabit-Geschwindigkeit von 1.000 Mbit/s werden sechs Minuten und 40 Sekunden daraus. Wer Spiele möglichst schnell nach dem Kauf zocken möchte, profitiert also von schnellem Internet.

Das können 5G und Wi-Fi 6

So schnell sind 5G und Wi-Fi 6

5G erreicht theoretisch Datenraten von bis zu 10 GBit/s. Ein weiterer Vorteil sind geringe Latenzzeiten von unter 1 bis 2 Millisekunden, was zum Beispiel flüssiges Online-Gaming begünstigt. 5G-Mobilfunkgeräte sind in Echtzeit gleichzeitig ansprechbar.

Wi-Fi 6 entspricht dem WLAN-Standard 802.11ax. Im Gegensatz zu 5G handelt es sich um eine evolutionäre Neuerung mit Verbesserungen bereits bestehender Technik. So funkt Wi-Fi 6 weiterhin im 2,4- und 5-GHz-Bereich wie Wi-Fi 5. Die hauptsächliche Verbesserung besteht darin, dass mehrere Nutzer im selben Netzwerk mit höherer Geschwindigkeit surfen können, da die Lasten besser verteilt werden. Theoretisch können Daten mit bis zu 11 GBit/s übertragen werden, die ersten Wi-Fi-6-Router erreichen aber "nur" 2,4 GBit/s.

Die wahre Bedeutung von 5G und schnellerem Wi-Fi liegt in Anwendungen, die ihre Karriere gerade starten oder die noch Zukunftsmusik sind. Dazu zählen unter anderem Virtual Reality, Augmented Reality, Games-Streaming, autonomes Fahren und Smart Cities.

Virtual und Augmented Reality: Zwei Displays brauchen mehr Speed

Hololens 11 fullscreen
Augmented Reality erfordert eine sehr schnelle Internetverbindung.

Das Streamen von Inhalten auf VR-Brillen erfordert eine höhere Bandbreite, da gleich zwei hochauflösende Displays beliefert werden müssen. So benötigt ein VR-Videostream in 720p-Auflösung laut Charles Cheevers, CTO des Telekommunikationsunternehmens ARRIS (via VentureBeat), mindestens eine 50 MBit/s-Verbindung. Derweil brauchst Du für einen 4K-Videostream in VR laut Cheevers eine Verbindung mit 500 MBit/s.

VR-Brillen lösen immer höher auf, noch im Jahr 2019 soll die 8K-Brille (für jedes Auge 4K) Pimax 8K X auf den Markt kommen. Sofern Inhalte wie Videos und Spiele darauf gestreamt werden, ist schnelles Internet also Pflicht. Das gilt für Augmented Reality umso mehr. Da AR digitale Inhalte in die reale Welt einblendet, müssen AR und die Realität bestenfalls synchron ablaufen. Das erfordert laut Mushroom Networks mindestens eine Bandbreite von 100 MBit/s. Und mit höher aufgelösten Inhalten steigt die erforderliche Geschwindigkeit. Wichtig für VR und AR ist aber auch die geringere Latenz von 5G, die zu einer direkteren Umsetzung von Eingabebefehlen auf dem Bildschirm beiträgt.

Games-Streaming: Mit geringem Internet-Lag

google-stadia-devices fullscreen
Games-Streaming-Systeme für Google Stadia könnten von einem geringeren Internet-Lag profitieren.

Wie oben erläutert genügen für das Games-Streaming grundsätzlich bestehende Bandbreiten. Für 4K HDR via Google Stadia ist laut Anbieter eine 35-MBit/s-Verbindung ausreichend. Allerdings gab es bei einigen Tests Performance-Probleme aufgrund des Internet-Lags. Bisherige Stadia-Vorabtests der Hardware-Spezialisten von Digital Foundry ergaben vor allem Probleme mit der Bildqualität wie Artefakte, während die Eingabeverzögerung als geringeres Problem genannt wird.

Beim letzten Stadia-Test von "Doom Eternal" im Juni auf der E3 2019 sagte John Linneman von Digital Foundry zum Beispiel: "Was mich nicht beeindruckt hat, sind die generelle Performance und die Bildqualität. Es gab eine Menge Stottern und Überspringen von Frames, was nicht der Fehler der Game-Engine zu sein schien, sondern es war einfach Internet-Lag, und das ist die ganze Zeit über passiert."

Genau diesem Internet-Lag kann 5G entgegenwirken. Es ist schwierig, dies in genauen Zahlen anzugeben, da mehrere Faktoren hineinspielen, aber im Vergleich zur aktuellen Technologien müsste sich der Internet-Lag mit 5G deutlich reduzieren lassen – die ersten Tests werden es zeigen.

Autonomes Fahren: Höhere Sicherheit

autonomes Fahren fullscreen
Autonome Fahrzeuge könnten mit 5G in Echtzeit kommunizieren und so Unfälle vermeiden.

Mit 5G verbundene autonome Autos könnten in Echtzeit ihre Sensordaten abgleichen – und das hilft unter anderem dabei, Unfälle zu vermeiden. So werden Wetter, Straßenlage, Hindernisse und sich bewegende Objekte schneller erkannt. Die Autos teilen sich gegenseitig ihre Position mit und warnen etwa, wenn für Rettungswagen Platz geschaffen werden muss.

Autonome Fahrzeuge könnten also von 5G profitieren, wobei zu bedenken ist, dass viele Landstraßen eher keinen passenden Sendemast in der Nähe besitzen dürften. Zumindest die Sicherheit in den viel befahrenen Städten könnte so aber steigen.

Smart Homes und Smart Cities: Alles in Echtzeit verbunden

In Zukunft wird es voraussichtlich immer mehr Smart-Home-Geräte geben. Smart Homes profitieren von Wi-Fi-6, weil damit die Verteilung der Bandbreite auf mehrere Geräte besser funktioniert. Wenn alles von Smartphone, PC, Fernseher bis hin zu Kühlschrank, Thermostat, Türklingel und Rasenmäher mit dem WLAN verbunden ist, wird ein stabiles Netz mit gut geregelter Lastenverteilung  umso wichtiger.

"Smart Cities" ist ein weiter Begriff, da mit dem Konzept verschiedene politische Ziele verfolgt werden. Die Grundidee ist eine technologische Vernetzung verschiedener Geräte und Systeme im Zusammenhang mit der Stadtplanung. Dazu zählen etwa autonome Fahrzeuge, Erste-Hilfe-Drohnen, intelligente Stromnetze, unter Umständen auch Überwachungskameras - und sensoren. Aufgrund der hohen Bandbreite und der geringen Latenz bieten sich 5G-Netze für Smart Cities besonders an.

Smart City fullscreen
In Smart Cities geht auch die Infrastruktur online.

Zum Beispiel könnten Sensoren Informationen von Straßen und Kreuzungen sammeln und darauf aufbauend würden Ampeln so schalten, dass Staus möglichst vermieden werden. Die Ampeln könnten auch so eingestellt werden, dass Krankenwagen und Polizeiautos möglichst schnell ihren Einsatzort erreichen. Öffentliche Verkehrsmittel wie S- und U-Bahnen ließen sich besser an den Bedarf anpassen.

Fazit: Superschnelles Internet ist für zukünftige Anwendungen

Für die meisten der aktuellen Anwendungen genügen die Bandbreiten von Wi-Fi 5 und 4G LTE. Vor allem Online-Gamer werden aber vom geringeren Input-Lag von 5G profitieren und die wachsenden Games lassen sich mit einer schnelleren Internetverbindung auch rasanter auf die Festplatte herunterladen. Die zunehmenden Geräte im Smart Home können durch Wi-Fi 6 besser verwaltet werden.

In erster Linie dient das schnellere Internet, insbesondere durch 5G, aber für zukünftige Anwendungen. Zu erwähnen sind hier vor allem Virtual Reality, Augmented Reality, Games-Streaming, autonomes Fahren und Smart Cities.

Kommentar schreiben
Relevante Themen:

Neueste Artikel zum Thema 5G

close
Bitte Suchbegriff eingeben