YouTube Kids: Das bietet die Video-App für Kinder

YouTube Kids bietet leider nicht nur kindgerechte Inhalte.
YouTube Kids bietet leider nicht nur kindgerechte Inhalte. (©Getty Images/Uwe Krejci 2018)
Andreas Müller Hat im vergangenen Jahr so viele Smartphones getestet, dass er einen Orden verdient hätte.

Die App YouTube Kids richtet sich an Kinder im Vor- und Grundschulalter. Sie verspricht kostenlose Videos auf Deutsch, die für Kinder geeignet sind, und gibt den Eltern ein gewisses Maß an Kontrolle in die Hand. Sie hat aber große Schwächen und birgt Risiken.

YouTube Kids bietet kostenlose Streaming-Videos für Kinder, die aus dem normalen YouTube-Angebot ausgewählt werden. Die Eltern können entscheiden, ob die Videos für Kinder im Vorschulalter oder im Schulalter geeignet sein sollen. Außerdem können sie die Suche in der App für Android-Smartphones und iPhones abschalten. Dann sind die Kinder nicht mehr in der Lage, eigenständig nach Videos zu suchen und auf die Empfehlungen angewiesen, welche die App anzeigt. Eine letzte Option für die Eltern ist die Einschränkung der Nutzungszeit mit Hilfe eines Timers.

App empfiehlt fremdsprachige Videos

Die Empfehlungen sind Ergebnis einer Mischung aus algorithmischer Filterung, Nutzereingabe und manueller Bewertung. Google hat also keine Redaktion damit beauftragt, sich um die Empfehlungen zu kümmern. Das merkt man auch. Hier sind einige der Videos, die uns in unserem Kurztest empfohlen wurden: "TRT Cocuk / Doru (Yilki Ati) / 15. Bölüm", "Marta Mowi po Polsku", "La planete des alphas part 1.mp4", "La Magie de Cristal". Es handelt sich um Zeichentrick-Clips verschiedenster Art und in unterschiedlichsten Sprachen. Es gibt keine Möglichkeit, die Empfehlungen und die Suche auf deutsche Videos zu begrenzen.

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Fremdsprachige Videos erscheinen neben deutschsprachigen Clips.

Auch hochwertige Kindersendungen vorhanden

Immerhin werden unter "Serien", "Musik", "Lernen" und "Erkunden" einige offenbar von Menschenhand ausgewählte Kanäle mit Kinderclips empfohlen. Dazu zählen unter anderem das "SWR Kindernetz", die "Bibliothek der Sachgeschichten", "The Voice Kids", "Maggie & Bianca: Fashion Friends" sowie "Bibi & Tina TV". Kinder finden hier durchaus hochwertige und für sie geeignete Inhalte.

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YouTube Kids bietet auch hochwertige Inhalte für Kinder.

Insgesamt wirken die in YouTube Kids enthaltenen Videos allerdings willkürlich ausgewählt. So entdecken die Nutzer in der App die "Sendung mit der Maus" neben einem Games-Ratgeber und "Bob, die Bahn – Besuch im Militärlager". Dazu kommen schlecht gemachte Animationsvideos wie "Cursed Pony Magic: Rainbow Dash", Kochshows und ein Clip namens "Schokolade und Cupcakes  aus Blut – ist das genießbar?"

Verstörende Inhalte mit Erwachsenen-Themen

Dann wären da noch die vielen Videos mit Erwachsenen-Thematik, die mit Puppen oder schlechten Animationen für Kinder aufbereitet werden. Zum Beispiel "Elsa im Fress Flash - Ken bemerkt Schwangerschaft I Hat das Baby auch eine Glatze? Story deutsch", das 416.000 Aufrufe für sich verbuchen kann. Suchen die Kleinen nach "military", finden sie unter anderem einen Ratgeber, welcher Teilstreitkraft sie am besten beitreten sollen – der Luftwaffe, der Marine oder den Bodentruppen: "What Military Branch Should You Join? I Boot Camp".

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Viele an Kinder gerichtete Videos behandeln Erwachsenen-Themen – und nicht gerade auf eine pädagogisch wertvolle Art.

Einschränkungen für Werbung

Werbung für Videos mit Altersbeschränkung, für Lebensmittel, für Beauty- und Fitness-Produkte sind auf YouTube Kids ebenso unzulässig wie politische oder religiöse Werbeanzeigen. Unangemessene Videos können die Eltern melden und sie werden dann nach einer Prüfung unter Umständen entfernt. Grundsätzlich wird allerdings bezahlte Werbung in den Videos eingeblendet, wenn auch ohne Weiterleitung zu den Produkten. So finanziert Google die kostenlose App. Allerdings können Nutzer verdeckte Werbeclips hochladen, ohne sie richtig zu kennzeichnen. Es kann dauern, bis so etwas auffliegt oder überprüft ist.

Fazit: Kinder nicht ohne Beaufsichtigung nutzen lassen

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Sogar der Begriff "witzig" führt zu keinen Suchergebnissen mehr – wohl, weil er von den Produzenten unangemessener Videos missbraucht wird.

YouTube Kids ist im Vergleich zum normalen YouTube besser für Kinder geeignet. Allerdings werden fremdsprachige Inhalte neben deutschen angezeigt und am bedenklichsten sind die zahlreichen Clips mit erwachsener Thematik, die für Kinder aufbereitet wurden. Die Produzenten dieser überaus fragwürdigen Videos nutzen den YouTube-Algorithmus, um so Werbegelder einzustreichen. Eltern sollten unbedingt die Suchfunktion deaktivieren und prüfen, was ihre Kleinen auf YouTube Kids ansehen.

Zusammenfassung

  1. YouTube Kids ist eine App mit YouTube-Clips für Kinder
  2. Die Eltern können die Video-Suche abschalten
  3. Außerdem lässt sich die Nutzungszeit festlegen
  4. Fremdsprachige Videos werden neben deutschen Clips angezeigt
  5. Die Festlegung auf eine Sprache ist nicht möglich
  6. Es gibt einige hochwertige Kanäle mit Kindersendungen
  7. Viele unangemessene Clips mit Erwachsenen-Thematik sind aber ebenso vorhanden
  8. Für Werbung gibt es viele Einschränkungen
  9. Kinder sollten die App nicht ohne Beaufsichtigung nutzen
Andreas Müller Hat im vergangenen Jahr so viele Smartphones getestet, dass er einen Orden verdient hätte.
Das sagt Andreas:
Ich würde Kinder ohne persönliche Betreuung YouTube Kids eher nicht nutzen lassen. Was sollen die Kleinen, die gerade Deutsch lernen, mit polnischen und russischen Kindersendungen anfangen?

Bei dem Chaos aus unterschiedlichsten Videos in YouTube Kids, die größtenteils nicht für Kinder gemacht wurden, bekommen die Kinder kaum den besten Eindruck von der Welt da draußen. Dazu kommen verstörende Clips mit Erwachsenen-Themen wie Schwangerschaft, die sich gezielt an die Kids richten. Es ist schön, dass Google etwas tut, um YouTube für Kinder geeigneter zu machen. Eine automatische Auswahl von Inhalten durch einen Computer-Algorithmus reicht dafür aber nicht aus. Die wichtigsten Lektionen lehrt die App die Eltern: Kostenlos hat seinen Preis. Und: Betreue Deine Kinder, statt sie vor einer Smartphone-App zu parken.
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