menu

Honor 9 im Test: Nur schöner Schein oder echte Innovationen?

Honor 9
Das Honor 9 kann mit einem guten Design glänzen.

Auf einer großen Pressekonferenz in Berlin hat der chinesische Hersteller Honor am Dienstag die europäische Version seines neuen Smartphone-Modells Honor 9 der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dem Design des Gerätes will Honor auch optische Glanzlichter setzen. Im Test klären wir, ob das Handy mehr bietet, als nur schönen Schein.

Schön ist das Honor 9 wirklich, besonders die aufwendig gearbeitete Rückseite glänzt im Licht und erzeugt nette räumliche Effekte. Auf der Rückseite findet sich ebenso Glas wie auch auf der Frontseite. Das gesamte Gerät ist dadurch sehr glatt, was auch dazu führen dürfte, dass es manchen Absturz gibt, weil es dem Besitzer einfach aus der Hand rutscht. Die Verarbeitung mit dem umlaufenden Aluminiumrahmen und den völlig flachen Kameralinsen wirkt wieder einmal, wie etwa schon beim Honor 8 Pro, extrem hochwertig. Ansonsten erinnert das Honor 9 sehr an die anderen Marktführer, darunter etwa auch an das iPhone 7, vor allem auch wegen der seitlichen Antennenstreifen.

Design und Display: Edles Gehäuse, scharfer Screen

Für den Schutz der Rückseite hat Honor, eine Tochter des großen chinesischen Herstellers Huawei, dem neuen Smartphone übrigens eine Hülle aus Plastik beigelegt. Die wirkt zwar nicht besonders stabil, ist aber sehr durchsichtig und sollte für den ersten Einsatz völlig ausreichen. Einen klaren und für Honor mittlerweile schon fast traditionellen Nachteil hat das schicke Gehäuse aber doch: Wie auch beim Vorgänger haben die Chinesen es nicht geschafft, das Gerät wasserdicht zu machen. Sieht so aus, als sei das einer der Punkte, an denen der Rotstift angesetzt wird, um den Preis niedrig und damit konkurrenzfähig zu bekommen.

Was die technischen Details betrifft, setzt Honor auf Bewährtes. Das Display hat 5,15 Zoll und eine HD-Auflösung mit 1920 x 1080 Bildpunkten. Die Pixeldichte liegt bei 428 PPI und damit höher als bei iPhone 7, aber unterhalb der aktuellen Samsung-Modelle. Der Bildschirm wirkt jedenfalls sehr klar und auf der höchsten Stufe auch ziemlich hell. Die Farben und Kontraste wirken gut und stimmig, auch im Vergleich mit anderen Smartphones.

Honor 9 fullscreen
Die Rückseite des Honor 9 zeigt schöne Reflexionen ...
Honor 9 fullscreen
... und es wird eine Plastikhülle mitgeliefert.
Honor 9 fullscreen
Ansonsten macht das Honor 9 einen optisch guten Eindruck ...
Honor 9 fullscreen
... wenn auch die Innovationen fehlen.
Honor 9
Honor 9
Honor 9
Honor 9

Performance: Der Kirin-960-Prozessor

Unter der Haube sitzt der von der Huawei-Tochterfirma HiSilicon entwickelte Kirin 960. Der Achtkern-Prozessor ist zwar das schnellste Pferd im Huawei-Stall, sitzt aber schon im Huawei Mate 9 und im Huawei P10 und eben auch im Honor 8 Pro. Das sind alles keine schlechten oder langsamen Geräte, aber wirklich taufrisch ist der Chip eben nicht und ein damit ausgestattetes Smartphone auch keine ausgesprochene Innovation. In Tests haben sich zwar der Snapdragon 835 beziehungsweise der Exynos 8895, die etwa das Samsung Galaxy S8 antreiben, als schneller erwiesen – was aber den Honor-Chef George Zhao auf der Bühne in Berlin davon nicht abhielt, beide Geräte zu vergleichen. Und klar: Beim Öffnen von allerlei Apps war das Honor 9 in Berlin immer schneller als das fast doppelt so teure Samsung-Flaggschiff.

Wir haben das einmal mit den beiden wichtigsten Benchmark-Tests nachvollzogen: Bei AnTuTu kommt das Honor 9 auf gut 145.000 Punkte. Ein hoher Wert, aber das Galaxy S8 schafft hier immerhin weit über 172.000 Punkte und schneidet vor allem in Sachen 3D-Leistung klar besser ab. Das macht sich beim Spielen unter Umständen deutlich bemerkbar. Bei Geekbench ein vergleichbares Bild: Das Galaxy S8 schafft hier 1986/6650 Punkte, das Honor 9 dagegen kommt auf 1850/6391. Ein Vergleich mit dem LG G6, in dem der ein Jahr alte  Snapdragon 821 arbeitet, beweist es dann: In Sachen Prozessor ist bei Huawei und dem Ableger Honor etwas die Zeit stehen geblieben. Das LG G6 liegt bei AnTuTu mit 123.026 Punkten unter dem Honor 9, etwa ebenso weit entfernt wie das Galaxy S8 vom schwächeren Honor 9. Dessen Rechenkern ist zwar schnell, aber spielt eben nicht mehr in der höchsten Liga – wo die Geräte natürlich auch deutlich teurer sind. Insofern bietet der Kirin 960 also noch jede Menge Rechenpower fürs Geld.

Benchmark Honor Geekbench fullscreen
Der Benchmark-Vergleich mit AnTuTu und ...
Benchmark Honor Geekbench fullscreen
... mit Geekbench.
Benchmark Honor Geekbench
Benchmark Honor Geekbench

Akku: Diesmal keine Monsterbatterie

Ansonsten sind die technischen Details durchaus im Rahmen des Üblichen: 4  GB RAM und 64 GB interner Speicher. Der lässt sich nach wie vor per microSD-Karte um bis zu 256 GB erweitern. Der Akku hat eine Kapazität von 3200 mAh und liegt damit deutlich unter der Monsterbatterie etwa des Honor 8 Pro, die satte 4000 mAh aufweist. Nicht wirklich neu ist auch das Betriebssystem: Das Honor 9 kommt mit Android 7.0 Nougat und der Huawei-Erweiterung EMUI 5.1 – aber das steckte auch schon im Honor 8 Pro. Generell ist die Huawei-Version von Android optisch attraktiv und leicht bedienbar, schön sind auch die mitgelieferten Themes, mit denen man sich per Download viele optische Variationen für die Oberfläche aus dem Internet laden kann.

Die Kamera: Gute Fotos auch bei schlechtem Licht

Honor 9 Bokeh fullscreen
Hier kann man auf dem rechten Bild die Wirkung des eingebauten Bokeh-Effekts sehen: Der Hintergrund wird unscharf.

Auf der Pressekonferenz hatte der Honor-Chef vor allem die fotografischen Qualitäten des Geräts gelobt. Das neue Honor 9 soll besonders bei schlechten Lichtverhältnissen gute Bilder abliefern können. Wir können das durchaus bestätigen, aber auch das Kamerasetting mit der Doppellinse ist nicht neu: Eine Monochrom-Linse mit 20 Megapixeln und eine Farboptik mit 12 Megapixeln. Fotos kann das Gerät also eigentlich machen. Aus etwas unerfindlichen Gründen waren im Test die Aufnahmen einer ersten Fototour aber komplett verschwunden. Davor und danach gemachte Bilder hat das Honor 9 artig gespeichert, nur die ersten Fotos waren alle verschwunden. Ob es sich um einen Fehler im Gerät handelt, lässt sich schwer sagen, einen Bedienungsfehler kann man eigentlich ausschließen. Bei der nächsten Tour war uns dann mehr Erfolg beschieden, und die Bilder bestätigen die gute Qualität der Kamera auch in schwierigen Lichtsituationen.

Honor 9 fullscreen
Aufnahmen im Makrobereich machen einen guten Eindruck, ebenso ...
Honor 9 fullscreen
... wie die Totale.
Honor 9 fullscreen
Zaungäste als Motive ...
Honor 9 fullscreen
... und ein sportlicher Ausflug ...
Honor 9 fullscreen
... reizen zum plötzlichen Höhenflug ...
Honor 9 fullscreen
... und das Honor 9 macht prima Bilder.
Honor 9 fullscreen
Auf den Bildern lassen sich viele Details erkennen ...
Honor 9 fullscreen
... und die Farben sind frisch und natürlich.
Honor 9
Honor 9
Honor 9
Honor 9
Honor 9
Honor 9
Honor 9
Honor 9

Honor 9: Im Alltag läuft alles rund

In der alltäglichen Nutzung macht das Honor 9 einen runden Eindruck. Apps werden ohne Verzögerung geöffnet und auch grafisch aufwendige Spiele laufen ruckelfrei. Der Akku hält einen Tag locker durch und der Fingerabdrucksensor arbeitet schnell und präzise. Es irritiert etwas, dass der Sensor unter dem Display keine richtige Homebutton-Funktion hat, denn das Handy lässt sich damit nicht aufwecken, da eine mechanische Tastfunktion fehlt. Wie schon erwähnt, ist das Gerät zudem extrem rutschig und gleitet auf glatten Oberflächen teils wie von Geisterhand. In Sachen Gehäusefarbe gibt es die übliche Silbervariante und ein sattes Blau. Mitgeliefert wird nur ein Ladegerät plus USB-C-Kabel, Kopfhörer müssen separat gekauft werden, Honor stellte in Berlin ein Modell des Herstellers Monster vor, mit dem das Unternehmen zusammenarbeitet.

Honor 9 fullscreen
Die Kameralinsen beim Honor 9 sind ganz flach, ...
Honor 9 fullscreen
... ansonsten erinnert das Gerät an ein iPhone 7, ...
Honor 9 fullscreen
... wenn auch der Homebutton anders aussieht und funktioniert.
Honor 9 fullscreen
An der Unterkante sieht es aufgeräumt aus ...
Honor 9 fullscreen
... ebenso an der Oberseite, und ...
Honor 9 fullscreen
... an der Seite sieht man die Antennenstreifen.
Honor 9
Honor 9
Honor 9
Honor 9
Honor 9
Honor 9

Fazit: Solide, aber ohne besondere Innovationen

Wer vom Honor 9 einen technischen Quantensprung erwartet hat, könnte enttäuscht sein. Das neue Modell der Huawei-Tochter hat nur Technik an Bord, die schon länger im Einsatz ist. Der Preis von knapp 430 Euro – auf der Pressekonferenz wurden aus unerfindlichen Gründen 449 Euro genannt – ist jetzt keine Kampfansage, geht aber absolut in Ordnung. Man bekommt dafür ein mehr als solides, erstklassig verarbeitetes und absolut alltagstaugliches Gerät, das etwa mit einem Huawei P10 oder dem Vorgänger Honor 8 Pro locker mithalten kann, aber weniger kostet.

Honor 9
Honor 9
  • Datenblatt
  • Hardware und Software
  • Gerätetyp
    Smartphone
  • Betriebssystem
    Android 7.0 Nougat, EMUI 5.1
  • Release
    27. Juni 2017
  • Display-Größe
    5,15 Zoll
  • Preis
    429 Euro
  • Maße
    147,3mm x 70,9mm x 7,45mm
  • Gewicht
    155g
  • Display-Auflösung
    1920 x 1080 Pixel, 428 PPI
  • Prozessor
    HiSilicon Kirin 960
  • Arbeitsspeicher
    4 GB RAM
  • Akku
    3200 mAh
  • SIM-Karten-Format
    Nano-SIM
  • Anschlüsse und Steckplätze
    USB-Typ-C, 3,5-mm Stereo-Audioanschluss
  • Verbindungen
    WLAN, LTE, Bluetooth, NFC, GPS, GSM
  • Rückkamera
    Doppellinse mit 20 MP (monochrom) und 12 MP (farbig)
  • Frontkamera
    8 MP
  • Besondere Merkmale
    Dual-Kamera, eingebaute Infrarot-Fernbedienung
TURN ON Score:
3,7von 5
  • Akkuleistung
    3,5
  • Energieverbrauch
    3,5
  • Design
    4,5
  • Handling
    3,5
  • Preis-Leistung
    4,0
  • Nutzerzufriedenheit
    4,0
  • Ausstattung
    2,5
Kommentar schreiben
Relevante Themen:

Neueste Artikel zum Thema Honor 9

close
Bitte Suchbegriff eingeben